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Der Israelit · 1931-12-03 · Heft 49 (3.12.1931) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 49 (3.12.1931)
Date
1931-12-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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3. Dezember 1931 Der Israelit Nr. 49 Seite 7 \\W\l SCHLESICKY-STRDHLEID KAISERSTRASSE 27 seit mehr als 40 Jahren ist er schriftstellerisch tätig — bekannt geworden. Er hat es sich zu seiner besonderen Aufgabe gemacht, die antisemitischen Angriffe, die früher sehr oft im Fachorgan des Deutschen Buchhandels er schienen sind, zu widerlegen und zurückzuweisen. Er hat es erreicht, daß diese Angriffe im Buchhändlerblatt völlig verschwunden sind. Die von ihm veröffentlichten Anti quariat-Kataloge werden vielfach als bibliographische Nachschlagebücher verwendet. Zaberfeld i. Württbg., 25. Nov. Infolge eines Eisen bahnunfalles verunglückte Gustav He r b st, dahier. Ein tragisches Geschick hat diesen bescheidenen Mann aus dem Kreise seiner Familie gerissen. — Der Heimgegangene war ein selten ernster Jehudi und durck seine Wohltätig keit weit und breit bekannt. Nachdem durch Umzug der Familien das Minjan in Z. aufgehärt hatte, ließ er es sich nicht nehmen, beständig Leute aus den umliegenden Gemeinden über Schabbos und Jomtow zu sich einzuladen, die er nicht nur bei sich bewirtetes sondern auch noch in anderer Weise entschädigte. — Die außergewöhn licke Teilnahme an diesem Trauerfall und bei der Be stattung legte Zeugnis ab, wie Gustav Herbst nicht nur in jüdischen Kreisen, sondern bei sämtlichen Konfessionen beliebt und geehrt war. — Möge der Allmächtige der schwergeprüften Frau und Kindern Trost spenden. .fi'uajn Vermischtes Abraham Bedinget Breslau, 27. Nov. Wie bereits kurz gemeldet, hat am 4. Kislew Abra ham Berlinger im Alter von 59 Jahren feine Augen geschlossen. Bei der mup mußte auf Wunsch des Ber blichenen jeder tvon unterbleiben. Er entstammte einer angesehenen Rabbinen-Familie, von der er selbst schrieb sein Bruder Dr. Jakob Berlinger 'u in Schwäbisch-Hall sei „der 22. a-> aus seiner nnawn, deren glänzendster Vertreter der yv war." Als Sohn des Bezirksrabbi ners M. Berlinger in Braunsbach (Württemberg) geboren, genoß er von Kindheit an gründlichen Thora- Unterricht. Nach Absolvierung der Realschule der Jsrae litifchen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. — er schwärmte so häufig von dem Eindruck, den noch die Persönlichkeit <5. % Hirschs aus ihn machte — und des Jüdischen Lehrerseminars in Köln a. Rh. studierte B. an den Universitäten Bonn und Königsberg Ger manistik. Seit Ende 1893 wirkte er als Lehrer an der damals im Entstehen befindlichen Adaß Jisroel-Religionsfchule in Königsberg und wirkte erfolgreich an ihrem Aufbau mit. Im Jahre 1901 folgte er einem Ruf an die konservative Religionsschule der Synagogen - Gemeinde Breslau. Sein pädagogisches Taktgefühl, sein außerordentlich gewissenhafter und formvollendeter Unterricht, seine selbstlose Bescheidenheit und herzgewinnende Freundlichkeit errangen ihm die Liebe und Verehrung aller seiner Schüler und Schülerinnen. Das, worauf es ihm ankam, war, echte Jüdifchkeit mit viel positiver Thorakenntnis in die Herzen seiner Schüler einzupflanzen. Abraham Berlinger war ein Mann voll von min und a-vv run’ und 71»«. Von R. Aron Berlinger in Berlichingen hatte er im Einverständnis mit Rabbiner Dr. Kahn in Mergentheim die orn-n rrmn erhalten. An jedem Worte, das aus seinem Munde kam, konnte man seine Gewissenhaftigkeit erkennen. Darauf mag auch zurückzuführen sein, daß er verfügte, sein umfangreiches wertvolles Schrifttum, das er nicht mehr revidieren konnte, solle bald nach seinem Ableben, vernichtet werden, pin» lrsw -ut iy» rnna K’xir6 «i-v- Solange er gesund