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Der Israelit · 1931-12-03 · Heft 49 (3.12.1931) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 49 (3.12.1931)
Date
1931-12-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 49_ __Der Israelit_____ 3. Dezember 1931, zu legen, wenn überhaupt wir noch' hoffen wollen, baß sich bie Gesetzestreuen wie ein Mann schützend vor die Tauroh stellen. fitöw mirdi! Nach der Tauroh muß gehandelt werden und wo nicht, — da ists Zeit, zu kämpfen. Oder heißt es etwa nicht, die Axt an die Wur-; i zel des Judentums legen, wenn Herr Dr. Vogelr.' stein in Breslau, wenn die liberalen Gemeinderabbiner zu Berlin es wagen, sobald - der Ehemann seiner Frau den Get unrechterweise versagt, einen „Get" — sie bezeichnen es so — ohne den Mann der Frau aushändigen zu las-? sen und sie „Geschiedene" zu nennen? Wer will - bestreiten, daß ein solcher Get nach Tauroh und Talmud unmöglich ist, daß die neue Ehe einer , solchen Frau nach T a u r o h und Talmud s a n k t i o n i e r t e r E h e b r u ch der ersten Ehe ist?! Denn die Tauroh schreibt es vor — ' { warum, steht hier nicht zur Debatte; G'tt, der '; die Formen gibt, durch die die heilige Ehegemeinl schaft sich schließt und sich löst, hat gesprochen —; daß ein Get nur vom Manne der Frau, selbst oder durch einen Stellvertreter, gegeben werden ■kann. Sonst lebt sie ungeschieden vom ersten mit r: einem zweiten Mann; ob es dem ersten Manne - [ recht ist oder ob nicht, die nach der g'ttlichen Form H geschloffene erste Ehe besteht fort! Selbst oder durch einen bevollmächtigten \• Stellvertreter darf ein Get gegeben werden. Und - wenn Herr Dr. David in Bochum einen Get j am Wohnsitze des Mannes schreiben läßt und ihn ji. — so ganz einfach, mir nichts dir nichts, ohne \ 1 irgend etwas dazu — nach Polen dem Vater der z z Ehefrau schickt, er solle ihn seiner Tochter geben; I \ wäre es nach Tauroh und Talmud^ etwas A n - d e r e s als Ehebruch, wenn eine so „geschiedene" Frau wieder heiratete. \ ] Und wenn die Herren Dr. Lern in Mainz, [! Dr. Holzer in Worms und Dr. Levit in A l - U zey zu dritt ein „Bes Ditt" bilden und Scheide- II ■ briefe schreiben lassen; wer will im Kreise der Gesetzestreuen glauben, daß ein solcher Get ko- ' scher ist? Allein, wenn -er weiß, was selbst die liberalen Bezirksangehörigen über die einfachste religiöse Zuverlässigkeit des einen dieser drei z zu erzählen wissen. Schreibt ja der Schulchan ■; Aruch 142, 9) schon, daß ein Get unbrauch- ■ bar, selbst wenn er richtig geschrieben ist, wenn . j das Bes Din nicht bis aufs genaueste die einzelnen :; Vorschriften des Talmud und des Schulchan Aruch \\ kennt. Trifft diese Voraussetzung zu? Ist sich der deutsche gesetzestreue Jude denn gar nicht klar, wie viel Gittin im Jahre von liberalen Rabbinern gegeben werden, die sich an Talmud und Schulchan Aruch nicht balten; wie alle diese Gittin nach Talmud und Schulchan Aruh glatt unbrauchbar, wenn nicht gar ungültig sind; daß so „geschiedene" Frauen neue Ehen schließen, die nach Talmud und Schulchan Aruch nichts als Bruch der ungeschiedenen ersten Ehe sind; daß Abkömmlinge aus solchen neuen Ehen M a m s e r i m ' sind/ die (unbeschadlet ihrer persönlichen Wertung als Menschen und Juden) nicht andere Indien, die nicht gleich ihnen Mamserim sind, ehelichen dürfen, und die, wenn ^'e es doch tun, den Abstammungsmakel des Mamsertums auf