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Der Israelit · 1931-10-15 · Heft 42 (15.10.1931) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 42 (15.10.1931)
Date
1931-10-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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f 15. Oktober 1931 Der Istaelit Nr. 42 Seite 3 Notwendigkeit und den erzieherischen Einfluß von Voltsschriften in einer der Masse und den Frauen verständlichen Sprache und Form. Damals war, um in der Sprache Bialiks zu sprechen, Las Hebräische noch eine Naami, darum die die heilige Sprache begleitende Volkssprache eine Nuth. „Wo du hingehst, will ich auch gehen." Es gab damals nur einen Weg für beide. Nicht hebräische oder jiddische, sondern jüdische Kultur, der Hebräisch wie Jiddisch zu dienen hatten. Hebräisch natürlich zu allererst. Erst als mit der neuen Zeit sich eine h e - -rätsche Kultur, losgetrennt von jüdischer Weltanschauung oder sogar im Gegensatz zu derselben, herausbildete, entstand, wie nicht anders zu erwarten war, eine Parallelbewegung für das Jiddische, die mit dem jüdischen Inhalt auch die hebräische Sprache ablegte und bekämpfte, ein I i d d i s ch i s m u s gegen Jüdischkeit und Hebräismus, eine -Kultur gegen den' rinn- Nicht etwa, als ob wir die jiddische Literatur zum „Zenno Urenno" zurückführen wollten; vor diesem Verdachte sind wir im Westen geschützt. Was nottut und aus den früheren Jahrhunderten unumgänglich gelernt werden muß, das ist die Einheitsliniezwi sch ende rh eiligen Sprache des Schrifttums und der Volkssprache der Massen. Diese Einheitslinie heißt: jüdischer Geist. lieber Hebräisch und Jiddisch steht d a s I ü d i s ch e. Und wo diese Voraussetzung gegeben ist oder wenigstens gegen diese nicht verstoßen wird, sind wir mit Bialik der Meinung, daß das Kulturgut auch der Anderen in die Schatzkammer der hebräischen Literatur übernommen werden mutz. Noch mehr als das: Alles, was gut und allmenschlich und nicht unjüdifch ist, gehört in die heiligen Hallen Sems hinein. •owrw'b trpte ns1 Zur Frage der elektrischen Betäubung der Schlachktiere. Es ist wohl allgemein bekannt, daß der Kampf der Schächtgegner sich offiziell nicht gegen das Schächten als Methode richtet, sondern gegen den Umstand, daß es angeblich ohne vorangegangene Betäubung der Tiere erfolge. Obwohl durch zahlreiche wissenschaftliche Gutachten erwiesen ist, daß bei der Ausführung des Schächtfchnittes an sich eine sofortige Aufhebung des Bewußtseins und der Schmerzempfindung erfolgt, wird doch immer wieder im angeblichen Interesse des Tierschutzes eine vorhergehende Betäubung gefordert. In den letzten Jahren hat in dieser Beziehung besondere Bedeutung die Betäubung der Schlachttiere durch den elektrischen Stromgewonnen und hat bereits an zahlreichen Schlachthäusern bei der Schlachtung von Schweinen, in ausgedehntem Maße Eingang gefunden. Als im vorigen Jahre im bayerischen Landtag der Gesetzentwurf über das Verbot des betäubungslosen Schächtens angenommen wurde/ wurde dabei gleichzeitig die Begründung gegeben, daß für die rituellen Schlachtungen in der vorausgehenden elektrischen Betäubung der Tiere eine auch religionsgesetzlich einwandfreie Methode zur Vermeidung jeder Tierquälerei ZUQ-Merfügung stände. Wenn dies wirklich der Fall wäre, so wird dabei stillschweigend vorausgesetzt, daß bei der Durchleitung des elektrischen Stromes durch den Tierkörper keine Veränderungen an den einzelnen Organen entstehen, die das Tier nicht schon vor dem Schächten trepho und somit religionsgesetzlich zum Genüsse untauglich machen. Eine Reihe von Beobachtungen aus der neueren Zeit haben aber mehr und mehr zur Erkenntnis beigetragen, daß diese Voraussetzung durchaus irrig ist. So ist erst kürzlich in der „M e d i z i n r s ch e n W e l t" 1931 Nr. 33 ein Aussatz über elektrische Narkose von Dr. Willy Hofmann in Frankfurt a. M. erschienen, in dem diese ganze Frage vom Standpunkte der menschlichen Medizin, namentlich auch mit Rücksicht auf die Einführung dieser Betäubungsart in die Chirurgie, erörtert wird. Die in diesem Artikel gemachten Feststellungen haben aber in hohem Grade auch Interesse für die für uns beim Schächten maßgebenden Gesichtspunkte. Es