Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1931)
- Date
- 1931-10-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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\ L9! vM^r 1931 —jirrHiTT ■ i 1?! 1111rs======. i n 11 ■ ~ ■B^^i^g==s== ■■ NÜüdschr^Üe^- an die Ssftdtverordnetenversammlung ün-l £ti! Hirtw^!!aüf ein int Dielefeld i .einstimmig beschlossenes Schächtvftbot darauf Kii! drängest, , daß der Antrag den NtckioNaHzialisten unterstützt werde.; In der Zwischen-; z^tnistijödoch! in Bielefeld das Verbot zurückgezogen mP auch irn chHnglfchen Landtag bei- Schachtverbotsastftäg abgelehnt worden. Die Ansicht, daß das Schächtverbot. auf Grund der Wissenschaft jeder Berechtigung entbehrt und auch wirtschaftlich nur hemmend rvirkentänn, scheint sich. Bahn zu brechen. -i; - uh———: . r Die Notverordnungen! fielen eine handhnbe gegen antrjüdlschen Boykott. ' Berlin, 22. Oktober. Rechtsanwtüt Dr. Hans Lazarus weist in der „E.-Mp Zeitung" (Nr? 43) darauf hin, daß neuerdings auch die Notverordnungen Mittel zur Bekämpfung; sudenfeindlicher Boykottaufforderungen in die Hand geben. Nach §10 der Notverordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. März d. I. (RGBll I- S. 79), in der Fassung der Notverordnung vom 7. Oktober d.J: (RGBl. I, S. 568), sowie nach § 2 der Notverordnung vom 17. Juli 'd. I. (RjGBl. l, S. 371), können Druckschriften, Plakate unö>i Flugblätter, deren Inhalt die öffentliche Sicherheit oder Ordnung gefährdet, polizeilich verboten, beschlagnahmt und eingezogen werden. Nach § 11 der gleichen Nowerordnungen dürfen- Plakaw und Flugblätter politischen Inhalts ohne vorherige Genehmigung der zuständigen Behörden nicht öffentlich angefchlagö!i, ausgestellt oder verbreitet werden. Verstöße'haben Bestrafungen der Täftr. und Unterdrückung der betreffenden Veröffentlichungen zur Folge. In Preußen ist nach den Verordnungen vom 24. April und 18. Juli d. I. (Preuß. Ges. Slg., S. 63 und 133) neben den Ortspolizeibehörden der Polizeipräsident in Berlin mit Wirkung für ganz Preußen für die entsprechenden Anordnungen zuständig. Auch Lastwagensahrten, die zu den oben genannten- Zwecken erfolgen, unterliegen den gleichen Verboten und Strafandrohungen. Bei richtiger Anwendung der gegebenen Vorschriften wird daher die jüdische Geschäftswelt ausreichenden Schutz bei den Behörden finden. Das amerikanische Judentum und die jüdische Not in Osteuropa. Berlin, 15. Oktober. Der Generalsekretär des American Joint Distribution Committee, Herr Dr. Bernhard Kahn, begab sich am 17. Oktober mit dem Dampfer „Bremen" nach Amerika. Die überaus schwierige Lage der jüdischen Massen in allen Ländern, die sich zusehends weiter verschlimmert und die prekäre Situation, in der sich alle jüdischen Arbeiten und Organisationen befinden, machen es notwendig, in Rücksprache mit den Vertretern der amerikanischen Judenheit zu versuchen, einen Ausweg aus der jetzigen bedrohlichen Krisis zu finden. i Wie der ITA. mitgeteilt wird, ist es kaum zu be- .zweifeln, daß die amerikanische Judenheit trotz der schweren Nöte^ unter -denen sie selbst so außerordentlich leidet, ihre Verbundenheit mit den noch schwerer betroffenen Juden Osteuropas und