Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1931)
- Date
- 1931-10-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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8. Oktober 1931 Der I s r a el.it Nr. 41 Seite 9 Horovitz diese seine Aeufferungen in der Tschuwo-Predigt, sowie auch die. Antwort De er aüf'die alsdann von der Kanzel des Börneplätzes. erfolgten Ängriffe am Schminiazeres gab, im ungefähren Wortlaute übermittelt, den wir im folgenden wiedergeben. ' , ' I. i , ' 'Aus der Predigt am noiv nov. >"10 DTR bv v>“ia,R" „Mit dem Jffur Hauzooh am Schabbos, dem Verbot des Tragens am Sabbat, hat der Schöpfer auch unserem werktätigen Schaffen und Wandeln mit Hand und F u.ß die Weihe erteilt, und eine ungeheure Geistesarbeit hat hie jüdische Tradition gerade dieser, der geringsten, aber nicht unwichtigsten der 39 verbotenen Werktätigkeiten gewidmet. Um die Masse vor der Schwere dieses Jffurs zu schützen, haben unsere Weisen die Institution des Eruw geschaffen, die das Tragen am Sabbat ermöglicht, aber nur unter ganz bestimmten, in einer modernen Großstadt sehr schwer zu erfüllenden Bedingungen. Wenn wir es heute, im Angesichte des nahenden Jaum Hakkipurim, vor G'tt und dieser Kehilloh Kedauschoh aussprechen müssen, daß der hier in unserer Stadt bestehende Eruw auch nach unserer halachischen Ueberzeugung den Anforderungen des Din keineswegs! genügt, daß also das Tragen in unserer Stadt nach wie vor ein schwerer Jssur ist, so sind wir uns der Verantwortung vollkommen bewußt, die mit dieser Erklärung verknüpft ist. Aber u n e r t r ä gl i ch.wäre die Verantwortung und Versündigung, wenn wir das Ergebnis unserer erneuten, eingehenden, gewissenhaften Prüfung, das sich mit der Entscheidung unseres verewigten großen Amtsvorgängers deckt, um des Friedens willen unterdrücken wollten. Und so wie diese unsere Entscheidung, wir beteuern es feierlich vor dem Angesichte des Jirfe jnu/ fern von allen sogenannten gemein de politischen Erwägungen, rein aus der Tiefe des halachischen Denkens, aus dem uns vergönnten Maß von nun bv nnn« fließt, so sind wir überzeugt, daß dieses Wort unserer heiligen Ueberzeugung den Frieden gar nicht stören kann, daß es vielmehr die Anerkennung auch, jedes andersdenkenden, ehrlichen Menschen, vor allem aber die treueste, gewissenhafteste Beachtung bei denj Mitgliedern unserer Kehilloh finde n w i r d." II. Aus der Predigt amm» ’i'vv. „Bevor wir uns aber bemühen, den einheitlichen Sinn aller dieser Hinweise der schriftlichen und mündlichen Lehre im Zusammenhang zu erkennen, zwingt uns die Pflicht des 'msrm 'nn w'pi armm ein kurzes, ruhiges Wort der Abwehr zu sprechen. Im Angesichte des Jaum Hakkippurim, ergriffen von dem Gedanken der ernsten Verantwortung, die jeder -Riv'a vR-iin nu» trägt vor. G'tt und der von ihm betreuten Gemeinde, haben wir es für unsere Pflicht gehalten, unserer tiefsten Ueberzeugung von der halachischen Unzulänglichkeit des hier geschaffenen Eruw, niemandem zuliebe und-niemandem zuleide, Ausdruck zu verleihen. Wahrlich nicht voreilig und nicht ohne reifliche Erwägung haben wir diesen Schritt getan! Wir haben alle, alle Argumente der Gegenseite, die ja restlos im Druck oorliegen, ernst und ohne jedes Vorurteil geprüft, in dem ehrlichen Wunsche, einen Weg zu finden, der die Lösung der vorhandenen halachischen Schwierigkeiten gestattet. Keine gegenseitige Diskussion kann' dieses Schwierigkeiten ihrer' Natur nach aus der Welt fchaffen! Denn es ist letzten Endes überhaupt nicht eine Sache weitläufiger Diskussion^ sondern eine Frage der religiösen Ueberzeugung und zuletzt Sache der Willensentschsidung, ob matt' einen Eruw bei jeder einzelnen Frage auf der unsicheren Grundlage einer kleinen Minderheit von Dezisoren und auf mehr oder minder anfechtbaren Gedankenkonstruktionen aufbauen will oder nur auf dem sicheren Fundament des Schulchan Oruch und der ungeheuren Mehrheit der auivrr» überhaupt. Dieses Fundament aber, das steht unerschütterlich fest,.fehlt dem hiesigen Eruw. Er: wurde im Widerspruch zu dem klaren . Wortlaut des Schulchan Oruch errichtet, und all das/was zu seiner Rechfertigung angeführt wird, trifft zum großen Teile für den hiesigen Eruw nicht zu.' ' Wir haben bereits am 11. Clul unsere Entscheidung dem Vorstand unserer Gemeinde, schriftlich .mitgeteilt. Sie konnte demnach am 8. Tffchri keine Sensation sein. In dem Augenblick aber, da unsere Entscheidung gefallen war, trat an uns die unerbittliche Pflicht des wsin min •pro» ns heran, die Pflicht, die Mitglieder unserer Gemeinde vor der Uebertretung des von unserem verewigten, großen Amtsvorgänger, der als mminn»i» in der ganzen jüdischen Welt anerkannt war, erlassenen, nach wie vor in Kraft stehenden Jssurs zu warnen. In unserem Antwortschreiben haben wir unsere praktischen Vorschläge niedergelegt, auf welche Weise einem neu zu gestaltenden Eruw eine nach unserer Ueberzeugung sichere halachische Grundlage geschaffen werden könnte. Bisdies geschehen, war es und ist es unsere heiligste Pflicht, von der uns kein Angriff und keine noch so kränkende Verdächtigung abhalten wird, denen, die unseren Worten vertrauen, die. Wahrheit zu sagen, die Wahrheit allerdings, wie wir sie erkennen und vor dem G'tte der Wahrheit zu vertreten haben. : . Von diesem Wege der Wahrheit und des Vertrauens zu dem einmal erwählten Führer werden sich, wir sind dessen sicher, die Mitglieder unserer Gemeinde nimmermehr abdrängen lässen. Dann wird ihnen jeder viip rat? erneut zum Fürsprecher und Schutzengel werden."! Soweit die Worte des Herrn Gemeinderabbiner Horovitz. Wir haben noch folgendes hinzuzufügen: Gegenüber dem Versuche, durch mehr oder minder bruchstückweise Zitierung von Tschuwos und durch Hinweise aus die Praxis in Czernowitz, Lemberg, Warschau usw. den' halachischen Standpunkt des Räbbiners der Religionsgesellschast zu erschüttern, genügen unseres Erachtens für den Kenner schon die grundsätzlichen Hinweise, die in der Schminiazeres-Predigt niedergelegt sind. Wir werden aber, wenn es nötig sein sollte, selbstverständlich nicht unterlassen, auch im einzelnen die zum erheblichen Teile objektiv unrichtigen Angaben zu berichtigen, die über die angebliche Legalisierung des hiesigen Eruw in seiner jetzigen Form durch jene Tschuwos (z. B. mp» ps H'sisp i»*>» usw.) als auch über die angebliche Identität der Eruwin östlicher Großgemeinden wie Czernowitz, Lemberg usw. mit dem hiesigen gemacht worden sind. Es ist ein Unterschied, ob man unter dem Druck der lokalen Verhältnisse an der einen Stelle diese, an der anderen jene rrinp zur Durchführung eines sonst sicher fundierten Eruws heranzieht, oder ob man zwanzig, dreißig mi-ip von überall her zusammenholt, zwanzig, dreißig Einwände durch „Gedankenkonstruktionen" widerlegt und auf dieser Kombination aller v’i’wn einen neuen Eruw aufbaut. Das ist in der Tat eine Sache der „Willensentscheidung", über die sich nicht diskutieren läßt. Cs wäre daher das beste, die öffentliche Diskussion zu schließen, auf beiden Seiten kein Oel mehr ins Feuer zu gießen und es jedermann zu überlassen, der Entscheidung des von ihm anerkannten Rabbinates zu folgen. Simchas Thora in unserem Gemeinde- und Dereinsleben. Allen wirtfchaaftlrchen Miseren zum Trotz llang Simchasthora in unserer Gemeinde und in den Vereinen in den hellsten Tönen aus. In unserer Synagoge Friedberger Anlage leistete der Synagogenchor am Abend wie am Morgen unter der Leitung des Herrn Neumann Hervorragendes. . V,iel bewundert wurden die herrlichen Soloeinlagen des Herrn L. F.r.nke! st-e'rn.; , Im M e ko r C h aj i m wie .in der Agudas Iisr.o e f- Jüg en d gruppe .wurde morgens Früh- Minjan veranstaltet, unter. guter; Beteiligung, und ungemein ästimierter festlicher. Stimmung'^ "Es fehlte da wie dort nicht an den üblichen Tänzen und Gesängen. Nachmittags hatte die Agudas Jisroel-Jugend in ihren Räumen in der Schwanensträße eine gesellige Veranstaltung, die sehr stark von Jung und Alt aus allen Schichten der Gemeinde beucht war. Vortreffliche Reden, Gesänge und Tänze bei Speis und Trank hielten die Festgenossen bis zur Nachtstunde vereinigt. Gegen Abend beehrte auch unser Rww, Herr Rabbiner I. Hprovicz, die Festversammlung mit. seinem Besuche und einer Ansprache. In.der Jeschiwa hielt eine schöne Simchas Thora- Feier Rasch Jeschiwa, Dozenten, Kuratorium, Schüler und.Freunde bis in die Nacht vereinigt. In den chaffidifch orientierten Bethäuserm schlug die Simchas Thora - Freude hohe Wellen. Im Beshamidrasch Ostendstraße 18, .wo auch Schaß-Verein und Schneiders sche Jeschiwa domizilieren, sammelte sich, wie . immer, ein großes