Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1931)
- Date
- 1931-10-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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22. Oktober 1931 Verlängerung der Amtszeit bet Gemeinde- ■ .!'; verktktung. ' ' Leipzig, 19. DUobit. Än der am 5. Oktober staitgefundenen Gemeindesitzung brachte die liberale Fraktion deü Antrag eich im Hinblick aus die politische und 1 wirtschaftliche Lage die satzungsgemäß am Ende dieses Jahres vorzunehmende Wahl zur Gemeindevertretung zu vertagen und die Amtsdauer der gegenwärtigen Gemeindevertreter um ein Jahr zu verlängern. Dieser Antrag fand denn auch als Nachtrag zum 'Gem'einööstatut Annahme? Ein Antrag der orthodox-demokratischen Fraktion auf Aenderung des bestehenden Wahlrechts, das ja bekanntlich den Ausländern keine Gleichberechtigung gewährt, wurde einer paritätischen Kommission. überwiesen, die die Frage einer zweckmäßigeren Gestaltung des Wahlrechts überprüfen und der Gemeindesitzung entsprechende Vorschläge unterbreiten soll. Pole«. Große Chinuchkonferenz in Wilna. Wilna, 15. Oktober. Dienstag, den 13. Oktober, fand in Wilna die Eröffnung der großen Chinuchkonferenz statt. An ihr nahmen teil Vertreter aller baltischen Länder. Unter den prominenten Persönlichkeiten beteiligten sich u. a. der C h o f e z Chajim, Rabbi Chaim Ojser Grodz e n s k i, Sejmdeputat Rabbiner Aron L e w i n, Oberrabbiner Sack, Riga, Sejmdeputat D u b i n, Direktor Dr. Leo Deutschländer, Oberrabbiner Dr. Gom e r, Reval, Oberrabbiner H i r s ch o w i tz, Virbalen. Die polnische und litauische Regierung haben auf Intervention der Konferenzveranstalter die Grenzüberschreitung für die Delegierten gestattet. (Ausführlicher Bericht folgt.) Lettland. Parlamenlswahlen in Lettland. Riga, 15. Oktober. Die Parlamentswahlen in Lettland brachten für die jüdischen Parteien einen Verlust von zwei Sitzen. Der zionistisch-sozailistische Kandidat L a s e r s o h n und der Vertreter des Bundes, Dr. M e i s e l, sind nicht wiedergewählt. Von den fünf jüdischen Vertretern im früheren Parlament bleiben nur drei, davon zwei Vertreter der Aguda und einer vom M i s r a ch i. Der qualitative Gewinn hebt damit den quantitativen Verlust auf, um so mehr, als von der antisemitischen Partei kein einziger Kandidat gewählt wurde. Personalien. Berlin, 15. Okt. Es sind 25 Jahre her, daß Max Neuberger die Sekretariatsgeschäfte der Adas Jsroel-Gemeinde übernahm. Schon in seiner Heimat Frankfurt (M) erregte er als junger Mann um die Jahrhundertwende in der gesinnungsgenössischen Oeffentlichkeit durch die glühende Begeisterung für alles wahrhaft Jüdische, durch seine ernste Lebensauffassung, durch seine Mitarbeit an vle!kn sozialen und humanitären Organisationen berechtigtes Aufsehen. In der damaligen orthodoxen Jugendbewegung der Mainstadt nahm er, mit seinem weiten Blick und klugen Rat eine leitende Stellung ein. Im Vereinsleben zeichnete er sich an führender Stelle durch organisatorisches und publizistisches Wirken aus. Seit dieser Zeit ist fast ein Menschenalter vergangen. Diese langen Dienstjahre waren bei Max Neuberger ausgefüllt mit einer fast legendären Hingebung an sein Amt, mit einer leidenschaftlichen Liebe zu seiner Gemeinde, deren Organisationen er teilweise mitgründete und ausbauen half, mit einer unglaublichen Zurückstellung aller eigenen Interessen, mit einer nie erlahmenden Arbeitskraft und