anderer Teile der WDftüch weiterhin nach Maßgabe ihrer gegenwärtigen Kräfte! Dokumentieren wird. '; Des Kurfürstendammsprozesses zweiter Teil. B e r l i n, 28. Okt. - Am Montag begann vor dem Schöffengericht Charlvttenburg die Verhandlung gegen die Rädelsführer und! die zweite Gruppe der Exzedenten, am Rofchhafchono- Mend auf dem Kurfürstendamm. Anführer der Gruppe ist Graf H elld o rf, Führer des Gäues Brandenburg der S. A. Neben ihm sitzen auf der Anklagebank sein Stabschef Karl Ernst, die Stahlhelmsührer.Wilhelm Brandt und Kurt Holz, sodann noch weitere Führer der Nationalsozialisten. Alle sind wegen s ch w e r e n Land f r i e d e n s b r u ch e s angeklagt. Der Prozeß füllte bereits am 9. Oktober stattfinden, doch hatten, die Angeklagten Richter und Schöffen als befangen abgelehnt und die Strafkammer hatte, die Ablehnung als berechtigt anerkannt. Helldorf, Ernst und Brand waren nach den Vorkommnissen in Haft genommen worden. Der Andrang des Publikums!m Zühörerraum ist sehr . groß.. Helldorf erklärte nun vor.Gericht, er.habe vom jüdischen Feiertag nichts gewußt. Er wie sein- Stabschef befanden sich auf einer üblichen. Kontrollfahrt und beriib. D e r 3.8 t«« l i t Mhten sich, die Leute Hü beruhigen. Es. war 'alles rMM jfft.'exschMexM/.Die N.D. Hüften g a n z a n d e r e Ea ß- JfilaJb:e für Ausschrertun-g/en. Uebrigens betraute hieb Partei selbst die Äktiost -irG' dem KursürstendcirM alsillegale Handlung und schließe die Teilnehmer dps:. Es,.müßten Spitzel ihre Hand im Spiele! gehabt haben. Schuld an allem fei die Polizei.; Aehnlich äußert 'sich der Angeklagte Brandt. Er gibt zu, von einer bevorstehenden DemMtration gehört zu haben, . In der weiteren Vernehmung der Angeklagten schließt sich< der Stabslefter, der S.. Karl E r n st, den. Ausführungen : stiftes, VoMsetzten an. Ein Befehl-zu,desi^ Exzessen sei nicht aüsgegeben worden. Der. Führer S. A., Schulz, schließt aus den Rufen „Juda . . Die Woche. Berlin. In Berlin hat sich eine Gefell-!!! sch aft. zur Förderung des Genossenschaft § gedankens unter den Juden IN. Deutschland gebildet. Die ch. Gesellschaft veranstaltete am Donnerstag abend; im Logenhaus Kleiststraße 10 eitlen' Jnforma-''!-?' nonsaboNd, an welchem Direktor Georg Ka-!' reski und Dr. h. c. Wichelm Kleemann über „Wirtschaftskrise und. die deutschen Juden" sprachen. — Heber die AustrMsbewegung aus den Religionsgesellschaften liegen nunmehr die Zahlen für 1930 vor. Danach sind 566,; Juden aus dem Judentum ausgetreten.!!! Breslau. Das Oberlandesgericht in Breslau •' hat in der Beleidigungsklage des jüdischen Kaufmanns Ellguther in Glatz gegen den nationalsozialistischen Stadtrat K ö l e r das Urteil des Landgerichts Glatz, das den Angeklagten von der Anklage der Beleidigung frei- , gesprochen hat, aufgehoben und die Sache nicht mehr an das Landgericht Glatz, sondern an das Landgericht Schweidnitz zur erneuten Verhandlung zurückverwiesen. Ludwigshafen. Während des pfälzischen Gemeindewahlkampfes war in der nationalsozialistischen Zeitschrift „Der Eisenhammer" die Behauptung aufgestellt worden, der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" arbeite Hand in Hand mit einem „Bund deutscher Aufbau"- in