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Der Israelit · 1931-12-03 · Heft 49 (3.12.1931) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 49 (3.12.1931)
Date
1931-12-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3. Dezember 1931 Der Israelit Nr. 49 Seite 3 Soweit der .Sachverhalt, der schon an sich ein trübes Mid entrollt. Greift solche Uebung Platz, so droht daraus die Verwilderung einer religiösen Institution, die wir heute, well umstritten und gefährdet, mehr denn je den Gemeinden und der Welt als heilige, g'ttgegebene Einrichtung unserer Religion zeigen müssen. Die Geschichte hat aber einen zweiten Teil, der noch tiefer zu denken gibt. Dieser Streit zwischen dem Provinzralrabbiner auf -der einen und den Metzgern und ihren importierten Schochtim auf der anderen Seite wird auf dem Tische der Staatsbehörden ausgefochten. Es gehen Beschwerden, Schriftsätze, Berichte und 'Gegenberichte an das L a n d r a t s a m t, und von dort an höhere Stelle. Der Landrat stellt sich erfreulicherweise aus den Standpunkt, daß in religiösen Dingen, zu denen die Schechita gehört, dem P r o v i n z i a l r a b b i n e r alle i ndie Entschei d u n g z u st e h t, der es auch Nachachtung verschafft. Diese Entscheidung wird abler „hinter der Bannmeile", dem Auge des Gesetzes entrückt, dauernd umgangen. Wir nahmen Einsicht in die Akten. Die Herren Metzger klagen darin den Rabbiner der Voreingenommenheit für Ausländer an und stellen so die ganze Angelegenheit unter den Gesichtspunkt der Ausländ erfrag e. Obwohl unter sieden Schochtim seines Bezirkes nur z w e i Ausländer sich befindlen, wird ihm in den Beschwerdebriefen unterstellt, er wolle nur aus „Liebe zu den Ausländern" und gewissermaßen „aus Haß und Mißtrauen gegen die treudeutschen Kultusbeamten" letzteren die Ausübung ihres Amtes auf dem Boden seines Bezirkes verbieten. Damit kommt zu dem religiösen Skandal noch ein Akt der Lieblosigkeit hinzu, der, wiederum in einer Zeit, durch die eine Haßwelle gegen inländische und ausländische Juden flutet, eminente Gefahren in sich birgt. Daß besagter Provinzialrabbiner, selbst Deutscher von Geburt und Staatsangehörigkeit, in Sachen des religiösen Vertrauens einen von anderen als religiösen Gesichtspunkten bedingten Unterschied zwischen Juden und Juden machen könnte, mutet so lächerlich an, daß es sich nicht verlohnt, ein weiteres Wort darüber zu verlieren. Es ist einmal Tatsache, daß speziell für das Schächtamt, das neben einer eminenten handwerklichen Geschicklichkeit ein tiefes und umfangreiches religiöses und talmudisches Wissen voraussetzt, sich manche (nicht alle) Ausländer dank der Jeschiwaerziehung und zufolge des Umstandes, daß der Schochet im Osten in hohem Ansehen steht, gewissermaßen gleich nach zwingen: gleich geblieben ist die Schwäche, Erworbenes erst dann zu schätzen, wenn sich die Augen anderer hungrig darnach erheben. Neid und Habgier zeigen sich heute noch auf allen von der Menschheit begangenen Wegen. Scheeler Neid und aufgestachelte Habgier sind auch fast die ausschließlichen Beweggründe für die Feindschaft gegen die Juden. Und von diesen tragen diejenigen den Gefahren bergenden „bunten Rock", welche in auffallender Kleidung, mit ins Auge fallenden Kostbarkeiten sich in der Oeffentlichkeit beneiden lassen. Diese eitlen Menschen machen mit ihrc'n bißchen Pelzwerk und Seide die Bestie im Menschen lüstern nach Beute und fremdem Besitz. Indem sie damit ihre kleinlichen Eitelkeiten befriedigen, schaden sie ungewollt der jüdischen Gesamtheit. Denn sie geben hierdurch dem oft erzählten Märchen vom jüdischen Remstum immer wieder frische Nahrung. Diesem Märchen, das heute, wo der jüdische Mittelstand verzweifelt um das tägliche Brot ringt, viel mehr noch als früher der tatsächlichen Unterlagen entbehrt. Der verbrämte Rock Josefs verursachte Knechtschaft, Exil und Entrechtung. S. Brückheimer, Marktbreit. Kleines Feuilleton. Religion und Wirtschaft. Von I. Raphael. Wirtschaftliche Auseinandersetzungen größten Stils stehen in der Welt, besonders in Deutschland, bevor. Das Ende