Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1931)
- Date
- 1931-10-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 4 Nr. 42 Der Israelit Preisliste, auch anderer gat^l^äiirmitfei frei Dr. Fromm, Kötzschen&’oaa jt, Frankflirt. Niederlagen f.... ,JIir sch.-Apotheke /!.: / 111 :>it Reformhaus Boermel-Erast, Schillerstraße 27 WrezpMWm « Vachricbtt«. während Bewußtsein und Empfindungsvermögen durchaus vorhanden sind. Auch von tierärztlicher .Seite sind übrigens ähnliche Ansichten ausgesprochen worden, so z. B. von Mayr. Am Menschen ist bisher nur zweimal eine größere Operation in Elektro-Narkofe vorgenommen worden. Aus den experimentellen Untersuchungen ist noch bemerkenswert, daß der Unterschied zwischen der sogenannten nützlichen und der für das Leben des Tieres schon gefährlich werdenden Stromstärken im allgemeinen nur sehr gering ist, unter Umständen bedarf es nur einer Steigerung um 0,3 Milliampere, um das Tier durch einen bis dahin nicht gefährlichen elektrischen Strom zu töten. Die eben geschilderten Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung sind für die Betäubung rituell zu schachtender Tiere von wesentlicher Bedeutung. Dci'-man sowohl Veränderungen all den Lungen als auch-tzanz besonders am Gehirne gefunden hat, so entstehen damit sicherlich schon v ö r der Ausführung des Schächtschnittes bei dem betreffenden Tiere schwere religionsgesetzliche Bedenken bezüglich des Trepho-Verbotes. Ohne uns hier im einzelnen auf halachische Untersuchungen einzulassen, kann ferner gesagt werden, daß bei der geringen Breite zwischen der nützlichen und gefährlichen Stromstärke — namentlich bei einem Massenbetriebe — ein Ueberschreiten der zulässigen Grenze sehr leicht vorkomm.en kann. Dann wäre aber unter Umständen das Tier schon im Moment vor dem Schächtschnitte sicher trepho. Die Beurteilung dieser Dinge steht auf des Messers Schneide. Selbst vom rein medizinisch-biologischen Standpunkte aus kann man gar nicht die Verantwortung für die Begutachtung übernehmen, ob nicht zum mindesten die allerschwersten Zweifel und Bedenken bezüglich der religionsgesetzlichen Genußfähigkeit des Tieres vorliegen. Praktisch kommen diese Zweifel natürlich einem Votum für trepho gleich. Wir kommen also zum Ergebnis, daß auf Grund der neuesten wissenschaftlichen Forschung die elektrische Betäubung der Schlachttiere in ihrer heutigen Form für uns religionsgesetzlich durchaus abzulehnen ist. Das Erfordernis der Zurückhaltung auf Grund des Forschungsergebnisses ergibt sich auch aus einer neuerlichen Feststellung auf einem deutschen Schlachthof. Denn aus Lübeck wird der Allgemeinen Fleischerzeitung vom 1. Oktober d. I. berichtet, daß beim Fleisch elektrisch betäubter Schweine ungenügende Ausblutung festgestellt sei, was die Fleischerinnung zu Schritten bei der Schlachtbehörde veranlaßt habe. Der Vorgang bestätigt die mit der Anwendung des elektrischen Verfahrens verbundene Problematik und Bedenklichkeit und ergibt insbesondere die Nichtanwendbarkeit bei religionsgesetzlichen Schlachtungen. Deutsches Reich. Der Lenkralverein an die Ostseebesucher 1931. ' ' . Berlin, 8. Oktober. ''' Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erläßt den folgenden Aufruf „An die Ostseebesucher 1931": ' „Unser Kampf gegen antisemitische Ausschreitungen in Ostseebädern und Agen deren Duldung durch die Kurverwaltungen hat in unseren Mitgliederkreisen und darüber hinaus einen lebhaften Widerhall gefunden. Wir haben eine Reche von Zuschriften und mündlichen Nachrichten erhalten, die beweisen, daß wir. mit beüi; energisch betriebenen Kampf gegen die Unwürdigkeiter^ in deutschen Bädern auf dem richtigen Wege sind. Bezerchnettb ist, daß uNs eine rechtsstehende nichtjüdische Persönlichkeit in unserem Vorgehen beipflichtete, indem sie daraus hinwies, daß jeder einsichtige Deutsche, gleich welcher politischen oder religiösen.Richtung, dafür einireten müsse, in Kurorten und Bädern jede Herausforderung politischer Art zu beseitigen. Solche , Orte, sollten nur der Erhölühg äller dienen. ’ ... - Indem wir diesen Kampf führen, sind wir uNs bewußt, für eine Milderung der politischen Gegensätze, eine der dringendsten Erfordernisse der Gegenwart, einzutreten. Dieser Kampf muß aber weitergehen, um Erfolg zu haben. Wir bitten daher alle unsere Freunde und Freundinnen, die sich im Jahre 1931 in Ostseebädern aufgehalten haben, uns mitzuteilen: 1. welche schlechten Erfahrungen sie auf unserem Gebiete gemacht haben und in welchem Bade; 2. welche guten Erfahrungen sie gemacht haben und in welchem Bade. — Auf Grund dieses Materials werden wir in der Lage sein, vorwärts zu kommen, um für einen von Herausforderungen nicht beeinträchtigten Besuch der Ostseebäder 1932 entsprechend Vorsorge zu treffen und Auskünfte, umfangreicher und anders als bisher, geben zu können." 