dem verschiedene übelbeleumdete Personen tä-- tig seien. Dr. G o t h e i n und Geschäftsführer Dr. Horrlacher stellten im Auftrag des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" Strafantrag und das Amtsgericht verurteilte den beklagten Schriftleiter wegen übler Nachrede zu 150 Mark Geldstrafe. Wien. Der Sohn des verstorbenen Dichters Arthur Schnitzler, Heinrich Schnitzler, teilt eine letztwillige Verfügung seines Vaters mit .Er wünscht keine Kränze, keine Reden und ein Begräbnis letzter Klasse. Das durch die Befolgung dieser Bestimmung erübrigte Geld ist für Spitalzwecke zu verwenden. Prag. In der heutigen Sitzung der Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde Prag wurde Dr. Gottlieb Stein mit 15 gegen 9 Stimmen zum Präsidenten der Jüdischen Gemeinde, zum Vizepräs i d e n t e n Gemeinderat Arthur? Kanders gewählt. — Im Prager „Marsj;' Verlag" ist ein 400 Seiten starkes Werk unter dem Titel: „Masaryk und'bas Judentum" von ■;> Ernst Rychnowski erschienen. Bukarest. Unter der jüdischen Bevölkerung herrscht schwere Not. ,jj’ Vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde wurde eine großzügige Winterhilfe eingeleitet, die in; der Hauptsache in Volksküchen und Kleider-! abgabe besteht. Warschau. Hier hat sich eine Liga zur Bekämpfung der Selbstmorde unter den Juden gebildet. Rewyork. Das Newyorker Jüdische Theologische Seminar hat ö Bände mit Dokumenten. über die Geschichte der Juden in Ru ßland aus den Privatarchiven des. letzten Za- - ren Nikolaus II. erworben. daß es keine Nationalsozialisten waren, was eine leise Heiterkeit im Saale, auslöst. Ob eine Besprechung zwischen Göbbels und Graf Helldorf über den jüdischen Neujahrstag stattgefunden hat, und ob ein Befehl von Mund zu Mund gegeben wurde, konnte in der Vernehmung nicht geklärt werden. Am Dienstag würde mit der- Zeugenvernehmung begonnen. Vierzehn Polizeioffiziere ' und Unteroffiziere sagen übereinstimmend aus, daß sie etwa 1200 einheitlich gekleidete Demonstranten auf dein' Kürfürstendamm fanden und sie den Eindruck hatten, daß' öS sich um eine planmäßig organisierte Revolte handelte. Viele' Passanten wurden belästigt und geschlagen. Die Befehle gingen' unleugbar aus dem Auto des Gkäfew Helldörf und fei- Nr. 44 Seite 5 st^! Oltchssührers' aus. Die kommunistischen Abzeichen bei,-einigen?Verhüteten sollten nur zur «Verschleierung des anMmitifchen Charakters der Ausschreitungen dienen.! Die!-Verhandlungen werden sich auf Einige Wochen erstrecken? " :1!?' . . ':K . . "! ' . j|,i ' ' : ' ' ’ ' ' ' Zjuttl WelKerschuhlag.! Berlin, 27. Okt. Als Ergänzung zum Leitartikel in der jüngsten Nummer des „Israelit" fei auch eines Auffatzes von Rabbi-, ner Dr. Unna in Mannheim über „Mensch und Tftr, sin biblischer Auffassung" in einer der letzten Nummern, der E.'V.