dieses Ringens ist nicht abzusehen. Nur muß die Erkenntnis in die positiv religiösen Kreise dringen, daß i dem Rabbiner rangiert, sich besser eignen, , als Zöglinge deutscher Schulen, die naturi gemäß ein gut Teil ihrer Werdejahre anderen > Dingen widmen mußten. Das schließt nicht aus, ' daß es auch eine beträchtliche Anzahl von tüchti- ’ gen und durchaus gewissenhaften deutsch e n Schochtim in Stadt und Land gibt. Jene Schoch- , tim aber bei der Behörde als „mißliebige Aus-; länder" und den Rabbiner als „Anhänger und > Förderer einer Ausländerei" anzuklagen, ist, gelinde gesagt, eine Denunziation, die schon allein genügen sollte, den renitenten Herren Metzgern : alles Vertrauen in religiösen Dingen zu nehmen. Da der Herr Provinzialrabbiner wie sein > Amtskollege beide den gesetzestreuen Rabbiner v e r b ä n d e n angehören, so wäre es höchste Zeit, daß sich diese Verbände (statt der Staatsbehörden) mit dem Fall und mit all dem, was sich an Bedenklichkeiten und Gefahren für die Gemeinden und ihre Institutionen aus diesem, Falle ergibt und ergeben kann, befassen. Steigende Jlot, sinkende Hilfskraft. Hochflut der jüdischen Not in Osteuropa, Ebbe in den Hilfsquellen Amerikas — das der Gesamteindruck eines Interviews, das der zur Zeit in Amerika sich befindende Direktor des American Joint Distribution Committee, Dr. Kahn, einem Vertreter der ITA. gab. „Die Juden Osteuropas," sagte Dr. Kahn, und er sagt uns damit nichts Neues, „haben Verständnis für die Lage in Amerika und erwarten nicht, daß die amerikanischen Juden ihnen die gleichen hohen Beträge wie in den früheren Jahren zuwenden, aber sie erwarten, daß die amerikanische Judenheit sie in ihrer Not nicht ganz vergißt. Die Leistungen des Joint Distribution Committee für Osteuropa haben sich in den letzten Jahren wesentlich verringert. Aber die Verhältnisse in Europa haben sich in einer Weise verschlechtert, daß die europäischen Juden schon zufrieden sein würden, wenn es bei den verringerten Leistungen aus Amerika fein Bewenden haben würde. In den Jahren 1923 bis 1927 hat Joint jährlich etwa drei bis vier Millionen Dollar für Hilfe an die notleidende osteuropäische Judenheit ausgewendet. Im verflossenen Jahr hat Joint nur etwas mehr als 500.000 Dollar für Europa, Rußland nicht eingerechnet, aufgebracht. Von dieser Summe wurden 300.000 Dollar in Polen verwendet. Rechnet man die Summen hinzu, die die Joint- Jca-Foundation und ber Agro-Joint aufgewendet sich alle Streitfragen und Kämpfe der Gegenwart um die Gestaltung des wirtschaftlichen Weltbildes drehen. In diesen Tagen hat sich die katholische Geistlichkeit des Ruhrgebietes unter dem Vorsitz des Paderborner Erzbischofs mit einer sehr dringenden Warnung an die Magnaten der Wirtschaft und Industrie gewandt. Die religiöse Konferenz nahm eine Entschließung an, die in eindeutigen Worten betonte, daß weitere Aussperrungsmaßnahmen nur die Vorbereitung einer „unfriedlichen Lösung der Lohnkämpfe" bedeuten und völlig untragbar für die Massen sein würden. Die religiöse Seelsorge verwerfe aufs eindringlichste jene Maßnahmen, die nur einer latenten Radikalisierung und der Ideologie der Religionsfeindschaft dienen könnten. In der Presse ist zu lesen, daß der Aufruf der katholsichen Geistlichkeit Aufsehen und — bei den Herren Zechenbesitzern und Unternehmern — Unzufriedenheit erregt hat. Man will diese „Einmischung" der Religion offenbar nicht. Wohin gehört aber heute die Religion in erster Linie? Darüber gibt es keinen Meinungsstreit: Religion gehört jetzt dorthin, wo die Machtkämpfe um Wirtschaft und Lebensstandard ausgefochten werden. Eben haben die gesetzestreuen Rabbinerverbände zur Einhaltung der jüdischen Ehegesetze aufgerufen. Zweifellos ist dieser Schritt zeitgemäß. Verknüpft damit ist jedoch die Forderung, daß nicht durch unjüdische, kapitalistische Mißgriffe überhaupt die Fundamente für Ehe und Familie zerstört werden. Die katholische Geistlichkeit hat im Herze'n der Industrie ein Machtwort gesprochen. Und nun ist es ein Gebot unsres Judentums, ohne Umschweife zu verlangen, daß jede weitere