war, wirkte er auch durch Vorträge, insbesondere im Machsike-Thora-Verein sowie in der Agudas Jisroel-Jugendgruppe, auf Verbreitung und Vertiefung echt jüdischen Geistes. An der Entwicklung der V. I. A. nahm er von der Gründung an regen Anteil. Seit der Kriegszeit war B. leidend. Er konnte zu seinem großen Leidwesen erst nur beschwerlich, dann überhaupt nicht mehr seinen Verufspflichten Nachkommen. Trotzdem blieb sein Haus für'die Orthodoxie eine Stelle, von der aus er — ohne daß es in der Oeffentlichkeit bekannt ist — Anregungen gab, auf die so manche Verbesserung der Interessensphären der Orthodoxie Breslaus zurückzuführen ist. Infolge seines großen rnm rang er sich trotz seines lange schwankenden Gesundheitszustandes immer wieder zu einer lebenbejahenden Auffassung durch. In guten Tagen fand diese ihren Ausdruck in einer Reihe von geistvollen, poetischen, sarkastischen Betrachtungen, die leider nur zum Teil erhalten sind. So prägte er neben vielen anderen köstlichen Bemerkungen das schöne Wort: „Willst du wissen, was sich ziemt, frag' beim Schulchan oruch an!" Seine freie Zeit widmete er hauptsächlich der Erziehung seiner von ihm heißgeliebten Kinder. Möge sein Tvni ihnen sowie seiner edlen Gattin, einer würdigen Tochter Marcus Pinezowers beistehen, die mit inniger Liebe und Aufopferung für seine dauernde Pflege sorgte. — Ein historischer Betrachter der Entwicklung der Orthodoxie Breslaus wird an der Gestalt Abraham Berlingers nicht Vorbeigehen können, ohne seinen Einfluß gebührend zu würdigen. München, 26. Nov. Alle, die dauernd oder vorübergehend Erholung suchen, seien auf die Gründung des Jüdischen Frauenbundes München, das Israelitischci Erholungsheim Wolfratshausen im Isartal bet München hingewiesen. Zu kurzem oder ganzjährigem Aufenthalt bietet es durch seine luftigen Schlafzimmer, Zentralheizung, Warmwasser, Bad, reichliche Nebenräume mit Radio, Telefon Nr. 18, Terrassen. Liegehalle, parkartigen Garten, schöne freie gesunde Lage, Bergnähe, alle Annehmlichkeiten. Dazu reichliche, gute, streng rituelle Verpflegung unter Leitung einer vielseitigen Hausdame. Im Winter Gelegenheit zum Skisport, im Sommer Schwimmbad. Mäßige Preise für 5 Mahlzeiten von 4—6 Mark. Prospekt durch Frau Carola Neu, München, Hohenzollernplatz 1, 1. Berichtigung. Im Artikel „Nochmal: Ein Schreibfehler in '"im zu m?" in voriger Nr. 48, S. 3, Sp. 1, muß es statt: Denn der Vaubefehl . . heißen: Aber der Baubefehl . Die Woche. Das Synagogenkonzerl Alter. Das Problem „Ehafan als Konzertsänger" ist nicht gelöst und auch nicht zu lösen. Der Chasan ist dazu da, einer in gehobenen Momenten -bis zum Ueberlaufen vorhandenen Weihestimmung kraft seiner Kunst Ausdruck zu verleihen, Künstler und Konzertsänger ha den solche Stimmung erst zu schassen. Das ist ungleich schwerer. Ganz kann auch Alter dieses Problem nicht lösen, und es war darum klug von unserem erprobten und erfahrenen Max N e u m a n n, daß er diese Star-Leistung in einen großen Rahmen von Männer¬ und Knabenchören, Harmonium- und Klaviertönen hineinbaute. Das Publikum, das den Riesensaal des Saalbau oben und unten füllte, brachte Aufmerksamkeit und Sammlung mit und machte durch treues Mitgehen den Künstlern ihre Aufgabe leichter. Der erste Teil brachte durchwegs synagogale Musik. In einem „Wajhi binsoa"-Chor tastete sich Alter, unterstützt von den prächtigen Sopranstimmen des A. Keßler und M. Kurz mählich an seine Aufgabe heran. Mit zwei folgenden Sologebeten, die man sonst nicht zu singen pflegte, „Habet mischomajim" und „Leolom jehe odom" beherrschte er bereits vollends die Herzen. Im erfteren Stück brausten und weinten Klage und Anklage des Golus fast unmittelbar durch den Saal und rüttelten die jüdischen Herzen, im zweiten störte eine übertrieben plastische Gestik ein wenig