Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1931)
- Date
- 1931-10-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450652-2450695--78324-2536023- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
‘Bfättev det CondcsouganifaHon dee flgudas-Jispoel in Deutftfiland. 7 Jahrgang Hamburg, 29. Oktober 1931 / 18. Marcheschwan 5692 Schriftleilung: Wolf S. Aacovsou in Kamöurg. Nummer 20 Landesorgavisalion der Agudas Zisroel in veutichland. An die Agudas Jisroel-Ortsgruppen. Sehr geehrte Herren! Die vor einiger Zeit nach Frankfurt a. Meinberufene Plenarsitzung des Landesvorstandes der deutschen AgudasJisroel hat sich eingehend mit der gegenwärtigen Lage der Agudas Jisroel in Deutschland beschäftigt und mit der Wirkung der augenblicklichen Notzeit auf das Leben in den einzelnen Gruppen. Mit Bedauern mußte festgestellt werden, daß sich die Wirtschaftslage nicht nur in materieller Hinsicht ausgewirkt hat, sondern daß auch die Arbeit auf geistigem Gebiet in vielen Gruppen gelitten hat. Im Gegensatz hierzu konnte erfreulicherweise berichtet werden, daß, wo unfern Anregungen gemäß Gruppentagungen stattfanden, diese über die Stunde hinaus auf alle Beteiligten von tiefer Wirkung waren. Somit richten wir an die größeren bezw. zentral gelegenen Ortsgruppen das dringende Ersuchen, soweit es noch nicht geschehen ist, allein oder gemeinsam mit benachbarten oder nahen Agudogruppen Zusammenkünfte zu veranstalten, damit in gemeinsamer Beratung und Vertiefung in unsere großen und überzeitlichen Ideen die Kraft und das rechte Verhältnis zu dem schweren Erleben der Gegenwart gefunden werden. Die Landesorganisation ist zwar gegenwärtig nicht in der Lage, diese Gruppentagungen wirtschaftlich zu unterstützen. Sie stellt aber auf Wunsch geeignete Programme, Referate, Richtlinien für diese, Diskussionsthemen usw. zur Verfügung. Warnen aber müssen wir unsere Gruppen, sich von der Not der Zeit ganz beherrschen zu lassen. Auch kann diese Notzeit ein Mittel werden, das Band zu festigen, das die Mitglieder einer.Gruppe umschließt. Die Not der Gegenwart trifft ja keineswegs alle mit gleicher Heftigkeit. Mögen die Mitglieder einer Gruppe neben der Hilfeleistung im engeren oder weiteren Kreis es als ihre besondere Aufgabe betrachten, sich gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die schlechten Eingänge zwingen uns, unser Mitteilungsblatt, die „Blätter", zunächst auf sechs Monate, nur vierwöchentlich erscheinen zu lassen. Wir bitten unsere Gruppen, bis an die Grenze des Möglichen um das Inkasso der Mitgliedsbeiträge und die schnellste Ueberweisung des der Landesorganisation zukommenden Anteils besorgt zu fein, damit wir dadurch in den Stand gesetzt werden, auch von der Zentrale aus durch Entsendung von Rednern usw. und. durch Herausgabe der' „Blätter" in kürzerer Folge an der - Wiederbelebung "der deutschen Ägudoarbeit aktiver Mitwirken zu können. " Die Frage einer Verschmelzung der Orts- und Jugendgruppen hat uns in unfern letzten Sitzungen lebhaft beschäftigt. Wir sind zu dem Ergebnis gelangt, daß. sie m gegenwärtiger Zeit der Ägudoarbeit in Deutschland nicht förderlich wäre. .Hingegen möchten wir dringend befürworten, daß die Orts- und Jugendgruppen durch wechselseitige Delegierung von Vorstehern zu engerer Arbeitsgemeinschaft gelangen. Dies Verfahren hat sich an mehreren Orten bewährt. Der frische Schwung der Jugendlichen wird die von der Tagesnot so sehr gepackten Aleteren mitreißen; andererseits werden die Aelteren jugendlichem Uebereifer hier und dort wirksam zu begegnen wissen. Vielleicht kann diese Umgruppierung gleichzeitig zu Vorstandsneuwahlen in den Ortsgruppen benutzt werden, unter besonderer Berücksichtigung der in den letzten Jahren von den Jugendin die Ortsgruppen Uebergefiedelten. Wir würden uns freuen, recht bald von Ihnen zu hören, mit welchen Arbeiten sich Ihre Gruppe im laufenden Wintersemester insbesondere zu beschäftigen plant und verbleiben mit verbindlichen Grüßen gan&esoiganifation der Agudas Jisroel in Deutschland Ob e rrab b in er Dr. S. Spitz er. Vorschlag eines neuen Programmes für die Agudas Zisroel Weltorganisation. Die Agudas Jisroel - Jugendgruppe E. V. Frankfurt a. M. schreibt uns: Die Gründung der Agudas Jisroel erfolgte, um der Auffassung vom Wesen des jüdischen Volkes, wie sie dem Programm der zionistischen Organisation zugrunde liegt, entgegenzutreten. Die Agudas Jisroel betonte dem Zionismus gegenüber, daß das jüdische Volk seine Aufgabe in der Verwirklichung des jüdischen Gesetzes zu erblicken habe. Die Agudas Jisroel erstrebt die „Lösung der jeweiligen Gesamtheitsaufgaben im Geiste der Thora", so lautet demgemäß der oberste Satz ihrer Verfassung, und man versteht darunter, daß die Agudas Jisroel bestrebt sein müsse, für Einrichtungen Sorge zu tragen, die geeignet sind, die möglichst umfassende Durchführung der Thora zu ermöglichen. Man ist aber noch nicht im gewünschten Maße zu der Erkenntnis vorgedrungen, daß die elementarste Aufgabe einer jüdischen Gemeinschaft darin zu bestehen habe, diejenigen Verhältnisse zu gestalten, die die Beziehung des E i n z e l m e n s ch e n zum jüdischen Gesetz grundlegend bestimmen. Wir erlauben uns daher, der agudistischen Oeffentlichkeit ein Programm vorzulegen^ das diese fundamentalste Forderung zur Grundlage hat. „Agudas Jisroel erstr ebt d ie G estaltung des gesamten Lebens des jüdischen Volkes im Sinne der Thora. ... fl( Gestaltung nach innen: 1. Darlegung des Zuganges zum Judentum. 