feien daher im folgenden einige Einzelheiten aus der genannten Arbeit besprochen: Die elektrische Betäubung wurde ursprünglich von dem französischen Forscher Leduc in die experimentelle Medizin emgeführt. Dieser konnte Nachweisen, daß bei Durchleitung eines in bestimmter Weife unterbrochenen Gleichstromes durch den Tierkörper sowohl örtliche wie allgemeine Betäubung eintrat. Nach dem Ausschalten des Stromes liefen die Tiere wieder umher, als ob nichts geschehen sei. Man konnte auch an so narkotisierten Tieren größere operative Eingriffe ausführen. Wurde die Stromstärke weiter gesteigert, so fiel vor allem eine Erschwerung der Atmung auf. Bei der späteren Sektion solcher Tiere wurden wiederholt kleine frische Blutungen in den unteren Lungenteilen vorgesunden. Ferner wurden von einem anderen Untersucher an den kleinen Gehirngefäßen Blutaustritte nach Vorbehandlung des Tieres mit der Elektronarkose nachgewiesen. Die Einwirkungen der elektrischen Narkose auf das Gehirn wurde unter Anwendung gem. 8 9 d.Planes Jefi $afife Jfinen 2 Millionen wenn Sie das Spoße-f os gewinnen! tö^io aller Lose gewinnen. Schon ein mittlerer Treffer bedeutet: Umwälzung Ihrer Existenz lioefi 3Cfaflen~£ofe frei. Harkngkaujen Ziehung schon am 20. u. 21. Okt. 1931 _ Staat!. Lotterie Einnehmer Zcil 26 (Nähe Amtsgericht) Tel.: 27732 einer besonderen Technik in einer experimentellen Arbeit von Jacobi u. Magnus eingehend studiert. Sie konnten an Hunden die Beobachtung machen, daß vor allem wesentliche Veränderungen der Verhältnisse der Gehirnslüssigkeit, des sogenannten Liquors, auftraten. Sie fanden als Folge der Elektronarkose einmal eine Schwellung der weichen Hirnhaut, ferner eine unmittelbare Gewebsschädigung, endlich einen Stillstand der Blutsäulen sowohl in den kleineren wie in den größeren Hirngefäßen. Aus diesen Untersuchungen geht hervor, daß es bei der Elektronarkose, vor allem bei Steigerung der Stromstärke, zu erheblichen Veränderungen in der Blut- und Flüssigkeitsversorgung des Gehirnes kommen kann. Des weiteren hat man sich mit der Frage besaßt, ob denn die elektrische Narkose eine wirkliche Betäubung mit einer Ausschaltung des Gehirnes und Aushebung der Gefühls- und Schmerzempfindung darstellt. Sehr interessant sind in dieser Beziehung zwei Selbstversuche, die der Erfinder der Methode Leduc an sich anstellen ließ. Die beiden Narkotiseure, die bei ihm die Elektronarkose ausführten, glaubten nach der äußeren Beobachtung, daß Leduc schon völlig betäubt sei. In Wirklichkeit war dies jedoch nach Leducs Angaben durchaus nicht der Fall. Wie er es selbst schildert, befand er sich nur in einer Art von Erstarrungs- und Traumzustand. Er hörte seine Umgebung sprechen, fühlte Berührungen, Stiche und Kneifen an den Gliedmaßen. Er hatte das Gefühl, daß sich ihm eine große Gefahr nahe, er konnte sich aber nicht dagegen wehren. Er konnte weder schreien, noch sonst irgendwie eine Abwehrbewegung ausführen. In beiden Versuchen waren also bei Leduc sowohl Bewußtsein wie Gefühlsempsindung erhalten, während die beiden Beobachter, wie schon erwähnt, das Gegenteil annahmen. Nach dieser Schilderung von Leduc hat man ohne weiteres den Eindruck, daß es sich bei der elektrischen Betäubung gar nicht um eine wirkliche Narkose handelt, sondern um einen Krampf- und Erstarrungszustand der Körpermuskulatur, der so stark ist, daß die Möglichkeit der Schmerz- und Bewegungsäußerung fehlt, lam Staatsreligion ist, und daß bis vor kurzem die Anschauung von der rituellen Unreinheit der Ungläubigen (Juden, Christen, Zoroaster) oorgeherrscht hat, nach der sogar schon die blotze Berührung mit einem Inden religiös unrein machte. Diese aus koranische Vorschriften zurückgehende, dann in dem schulischen Gesetzeskoder des Schah Abbas (16. Jahrhundert) verankerte und seitdem herrschende Vorstellung war die Quelle unsäglicher Bedrückungen und Verfolgungen des jüdischen Bevölkernngsteiles in Persien während der letzten Jahrhunderte durch die islamische Geistlichkeit, die diese Vorstellung bis zur äußersten Konsequenz in die Wirklichkeit umsetzte. Der Jude mutzte sich durch Kleidung, Haltung und Lebensweise von den anderen unterscheiden, er durfte z. V. bei Regen