Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1931)
- Date
- 1931-12-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450652-2450700--78396-2535946- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 Nr. 49 Der Israelit 3. Dezember 1931 * m Nähmaschinen W ’iBMM 11 Bequeme Zahlungsweise RAFF Gr.Friedbergerstr. 18/20 Ausdauer. Beim Eintritt des Sabbat werden die zwei Engel von anderen zwei Engeln abgelöst. Es kommen die aibvn ’axVadie beim Menschen während des Sabbat ausharren, ohne die der Sabbat nicht denkbar ist. Bedarf der Mensch zur Arbeit des Selbstvertrauens und der Ausdauer, so kann er die Arbeit nur einstellep, wenn er auf G'tt vertraut und die innere Sicherheit hat, daß ihm Lurch die Feier am Sabbat nicht nur nichts entgeht, sondern daß gerade' der SoM bat die Quelle ist, aus der der Segen der Woche fließt. nnax und,' finva G'tt v e r t r a ü e n und innere Gewißheit von der Segenskraft des Sabbat sind die Engel, die den Jehudi an der Pforte des Sabbat', bei seiner Heimkehr zu sich selbst begrüßen. Denn Sabbat ist Einkehr und Rückkehr des Menschen zu sich, die große Heimkehr aus der Welt draußen, die dem Menschen als großes ArMtsfeld' und Tätigkeitsgebiet überwiesen wurde, als er sich selbst verloren hatte. In der Welt soll er im Schweiße seines Angesichtes sein Brot erwerben, dort ringen und kämpfen und im Kampfe sich bewähren, bis der Sabbat kommt, an dem er mit den Worten i^'i die Welt und alles,. was sie füllt, ihrem Schöpfer übergibt und sich in sich selbst zurückzieht, um mit seinem eigentlichen Wesen, mit feiner Seele Rücksprache zu halten, mit seiner Seele, deren Stimme er im Gewühle und im Lärm des Marktes gar nicht oder fast nicht hört. Sabbat ist die Rückkehr des Menschen zu seinem ursprünglichen Zustand, zur Reinheit und Unschuld. Wir verstehen nun das tiefe Wort der Weisen, die Adam, als er von seinem Sohne K ain hört, daß er durch naipn das innere Gleichgewicht wieder gefunden habe, daß durch die nanzm die verzehrende Glut der Sünde sich abgekühlt habe — m-d rrnsnn— einnawki rw'? ->'w iiaia sprechen lassen. N2V ist die große naiiwv die Heimkehr zur Seele, die rein ist, wie sie aus des Schöpfers Meisterhand hervorgegangen ist, das große Reinigungsbad, in dem alles Unreine, das sich uns draußen angehaftet hat, weggewaschen wird. Die 'vrrba üibvn, die wir am Freitag Abend begrüßen, bringen uns einen Gruß unseres himmlischen Vaters, der sein h eim kehrend es Kind mit den Wort en begrüßt-: „Deine Sünde ist gewichen und« dein Fehl wird dir vergeben." Mit dem Sabbat gewinnt der Jehudi feine Reinheit wieder, sein seelisches Gleichgewicht, denn kein Jehudi fühlt sich-wohl, wenn ersich im Zwiespalt mit seinem Schärfer weiß. Aber um den Sabbat feiern'zu können, muß der Jehudi von nnax und' sinvU erfüllt sein und auch diese gewinnt er durch den nau?- Hat der Jehudi seinen naw einmal preisgegeben, war er zu schwach, um das größte der das heute auf den Jehudi einstürmte, siegreich zu bestehen, haben ihn die schützenden Engel, das G'ttvertrauen und die Sicherheit, daß rtaaarr npa xm ’a verlassen, so hat er sich selbst verloren, hat sich den Weg zu seinem eigentlichen Wesen mit törichter Hand verrammelt und so ist er für sich und für die Gesamtheit, der er vermöge seiner Bestimmung angehört, verloren. Ohne die allwöchentliche Rückkehr zur jüdischen Seele verliert man nach und nach die Beziehungen zu ihr und ein seelenloses Vegetieren ist das Schicksal aller, die ihrem besseren Selbst untreu geworden sind. iw na mbum 'axba möchte man mit dem Propheten ausrufen, wenn man einen Blick auf die durch die Wirtschaftskrise geschaffene Lage im jüdischen Erwerbsleben wirft. Wo sind die Engel des Friedens, die den Jehudi am Eingang des Sabbat freundlich begrüßen, wo die Jehudim, die fröhlichen Mutes sie noch begrüßen? Und Me viele