2. Klärung der grundlegenden Erkenntnisse . .. des Judentums. 3. Systematische Erfassung des jüdischen Gesetzes. 4. Kenntnis der jüdischen Geschichte zur Würdigung der geschichtlichen Bedeutung des Judentums. 5. Auf Grund dieser Ergebnisse Stellungnahme zu den jeweiligen Zeitanschauungen. 6. Schaffung der dazu erforderlichen Bedingungen (Schulen, Literatur, Presse). Gestattung nach außen: 7. Stellungnahme zu den die Judenheit betreffenden politischen Fragen. a) Erez Jisroel-Politik: Schaffung eines jüdischen Gemeinwesens, errichtet auf Grundlage der Thora. b) Wirtschaftspolitik: Gestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Interesse der Erhaltung des thoratreuen Judentums. c) Sozialpolitik: Schaffung von günstigen sozialen Verhältnissen im Interesse der Erhaltung des thoratreuen Judentums. Wir gedenken in Kürze eine eingehende und umfassende Erläuterung und Begründung an gleicher Stelle zu veröffentlichen. Frankfurt a. M., Marcheschwan 5692. Nathan Engel Erich Kurzweil Naftali Nothmann. Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Frankfurt a. M., teilt gleichzeitig mit, daß sie einstimmig beschlossen hat, ihre künftige Arbeit so zu gestalten, als sei vorstehendes Programm offizielle Programm der Agudas Jisroel-Weltorganisation. Frankfurt a. M., Marcheschwan 5692. Der Vorstand der Agudas Jisroel-Jugendgruppe Frankfurt a. 2R. i. A.: Albert Loewenthal, Vorsitzender. Aus der gesehestreuen Jugendbewegung. I. Agudistische Zugend. Von Albert Loswenkhal in Frankfurt a. TU. Die Frankfurter agubiftifdje Jugend fyatte am 1. Sukkaustag, als sie die Synagoge verließ, ein symptomatisches Erlebnis. Es erschien da eine- Horde von Zionisten-Revisionisten, aus deren Gruppe sich der Führer des Brith Trumpeldor, Markus Schimmel, löste und auf die agudistischen Jungen zukam. Er fragte nach Edgar M. Stern, dem Verfasser des in der letzten Nummer veröffentlichten Artikels über „Zionismus, Misrachismus — und wir", erklärte diesem, er fühle sich durch die Aeußerungen Edgar Sterns über den Führer der Revisionisten persönlich verletzt, weshalb er sich veranlaßt sehe, zur Rettung der Ehre des Führers dem Verfasser Stern eine Ohrfeige zu versetzen. Sprachs und täte! Die treuen S.-A.-Leute eines Jabotinsky, d. h. hier Schimmel, waren hiermit aber in ihrer Ehre noch nicht genügend rehabilitiert und veranstalteten am Abend nochmals einen „Spaziergang", zwar nicht am Kurfürstendamm, aber doch in der Nähe, nämlich der Uhlandstraße, wo sie Edgar M. Stern mit großem Geschrei umzingelten usw.-Wir erzählen dieses Ereignis, weil darin die ganze trostlose Verhetzung sich wkderfpkegelt, die leider jetzt auch schon auf die Kreise der jüdisches Jugend überzugreifen droht. Die Revisionisten hätten ja keinen besseren Beweis über ihre Aehnlichkeit mit den Nazis erbringen können, als indem sie, Söhne des Volkes des Geistes, versuchen, politische Auseinandersetzungen mit der Faust auszutragen! Die agudistische Jugend fühlt sich durch diese Ohrfeige nicht verletzt und nicht beleidigt; solche Leute können uns nicht beleidigen! Wir bedauern aber aus tiefstem Herzen, daß so etwas in Kreisen der jüdischen Jugend möglich erscheint! Und nun Mordechai ben Zwi: Glaubst Du immer noch, daß es möglich ist, eine gemeinsame Basis der Arbeit mit Zionisten zu finden? Es erscheint uns müßig, die so falschen Voraussetzungen Deiner Vorschläge hier im einzelnen abzulehnen: sind diese Dinge doch so bekannt, daß man sich wundert, daß eine Schriftleitung der „Blätter" Deinen Artikel aufnimmt, ohne Dich auf Deine Jrrtümer aufzuklären. Aber etwas anderes gilt es hier festzustellen. Die Schristleitnng der „Blätter" hielt es für richtig, in ihrer letzten Nummer zwei Artikel aus Wng-agudistifchem Kreis u bringen, die sich so diametral gegenüber stehen, daß man es kaum glauben will, daß beide im agudistischen Kreis sich finden. Was sagt hierzu aber eine verehrt. Schristleitung?: „Das sollte die, welche über die „Enge" innerhalb der deutschen Agudo zu klagen lieben, zum Nachdenken, zur Revidierung vorgefaßter Meinungen .bestimmen." Wir glauben, daß diese Vorbemerkung alle Agudisten und nicht zuletzt Landesvorstand und Schriftleitung der „Blätter" zum. Nachdenken bestimmen sollte! Die agudistische Jugend steht starr ob der Freude einer