Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1931)
- Date
- 1931-10-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 43 Seite 3 22. Oktober 1931 DIAL2N" Puder bewahrt Ihren Liebling vor Wundsein. Untersuchungen darüber anstellen, ob es Handelszweige gibt, in denen sich Juden aus irgendwelchen Gründen bisher noch nicht oder nicht nennenswert als Unternehmer betätigt haben und die unter den heutigen Verhältnissen einige Aussicht bieten. Auf diese Weise könnte eine Entlastung anderer Branchen herbeigeführt werden, die mit jüdischen Unternehmern übermäßig stark besetzt sind, wie Z. B. die Textilwirtschaft, das Bankwesen, der Getreide- und Metallhandel. Ferner gilt es, die aufs Pflaster geworfenen ehemaligen jüdischen Unternehmer in den Angestelltenberuf überzuleiten und insbesondere Persönlichkeiten von überdurchschnittlicher Qualifikation dabei an die Stellen zu bringen, an denen sie ihre Befähigung mit größtmöglichem Nutzeffekt bewähren können. An diesem Punkte der Ueberlegungen wird schon klar, daß ein solches Wirtschaftsinstitut, wenn es trotz seines problematischen Charakters der Not der Juden im allgemeinen allmählich etwas Milderung bringen könnte, für den f a b b a t t r e u e n jüdischen Kreis ohne besondere Vorkehrungen nutzlos wäre. Neben der von Dr. Goldmann und Dr. Marcus empfohlenen Institution müßte also, in engster Fühlung mit dem Wirtschaftsinstitut, eine besondere Stelle vorhanden sein, die die gleichen Untersuchungen anstellt und die gleichen Bemühungen in Angriff nimmt, jedoch unter dem besonderen Gesichtspunkte der Erhaltung eines r e l i g i ö s e n, sabbattreuen Angestelltenstandes. Wir hoffen, daß der Reichsverband der Schomre Schabbos- Stellenvermittlungen in Berlin in Verbindung mit dem Schomre Schabbos-Weltverband die Entwicklung im Auge behält und nicht verabsäumt, sich in die jetzt einsetzenden neuen Bestrebungen einzuschalten. Eine weitere Aufgabe des empfohlenen neuen Instituts soll die an dieser Stelle häufig besprochene Berussumschicht u n g sein, wobei an die. Ueberführung der überflüssigen Kräfte des Handels in die Industrie und Landwirtschaft gedacht ist. Daß nach dieser Richtung hin praktische Erfolge noch viel, viel schwerer zu erzielen sind, als bei der unmittelbaren Wirtschaftsvermittlung, liegt auf der Hand. Das darf aber nicht davon abhalten, auch diese weitfchauen- Ein Schreibfehler in '"V1 zu na? Zu den Worten (c. VI, o. 14): nan 'st rwy „Mache dir einen Kasten . . ." sagt Raschi: vas^» nii rum naw 3"p na pois? *>ia»n *vn »®a« wisi»» »ia nt 'pina iri'ivn na^i „Viele Möglichkeiten der Rettung standen G'tt zur Verfügung. Warum bemühte Er na mit diesem Bau? Damit seine Zeitgenossen ihn 120 Jahre damit beschäftigt sähen . . ." S. R. Hirsch hat in seinem Kommentar zu v. 16 diese Rafchierklärung sichtlich vor Augen, wenn er schreibt: „ . . . G'tt hätte in tausendfacher Weise retten können . . . Was hätte Noa in den 120 Jahren nicht noch alles zur Rettung tun können! . . Nun ist aber die Annahme von dem 120 Jahre währenden Bau, die durch Raschis Erklärung bekanntlich allgemein geläufig geworden ist, offenbar unmöglich. Denn in der gleichen Rede G'ttes, die na den Bau der nan anbefiehlt, wird ihm (v. 18) gesagt: „ . . . und du wirst in die nan hineingehen und deine Söhne und deine Frau und die Frauen deiner Söhne mit dir." Der älteste Sohn ns» wurde aber erst 20 Jahre nach dem angeblichen Zeitpunkt dieser Rede G'ttes, nämlich 100 Jahre vor dem ^-on (s. Raschi zu V. 32) geboren. Es ist schwer begreiflich," daß G'ttes Befehl 20 Jahre vor der Geburt der Söhne gar schon von deren Frauen spricht. Berliner gibt für Raschi keine komplette Quelle an. In 'a ny rlmao ist von diesen 120 Jahren nichts zu finden. Im Midrasch Tanchumo heißt es ausdrücklich, daß G'tt selber die Menschen 120 Jahre bis zum endlichen Bauauftrag verwarnte. Raschi bleibt schwierig. Doch in 's itst’Vti "in »pia steht: o»V»n ivi« xöinan "i /naietna laiv'V na na»na na npy naw rnnvi "R. Tanchumo sagt: 