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Der Israelit · 1931-10-29 · Heft 44 (29.10.1931) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 44 (29.10.1931)
Date
1931-10-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 2 Pr. 20 . - Schriftleitung > über die „Weite" -dexdeutschen/ Agudo, Sind wir-dMN ein-Kegelklub?!! Sieht denn die:deutsche Agudo nicht, wie traurig/eben diese:-^Weitelr ist?: Wie,, wozu sollen,iwir-denn eine -Jugend zmn Ägudtsmus ,erziehen, wenn man in der deutschen-Ägudo so wenig Einheitliche Linie und Geschlossenheit sieht?! . Es ist außerordentlich erfreulich, daß' gerade einiNal. einer unserer jüngeren Freunde, Edgar Stern, das Wort ergriffen hat. Hört denn die deutsche Agudo den Ruf ihrer Jugend nicht? Der Vertreter der Gemeindeorthodoxie im Landesvorstand hat vor einigen Wochen dort erklärt, eine Werbearbeit, für Agudas Jisroel in der Gemeindeorthodoxie f e i v ö l l i g aussichtslos. Wo : liegt eigentlich der Unterschied, den unsere Leitung hier zwischeü sich und dem Misrachi zieht? Jedermann wird -an der' Gesetzestreue eines Misrachisten, was,dessen Person anbetrisst, nicht zweifeln können; man verurteilt eben nur seine Stellung in seiner Gemeinschaft, der zionistischen Organisation. Die Führer der deutschen Agudo stehen mit,,einer einzigen Ausnahme, was ihre P e r s o n anbetrifft, alle auf dem Standpunkt, daß eine Gemeinde, die sich nicht auf der Grundlage der n™ organisiert, . schlechterdings keine Gemeinde ist. Warum bringen sie nicht dieselbe Konsequenz des Prinzips auf, wenn es. sich um Fragen ihrer Gemeinschaft handelt, warum . begehen sie denselben Fehler, den sie den Misrachisten oorwerfen? Kann man, denn Leute, die über die Wesensart der jüdischen Gemeinschaft, des Klall Jisroel, so grundverschiedener ^Ansicht sind, wie sie/die agudistische' Idee proklamiert, an die Spitze des, in. der.Agudo organisierten Klall Jisroel stellen?! Hat es sich doch gezeigt, daß der Gedanke der selbständigen Orthodoxie im agudist!schon Kreise „eine soziale Macht im Großen, ein gemeinschaftsbildende^ und daher ins Rechtsbewußtsein auch nur einer Mehrheit übergegangener Faktor ist." .(Pgl. Rosephftw, •’bnx II. S. 179)! Warum scherst man sich vor konsequentem Handeln? . Die agudistlsche Jugend ruft wieder und wieder nach „Klarheit". Mögen die Führer diesen Ruf vernehmen und nicht zu leicht nehmen! Die agudistische Jugend wird a rb e i t e n und — warten. II. Gerechtigkeit. Von Saly Geis in Tel-Awiw. Unter der Rubrik „Aus der gesetzestreuen Jugendbewegung" bringt diese Zeitung (24. Sept.) Ausführungen eines „jungen" Agudisten. Der Zionismus — gemeint ist die Zionistische Organisation — wird genannt: „Eine Organisation von jüdischen G'ttesempörern!" „Eine organisierte Rebellion gegen die Thora!" Und weiter heißt es: „Hunderttaüsende von Juden haben sich im Zionismus organisiert, um das Recht G'ttes zu stürzen." „Die Hunderttausende von jüdischen Seelen in der ganzen Welt, die dem zionistischen Treiben zum Opfer gefallen sind, die schmähliche Verschändung unseres Heiligen Landes durch die zionistische Tumoh, die Verseuchung der großen jüdischen Massen des Ostens mit dem schlimmsten „Apikorsus": all das kommt auf die Rechnung des Zionismus, all das ist nimmer wieder gutzumachen. Wer G'tt und seine Thora lieb hat, der kann nichts übrig haben für eine derartige grauenhafte G'tteslästerung, wie sie bisher noch nie im jüdischen Volke dagewesen war." Von