Arbeitsfreudigkeit. Und sind zur Zeit die schweren Sorgen der Gemeinde Neubergers ureigenste Sorgen, so sei dem Jubilar gewünscht, daß er sich noch viele Jahrzehnte an der gedeihlichen und segensreichen Entwicklung seiner, für die Judenheit der Reichshauptstadt so bedeutsamen Gemeinde und an allen Faktoren des Menschenglücks erfreuen möge. Hersfeld, 18. Okt. Am 11. Oktober lud der „Jüdische nrauenverein" seine Mitglieder, die Herren Gemeinde- Aeltesten und den Herrn Kreisvorsteher zu einer Feier Galt es doch, das 25jährige Amtsjubiläum feiner -Vorstandsdamen: der Frauen Julie Oppenheim und Klara N u ß b a u m festlich zu begehen. Herr Emanuel schilderte in seiner Ansprache, was die Damen für den Verein geleistet hatten- Als- Anerkennung wurde ihnen eine silberne Nadel mit der Aufschrift nw rra Übersicht. Verschiedene Reden und Vorträge trugen zur Verschönerung des Abends bei. Gerührt dankten die Gefeierten für die große Ehre, die ihnen zuteil geworden war. ... iD e r Ä s r tt e 1 i t? Zeitlofs. “15. 'Okt. Am zweiten Chaul Hamauedtäge verstarb hier im Alter von 77 Jahren Frau Jeäüette Reich, Witwe des vor >5 Jahren Heimgegangenen Max Reich ‘Vst- In der kleinen Gemeinde war Max Reich noch eine ihrer letzten Säulen, und als Frau von echt jüdischem Znius, tiefer G'ttesfurcht und, Freude am Wohltun stand ihm die gleichgeärtete Gattin darin bei. Die vom Thorageiste beseelten Kinder legen Zeugnis für das Haus und für die Mutter ab oi-wrr-'i mra ivp- Mit der strengen Peinlichkeit bei der Beobachtung des Sabbat, Mit der Pünktlichkeit und tiefen Andacht beim Gebete (eine Greisin schon, war sie die erste in der Synagoge bei Slichaus), mit der wahrhaft mütterlichen Gastlichkeit, die sie im Hausenden fremden Armen bot, war sie den Kindern und der ganzen Gemeinde Muster und Vorbild. Es blühte ihr der Lohn ihrer guten Tat in Kindern und Enkeln heran, die die Freude ihres Alters waren, und die alle wetteiferten, der Mutter und Groß- :mutter den Lebensabend zu verschönern. Ein neues Enkelchen kam zur Welt, das den Namen ihres Mannes tragen sollte, als sie einige Tage darauf, ohne den mitzuerleben, ihre reine Seele aushauchte. Das letzte Geleite, das der Heimgegangenen wurde, zeigte, wie viel Liebe und Verehrung ihr von allen Seiten entgegengebracht wurden. Auf dem uralten Friedhof zu A l t e n g r o n a u^ fand sie an der Seite ihres Gatten ihre letzte Ruhestätte. Hespedreden nsußten wegen des »"nn unterbleiben, nur der älteste Sohn, Herr Lehrer Reich aus Frankfurt a. M., sprach in bewegten Worten den Dank der Familie aus. Ihre Kinder werden als eania-n^a ihre Tradition fortsetzen und alle, die sie gekannt haben, werden ihr ein ehrendes und liebes Angedenken bewahren. rrrmrv Kassel, 19. Okt. Am 16. Oktober waren 25 Jahre verflossen, seitdem Herr Lehrer Salomon N e u m a n n in den Dienst der Kasseler Israelitischen Gemeinde trat. Der Jubilar ist in Burgpreppach als Lehrerssohn geboren und hat im Würzburger Seminar seine Ausbildung erhalten. Die Tradition des Elternhauses war richtunggebend für feine religiöse Auffassung, und der Pflege streng orthodoxer Anschauungen hat Lehrer Neumann seine Arbeitskraft gewidmet. Nachdem er mehrere Jahre in Gochsheim, Nabbinat Schweinfurt, als Lehrer, Chason und Schauchet tätig war, dann am Schüler- und Lehrlingsheim in Marburg a. d. Lahn die Erziehertätigkeit ausgeübt, übernahm er im Oktober 1906 die Schechitah in unserer Gemeinde. Schon nach kurzem Wirken zog man Herrn Neumann auch als Lehrer heran. Man übertrug ihm den hebräischen Unterricht an der dem Seminar angegliederten Präparandenschule. Einige Jahre später unterrichtete R. auch profane Fächer an der jüdischen Volksschule. Zur Zeit ist N. als Religionslehrer und Bibliothekar der Israelitischen Gemeinde tätig. Seine großen talmudischen Kenntnisse stellte er oft in den Dienst der Jugenderziehung und des Vereinslebens. So sind mehrere Schiurim von ihm abgehalten worden, und zur Zeit wird der von dem Chewras Emunim-Verein eingerichtete Schiur von ihm geleitet. Dem Vorstand der „Brüderschaft" gehört er seit einigen Jahren an, ebenso auch anderen Vereinen, die auf orthodoxer Grundlage errichtet wurden, wie dem Vorstand des „Speisevereins" und der „Sterbekasse". In der Absicht, auswärtige und in hiesigen Krankenhäusern untergebrachte Patienten in religiöser Hinsicht betreuen zu können, hat Lehrer Neumann den „Bikkur chaulim-Verein" gegründet, der sich wiederholt als segensreiche Einrichtung bewährt hat. Für die praktische Ausbildung junger Fachgenossen stellte er sich gerne und oft zur Verfügung. Am Jubeltag fand in der Wohnung des Jubilars eine erhebende Feier statt. Für Schächtkommission und Schule sprach Herr Landrabbiner Dr. Walter, für die Gemeindeverwaltung Herr Rechtsanwalt Dalberg, für die verschiedenen Vereine und die Fleischermeister Herr Gemeinde-Aeltester Lob. An Ehrengaben wurden überreicht: ein prachtvoller silberner Brotkorb mit Gravierung, eine herrliche silberne Esrogbüchse, ein großer silberner Pokal, ein in Silber gefaßter Hawdolöteller, Weine, Liköre und sonstige Geschenke. Das FestzimMer glich einem Blumenhain, alles ein Beweis für die Liebe und Verehrung, die man in allen Kreisen Herrn Neumann entgegenbringt. Am Schluß nahm Herr Neumann! das Wort, um allen Organisationen aufs herzlichste zu danken und zu geloben, im bisherigen Sinne seine Kräfte weiterhin zur Verfügung zu stellen. Berichtigung. In der Würdigung des Herrn Lehrer Moses V erlin ge r in Trier aus Anlaß seines Eintretens in den Ruhestand in der jüngsten Nummer unseres Blattes (Seite 8) kam aus Versehen des Setzers eine hebräische Formel an den Schluß, die zu einem andern Artikel gehörte. Wir bedauern diese Verwechslung und wünschen Herrn Lehrer Berlinger einen heiteren Lebensabend in frischer Gesundheit und ungetrübtem Glücke n» nnpyi n«» v- Vermischtes Berlin, 16. Okt. Dr. Esriel Erich Hildesheimer beginnt feine Vorlesungen unter dem Gesamttitel „E i nfluß der Gaonim auf die Halacha" am Mittwoch, best 21. Oktober, 10.15 Uhr, im Hörsaal I. — Die fakultative Teilnahme an den Schiurim oder den wissenschaftlichen Vorlesungen ist den entsprechend Vorgebildeten nach Anmeldung bei dem jeweiligen Vorsitzenden des Dozentenkollegiums gestattet. Nr. 43 Seite 7 Die Woche. “ Zur Eruch Angelegenheit. Der Verein „Tikkun Schabbös" schreibt uns: Frankfurt a. M., den 21. Okt. 1931. Unter Bezugnahme auf die gehabten Unterredungen bitten wir Sie ergebenst, die anliegenden drei Briefe als. Abschluß der Diskussion über den Eruw in der nächstes Nummer.Ihres geschätzten Blattes publizieren zu wollen. |;i; Hochachtungsvoll Tikkun Schäbbos e. V. gez. Klau. Frankfurt a. M., den 31. Aug. 1931. Herrn Dr. O. Klau, hier. Sehr geehrter Herr Doktor! Wix gestatten uns. Ihnen in der Anlage Abschrift der Entscheidung unseres Herrn Rabbiners