Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1931)
- Date
- 1931-10-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 44 Der Israelit 1 Meliff.-, «Musk...1 N-lk...; sZ!tr... 6 Zimt- und Lavendel-Oel, IS, 14 Waff., saa> Spirit. altb ewä hrt bei Rheuma» Ischias» Kopf», Nerven» u. Erkältungsschmerzen, Ermüdung und Strapazen ■ .In «Apotheken.und Drogerien. .. maß den Bedürfnissen der jüdischen Einwanderer zu errichten. Die Universitäten» Technischen Hochschulen und Sowjetparteischulen sollen unter ihren Absolventen eine Auswahl-derjenigen vornehmen» die für die Kulturarbeit in Biro-Bidschan in betracht kommen. Ausländischen Einwanderern, die nach Biro-Bidschän kommen, soll die Erwerbung der russischen Staatszugehörigkeit erleichtert werden. S. Dimanstein, der ersw Leiter des einstigen jüdischen Kommissariats bei der Sowjetregierung, jetzt einer der Leiter des Rates der nationalen Minderheiten und Vorsitzender derZenirale von Komzet, erinnert in einer Besprechung des Planes der „Biry-BidschanMevublik" daran, daß die Regierung der Sowjetunion noch vor drei fahren im Prinzips beschlossen hat, Biro- Bidschan'ün einen jüdisch-autonomen Rayon üMzuwandeln. Ein Zeitpiyrkt für diese Umwandlung war damals nicht angegeben worden. Im Verlaufe der letzten dresi Jahre aber wurde Biro- Bidschän erforscht und Hessen großer Reichtum an Naturschätzen, der glänzende Perspektiven für die Entwicklung dieses Erdstrichs eröffnet, festgestellt. Nunmehr war die Regierung in der Lage, für die Proklamierung der autonomen Einheit in Biro-Bidschan einen Termin, Ende 1933, zu nennen. Alle wichtigsten Zentralorgane der Sowjetunion, führt Dimanstein weiter aus, haben bereits klare Direktiven hinsichtlich der Verwirklichung des Beschlusses des Zentralexekutivkomitees erhalten. Dimanstein weist auf die ungeheure wirtschaftliche, kulturelle und politische Bedeutung der Umwandlung Viro-Bidschans in eine „Jüdische Republik" oder einen „Jüdisch-autonomen Rayon" hin und fordert die mit der jüdischen Berufsumschichtung sich befassenden Organisationen aus, mit allen Kräften darauf hinzuarbeiten, daß der- Beschluß der Regierung nicht auf dem Papier bleiben soll. Nicht, nur, schließt er, sollen einige Zehntausend jüdische Siedler in den nächsten Jahren nach Biro-Bidschan gebracht, sondern es sollen in dieses Gebiet qualifizierte Arbeiter, Techniker, Kultur- und Wirtschaftsfunktionäre geschickt werden. Dimanstein warnt aber vor „nationalistischen Stimmungen und Kommentierungen" im Zusammenhang mit der Idee einer jüdischen Republik und sagt, solche Stimmungen werden mit der ganzen bolschewistischen Unbarmherzigkeit bekämpft werden. Auch wir warnen davor, wenn auch aus anderen Erwägungen als Dimanstein. Daß. das jüdische und religiöse Leben sich in der Enklave von Biro-Bidschan freier bewegest und besser entfalten kann, als unter den Argusaugen der Jewsektia in Moskau und der russischen Provinz, geht klar aus den elegischest Klageliedern des „Emes" hervor. Er erzählt, daß sich jüdische Neusiedler in Biro-Bidschan ein Sefer Thora angeschafft und eine Betstube eingerichtet haben. An den vergangenen hohen jüdischen Feiertagen ruhte die Arbeit an vielen Punkten. Sogar der Vau des Distritkssowjethauses mußte unterbrochen werden, weil die jüdischen Fuhrleute wegen der Feiertage keine Ziegel herangesührt hatten. Im landwirtschaftlichen Kollektiv „Waldheim" wird eine Geldsammlung zwecks Anschaffung eines Sefer Thora und Einrichtung einer Betstube durchgeführt, Besonders religiös gestimmt seien die Einwanderer aus Sibirien, Transbajkalien und Kaukasien, die, obwohl vollkommen russisiziert, dennoch in religiösen Dingen einen stärkeren Konservatismus entfalten als die Einwanderer aus dem ehemaligen Ansiedlungsrayon. Ihre Frauen beobachten „mittelalterliche" Vorschriften und Traditionen» die die jüdischen Frauen aus Berditschew und anderen echt jüdischen Städten länqst vergessen haben * 4 Hund in Hand mit dem Ausbau Biro-BidfchlHsMeht Ä*, Forderung der jüdisAen Sied^ lunh in' dtzrM'^va i Hier: ist altz, Ziel das. Iaht" 1-932 gesetzt.