-Zeitung'Erwähnung getan. Nach einigen bibelwissenschaftlichen Feststellungen kommt Unna zu folgender Schlußfolgerung: -,Trotz der Anerkennung der Herrschaft des Menschen tritt in ^.dem alten'jüdischen Schrifttum überall das Gefühl zutage, daß die Verfolgung der Tiere durch den Menschen, ebenso aber auch die Feindschaft der Tiere untereinander, die ja das unendliche Leiden der Tiere zur Folge hat, nicht die g'ttgewollte Norm ist, daß sie vielmehr einen Abfall von der ursprünglich höheren Ssufe bedeutet und daß die Entwicklung wieder zu dieser höheren Stüfe hinsühren soll. Dieses Gefühl findet seinen erhabensten Ausdruck in der PropNezeiung; des Propheten Jesaja vom ewigen Frieden. Da schildert er die Zeit, wo alle Gewaltherrschaft: von der Erde verschwinden, wo der Messias apf dem Grund der Wahrheit und des Rechts ein Reich des Friedens errichten.wird. Und er!fühvt. dann fort: ^Dann weilt der Wolf h^i,dem Lamm, der. Pardel lagert bei dem Böcklein, Kalb, Jungleu und Mastochse vereint, ein kleiner Knabe treibt sie einher; Kuh und Bärin sind Weidgenossen, ihre Jungen lagern mitsammen, der Löwe frißt Stroh wie ein Rind (Jesaja XI, ,6, 7)." Der paradiesische Zustand, der das Aufhören der Feindschaft unter den Menschen, die Herrschaft des Rechts und der Gerechtigkeit zur Voraussetzung hat, er schließt auch den Frieden unter den Tieren in sich. Die Weltordnung kann, im Bewußtsein des Propheten nur dann als eine vollkommene bezeichnet-werden, wenn nicht nur Krieg und Gewalt in der Menschenwelt beseitigt werden, wenn vielmehr auch das Leid, das die Tiere den Menschen und das sie sich gegenseitig zufügen, ein Ende nimmt. So verbreitet die Sonne, der G'tteserkenntnis, die über diesem messianischen Reiche aufgeht, ihre Strahlen über die gesamte Schöpfung. Mensch und Tier leben gemeinsam in einer Welt, die, nicht mehr zerrissen von Leidenschaften und Gegenästzen, ihren Bewohnern eine friedliche und ungestörte Heimstätte gewährt." Bezirkstagung der Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. F r a n k f u r t a. M!, 27. Okt. Am 8. November 1931 (28. Cheschwan 5692) findet eine Bezirkstagung der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" in Gunzenhausen (Mittelfranken), nachm. 2 Uhr im Hotel Post statt. Referate haben u. a. übernommen: Sr. Ehrw. Herr Robb.' Dr. M u p!k , Ansbach: „Schicksal und Hoffnung derjMdischen Landbevölkerung"; Herr Rabb. Dr. Ko h n, Wien: „Das Judentum in der gegenwärtigen Weltkrise": Herr Lehrer Stein, Markt-Berylzheim: „Der Stand der Schächtfrage". Apch für den gemütlichen Teil wird durch jüdischtheatralische Vorführungen der reiferen Jugend aus Ansbach und Günzenhausen gesorgt sein. Für Teilnehmer wird die Reise ein Winterausflug von größtem geistigem Nutzen sein. Der!..Skürmer"-Redakteur von der Anklage der Beschimpfung der jüdischen Religion sreigesprochen. N ü r n b e r g, 21. Oktober. Vor dem Nürnberger Schwurgericht hatte sich der verantwortliche Redakteur der nationalsozialistischen Wochenschrift „Der Stürmer", Karl Holz, wegen Veschirypfung der jüdischen Religionsgesellschast zu verantworten. Gegenstand der Anklage war ein Artikel: „Spezialarzt Dr. Wassermann, Berlin, Kurfürstendamm, läßt eine Nichtjüdin verbluten und schafft chie Leiche in den Kohlenkeller. Der „Stürmer" hatte Angebliche Talmudzitate gebracht und erklärt,, die jüdische Rasse ziehe aus ihren Geheimgesetzbüchern Talmud und Schulchan Aruch ihre Lehren.' Die zitierten Talmudstellen seien Beweis dafür, von welchem verworfenen Geist die Juden beseelt seien. Zur Gerichtsverhandlung waren drei Sach-