Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1931)
- Date
- 1931-10-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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weire q. ycr. pnwr Nähmaschinen Bequeme ZahlungsweSse Martin Decker £ Gr.Friedbergerstr. 18/20 in so jugendlichem Alter, daß sie an dem Weltkriege noch nicht teilnehmen konnten. Um so mehr sollten sie sich bewußt werden, daß ihre Angriffe sich vielleicht gegen jüdische Mitbürger richten, die für das Vaterland gekämpft und geblutet haben, deren Angehörige für es gefallen sind, die für diese Opfer von denen beschimpft und mißhandelt werden, für deren Freiheit sie gekämpft, geblutet, Gatten, Väter und Brüder hingegeben haben. Die Zahl der deutschen Juden, die für das Vaterland gefallen sind, entspricht prozentual der der gefallenen Christen." Der Ausruf fordert von jedem verantwortungsbewußten Mitbürger, daß er mit Mut und Energie der antisemitischen Gesinnung und Betätigung überall rücksichtslos entgegentrete. Der Eindruck dieser Kundgebung auf die Knüppelhelden vom Hakenkreuz kann zweifelhaft bleiben. Im Auslände wird man aber daraus ersehen, daß es in Deutschland noch Männer gibt, die von Schmerz erfüllt und in Scham gehüllt sind bei dem Gedanken an das, was gewisse Leute als „Ausfluß deutscher Gesinnung" ausgeben. Es gibt in der Tat kein besseres Mittel zur Wiederherstellung der deutschen Ehre und des deutschen Namens in den Augen der Welt als solche klare Aeußerungen berufener Führer der Nation. Zur Kalenderreform. Mitgeteilt von S. Kuttner in Berlin. In Anbetracht der Tatsache, daß mit Beginn des Jahres 1932 die bekannten Kalenderreformpläne in ein akutes Stadium geraten, werden die nachfolgenden Aeußerungen zweier anerkannter Kapazitäten, der Professoren Dr. G i n z e l und Dr. N e u g e b a u e r in Berlin, allgemein interessieren. Prof. Dr. Ginzel war früher Observator des „Preußischen Astronomischen Recheninstituts" in Berlin. Seine Aeußerung stammt aus dem Jahre 1914. Daß sich an den angeführten Tatsachen seitdem nichts geändert hat, beweist eine Bemerkung des derzeitigen Observators, Prof. Dr. Neugebauer, die erst dieser Tage erfolgte, und zwar im Anschluß an die Besprechung einer historisch-astronomischen Untersuchung des Herrn Prof. D. Gerhardt im Heft 1 der „Naturwissenschaften", .des Organs der Kaiser Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften 1931. ' . '>; Professor Dr. G i n zel schreibt: „Aenderungen einer Zeitrechnung soll man erst dann vornehmen, wenn sich Fehler oder bedeutende Nachteile derselben Herausstellen, denn die Jnterefsenkreife, welche von diesen Aenderungen betroffen werden, sind allgemeine. Wenn die Beseitigung des Manischen Kalenders erfolgen mußte, so geschah es aus der schließlich offenkundig gewordenen Notwendigkeit, die Uebereinstimmung des Jahres mit dem Sonnenläufe zu erzielen, und für die geplante Festsetzung des Osterfestes kann man wenigstens Gründe wirtschaftlicher Art anführen. Für die Projekte der neuen Reform liegen aber dringliche Ursachen nicht vor. Es handelt sich bei diesen weniger Um ein „Verbessern" des Jahres, als auf den richtigen AUsdruck gebracht, bloß um bin „Andersmachen" des Kalenders. 'Die angeblichen Vorteile wiegen'hier die entstehenden Nachteile-nicht auf. Wir würden bei der Ausführung eines radikalen Projektes zu dem julianifchen und dem gregorianischen Stil quasi noch einen dritte n erhalten, den wir fortwährend mit den beiden anderen Stilen vergleichen müßten. Solche Reduktionen der Daten, z. B. des gregorianischen Stils auf die Daten der neuen Jahresform, würden, da sich das Erwerbs- und Geschäftsleben der Gegenwart an das der Vergangenheit anschließt, sehr häufig nicht zu umgehen sein, wie z. B. in den juristischen Fächern, bei Verträgen und dergl., in der Statistik, in vielen Verwaltungszweigen. Es ist kaum fraglich, daß sich die Beteiligten, denen die Reduktionsarbeit eine ungewohnte Sache ist, nicht sehr fist das Auftreten einer neuen Jahresform werden erwärmen können. Von den Wissenschaftlern sind diejenigen durch die neue Datierung am meisten betroffen, deren Arbeit unmittelbar nach dem alten Systeme der Zeitmessung organisiert ist, wie die Astronomie (Datierung der-Beobachtungen, Einrichtung der astronomischen Tafeln), die Meteorologie, die Physik, die Geodäsie u. a., von wissenschaftlichen Fächern der Praktik namentlich die Nautik. Noch weniger werden die Wissenschaften, welche mit zurückliegendne Datierungen zu tun haben, von dem neuen Störenfried eines verbesserten Jahres erbaut fein, wie die Geschichtswissenschaft und deren Hilfsdisziplinen. Aber man möchte sich mit der Nneuerung schließlich zufrieden geben, wenn nur dadurch ein