^ „Kochzet" hat,schon jetzt mit der..Werbearbeit, .für....diesen T^Änin.begonnen, 550öti jüdische Familieni>mit insgesamt ungefähr 25 000 Seelen sollen 1932 auf dem Lande angesiedelt werden, und zwar 1000 Familien in der Krim, 1500 Familien in Biro-Bidschan, 2500 Familien auf den Feldern der jüdischen Rayons in der Ukraine und 500 Familien in änderest Ge-, bietxst:. Die meisten Neusiedler werden deshalb nach der Ukraine geschickt, weil man es alsnot-: wendig erkennt, die dort bereits bestehenden autonomen jüdischen Rayons zu kräftigen und ihnen eine größere politische Bedeutung zu verleihen. Leider findet die Arbeit ln der Ukraine, im Gegensatz zu Biro-Bidschan, immer neue Hemmungen durch. antisemitische Tre,ibfreien.. Daß diese von deutscher Seite kommen, macht das. Bild nicht erfreulicher. Ein zur Zeit im,F r i *&.*• rich Engels- Rayon in der Ukraine vor sich/ gehender „Musterprozetz" gegen Antisemit ten, die im Dorfe M a n nheim/und im Kollektiv „Neue Welt" jüdische Angehörige der Kollektiven verfolgt, mißhandelt und materiell schwer geschädigt haben, spricht Bände für die Stimmung in der Ukraine. Im Dorfe Mannheim siedelten sich vor zwei Jahren zwei jüdische Familien, Sielmann und Weißbrot, an und'traten im vorigen Jahre dem dortigen landwirtschaftlichen Kollektiv bei. Antikollektivistisch gesinnte deutsche Bauern verfolgten die jüdischen Kolonisten, Weißbrot wurde überfallen und so mißhandelt, daß er dadurch ein Arbeitsinvalide geworden ist. Die verfolgten jüdischen Familien ersuchten vergebens die Vorsitzenden des Kollektivs und des Dorffowjets, sowie den Staatsanwalt um Schutz. Deutsche Bauern terrorisierten auch die Mitglieder des jüdischen Kollektivs „Neue Welt", die mehrmals beleidigt und geschlagen wurden. Vieh wurde auf die jüdischen Felder getrieben» Brandstiftungsversuche häuften sich, auch wurden die jüdischen Kolonisten dauernd bestohlen. Das Deutschtum als solches kann dafür nicht verantwortlich gemacht werden. „Prawda" erklärt, die geschilderten Zustände im Rayon feien auf den großrussischen Chauvinismus zurückzuführen. Obwohl die Rayonsbevölkerung zu 80 Proz. deutsch ist (die restlichen 20 Proz. setzen sich aus Ukrainern, Juden, Rumänen und Russen zusammen), ist der administrative und Parteiapparat durchaus g r o ß r u s - fisch. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung über die Vernachlässigung der Interessen der deutschen Kolonisten äußert sich jetzt in offenem Antisemitismus. „Prawda" fordert. schwere. Bestraf fung der Antisemiten,.: gleichzeitig aber eine Bekämpfung des großrussischen! Chauvinismus und eine stärkere Heranziehung des deutschen Element tes zu öffentlicher kultureller und politischer Arbeit. , «Ist die Frankfurter Jefchiwa eine Lehrerbildungsanstalt?" Vom Rektor der Frankfurter Jefchiwa, Herrn Rabbiner Dr. Joseph Breuer, erhalten wir. folgende Zuschrift: Dieser in Nr. 36 des „Israelit" erschienene Aufsatz hat durch den. bayrischen Lehrsxvexein Erwiderungen erfahren, die wir^ wegen der ,aus ihnen sprechenden unfreundlichen Gesinnung lebhaft bedauern. Wir hielten es nicht für geboten, auf solche Auslassungen zu reagieren, wenn wir nicht befürchten müßten, daß unser Stillschweigen in unaufgeklärten Kreisen mißdeutet werden könnte. Wir beschränken uns in unserer Richtigstellung