7lot und Wohlfahrtswesen in Berlin. Berlin, 9. Oktober. Die Repräsentantenversammlung von Mittwoch war ganz dem Wohlfahrtswesen gewidmet. Die in geheimer Sitzung vorausgegangene Wahl von Dr. Walter Breslauer zum Verwaltungsdirektor der Gemeinde stieß auf starke Opposition der Volkspartei. Es liegen Anträge der „Religiösen Mittelpartei", der „Liberalen Partei" und der „Volkspartei" vor, die alle darauf hinausgehen, die steigende Rot der erwerbslosen jüdischen Massen im kommenden Winter zu lindern. In Beantwortung dieser Interpellationen führte der Dezernent für das Wohlfahrtswesen, Herr Direktor Stahl, im Namen des Vorstandes etwa folgendes aus: Die Gemeinde kann in der Hauptsache nur ergänzende Wohlsahrtshilse leisten.. Der Staat hat eine großzügige Aktion der Winterhilfe eingeleitet, an der auch das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde beteiligt ist. Der Vorstand ist entschlossen, das Wohlfahrtsamt in die Lage zu versetzen, den Notleidenden soweit als nur möglich zu helfen. Zahlreiche Personen, die früher in gut ___ 15. Oktober 1931 bürgerlichen Verhältnissen- Hab-H^sind jetzt unterstützungsbedürftig gerbötdem Wurch üey..Zusammenbruch einer Reihe von Unternehmungen-, im Textil-, Bankwesen usw. sind auch zahlreiche^WgestelstdDotlos geworden. In Charlottenburg, wo im vongen.Hahre^ IM Urtier- ' jetzt auf 1600 gestiegen. Gogär der Bezirk Fasanenstraße, der in früheren Jahren kaum irgendwelche Unterstützungsbedürftige aufwies, zählt jetzt 300 Bedürftige. Zahlreiche Familien sind von Exmission bedroht. Wir helfen den Leuten durch Rat, helfen ihnen in. kleinere. Wohnungen ziehen, versorgen sie mit.k>em Notwendigsten, helfen ihnen aus momentaner Not. Der)Zukunft sehen wir mit schweren Sorgen, entgegen. Wir organisieren die Lieferung von Brot, Kleidern, Feuerung. Wir geben das Bröt, statt zu 50, zu 25 Pfennig oder gratis. Für Brot ist also gesorgt. Die bestehenden 8 Küchen., des WohlfaWsamtes werden um 2 bis 3 vermehrt werden, Speiseräume werdenerrichtet, Familien soll ftias^Efsen. ins Hau^ geschickt werden.. Von großer Wichtigkeit, ist eine .Organisation der Nachbarhilseü'Eine SämnlWgHr KleiderhDlfe hat '10 000 Mark ergeben, sie wird fortgesetzt. Die' Mi n d e rfpe.rs,ung in Schulen' wird.'organisiert. Bork BedeutunA')ist.'^auch. die -A b e n 8 h kl f e: In den Räumen, in denen tmj*. Tage gespeist,wird,: werden am Abend die Bedürftigen mit Tee und Ärot bewirtet und durch musikalische und andere Veranstaltungen unterhalten, damit ihnen über die Schwere ihrer Lage hinweggeholfen wird. Eine Reihe jugendpflegerischer Maßnahmen, besonders für erwerbslose Jugnedliche, pan denen man 538 männliche urid 583 weibliche im Älter von 17 bis 20 Jahren zählt, ist vorgesehen. Direktor Stahl schloß mit der Versicherung, daß der Vorstand, der in dieser Zeit der schweren Krise gezwungen ist, aus allen Gebieten Einsparungen zu machen, trotzdem jetzt keine wichtigere Sorge als die Ausrechterhaltung und den Ausbau der Wohlfahrtsfürsorge kennt. «Scham und Schmerz". Berlin, 9. Oktober. Zu unserem Artikel „Scham und Schmerz" in derjüngsten Nummer ist ergänzend zu berichten, daß der Aufruf als solcher vom Verein zur Abwehröes- Antisemitismus aus ergangen ist, und jene sechzigchristliche Persönlichkeiten durch ihre Unterschrift sich denn Ausruf des Vereins angeschlossen haben. Wahrung der Sabbatinteressen. Berlin", 13. Oktober. Vom Weltverband für Sabbatschutz Schomre Schab-- bos wird uns geschrieben: Am Montag, den 12. Oktober, begann in Genf öte: 4. General-Konferenz des Verkehrs- und Transitausschusses des Völkerbundes. Es wird als erster Punkt der Tagesordnung die viel diskutierte Frage der Fixierung des Osterfestes und der Vereinfachung des Kalenders behandelt. Diese Beratungen sind für die Judenheit von schicksalsschwerer Bedeutung, denn der im Vordergrund stehende Reformplän sieht bekanntlich die Einführung von Blankotagen vor, durch die der bisher im Gefüge des Kalenders festliegende Sabbat beweglich gemacht und seinen Platz in der Ordnung der bürgerlichen Woche alljährlich wechseln würde. Wegen dieses besonderen Interesses, das die verantwortlichen Kreise der Judenheit schon mehrfach zu öffentlcher Stellungnahme gegen den Reformgedanken veranlaßt hat — es fei insbesondere an die Resolution des Sabbatweltkon- W aatltchci otterw-Einnabrne Oer Verkauf der Lose der nur noch kurze Zeit! PrenO.-(Südd.)-Klassen-Lotterie^'D.k Sichern auch Sie sich einen Anteil, rascher Entschluß kann IhrGiück sein! Klasse LOkf.1931 Rund 114 Millionen Rm. werden in 5 Klassen ausgespielt I 1 Vs Los I J/4, Los 1 Vr Los | yt Los 1 Doppellos I | Rm. 5.— L Rm. IO.— 1 Rm. 20.- | Rm. 40.— 1 Rm. 80.— | Staatl. 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