besonderer Fortschritt sichtbar wäre. Die Reformatoren glauben z. B. etwas Besonderes erreicht zu haben, wenn in allen Jahren die einzelnen Tage auf die gleichen Wochentage treffen. Die gleichen Wochentage als die Hauptsache einer Zeitrechnung hat es schon bei einem halbzivilisierten Volke, den Isländern, gegeben. Das Prinzip des 364tägigen Jahres, welches die Neuerer wollen, tritt schon in jenem Kalender auf, nur haben sich die Isländer logisch durch Einlegung einer Schaltwoche alle 6 oder 3 Jahre geholfen, während die heutigen Reformatoren „Nulltage" (also Blankotage) aufstellen müssen, welche unlogisch aus der Wochentagszählung wegbleiben. Bei den Isländern war ein 364tägiger Wochentalender (die Monate waren ihnen Nebensache) begreiflich, da es damals noch keinen gedruckten Kalender gab, welcher der Führer des Volkes in der Zeitrechnung hätte sein können. Heutzutage ist es anders, es gibt tausende von Kalendern in allen Schichten-der-Völker. Die Reformatoren, hoffen zwar, baß, > >eben durch, ,6ie neue Jahresform die Kalenher alle überflüssig Für Körper und.Füsse nur DIAIÖN-Puder diese Normalkalender beziehen wiederum ihre astronomischen Angaben von den Sternwarten oder jetzt vielmehr von den großen astronomischen Büros, welche alljährlich die astronomischen Jahrbücher herausgeben. Die Astronomen sind nämlich genötigt, da sich die Koordinaten der Himmelskörper jahraus, jahrein ändern, alljährlich die Zeit- und Ortsangaben der Himmelskörper von neuem zu berechnen. Die Staatsinstitute sorgen also alljährlich für die Beschaffung der richtigen chronologischen und astronomischen Bestandteile des Kalenders. Die Astronomie überwacht sozusagen die Zeit, und aus ihren Händen allein wird man seinerzeit die Verbesserung der gregorianischen Schaltregel nehmen müssen, da nur durch die Vergleichung der Theorie mit den Beobachtungen die kleinen periodischen und säkularen Aenderungen gefunden werden können, denen die mittlere Länge des tropischen Jahres unterliegt. Der Astronomie und ihren verwandten Fächern sind nach dem oben Gesagten die „Jahrbücher" also unentbehrlich. Der „Kalender" des Volkes ist aber die populäre Form des Jahrbuchs. Dadurch, daß eine Jahresform eingeführt werden soll, in welcher die Wochentage jedes Jahres auf dasselbe Datum fallen, wird der Kalender nicht überflüssig gemacht, da die Grundlage desselben, das astronomische Jahrbuch, jedes Jahr doch berechnet werden muh. Das Volk wird also den Kalender behalten; wenn aber dieser Kalender über die Beziehung der Wochentage zum Datum nach wie vor Auskunft gibt, so ist eine neue Jahresform überflüssig, welche den Kalender ersparen will. Man sollte es sich wohl überlegen, ehe man ohne Not ein neues Element der Unruhe in die Chronologie hineinbringt." Die erwähnte Nachbemerkung Professor Dr. N e u g e b a u e r s von 1931 lautet: werden müßten. Das dürfte eitle Hoffnung sein, denn wenn auch der gemeine Mann, dann weiß, daß' der erste Monatstag eines.jeden. Quartals z. B. ein .Montag.fei, wird, er doch den Kalender bei verschiedenen Zeitfragen nicht entbehren können. Unsere heutigen Kalender enthalten eben eine Menge Dinge, die der Allgemeinheit nützlich, zum Teil unentbehrlich sind, und sie dienen nicht bloß dazu, den Wochentag nachzusehen. Es wird also schon nichts anderes übrig bleiben, als daß der Kalender jedes Jahr neu gemacht wird. Das chronologische Gerüst dazu erhalten die Volkskalender aus den „Normalkalendern", die speziell für die einzelnen Lqnder verfaßtwerden. Und „Ueber den Gegenstand der Untersuchung hinausgehend, sei hier noch bemerkt, daß die moderne Kalenderreform es ganz übersieht, wie wertvoll die nun schon über zwei Jahrtausende regelmäßig neben der Tageszählung herlaufende veränderliche Wochentagszählung ist. Dem Schematismus zuliebe sollen Jahrestag und Wochentag fest verbunden werden, während forensisch gerade die Veränderlichkeit der Wochentage in den einzelnen Jahren von ausschlaggebender Bedeutung sein kann."; T Per dieser-, Gelegenheit will ich noch bemerken, dqß- Herr Dr. .Vlochmanu «in-Kiel eventuell auch für Einfügung einer Schaltwoche von sieben Tagen wäre, aber nur danrt, wenn die fortgesetzte u n u n t e r bry chen e Wochentagszählung von allen maßgebenden Instanzen als unerläßlich, anerkannt wird. Nach seinem Vorschlägewürden anstatt daß in jedem Jahre e i n Blankotag und in Schalt jahren noch ein zweiter Vlankotag über die 52 Wochen hinaus eingefügt wird, alle gewöhnlichen Jahre gleich 52 Wochen, d. h. 364 Tage zählen und in bestimmten Abständen von Jahren mit Schaltwochen von je sieben Tagen unterbrochen sein. Nach folgender Schaltregel, die innerhalb von 400 Jahren alles wieder reguliert, möchte er dieses bewirken: