Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1931)
- Date
- 1931-12-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 49 Der 3 s r a e Iit 3. Dezember 1931 LOREY Beachten Sie meine 3 neuen Schaufenster in der Börse. Das Fachgeschäft für Haus und Küche Glas und Porzellan Schiilerff r.16, Gr. Eschenheimerftr.29 Kommerzialrat Vondi, zum 1. Obmannstellvertreter Herr Med.-Rat Dr. Reiniger, zum 2. Obmannstellv. Herr Wolf Pappenheim, zum Schriftführer Herr Kommerzialrat Moriz L e i t n e r, zum Kassenverwalter Herr Leopold Richter gewählt. Zur Ergänzung der Vereinsleitung wurden die Herren Michael Sternf e l d und Joachim Wosner berufen. Tscheche Slowakei. Leichenverbrennung in Möhren. Prag, 24. Nov Wie die ITA. meldet, hat die jüdische Gemeinde in Brünn aus Anlaß des Konfliktes, der zwischen dem Oberrabbiner Dr. L. Levi und der Orthodoxie wegen der Vornahme ritueller Handlungen im Krematorium entstanden ist, das Gutachten eines Rabbinatskollegiums eingeholt. Wie dieses „Rabbinatskollegium" zusammengesetzt war, wird nicht mitgeteilt. Das Gutachten des Kollegiums soll wie folgt lauten: Bei Verstorbenen, deren Leichnam der Verbrennung zuzuführen ist, sind die rituellen Handlungen (Waschung, Einkleidung, Gebet) vorzunehmen. Die Zeremonie hat nur auf dem jüdischen Friedhof zu erfolgen, ausnahmsweise in der Wohnung des Verstorbenen. Die Urne kann aus dem jüdischen Friedhof beigesetzt werden, auf welchem ein Urnenhain errichtet wird. Die Vornahme von Funktionen im Krematorium ist unzulässig. Ebenso ist jede Vornahme von Funktionen bei der Beisetzung der Urne mit Ausnahme des Kaddischgebetes nicht statthaft. (Dieses Gutachten entspricht nicht den klaren Entscheidungen der rabbinischen Autoritäten des thoratreuen Judentums. Wir möchten daher Anlaß nehmen, im folgenden noch einmal die Beschlüsse abzudrucken, die in der Leichenverbrennungssrage schon vor mehr als 25 Jahren von der Rabbinerkommission der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums gefaßt worden sind. Sie lauten: 1. Es gibt nach unserem heiligen Religionsgesetz keine andere Bestattungsart als Beerdigung. 2. Jede Verletzung der Leiche ist streng verboten, also auch aus diesem Grunde das Verbrennen der Leiche untersagt. 3. Es besteht keine religiöse Verbindlichkeit, auf eine letztwillige Bestimmung hin, die Leichenverbrennung vornehmen zu lassen. 4. Die Beerdigungsbrüderschasten dürfen ihre Dienste bei keiner Leiche ausüben, s o b a l d e s f e st st e h t, daß dieselbe verbrannt wird. 5. Der Rabbiner darf eine Leiche, die verbrannt werden soll, nicht begleiten und auch keine Trauerrede in solchem Falle halten. 6. Die Asche einer verbrannten Leiche darf auf dem jüdischen Friedhof nicht beigesetzt werden.) Polen. Alaharfchooh-Aeier. O st r o, 26. Nov. Aus Anlaß der 300jährigen Wiederkehr des Todestages van Maharschooh fand in Ostro, der Hauptwirkensstätte des großen Rabbi, eine Feier statt, an der 500 Gäste, unter ihnen angesehene Rabbiner Polens, teilnahmen. In sämtlichen Synagogen wurden Reden, Ansprachen und Vorträge über den Maharschooh und. seine Zeit gehalten. In der Schul des Maharschooh fand abends im Rahmen eines mi>a ein großes Festmahl statt. Am Sonntag mittag gegen 12 Uhr formierte sich ein Zug von 10 000 Menschen nach dem Grabe des Maharschooh, wo die Gebete und die Reden sich bis nachmittags 4 Uhr hinzogen. Die Vertreter der Behörden waren beiden feierlichen Veranstaltungen auf dem Friedhöfe in Galauniform zugegen. Die gesamte Bevölkerung der Stadt feierte mit. Die Woche. Berlin. Vom Preußischen Landesverband wird im Einvernehmen mit den Behörden die Einrichtung einer Jüdischen Rundfunkzentrale geplant. Sie soll Abwehrzwecken, sowie der Verbreitung religiöser Belehrung dienen. — Die Nationals o z i a l i st e n haben bei den Wahlen zur Berliner Aerztekammer, bei denen sie erstmalig eine Liste aufgestellt hatten, von den 120 Mandaten 17 errungen. Lausanne. Hier fand am Sonntag, den 22. November, eine weihevolle Gedenkfeier