die Wirkung. Ein eingeschobenes „Reze" zeigte die unverfälschte alte Meschorarim-Gesangkultur. Sauber wurde dann das uns wohlvertraute „Socharti loch" von einem vortreffliche Schulung zeigenden Doppelquartett gesungen (Blumenthal, Halberstadt, Herzog, Kaufmann, Levita, Nasalewitsch, Staschewsky und Teplitzky) ebenso das „Haschem 'echoronu". Wiederum entfaltete sich der mächtige und strahlende Tenor Alters in einem „Schma kaulenu" von Rumschinzky. Ein Stück eigener Prägung, etwas schartig für das rein musikalische Ohr, der Kenner hörte aber in diesem Stimmengewirre die betende, schreiende und weinende Gemeinde. Jeder hat sein eigenes Gebet und eine eigene Träne und alle finden sich auf einer Höhenlinie; eine Harmonie der Dissonanzen, wie sie das Leben selber bietet. Der zweite Teil brachte jüdische Volksmusik. Bekannte und weniger bekannte Piecen in Jiddisch, Hebräisch und Halbhebräisch brachte Alter mit starker artistischer Betonung zu Gehör. Besonders gefielen das „Jüdische Lied", eine Rhapsodie, die das jüdische Jahr im Liede darstellt, und „Die milchigen und fleischigen Jiden". Dankbar wurde die Einlage „Nu, nu" aufgenmmnen, ein Wörtchen, das je nach Tonfall ein ganzes jüdisches Wörterbuch darstellt. Dazwischen trat zweimal Hugo K o l b e r g mit seiner Violine vor die Rampe. Einmal spielte er Jom Kippur- Motive von Barmas, das zweite Mal hebräische Melodien, Volkslieder und Tänze mit bewunderungswerter Einfühlung in die chassidischen Weisen und die Welt, der iie entsprungen sind. Das Konzert schloß in später Abendtunde mit dem Chorgesange eines von M. Rosenblüth bearbeiteten jüdischen ukrainischen Volksliedes. Die instrumentale Begleitung lag in den bewährten Händen von Reinhold Merten. Die Chöre stellten der jüdische Männergesangverein „Hasomir", sowie Mitglieder und Knaben des Synagogenchors der Israelitischen Religionsgesellschaft. Max N e u m a n n hielt das Ganze von Anfang an bis zu Ende mit fester Hand zusammen. Ihm gebührt dreifacher Dank: für die Dienste, die er der Snnagogengesangskunft mit der Veranstaltung geleistet; daß er in einer Zeit düsterer Sorgen ein paar tausend jüdischen Menschen eine Stunde des Pergessens und reinen Kunstgenusses gebo- Zigarren Wolf Zeil Tel. Hansa 27930 seitens der veranstaltenden Vereine, Mekor Chajim und Agudas Jisroel-Jugendgruppe, die nötigen Vorbereitungen zu einem schönen Verlaus getroffen sind. Die Veranstaltung beginnt um 8 Uhr abends und wird zahlreiche Beteiligung erwartet. Gäste, insbesondere junge Leute, sind herzlichst willkommen. Lhanukahfeier im Hort für jüdische Mädchen. Der Hort für jüdische Mädchen lädt hierdurch alle seine Freunde und Gönner herzlichst zu seiner Chanukahfeier ein, die am Dienstag, den 8. Dezember, nachmittags 4.30 Uhr in der Turnhalle der Israelitischen Volksschule, Röderbergweg 29, stattfindet. Bezirksrabbiner Dr. Joseph Spitz ^«27. Mit Sabbatausgang hauchte Rabbiner Dr. Josevh Spitz seine reine Seele aus, und am Montag vormittag kam er unter großer Beteiligung auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft zur letzten Ruhe. Er hatte sich alle Würdigungen und Nachrufe in Wort oder Schrift verbeten. Wir müssen uns hier deshalb daraus beschränken, die Trauerkunde mit einigen wenigen personellen Angaben zu vermitteln. Rabb. Dr. Spitz wirkte annähernd 30 Jahre als Bezirksrabbiner in der Gemeinde G a i l i n g e n in Baden. Nach seiner Pensionierung nahm er seinen Wohnsitz in Frankfurt, wo er. mit seiner Gattin einen ruhigen, glücklichen Lebensabend fübrte und in der Israelitischen Religionsgesellschaft eine zweite geistige Heimat fand. Er hatte sich in der kurzen Zeit seines hiesigen Aufenthaltes einen großen Kreis von treuen Freunden erworben, die den Menschen wie den Gelehrten in ihm hoch schätzten. TTimTV Rabbi Mosche