den Schulen des Misrachi wird gesagt: „Sie mögen alle Vorzüge haben, nur die nicht, worauf es in erster Reihe ankommt, ihre Schüler und Schülerinnen zu wahrhaft echten, von der Heiligkeit ihrer Lebensbestimmung überzeugten! Jehudim zu erziehen." Seit waNn ist'.e'ö Sitte/ daß' die Jugend / vor der, Oessentlichkeit Urteile, fällt und, dazu in apodiktischer Prägung? / An der Spitze der 'ägudistischen Bewegung stehen gereifte, an Erfahrung und jüdischem Wissen reiche Männer, deren Aufgabe es ist, sich über die Erscheinungen und Probleme des jüdischen Lebens vor der Oefsentlichkeit zu äußern. Sache der Jugend ist es, sich erst Wissen und Erfahrung zu erwerben. Welche verletzenden und herausfordernden Uebertreibungen und Unwahrheiten entstehen, wenn die Jugend die ihr geziemenden Grenzen überschreitet, zeigen zur Genüge die oben angeführten Zitate. Ich, der ich seit einer Reihe von Jahren in Palästina wohne, beurteile die Resultate der modernen zionistischen Bewegung sehr kritisch, und' ich bin überzeugt, das: Minus hätte nicht diesen Grad erreicht,: wenn diese Bewegung sich mit dem jüdischen Volke, das untrennbar von seinen auf dem Sinaigesetz basierenden Traditionen ist, verbunden hätte. Trotzdem muß ich folgende Tatsachen anerkennen: Zum Zionismus haÄEn sich auch eine Anzahl Juden gefunden, die religiös empfinden und g'ttgläubig sind, aber das religiöse Judentum nicht kennen. Dieser Typ gehört dem Westen an. Andere wiederum — das sind solche aus dem Osten — hatten ibre große jüdische Tradition der Kultur ihrer nichtjüdischen' Umwelt geopfert; da aber in ihnen doch noch zu viel Jüdisches lebte, so suchte dieses Jüdische nach einer Betätigungsmöglichkeit, und diese bot die zionistische Bewegung. Auch unter diesen sind Atheisten nur eine Minderzahl, denn die Verwirklichung der zionistischen Ziele ist nur zu eri ... : - f D^e.rr Isis ricne I i t : B l M/t K e r hoffen, wenn. man -g'ttglänhig M / Nicht utnsonstbekämp-: den ,die Kommunisten die zionistische Bewegung, lM-Me Bewegung '-'hät//aM"/diß. zröstistische: unklare KHpse, ' Existenzsuch'er,' stäih Ehre ursd -BfgiWng'S^-eh'e^de/'dürch^ Zufall. HmMhArsthlagene, sind Mess'find Hausitz' die größten SWdling^/jcoeik sie Mn< ihealsrr: Interessen binden. . Die. durch die zionistische Bewegung nach -Palästina eingewanderte Masse ist tatsächlich in ihrer Mehrheit vom Judentum der Thora sehr fern. Sie kann aber für die Thora gewonnen werden! Strebt sie doch nach einer jüdischen Zukunft und kennt nur den Schabbos und die Wischen.Feiertage ,als hie. Tage die der, Arbeit Emhqlt gerieten und/zur 'seelischen'Sammlung einläden; während außerhalb Palästinas ' die gliche Masse die christlichen)Ruhetage feiert und sich ihrer christlichen Umgebung immer mohx - anzügleichen sucht, / Durch dje selbstlose, unverdrossene Arbeit prinzipienftster; energischer und lebenserfahrener Orthodoxer litße sich viel erreichen. Der Misrachi hat bisher nur eins getan,: daß er durch, seine Schulen, an denen orthodoxe Lehrer unterrichten, tausende Kinder von' dem Besuche der allgemeinen zionistischen Schulen serngehalten hat. Die tNisrachistischett Schulen wpllen ihre/Zöglinge „zu' wahrhaft echt, von der Heiligkeit-ihrer Le'b'ensbestimmung überzeugten Jehudim erziehen," — und eine gegenteilige Be.hauptuW ist unwahr. •? ., Auch dem Gegner Gerechtigkeit ängedeihen zu,lassen, diese Forderung muß jeder beachten,' der.aus der öffentlichen Tribüne seine Stimme erheben 'WM. Das sollte auch der ,>jünge" > iAgudist beachten. : :' /; fil Die Orthodoxie wünscht von der Aguda-Jugend keine polemischen Artikel, sondern literarischen Niederschlag ihres eigenen Ringens nach immer reinerer und tieferer jüdischen Pflichterfüllung. Wie habe'ich mich zu erziehen, wie soll ich auf meine Freunde und Kameraden beispielgebend einwirken? Diese Frage ist die einzige/die ein junger Agudist zu beantworten hat. Weg und Ziel der Agudas Jisroel. Von Jacob Landau in Frankfurt a. Ul. I. Die vorigen „Blätter" brachten Aufsätze zweier jugendlicher Agudisten, die in Form und Tendenz so auffallend entgegengesetzter Natur sind, daß die Schriftleitung mit vollem Recht aus dieser Polarität die Weite der ägudistischen Front in Deutschland herleitet. Diese beiden Aussätze sind aber typisch für die geistige Verfassung der gesetzestreuen Jugend Deutschlands, die, im Kampfe um Sinn und Gehalt jüdischer Gemeinschaftsaufsassung nur Extreme kennt und' von der Wahrheit in der Mitte nichts wissen will. Die Wahrheit in der Mitte, die aus einer tiefen Einsicht in die Notwendigkeit eines Jneinandergreifens von Idee und Wirklichkeit hervorleuchtet, ist für die Jugend nichts anderes als Kompromiß und Halbheit. Kompromiß und Halbheit ist für sie überhaupt all das, was nicht mit eindeutigen Schlagworten belegt werden kann. Diese Einstellung der Jugend muß nicht unbedingt in der psychologischen Haltung der heutigen Zeit ihren Ursprung haben, sie kann auch aus der religiösen SeelenstimmUng - eines jeden Menschen verstanden und'beurteilt werden. . Die: Logik des Denkens geht nichtimsner konjortn mit der Logik her Tatsachen,' und die ganz? Tragik der menschlichen Schwäche liegt in dieser Diskrepanz begründete Aus dieser ni?derhxückenden Diskrepanz.entstehen die verschieden^si; Extreme,, die entweder in der Logik des Denkens oder in der Logik der Tatsachen ihre Wurzel haben. Beide umgehen die Wahrheit, welche allen Schmähungen zum Trotz noch immer auf dem goldenen Wege der Mitte wandelt, freilich nicht als philiströse Tugend, sondern als bahnbrechende Erkenntnis der Totalität des Lebens. Wer des Wortes Diese von „Thora" als Weisung erfaßt hat, wird sich dieser Erkenntnis der Totalität des Lebens, wie sie hinwieder in „Thorat Chajim" ihren prägnanten Ausdruck erhalten hat, nicht verschließen können. Die Wahrheit läßt sich den Weg zum, Leben ebensowenig absperren, wie sie , auf die ideelle Kraft des logischen Denkens etwa verzichten kann. Jede Ideologie ist aber unwahr, wenn sie verurteilt ist, in.einer Sackgasse zu münden, wenn sie auf die Psychologie der Tatsachen um ihres Systems,willen nicht Einfluß nehmen kann. II. Von der Perspektive der P r a x i s aus gesehen, hat Mordechaiben Zwi nicht ganz unrecht, wenn er für eine einheitliche Arbeitsfront innerhalb der tho^afreuerr Jygendplädiert. -Seine 29/OkMeril931 * Ausführungen liegen-zümHroßen Deik in der^Logik .der'Tatsachen -dstzründet, die jedO/ideolbgischen -Fundierung abhold sind. Wenn män 'seine D'gdantengän'ge>ichis - ins letzte verfoWü'soersticht sich, daraus! notwendigerweise, daß isitmtliche^ge-- setzestreue Organisationen Nur der Praxis halber' daseinsberechtigt sind. Ihm ist es um die Wirklichkeit zu tun, die zu meistern alle Kräfte angespannt werden müssen. Er sieht die Wirklichkeit: MN Mächten der Zersetzung bedroht und fordert mit Recht, daß diesen'Mächten die heilige Kraft der Einigung entgegengesetzt wird. Die Einigung um der gefährdeten Praxis willen, die sich über politisch-ideologische Verschiedenheiten nötigen-' falls hinwegsetzen kann. In dieser Forderung ist: zweifelsohne ethisches Pathos zu verspüren, alleirr. indem sie . die, Logik des Denkens vermissen läßt,, ist sie vyn'Dornhexein zur Undurchsührbarkeit verurteilt.' /Die Praxis muß stäs legitime Kind d e r/J Ü e -e fein, sonst birgt sie in sich die Gefahr des'PerfMs. Die jüdische/Wirklichkeit hat sich im Laufe der. .Jahrtausende nicht ihres äußeren-.Erfolges chegeN, 'sondern.kra^t ihres historisch-idjeellen Gehaltes durchsegelt können. Pur das. lebendige Bewußtsein, von G'tt zum Träger der Menschheitszukünft auserkoren zu sein, gab dem jüdischen Volke die innere Kraft der Behauptung in allen Zeitläuften der, Geschichte. Wo dieses Bewußtsein geschwunden .'oder geschwächt war, fiÄ' das jüdische Leben der Entartung anheim-. Die lebendige Erhaltung dieses historischen/Bewußtseins ist für das jüdische Volk heute eine Lebensfrage wie noch nie zuvor. Die Säkulärisierungstendenzen innerhalb des jüdischen Volkes haben letztens Formen angenommen, die für den Thoracharakter der jüdischen Nation eine eminente Gefahr darstellen. Allem jüdischen Leben winkt die Gefahr des Vergehens, sobald es sich vom ideologischen ^Boden jüdischer Auserwähltheit entfernt hat. Durch die Zusammenfassung des thoratreuen jüdischen Volkes-in einem organischen Gebilde, das aus dem Prinzip der Thora als konstituierender Seele der jüdischen Nation aufgebaut ist, hat die Agudas Jisroel den historischen Boden bestellt, auf dem jüdische Wirklichkeit erst furchtbar gedeihen kann. Mit der Agudas Jisroel ist eine ideologische Basis für eine -adäquate Praxis errichtet worden, die eine Gewähr der Unvergänglichkeit in sich trägt. Aus diesen Darlegungen folgert mit zwingender Logik, daß j e d e p r a k t i s ch e T ä t i g k e i t, i n s o f e r n sie eine Einigung sämtlicher gesetzestreuen Gruppen herbeizuführ e n vermag, innerhalb der ägudistischen, Bewegung ergriffen werden muß. in. 3Venn man die Formulierungen von Edgar M. Stern auf ihre Wahrheit hin prüft, so kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, daß hier tritt der/'Logik des Denkens' zu vj-el Mißbrauchgetrieben wird. Eine derartige Ideologie ist vom jüdischen Standpunkt schon deswegen falsch, weil sie sich den Weg zur Wirklichkeit gänzlich verbaut. Sie verrennt sich in einer Sackgasse, von der sie nicht mehr los kann. Während Mordechai den Zwi eine Ideologie der Praxis aufstellt, huldigt Edgar M. Stern einer Ideologie;.b-er Jdeologie ioegen, ohne auf die Logik der Tatsachen einzugehen. Damit/beraubt er sich dev Möglichkeit, in die' Gestaltung der Wirklichkeit mit Erfolg einzugreifen. Er würfelt Menschen und Tatsachen, Ideen'und Motve-durcheinander, ohne die Zwangsläufigkeiten des Hebens richtig zu erkennen, wäs Boräussetzüng für eine steigende Einflußnahme auf die Psychologie der Tatsachen fein muß.' Mit Schlägworten ist hier nichts getan. Er vergißt nebenbei, daß Agudas Jisroel Nicht allein begründet worden ist, um für Die Sonderart des jüdischen Volkes ei/nzutret^n, sondern' auch für sie zu werbe n. Ihre Ideologie ist deshalb eine Ideologie für die Praxis. Um für G'tt und feine Thora zu werben, bedarf' es allerdings einer klaren Zielsetzung, aber der Weg muß über Menschen- und Tatsachenkenntnis - gehen, die im Leben fundiert sind. Abgesehen

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