aus Anlaß der Setzung des Grabsteins für Professor Haffkine statt. Außer dem Präsidium der Gemeinde Lausanne und dem Gemeinderabbiner hielt noch als Vertreter des H i l f s v e r - eins der deutschen Juden Herr Professor Dr. Eugen Mittwoch eine Ansprache. London. S ch a u k a t Ali, der indische Moslemführer, verließ nun London, um sich nach Palästina zu begeben. Auf einer Abschiedsfeier, veranstaltet von der „Britischen National Liga" in der Albert Hall, erklärte er, in seinem Herzen sei kein Platz für Judenhaß, aber für die Hoffnung, daß die arabische Sache durch ihn zum Siege gelangen werde. Eine Einladung an Nahum Sokolow, die zionistische Sache vor der Moslem-Konferenz zu vertreten, hat dieser abgelehnt. Paris. Nach einem den jüdischen Auswanderungsgesellschaften zugegangenen Bericht, haben die in CH a r b i n wie in anderen Zentren der Mandschurei wohnenden Juden unter den Kriegsunruhen in der Mandschurei nicht gelitten. In T s i t s i k a r, dem Zentrum der Schlacht am Nonnifluß, leben mehr als 50 jüdische Familien, für die weder von China noch von Japan eine Gefahr droht, eher von den früheren zaristischen Generälen, die oft die Zwischenzeit ausnutzen, um die Bevölkerung ihre Macht spüren zu lassen. Preßburg. Auch ■ in Preßburg unternahmen Studenten der juristischen Fakutlät eine Attacke gegen ausländische jüdische Studenten. Jüdische Studenten aus der Tschechoslowakei blieben unbelästigt. Men. Die Familie des verstorbenen Dichters Arthur Schnitzler übergab der Jüdischen Kultusgemeinde 1000 Schillinge als Spende für das jüdische Hospital und 300 Schillinge zur Verteilung an jüdische Arme. Dies geschah im Sinne des Testaments Schnitzlers und als Entgelt für die durch das gewährte Ehrenbegräbnis ersparten Ausgaben für ein einfaches Begräbnis. Rom. Hitlers Beauftragter in Rom bemüht sich, eine Verbindung mit dem Vatikan herzustellen, mit dem Ziele, den Vatikan zu einer Einwirkung aus' die deutschen Bischöfe zu bestimmen, daß sie. ihre Bann-Erklärung gegen die Nationalsozialistische Partei z u r ü ck n e h m e n. Diese Bemühungen sind beim Vatikan bisher -ohne Erfolg geblieben. Krakau. Der jüdische Medizinstudent Henryk Goldmann, der während der antisemitischen Studentenausschreitungen bei der Verteidigung zweier von den Nationaldemokraten angegriffenen jüdischer Studentinnen von den antisemitischen Studenten mörderisch geschlagen wurde und seither kränklich war, ist heute an Herzschlag verstorben. Jerusalem. Vor mehreren Monaten erregte das Verschwinden eines aus Deutschland stammenden jungen Juden namens Stahl und eines jüdischen Mädchens, Zohar-Goldstein, die sich von Tel-Awiw zu einer kurzen Wandertour entfernt hatten und nicht mehr zurckgekehrt waren, großes Aufsehen. Nun wurden die Leichen von Stahl und Frl. Zobar ausgearaben und identifiziert. Die Polizei setzte eine Belohnung für die Ermittlung der Mörder aus, dies hatte den Erfolg, daß fünf Beduinen vom Stamme Arabl Kuran als Täter verhaftet wurden. Die Verhafteten haben auch schon die Mordtat eingestanden. Die Leichen der beiden Ermordeten wurden nach Tel-Awiw gebracht, wo die Beerdigung am späten Nachmittag des 13. November unter großer Beteiligung, insbesondere der Jugend, stattgefunden hat. — Auf der Straße zwischen Jerusalem und Jericho wurde eine Touristenaesellschaft von einer arabischen Räuberbande überfallen und ausgeplündert. Einige Chaufteure und Mitglieder der Gesellschaft, die Widerstand leisteten. wurden schwer verletzt. Unter den Ueberfallenen befanden sich auch prominente Engländer. Seschenke in allen Preislagen in dem großen Spezialhaus I lefcfth unosoHn Zeii 95 und Töngesgasse 25—27 Palästina. 