Jizchok Schimmel Man möchte es nicht wahrhaben, daß dieser rechtschaffene Mann und thorakundige, gehämmerte Jehudi nicht mehr unter uns weile . Am Montag, den 6. Kislew, haben wir ihn in noch verhältnismäßig jungen Jahren zur letzten Ruhe hinausbegleitet. Eine große Menschenmenge bewegte sich durch die Straßen, und auf dem Friedhof der Israelitischen Gemeinde widmete ihm Herr Rabb. Dr. H 0 f f m a n n eine halbstündige Trauerrede, in der er all die guten Werke und Eigenschaften M. I. Schimmels ins rechte Licht als Muster für alle zu setzen uchte. Alle kannten M. I. Schimmel, aber die wenigsten kannten ihn doch ganz. Man kannte den Wohltäter, der öffentlich und im Geheimen immer tum tu gab und gab, der überall in erster Reihe war, wo es galt, die Werke der jüdischen Liebe zu tätigen und zu fördern. Alle kannten den tituku pnpt» und bewunderten seinen Eifer, sein 7117'tn tvtytit bei der Ausübung von qutc dtmi ms» Aber nur wenige konnten in die tiefsten Tiefen der Seele dieses seltenen Menschen schauen, in der eine Jüdischkeit eigener Prägung saß, die sich nicht nach außen dokumentierte, die nur seine engsten Vertrauten richtig zu würdigen wußten. Der Dahingeschiedene gehörte zu jenen 'wenigen Menschen, die das Beste vom Osten mit dem Guten im Westen in sich vereinigen. Von einer selten peinlichen Gewissenhaftigkeit in religiösen Dingen, war er ebenso mild im Urteile gegen andere, wie er streng gegen sich war. Jede Ueberzeugung eines Menschen, die dem rtns entsprang, war ihm heilig. Auch in der Krankheit, ja auf dem Sterbebette noch, nahm er die letzte Kraft zusammen, oft gegen das Verbot der Aerzte, seinem Schöpfer zu dienen und seinen täglichen Schiur zu lernen, seine Smiraus am Sabbat zu singen. Sie klangen traurig, diese Sabbatgesänge, wenn der n-n« am Tische fehlte, aber sie fehlten selten, die Thoragelehrten, die seine Hausfreunde waren. Was er an Pflichten gegen G'tt und die Menschen sich auferlegte und wie er sie auch erfüllte, er blieb im stillen Hintergründe. Ein ganzer Stoß von Dankschreiben aus der Hand zahlreicher Spendenempfänger, die jahrelang systematisch von ihm unterstützt wurden, lagen in einem Geheimfach, so daß selbst Frau und Kinder nichts davon erfuhren. Erst nach seinem Tode kamen sie zum Vorschein, so daß Herr Rabb. Dr. Hoffmann in seiner Gedenkrede von diesem herrlichen Zug des echt jüdischen tTua 771» sprechen konnte. Die jüdische Ostkolonie unserer Stadt verliert in Rabbi M. I. Schimmel einen ihrer würdigsten Vertreter und die jüdische Gemeinschaft einen ihrer treuesten Söhne, einen der als Mensch wie als Jude ein Ganzes bildete und ein Ganzes leistete. Arbeitsnachweis. Der jüdische Arbeitsnachweis (männlich), hält, feine kaufmännische Sprechstunde ab 1. Dezember 1931 Dienstag und Donnerstag von 9—11 Uhr, Efchersheimerlandstraße 65, 1. St. ab. Telefonische Anfragen und Korrespondenzen weiterhin an das ten; schließlich auch dafür, daß ein Teil des durch feine ' o110 lenzen a" D9| Hauptbüro Mühe und sein Können erzielten Reingewinnes einem Langestraße 30 pt. Telefon: 26162 und 282 48. bekannten guten Zwecke zuflietzen kann. Gemütliches Zusammensein am Freitag-Abend rDlin- Wir verweisen nochmals auf unsere vorwöchentliche Notiz, wonach in den Räumen des Vereins Mekor Chajim, Langestraße 18, diesen Freitag abend, 1. Tag o-un. ein gemütliches Beisammensein stattfindet, für welches Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das ffeurlleto» S Schachnowitz, fsrankfurt 0. M; Inserate i. V.: S. Schach» nowitz, ebenda. —??ür die pädagoaische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen <Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Hsrmon ®. m. b. H., Frankfurt a. M. —' Druck Hermon-Druckeret, Frankfurt a. M.

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