die Strahe nicht aufsuchen, da doch der Regen die Unreinheit auf die „Gläubigen" übertragen könnte. Selbst im 20. Jahrhundert waren noch Pogrome und Zwangsbekehrungen an der Tagesordnung, wodurch ganze Gemeinden ausgerottet wurden. Die Juden, fern von Euwpa, entbehrten des Schutzes einer einslutzreichen ^Persönlichkeit, bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Alliance Jsrelite Universelle in einzelnen Städten Persiens ihre Schulen einzurichten begann, deren Direktoren die RoUe des „Stadlan" den persischen Behörden gegenüber zu übernehmen hatten. Wenn also auch die staatsrechtliche Stellung der Juden in diesem islamischen Persien heute nicht mehr unbefriedigend ist, dank der Tatsache, datz der einst so beherrschende Einfkutz der islamischen Geistlichkeit jetzt durch Riza Khan gebrochen und eine weitgehende Emanzivation von der Vormundschaft des Klerus und eine Säkularisierung “es öffentlichen Lebens überhaupt erreicht ist, so ist die kulturelle und soziale Lage der infolge der vielen Leiden und Verfolgungen auch physisch geschwächten Juden Perslens traurig und im höchsten Grade besorgniserregend. Gerade wo jetzt durch eine liberale Regierung auch den Juden grötzere Auswirkungsmöglichkeiten gegeben sind, empfindet man den Mangel an dem nötigen Menschenmaterial und an den Mitteln zur Hebung der persischen Judenheit besonders stark. Alles schreit in Persien, wie übrigens auch in anderen Teilen des Orients, nach Erziehung und Bildung, und fieberhaft arbeitet der Staat an der Eröffnung neuer Schulen -und Vilduugsanstalten für die männliche und weibliche mohammedanische Jugend. Die jüdische Minorität besitzt nicht die Mittel, ihre kulturellen Bedürfnisse aus sich heraus befriedigen zu können; das erlaubt ihr sozialer Tiefstand nicht. Die bedeutende Hilfe, die dem kulturellen Leben des persischen Juden durch die Alliance gewährt wurde, ist heute bei weitem nicht mehr ausreichend. Die Erweiterung des jüdischen Schulwesens und ihr Ausbau ist eine dringende Forderung, uni den Verfallprozetz der persischen Iudenheit zu dämmen. Denn mit Recht kann von einem solchen gesprochen werden. In den letzten Jahrzehnten zog über das persische Judentum eine Welle des Abfalles und der Assimilation, die ihresgleichen nur noch in der Assimilationsbewegung der deutschen Judenheit des 19. Jahrhunderts hat. Noch heute leben notgedrungen Hunderte von jüdischen Familien als Scheinmohammedaner („Anusim") in mehreren Stätten Persiens, ohne datz eine Möglichkeit vorauszusehen wäre, wann und wie diese Maronen des 19. Jahrhunderts, über deren Existenz bisher gar nichts bekannt war, zum Judentum zurückgeführt werden können. Aber nicht nur dies. Die christliche Mission in ihren verschiedenen Erscheinungsformen als Schulmission, Krankenhausmission u. dergl. wirkt in einer Weise unter den ärmsten Schichte!» der persischen Judenheit, besonders da, wo kerne Allianceschulen sind, die jeder Beschreibung spottet. Auf der anderen Seite hat eine islamische Sekte, die sogenannte Behaibewegung, viele Anhänger unter den Juden gesunden, und den jüdischen Bevölkerungsteil Persiens um eine weitere nicht unbeträchtliche Zahl von Opfern dezimiert. Der Mangel an geeigneten jüdischen Führern dürfte nicht zuletzt die tiefere Ursache des kulturellen Niederganges der persischen Judenheit sein. Das persische Judentum erfuhr nach der Batsourdeklaration für kurze Zeit neue Impulse. Unter anderem wurde eine Bewegung zur Erlernung der hebräischen Sprache entfacht, die sogar ein modernes Lehrbuch der hebräischen Sprache in persisch ans Licht brachte. Seit zirka sechs Jahren ist jede zionistisch-jüdische Betätigung von Staatswegen verboten, infolge Verkettung von gewissen Umständen politischer Art, die noch der Aufklärung harren. Es wäre höchste Zeit, datz die europäische und amerikanische Judenheit sich des traurigen Loses ihrer Brüder in Persien mehr annimmt als bisher geschehen ist. Wocheukalender. v. 17. — 24. Okt. 1831 > v. 6. — 18. Marcheschwan 8692. 1 Samstag Okt. 17 jwmn 6 IWni Sonntag 18 7 a Montag 19 8 sa Dienste g 20 9 an Mittwoch 21 10 in Donnerstag 22 11 in Freitag 23 12 nn Samstag 24 13 «

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