1 035 154 Einwohner in Palästina. Jerusalem, 20. Nov. Das Ergebnis der am Donnerstag, den 19. November, durchgeführten Volkszählung in Palästina liegt bereits vor. Danach leben gegenwärtig in Jerusalem 1.035.154 Seelen. Bei der Volkszählung im Jahre 1922 waren es 775.182 Seelen. In der rein jüdischen Stadt Tel-Awiw wurden gestern 46.062 Einwohner gezählt. Heber die Einteilung der Bevölkerung in Nationen und Konfessionen liegen offizielle Mitteilungen nochnicht vor. (ITA.). Personalien. Burghaun, 1. Dez. Die Negierung hat Herrn Lehrer Katz von Vreitenbach a. H. zum 1. Dezember hierher versetzt. Die Gemeinde ist erfreut, daß unser unvergeßlicher Lehrer Berlinger m. G. H. einen tüchtigen und frommen Nachfolger erhalten hat. — Möge auch dem neuen Führer der Gemeinde ein ebenso segensvolles Wirken wie seinem Vorgänger beschieden sein. Friedberg i. H., 24. Nov. Am 7. verschied iw unserer Gemeinde eine würdige, wegen ihrer Religiösität und Bescheidenheit ehrfurchtgebietende Greisin, Frair Jettchen Krämer, im 82. Lebensjahre, um nach 31 Jahren ihrem gleichgesinnten Gatten in die Ewigkeit nachzufolgen. Die hochgebildete Frau hat ihren Kindern, eine echt jüdische Erziehung angedeihen lassen und ist ihnen stets ein Vorbild an Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft gewesen. Sanft wurde ihr die reine Seele genommen. Am Grabe schilderte Herr Lehrer S e e l i g in bewegten Worten die trefflichen nvra der Entschlafenen vor der säst vollzählig erschienenen Gemeinde und' zahlreichen nichtjüdischen Mitbürgern. Landeshut, 1. Dez. Am letzten Freitag feierte ein sehr würdiges Mitglied des Vereins Israelitischer Lehrerin Schlesien, Herr Lehrer und Prediger L ö w e n st e i n, Neustadt (O.-S.) seinen 70. Geburtstag. 40 Jahre lang; hat er feine Aemter in Neustadt bekleidet und stca in jeder Beziehung voll und ganz bewährt. Als Lehrerhat er auch in den höheren Schulen Ersprießliches geleistet. Seine Schüler verehren ihn nicht nur als Lehrer, sondern auch als Berater und Freund. Seine Predigten, innig und vom Herzen kommend, fanden warmen Widerhall bei seinen Zuhörern. Als musikalisch feingebildeter Kantor bereitete er seiner Gemeinde zu allen Zeiten genußreichen G'ttesdienst. Aber noch höher wird er von seinen Freunden als Mensch geschätzt, dessen Bestreben es imer war, das Gute zu fördern. Sein Herz; ist voller Liebe für seinen trauten Familienkreis, wieauch für seine Gemeinde. Darum ist es als Zeichen öer wohlverdienten Dankbarkeit anzusehen, daß auch die Gemeinde den 70. Geburtstag ihres verehrten Lehrers und Führers würdig begangen hat. Insbesondere aberdanken ihm seine Kollegen und der Lehrerverein, dio mit allen andern den innigen Wunsch haben, daß den 70jährige noch lange die Frucht seines segensreichen Wirkens genießen möge. v"rnav Bad Rauheim, 29. Nov. Am Ausgang vom «x’i irnr hat Frau Else Vettmann geb. Neinhold, Frau des hiesigen Lehrers, Herrn Karl Vettmann, ihre Seele nach einem schweren, langen Leiden im jugendlichen Alters von 31 Jahren ausgehaucht. Dem Gatten ist die treue^ Genossin und liebreiche Gefährtin seines Lebens nach nur siebenjähriger glücklicher Ehe, ihrem erst 6 Lahre alten Kinde die beste und zärtlichste Mutter genommen worden. In ihrem Hause hatten alle jüdischen Ideale und Traditionen eine Heimstätte. Und mit tiefer Religiosität vermählte sich in ihrem Wesen reinstes Menschentum. Liebe und Güte waren die treibenden Kräfteihres Wollens und Wirkens. Freundlichkeit und stete- Hilfsbereitschaft gegen jedermann, insbesondere gegen die Armen und Bedrückten, sicherten ihr bei allen höchste Wertschätzung und tiefste Verehrung. Bei ihrer Bestattung am Dienstag, den 24. November, in Alsfeld gaben vor einer großen Trauergemeinde Herr Rabbiner Dr. H i r s ch f e l d, Gießen und Herr Lehrer Kahn, Alsfeld, ein Schwager der Verstorbenen, dem Schmerze der Familie und des Freundeskreises beredten Ausdruck. Berlin, 26. Nov. Am 12. Dezember feiert Herr Louis Lamm, Berlin, Inhaber der bekannten seit 30 Jahren bestehenden Buchhandlung gleichen Namens, seinen 60. Geburtstag. Louis Lamm ist eine bekannte Persönlichkeit im deutschen Buchhandel. Er gilt als einer der besten Kenner des jüdischen Antiquariatswesens. Sein Geschäft genießt Weltruf. Lamm ist auch durch eine große Anzahl jüdisch-historischer und anderer literarischer Arbeiten —