in der Eruw- Frage zur gefl. Kenntnisnahme zu überreichen. Wir sehen gerne Ihrer gefl. Aeußerung darüber entgegen, ob Aussicht besteht, den vom Herrn Rabbiner genannten Anforderungen für die Ausgestaltung des Eruw zu entsprechen. Mit vorzüglicher Hochachtung Der Vorstand der Synagogengemeinde Israelitische Religions-Gesellschaft. Abschrift. Rabbinat der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft" zu Frankfurt a. M. Frankfurt a. M., den 11. Elul 5691. An den verehrlichen Vorstand der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft" Hier. Sehr geehrte Herren! Ich nehme Bezug aus die mit Ihnen geführte Korrespondenz in der Eruwsrage und gestatte mir, Ihnen hierzu folgendes mitzuteilen: Ich habe mich in der Zwischenzeit mit der Materie eingehend befaßt. Schon zu Beginn hatte ich schwerwiegende Bedenken im Zusammenhang mit dem halachischen Grundsatz von n-vnn nrr r^oan o’jnt, über den man sich bei dem hiesigen Eruw auf Grund eines nach meiner halachifchen Ueberzeugung ungenügenden nrrn hinweggesetzt hat. Ich habe mich dennoch mit einigen anerkannten des Ostens über diese Frage in Verbindung gesetzt und bin durch ihre Antworten in meinen Bedenken eher noch bestärkt worden. Sollte die Möglichkeit bestehen, den Eruw derart einzuschränken, daß der n-vm nrr eryiT »m nicht mehr in Betracht kommt, oder durch Umzäunung der besäten Flächen diesem wi Rechnung zu tragen, so ließen sich die sonst noch bestehenden minder wichtigen Bedenken wohl durch Verbesserungen im Einzelnen beseitigen. Besteht aber keine praktische und technische Möglichkeit, den Eruw auf die innere Stadt einzuschränken oder die Saatflächen zu umzäunen, so verpflichtet mich mein Gewissen, die von meinem verehrten Amtsvorgänger ^"st getroffene und im Vorraum unserer Synagoge bekanntgegebene Entscheidung aufrecht zu erhalten, bezw.- durch eine neue Publikation meinerseits die Gemeindemitglieder auf . die Schwere des Jssurs aufmerksam zu machen. Ich begrüße Sie mit vorzüglicher Hochachtung gez. Rabbiner Jos. I. Horovitz. Frankfurt a. M., den 25. Sept. 1931. Betr. Eruw. > An den Vorstand der Israelitischen Religionsgesellschaft, Frankfurt a. M. Ihren Brief vom 31. 8. ds^ Js. habe ich erhalten. Nachdem die in der Anlage angedrohte Maßnahme in die Tat umgesetzt wurde, noch ehe mir Gelegenheit gegeben war. mich auf diesen Brief, auf den ich seit Ihrem Schreiben vom 16. 12. 1930 warte, zu äußern, ist in dieser Sache für mich nichts mehr zu tun. Ich bitte die Korrespondenz als erledigt zu betrachten. Hochachtungsvoll gez. Dr. Klau. Abschrift. Frankfurt a. M., den 23. Sept. 1931. Herrn Rechtsanwalt Dr. Oscar Klau, hier. Sehr geehrter Herr Doktor! Die Unterredung, die wir gestern in der Eruw-Angelegenheit führten, hat mir noch mancherlei zu denken gegeben und ich fühle das Bedürfnis, Ihnen aus rein menschlichen Gründen darüber noch einmal zu schreiben. Es ist mir erst aus dieser Unterredung zur Klarheit gekommen, daß ich Ihnen wirklich etwas abzubitten habe. Ich hätte, wie ich heute überzeugt bin, in der Tat die Pflicht gehabt, den Herrn Rabbiner, als er mir von seinen Absichten Mitteilung machte, daran zu erinnern, daß angesichts Ihres starken Interesses an der ganzen Angelegenheit und im Hinblick auf die gar nicht genug zu würdigenden selbstlosen Leistungen, die Ihnen die Gemeinde jahraus jahrein zu danken hat, es sich gebühre, die ganze Situation vorerst einmal mit Ihnen