Auditorium zu einer Feier, die vom eigenen litauischen Mussargeiste ausgezeichnet war. Möge diese echte ehrliche Freude an der Thora uns m einen Winter hineinbegleiten, dem manche nicht ohne Sorge entgegensehen. Sijum in der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Am vergangenen Montag Abend fand sich in der Agudas Jisroel-Jugendgruppe ein kleiner Kreis ein, um den Sijum auf Maffecheth Makkoth feierlich zu begehen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse ließen es leider nicht zu, den Sijum in einem größeren Ausmaße zu feiern. So fanden sich nur die Teilnehmer mit einigen Gästen zusammen, unter denen besonders der frühere Leiter des Schiurs, Herr Leo Schnerb, zu nennen wäre. Die Teilnehmer des Schiurs, der bereits 6 Jahre besteht, begannen im Jahre 1928 zuerst unter Leitung des Herrn Leo Schnerb die in diesen Tagen zu Ende gelernte Maffecheth Makkoth. Einige Zeit später übernahm Herr Hermann Bing die Leitung des Schiurs und er hatte die Befriedigung, in diesen Tagen den Sijum feiern zu können. Die Feier selbst war umrahmt von geiswollen Hadran-Ansprachen der beiden Dozenten. Der Vorsitzende übermittelte die Wünsche des Vorstandes der Jugendgruppe und einige Schiurteilnehmer gaben in kurzen Ansprachen den Beweis, wie weit sie durch diesen intensiven Schiur bereits in hie Gemoro eingedrungen sind, Dis Feier fand erst um Mitternacht ihr Ende. Der Schiur hat nun mit Maffecheth Kiduschin begonnen. Es könnten evtl, noch einige Interessenten nach vorheriger Zulassung durch den Dozenten, Herrn Hermann Bing, an dem Schiur teilnehmen. Freitag Abend in der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Die schlechte Wirtschaftslage gestattet es nicht, in diesem Winter besondere Freitag Abend-Veranstaltungen zu unternehmen. Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe hält aber während des Winters am Freitag Abend von 19.30 bis 22 Uhr ihr geheiztes Lese- und Klubzimmer geöffnet. Aron Mayer Am Simchas Thora hauchte unser Aron Mayer, etwas fern vom Kreise, in dem er noch voriges Jahr an diesem Tage die Freude an der Thora erlebte, seine reine Seele aus. Unser Aron Mayer, dieses „Unser" wird jeder empfinden, der ihn gekannt und darum auch geliebt hat. Aron Mayer hatte keine Feinde. Jeder ans seinem großen Bekanntenkreise betrachtete und behandelte ihn wie einen nahen Angehörigen. Ein edler Mensch, ein goldreiner Charakter, eine hochvornehme Natur, die keinen Dienst duldete und allen nur dienen wollte, ein Kenner und Gönner der heiligen Lehre, ein pflichttreuer Mensch und Jehudi, ein opferfreudiger Freund den Freunden, so sahen wir, so kannten wir unseren Aron Mayer. Freundlich und bescheiden und glücklich, jemand beglücken zu können, so ging er seine Bahn, lleber drei Jahrzehnte war er mit außerordentlicher Pflichttreue in der Firma Michael Eisemann und Sohn tätig und fand dabei täglich Zeit, dem Thoralernen zu obliegen und idealen Dingen nachzugehen. Abend für Abend hatte er seinen Schiur. ‘ Ob im Mekor Chajim, im Liwjath-Chen, im Schaaß-Verein, in der Schomer Mizwoh-Vruderschaft, beim Prioatschrur, Aron Mayer , war immer dabei. Und er war mit Herz und' Seele und Opfern, die weit über seine Kräfte hinäusgingen, dabei. Er gehörte zu den edlen Naturen,.,die „zahlen mit dem, was sie sind." Wie eran seinen Lehrern, von denen er geistig zu profitieren glaubte,. hing, das wissen nur diese. War es nicht bezeichnend, daß' der Schomer Mizwo sich am Montag vom sirschen Grabe des Bruders nicht trennen konnte und, nachdem die Trauergemeinde fort war, sich spontan im Nebenraum der Leichenhalle zu einem Schiur wjmm zusammenfand! Unser Aron Mayer ist ein na l’önaa iVf da die Geschwister auswärts die Trauerwoche halten. Nichtsdestoweniger hat auch der Liwjath Chen, gedrängt von der glühenden Liebe, die den Heimgetaatltefrcj §ottvrür-Emnälrrn Der Verkauf der Lose der riClIU.' nur noch kurze Zeit! Sichern auch Sie sich einen Anteil, rascher Entschluß kann lliLr Glück sein! Ziehung 1. Klasse schon 21. u. 22. Pkt. 1931 M114 Millionen Rrn. werden in 5 Klassen ausgespielt! j-Klassen-Lotterie^1 Vs Lös 1 V* Los 1 1h Los | */, Los | Doppellos IRm. 5— |. Rm. 10 — | Rm. 2.0. — | Rm. 40.— j Rm. 80.— RIMGP W 79 Kaiserstr-79 am Bahnhofsplatz Staatl. 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