gibt es, die heute mach ihren Sabbat feiern^ und die sich'selbst mit Zittern und Zagen fragen: wie lange noch?!! ■ Und die Vieles Vielen, die noch mit sich' kämpfen, blicken vergeblich nach,Hilfe aus..,In ihrem schweren großen Kampf find sie sich selbst überlassen und keiner von denen, die zu raten und zu helfen berufen wären, rührt auch nur den kleinsten Finger, um dem Ringenden über diese schwere Zeit hinwegzuhelfen. Die Rot wird nicht als Gemeinschaftsnot empfunden. Während es früher eine Wahrheit war, ->nabnnx la^mn daß die Not das Herz geweitet und! jeder fremden Not geöffnet hat, scheint die gegenwärtige Not die Herzen zu verengen. Alle und- Alles scheinen sich in einer Art Starre zu befinden, daß man einfach zusieht, wie die Wellen der Not immer höher und höher steigen und auch das Kostbarste und Heiligste wegschwemmen, -! ohne daß eine Hand sich: zur Abwehr regt. Kein Schritt wird unternommen, um der Not ,zu steuern, oder sie wenigstens zu lindern. Wenn die Ringenden lund Kämpfenden, die durch die. Not um schwersten, getroffen wurden, die ihre Stellung verloren haben, wenigstens die Empfindung l hätten, daß ihre Not als eine Gemeinschaftsnot empfunden wird, wenn sie sehen würden, daß die gemeinsame Not zu einer Notgemeinschast führt, daß sie nicht so fürchterlich allein sind, schon dieses Bewußtsein allein würde, genügen, um sie m dem schwersten Kampf zu stärken. In alter, alter Zeit, wenn jrm das jüdische Volk heimfuchten, da trat man mit dem Heiligsten hinaus ts? W nmrm' um zu dokumentieren npnwa mann 7,n snix daß wir heimlich, und im Geheimen gegen dieses Heiligste gesündigt haben und öffentlich wubde zur nawri ermahnt. Auch wir müßten bekennen, daß wir uns unendlich viel gegen unseren naip zuschulden kommen ließen. Wir haben uns nicht als nats> 'laiwals „Wächter" des Sabbat bewährt, deren Aufgabe durchaus nicht damit gelöst'ist, wenn sie selbst nav» halten, sondern als Wächter müssen sie zu verhüten suchen, daß irgend einer dem ihrer Hut anvertrauten Sabbat zu nahe trete. Ich möchte daran erinnern, daß der Gedanke zur Gründung des Sabbatweltverbandes in diesen Blättern zum ersten Male ausgesprochen wurde. Und es schien auch fast, als ob dieser Gedanke in allen Kreisen freudigen Widerhall gefunden hätte, aber jetzt überläßt man auch diesen Verband seinem Schicksal. Er wird weder ideell noch materiell genügend unterstützt und so kann er, der gerade jetzt einem wirklichen Bedürfnis entgegenkommt, der heute einen ganz gewaltigen Aufgabenkreis hätte, nicht das leisten, was er leisten sollte. Ich glaube nicht daran, daß der Sabbat nichts zu retten sei," denn dann wäre dasuJudentum verloren und ich glaube, daß das Judentum als Schöpfung des Ewigen an. seiner Ermgkeit Teil hat. Md darum muß! ös' einen Wetz geben, der die Mettung des-Sabbat ermöglicht. Ob es durch den. Plan der Siedlungen oder auf andere Weist-! geschieht, aber geschehen muß etwas,-denn: wenn' wir auch sicher sind, daß das Judentum für die Ewigkeit bestimmt ist, aber wie das Judentum der nächsten Jahrzehnte sich gestaltet, das hängt von uns ab. Wir sind der nächsten Generation gegenüber verantwortlich und wir.sind-auch G'tt gegenüber-für die nächste Generation verantwortlich. Wir dürfen unsere Brüder, die durch das Unglück der Arbeltslösig- 'eit bis ins Innerste getroffen sind, die am fchwerten unter, den Heimsuchungen leiden, die " ein unerbittliches Geschick über sie verhängt hat, nicht im Stiche lassen, sie müssen die-EmpfinduNg haben, daß wir alle keine größere Sorge kennen, als sie aus ihren Sorgen, zu befreien. Es ist fragos, daß einzelne Menschen, daß einzelne Gruppen gegenüber der Massennot ohnmächtig sind, aber die treujüdische Gesamtheit, wenn sie zu einer Einheit wird, vermehrt die Kräfte aller einzelnen ms Unendliche. Eine.solche Einheit ist viel nehr als die Summe der Einzelnen, aus denen ie sich zusammensetzt. Es ist also wieder nur die Frage, ob uns, die das Thorajudentum aus volem Herzen bejahen, die gemeinsame Not zu einer Notgemeinschaft zusammenschmiedet, um die uns * teuersten Güter zu vettten mnb'diest: Hnd: die Lehranstalten,'sin dörren ww wüsere Jugend für G'tt und seine Thora erziehen chnd der S a b bat, denn mit der Erziehung bextzJugend zu.guten.Jehudim .allein ist es-noch,nichtgetM, wir Müssen auch die Möglichkeit 'schaffen, daß unsere Kinder die empfangenen Lehren auch verwirklichen können, daß sie auch alsgute Jehudim leben können. Man bekommt unwillkürlich die Empfindung, als ob ganz-.großes KHist des Judentums sich mit Mer gewissen Wollust der Verzweiflung! hingebeü -würden und . sich - täglich und stündlich sagen, dgß doch alle Anstrengungen vergeblich sind und daher die Dinge treiben lassen, , wohin sie eben gehen wollen. Wenn sie glauben, daß sie mit dieser Weisheit vor ,i"apn bestehen, werden, so muß-ihnen doch in aller Deutlichkeit gesagt werden, daß diese ihre Hoffnungslosigkeit,. dieses Preisgeben des Heiligsten schlimmer und verheerender ' wirkt als - die wirkliche Not, die wahrlich nicht gering ist. Die Parole muß lauten: Wir'müssen uns alle zusammenfinden Undweit mehr tun als'! wir unter Normalen Verhältnissen -getan hätten. Alle Kräfte, die in der thoratreudn Judenheit vorhanden sind, müssen zum Werke der Rettung der heiligsten Güter zusammengefaßt werden, die mächtigen Energien, die in uns schlummern, sreigelegt werden und ich bin überzeugt, daß wir auch das gewaltige undriesenhafte Werk der Rettung unserer Zukunft fertig bringen können. Denn wir werden ja nicht allein bleiben. Mit uns sind die gütigen Engel, die uns während unserer Arbeit begleiten und die 'ibwn 'ax^a> die uns am Sabbat grüßen, die ja heimatlos würden, wenn der Sabbat die Erde verließe wie auch die Erde öde und trostlos würde, wenn diese Engel des Friedens ihr den Rücken kehren würden. Diese g'ttlichen Wesen rufen uns zu: Auf zur Arbeit, zur Rettung der jüdischen Seele, zuv Rettung der jüdischen Jugend und zur Erhaltung des jüdischen Sabbat! Korrespondenzen « ßacbricbt*». Deutsches Reich. Dresdener Gemeindewahlen. Frankfurt a. M., 1. Dez. In Nummer 6 unserer Zeitschrift vom 5. Februar 1931 war unter der Ueborschrist „Gemeindewahlen in der. sächsischen:Hauptstadt!" ein Brief-aus.Drvsd e erschienen,!'in? dem-.von Herrn'! Rabbiner Dr. "S-ch o'Mst e i n - behauptet (wurde, er habe dasiKopenhagener Oberrabhinat-unter -Umständen ausgebest müssen, welche die Wiederaufnahme rabbinischer: Funktiqnen, -also auchden ..Sitz lim. einer.'iKäschruth-Küstimissidn, -äusschließen. Vor einem von Herrn Dr.! Schornstein! und Mn unserem Schriftleiter eingesetzten Schiedsgericht, bestehend aus den Herren Rabbiner Dr. Freimann, Rabbiner Dr. Hildesheimer, Rechtsanwalt Dr. Kollenscher, sämtlich zu Berlin, haben wir die Erklärung abgegeben, daß wir uns ( davon überzeugt (-haben, daß - disfe für- Herrn - Dr. Schornstein ehrenkränkende Aeußerung -unseres Korrespondenten, bei der die-Redaktion lediglich die Verletzungeiner - d ä nis-cheh ■ Kriegsverordn u n g im Auge hatte, ungerechtfertigt gewesen ist.(Wir nehmen die Aeuherung mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. . i Die Wirtschaftsnot der deutschen 3 uden. Berlin, 26. Nov. Der W irisch asts ausschuß des Preußischen Landesverbandes beriet wieder einmal, unter Zuziehung von Vertretern verwandter Organisationen über produktive Hilfe für die in Not geratenen jüdischen Mittelständler. Auch angesehene Vertreter der Presse wohnten der Sitzung bei. Es lag ein Exposee der „Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaftsberatung und Organisation" vor, das besprochen wurde. Der Plan geht darauf hinaus, eine mit dem Verbände lose verbundene Stelle zu