52 Jahre arbeitete na an der man. D er 3 s t a e I i t _ . , den Ausgaben mit Zähigkeit und Zuversicht in Angriff zu nehmen. Selbstewanzipatton oder Selbstaufgabe? Unter dieser Ueberfchrift gaben wir vor kurzem an dieser Stelle die Jdeengänge des neuen Apostels der „Assimilation bis zur Selbstausgabe", Constantin Brunner, wieder. Da dieser zur Durchführung seines nationalen Selbstmordplanes den Zentralverein zur Hilfe anrief, hielten wir es für gut, eine Mahnung zur Vorsicht an diesen zu richten. Der Zentralverein nahm das wohlgemeinte Wort gut auf und quittierte es seinerzeit in seinem Organe mit einer beruhigenden Erklärung. Nunmehr folgt die Antwort des C.-V. an Brunner selbst aus der Feder der Frau Dr. Eva R e i ch m a n n - I u n gm a n n (C. V.-Zeitung Nr. 40), die unsere Beachtung verdient: „Brunner, schreibt die Verfasserin, gibt Deutungen unseres Seins, die verblüffen, Analysen, deren Richtigkeit nicht zu bezweifeln ist, und wenn auch von seinen Deutungen, seinen Feststellungen nicht alle von uns anerkannt werden können, wenn wir auch in der Ansicht über den Weg der Emanzipation von ihm abweichen- — wir wollen einmal annehmen, er hätte recht: Judenhaß gleich Abart des unaustilgbaren Menschenhasses, gegen die Juden, gelenkt durch ihr Anderssein. Einzige Möglichkeit zur Beseitigung des Judenhasses: Aufgabe des Andersseins. Wenn das so wäre, auch dann würden wir unser Anderssein nicht aufgeben wollen! Hier liegt die Entscheidung. Auch um das Erlöschen des Judenhasses, um unsere Erlösung von unserer Judennot zu erringen, wäre uns der Preis zu hoch, der da gefordert wird: denn er bedeutet nichts anderes als unseren Untergang als Juden. Es nutzt nichts, daß Brunner behauptet, die Selbstemanzipation, die Aufgabe des Andersseins bedeutet nicht die Selbstaufgabe der Juden a l s Juden. Wir können mit bestem Willen und heißestem Bemühen nichts anderes aus seinen Worten herauslesen. Wir lehnen Brunners Forderung, die Selbstmord bedeutet, ab! Als jüdische Menschen wollen wir am Leben bleiben. Nicht nur als Anhänger der jüdischen Religion, so stark wir sie auch als Inhalt unserer Gemeinschaft empfinden. Wir kennen auch Jüdisches außerhalb der Religion, was wir bewahren wollen." Dr. Eva Reichmann-Jungmann schließt: „Es bleibt zur Beseitigung des Judenhasses mit Aussicht auf Erfolg noch mehr zu tun übrig, als unsere Kräfte jetzt und lange bewältigen können. Bis wir zu den Grenzen gelangen, die uns durch die Menschennatur selbst gezogen sind, werden wir nach unserem Plan die Emanzipation so weit vorangetrieben haben, daß unser Judesein nicht mehr als Not auf uns lasten wird. Soweit wir es aber auch dann noch als Bürde empfinden müssen, werden wir das in dem Bewußtsein tun, das Leiden für ein Schicksal aus uns genommen zu haben, das uns das Leiden wert ist." Dein wäre nur hinzuzufügen, daß es nach der Auffassung des geschichtlichen Judentums nichts „Jüdisches außerhalb der Religion" gibt, denn damit die Menschen naivn täten." Es muß demnach in Raschi ohne Zweifel heißen: nav a~a- Die Fehlschreibung ist vielleicht so zu erklären, daß der «"ii vis als weniger bekanntes Werk irgend einem Abschreiber nicht gegenwärtig war, jedoch die 120 Jahre, =*?' in diesem Zusammenhang stark vorschwebten, und die Aehnlichkeit des 2 mit dem 2 ein Uebriges dazu tat. — Nur seltsam, daß die gwis» nichts sagen. Oder doch? — Rabbiner Dr. Breslauer. Meines Feuilleton. (Ein Sechzigjähriger.) Der bekannte Berliner Schriftsteller, Georg Hermann hat seinen 60. Geburtstag begangen. Hermann, Berliner Jude von Geburt, hat seine besondere künstlerische Aufgabe darin gefunden, die Typen des Berliner Judentums von vor hundert Jahren in den Mittelpunkt wirklicher lebendiger Kunstwerke zu stellen, wobei es ihm in seltener Weise gelungen ist, die individuelle Beseelung der Einzelpersonen zum Spiegelbild der ganzen Zeitepoche mit all ihren kulturellen und weltanschaulichen Hintergründen werden zu lassen. Der größten Popularität von den zahlreichen Romanen und Novellen Hermanns erfreut sich die in vielen Auflagen erschienene Geschichte der „Jettchen Gebert". Seines Judeseins ist sich Hermann eigentlich erst in späteren Jahren unter dem Eindruck des Antisemitismus bewußt geworden, aber sein ganzes Schaffen, das läßt sich nicht leugnen, ist von einer zwar nicht original jüdischen, wohl aber modern-jüdischen Eigenart getränkt. Eine Gesamtausgabe seiner Werke in sechs Bänden ist bei der „Deutschen V e r l a g s a n st a l t" in Stuttgart erschienen. diese „Religion", besser gesagt die Thora-Offenbarung, umfaßt und trägt die ganze Fülle jüdischer Kultur und jüdischen Stammesbewußtseins. Der Kampf für den Sabbat in Genf. Die Kalenderreform auf unbestimmte Zeit vertagt! * Am Montag, den 12. Oktober, begann in Genf, wie schon kurz mitgeteilt, die vierte Konferenz für Verkehr und Transit, die als ersten Punkt der Tagesordnung die Reform des gregorianischen Kalenders und die Stabilisierung bisher labil gewesener Feiertage behandelt. Den Vorsitz führt der Portugiese Vasconcellos, Vizevorsitzender ist der Vertreter Frankeichs, Silvam Dreyfus, ein Jude, Generalsekretär der Konferenz ist der Direktor der Verkehrs- und Tranfitfektion beim Völkerbund, Haas, ebenfalls ein Jude. Auch einige andere Juden nehmen als Delegierte ihrer Regierungen an der Konferenz teil, so u. a. Prof. Dr. E. Moresco als der Vertreter Hollands. Die Konferenz beschloß, den als Beobachter zugelassenen Vertretern der jüdischen Religionsgemeinschaft Gelegenheit zu gehen, während der Sitzung der Konferenz das Wort zu ergreifen, um die von den Führern des Judentums und von den jüdischen Gemeinden unterbreiteteen Memoranden, in denen gegen die Einführung eines Blankotages, wodurch die Kontinuität der Woche und die Stabilität des Sabbats aufgehoben werden, angekämpft wird, in freier Rede zu begründen. Als solche jüdischen Vertreter hatten sich in Genf der Vorsitzende des jüdischen Komitees betreffend die Kalenderreform, Chiefrabbi des Britischen Reiches, Dr. I. H. Hertz, der Sekretär des Komitees Dr, Cecil Roth, die Repräsentanten der Weltorganisation Agudas Jisroel, Rabbiner Dr. Pinchas K 0 h n und Sally Gugg e n h e i m , die Vertreter der amerikanischen Liga zur Erhaltung der Stabilität des Sabbat, Philip S. Henry, Dr. Elkan Adler und Dr. Arthur Levine, Oberrabbiner Dr. L e w e n st e i n - Zürich als Vertreter der holländischen aschkenasischen Gemeinden, Prof. Dr. I. L. P a l a ch e als Vertreter der fephardifchen Gemeinden, eingefunden. Jüdische weltliche Führer aus allen Teilen der Welt haben dem Völkerbund durch Vermittlung des Jüdischen Komitees betreffend die Kalenderreform das folgende Memorandum überreicht: An den Vorsitzenden und die Mitglieder der vierten allgemeinen Konferenz über Verkehr und Transit, Völkerbund, Genf. (Zunahme der jüdischen Bevölkerung in der Tscheche, slowakei.) Das Statistische Staatsamt veröffentlicht vorläufige Ergebnisse über den Zuwachs der jüdischen Bevölkerung in der Volkszählungsperiode 1921—1930. Danach hat sich die Zahl der Juden dem Bekenntnis nach von 353.978 auf 365.768 erhöhtd. h. sie ist um 0,8 Proz. gewachsen und stellt 2,42 Proz. der Gesamtbevölkerung dar gegen 2,4 Proz. im Jahre 1921. Im Gegensatz zu dieser Gesamttendenz steht die Bevölkerungsbewegung in den historischen Ländern. Während alle anderen Konfessionen durchwegs zugenommen haben, find die Juden in Böhmen um 3493 (4,3 Proz.) und in Mähren und Schlesien um 4082 (8,9 Proz.) zurückgegangen. Dieser starke Rückgang, in erster Reihe infolge Geburtenrückgang und erhöhter Sterblichkeit, wird durch Karpathorußland wettgemacht, wo die Zahl der jüdischen Bevölkerung um 9466 oder 10,2 Proz. zugenommen hat, während der Zuwachs in der Slovakei nur 781 (0,6 Proz.) beträgt. Wochenkalender. v. 24. - 31. Okt. INI v. 13. - 30. Marcheschwan 8682. 'öl» S)1 Samstag Okt. 24 jwni» 13 l’an»y in Sonntag 25 14 tu Montag 26 15 n» Dienstag 27 16 vv Mittwoch 28 17 a Donnerstag 29 18 tu Freitag 30 19 aa Samstag 31 20 aa