Verschlechterung im Existenzminimum der jüdischen Angestelltenschaft unweigerlich unterbunden wird. Es darf niemand mehr entlassen werden! Der soziale Kamps, in dem die jungen Juden stehen, duldet keinerlei Verschärfung mehr; es sei denn, daß man planmäßig die Front der Verzweifelnden und Abtrünnigen stärken und damit den hatten, so betrug die letzte Jahresleistung der amerikanischen Judenheit im ganzen 1.600.000 Dollar. Die osteuropäische Judenheit, deren Lage sich gegenüber 1923/27 weit kritischer gestaltet hat, möchte wenigstens der weiteren Unterstützung in der Höhe des vergangenen Jahres versichert sein. Die Juden in den osteuropäischen Ländern haben inzwischen gelernt, sich selbst zu helfen. Sie leisten Uebermenschliches, um ihre Institutionen aufrechtzuerhalten, aber ohne eine, wenn auch bescheidene, Hilfe, sind ihre Anstrengungen zum Scheitern verurteilt. Hören die Leistungen aus Amerika auf, so werden die mit der Hilfe und den Mitteln des American Joint Distribution Committee errichteten lebenswichtigen jüdischen Institutionen sicher zusammenbrechen." Bis zum gewissen Grade trifft die Schilderung auch für die jüdische Lage in M i t t e l e u r o p a zu. Wohl erlebt auch Amerika zur Zeit eine schwere Krise, aber wir dürfen wünschen und hoffen, daß sich die amerikanischen Juden von einem Niedergang der Konjunktur nicht abhalten lassen, ihre Bruderpflicht denen gegenüber zu erfüllen, die nicht über mangelhafte Prosperität klagen, sondern im Zusammenbruche ihrer Existenz mit ihren Familien buchstäblich dem Hungertode ausgesetzt sind. Gemeinschafksnok und Nolgemeinschaft.'> Von Rabbiner Dr. Hermann klein in Berlin. II. Die Weisen lehren: „Wer beim Eintritt des Sabbat spricht, zu dem kommen zwei Engel und legen ihre Hände auf das Haupt des Sprechenden und sagen: nsvn fnxcmi nm „Deine Sünde ist gewichen und dein Fehl wird dir vergeben." In den zwei Engeln, die den Menschen während der Arbeitswoche in seiner Tätigkeit begleiten, glaubten wir die zwei unerläßlichen Vorbedingungen für jede große Tat zu erkennen, ohne die eine ersprießliche Tätigkeit nicht denkbar ist, nämlich das Selbstvertrauen und die zähe *) Vgl. Nr. 45 dieses Jahrgangs. Für Körper und Füsse nur DIAL2N - Puder eignen Anspruch auf die engste Basis zu stellen. Elend muß gemeinsam getragen werden. Jede „Kraftprobe" im Sinne der herrschenden kapitalistischen Theorien bedeutet einen Nagel zum Sarge wahrhaft jüdischen Gemeinschaftsgedankens. Um Pfennige zu retten, ist es sündhaft und verantwortungslos, die großen, ewigen Werte des Judentums preiszugeben. Tel-Awiw als Messestadt. Von INenachem Levmsky in Tel-Awiw. Tel-Awiw nimmt nicht nur als einzige rein jüdische Stadt der Welt, als modernste Stadt des Orients eine einzigartige Stellung ein, auch als Messestadt bemüht sich Tel-Awiw, die Blicke der Welt auf sich zu lenken. Nachdem in den Jahren 1926 und 1929 hier Messen von großem Erfolg abgehalten worden sind, die jedoch mehr national-industriellen Charakter hatten, wird vom 7. bis 30. April k. I. eine große Internationale Jndustrie-Orient-Messe stattfinden, die nicht nur der heimischen Industrie, sondern in noch größerem Maßstabe dem an Palästina interessierten Auslande große Erfolge bringen dürfte. Schon die Messe 1929 hatte über 120 000 Besucher auszuweisen und führte zu großen geschäftlichen Abschlüssen. Das Interesse an der kommenden Messe ist nicht nur in Erez Jisroel und den benachbarten Ländern ein überaus großes, auch das fernere Ausland bringt diese Messe große Beachtung entgegen. Von England, Deutschland, Frankreich, Belgien, Polen, Tschecho- Slowakei und vielen anderen Staaten sind große Hallen und Kioske belegt worden. Die Messe wird gerade während der besten Touristenzeit veranstaltet. Es sollte daher jeder Tourist und jede Reisegesellschaft, die die Absicht haben, im kommenden Frühjahr nach Palästina zu kommen, sich die Reisezeit so einzurichten suchen, daß eine Besichtigung dieser einzigartigen Orientinesse in ihr Programm mit eingeschlossen wird.

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