auf das Notwendigste.. Die Frankfurter Jefchiwa will als jüdische Volkshochschule jüdische Wissenschaft in weiteste Kreise der Jugend verbreiten. Ihre Hörer setzen sich daher aus den verschiedensten künftigen ^7 ____________ 29. Oktober 1931 russMchten zusammen. Sie ästziMIUM'Dlnne' WedeDeine BildungsanstM ■ 'für Rabbiners noch fyr HHrer. Eslijst danach klar, daß nicyhHM -abWende) Hörer der Jeschiwa...sie..als.ReligwnslehrLr^ ver»;, läßt. Der bayerische Lehrerverein gibt sich -den: Anschein,, als ob er dies nicht wüßte. Es ist daher' auch möglich, daß in unserer Jefchiwa ein Schüler Aufnahme finden kann, der in der Präpa-- rändle sich als unzulänglich erwiesen hat.. Denn die Jefchiwa will," und hierzu: veyMiMHDejüdifches Gewissen, auch schwachen ^SchulerUhesi. Möglichkeit geben, nach chesten. Kräftyn sich im: Rahmen ihrer Fähigkeiten jüdisches" Wissen cm-- zueignen. Und so ist denn die Jefchiwa nicht nur von solchen Präparandenschülern, sondern auch von approbierten Lehrern des Würzburger Seminars besucht worden, die bisweilen so dürftige: jüdische Kenntnisse mitbrachten, daß sie-käum für M-'Unterste Schülergrupste der Jefchiwa reif waren. Aber wir denken nicht daran, solche Fälle zu verallgemeinern und daraus dem Würzburger Seminar eineü' Vorwurf zu machen. ' -f* Es braucht somit nicht betont zu werden, -ba^ ein Hörer durch den Jeschiwabesuch sich gründliche Kenntnisse auf jüdisch-wissenschaftlichen Gebieten: angeeignet haben kann, ohne damit die Qualifi--' kation erworben zu haben, dag Amt eines Rabbiners oder Lehrers-ausüben zu können.^ Wie: aber nichtsdestoweniger die Jefchiwa der Sonderausbildung des Rabbiners Rechnung trägt und geeigneten Hörern die Möglichkeit gibt, auf ihr die vollkommene Ausbildung für den Rabbinerberuf zu erhalten, so hat sich die Jefchiwa seit: einigen Jahren auch veranlaßt gesehen, Hörern, die die nötigen Voraussetzungen besitzen, die Ge-' legenheit zu geben, sich für den R e ligions - lehrerberuf heranzubilden und das Befähigungszeugnis zur Erteilung des Religionsunterrichts zu erlangen. Es versteht sich von selbst, daß die Jefchiwa hierbei nur an solche Hörer denkt, die das für einen Religionslehrer gebotene Maß von profanem Wissen nachzuweisen imstande sind. Füv die Unterstufe ist die Vorlage eines Zeugnissesfür Obersekunda-Reise als das Normale cmzufehen. Liegt ein solches Zeugnis nicht vor, so wird der Nachweis zu erbringen fein, daß dev Kandidat sich die allgemeinen Bildungselemente, die ein solches Zeugnis voraussetzt, angeeignet hat und darüber hinaus die Fähigkeit besitzt, Werke, die die jüdische Welt- und Lebensanschauung behandeln, mit reifem Verständnis zu lesen und deren Stoffe schriftlich und mündlich darzustellen (Lehrvorträge). In besonderen Lehrgängen werden die für den 'Religionslehrerberuf erforderlichen Disziplinen,' zu denen selbstredend auch pädagogische, und methodische Unterweisungen, verbunden mit praktischen Uebungen, gehören, gepflegt. Der Unterricht liegt in Händen - tüchtiger Lehrkräfte, zu denen auch erfahrene Schulmänner der hiesigen Schulezählen. - ' .' ■' / In diesem Sinne ist die Jefchiwa'Bildungsanstalt für Religionslehrer. Eine vorurteilslos und gerecht urteilende öffentliche Meinung wird ihr dieses Recht nicht bestreiten. Korrespondenzen ßacbricbten. Deutsches Reich. Kiel lehnt Schächtverbok ab. \ Berlin, 21. Oktober. '' Die Reichszentrale für Schächtangelegenheiten teilt l mit: Am 16. Oktober ist der von den Nationalsozialisten im Mai ds. Js. in der Stadtverordnetenversammlung zu Kiel eingebrachte Antrag auf Einführung des Schächtverbots abgelehnt worden. Der Tierschutzverein hatte es sich besonders angelegen sein lassen, in einem.