Generationen hinaus fortpflanzen können? Oder steht nicht klar und deutlich in G'ttes Tauroh *r\ Vnpn nta» 2'rr rrb daß ein Mamser nicht in die G'ttesgemeinde durch Eheschließung eintreten dürfe. Stehts aber in der Tauroh, wie darf dann unter Schweigen der jüdischen Oeffentlichkert Herr Dr. Gottschalk, jetzt in K ö l n, im Bewußtsein der Tatsache, bei einem Mamser die religiöse Trauung gegen das G'tteswort vollziehen. Dürfen die Bande der Liebe — nach einem berühmten Wort einer Trauungsredle — wirklich so stark sein, daß sie alle ernsten Hemmnisse des Religionsgesetzes überwinden können? * * * Gesetzestreue Deutschlands, wißt Ihr, w i e vielen von solchen falschen Scheidebriefen und falschen Eheschließungen, die nach dem Din nichts als Ehebruch, nichts als Schändung der heiligen Institution der jüdischen Ehe sind, von liberalen Rabbinern alljährlich ihr Rabbinatssiegel aufgedrückt wird? Wie oft selbst in gefetzestreuen Kreisen bei Familiengründung nicht genug auf solche schweren Psulim geachtet wird? Wie oft und wie viele glauben, auch der Liberale dürfe als Rabbiner anerkannt und selbst bei so verantwortungsvollen Akten zugezogen werden? Dürfen wir da noch länger schweigen, wenn uns die Tauroh noch G'ttes Gebot ist? Und wir sprachen doch heute von manch anderen Gebieten des Eherechts noch nicht, über die erst das nächste Mal mit Beispielen berichtet werden soll. Dürfen wir da noch schweigen, oder — ists nicht Zeit, zu kämpfen? Und unser Kampfruf: NDp-> rmroi Nach de r T a u r v h muh gehn n de l t w e r d e n! (Fortsetzung folgt.) Wochenrundschau. Eine ländliche Geschichte von prinzipieller Bedeutung für Stadt und Land. In einer Mittelgemeinde Süddeutschlands, vor den Toren Frankfurts sieht es der orthodoxe Provinzialrabbiner als Gewissenspflicht an, die Schechita in seinem Rabbinatsbezirke auf einem Niveau zu erhalten, das der traditionellen Auffassung von diesem -„heiligen Handwerk" entspricht. Da er in seiner Gemeinde und seinem Bezirke über zuverlässige Schochtim nach seinem Sinne in genügender Anzahl verfügt, sollte man glauben, daß ihm d>ie Lösung dieser Aufgabe nicht gar zu schwer fällt. Weit gefehlt, denn er macht » die Rechnung ohne den Wirt. Als solche Wirte > spielen sich j ü d i s ch e Me tz g -er einer Dorfge- | meinde im Bezirke auf, denen die von Provin- > zialrabbiner approbierten Kultusbeamten nicht » konvertieren, d. h. zu fromm und gewissenhaft I sind. Sie lassen in herausfordernder Mißachtung der Befehle ihres zuständigen Rabbiners Schochtim aus einem benachbarten Bezirk kommen, diebessere Gewähr für häufigeres „Koscherwerden" bieten . . . Das Einschreiten des Brovinzialrabbiners bewirkt sine behördliche Sperre für die auswärtigen Schochtim innerhalb des Rabbi-- natsbezirkes. Die Herren Metzger wissen sich zu helfen. Es wird in einem naheliegenden norfe, das außerhalb des rabbinifchen Bereiches liegt,, geschlachtet, — für die Konsumenten im Rabbinatsbezirke. Abgesehen von dem pn npi' das sich seiner Kontrolle entzieht, hat der Provinzialrabbiner gegen die in Betracht kommenden auswärtigen Schochtim schwerwiegende Bedenken religiöser Natur. Alle seine Proteste stoßen auf grobe Widersetzlichkeiten bei den Metzgern- und aus Nichtachtung bei den auswärtigen Kultusbeamten. Der religiöse Vorgesetzte derselben, also der für die in fremdes Gebiet eindringenden Schochtim zuständige Amtskollege des Provinzialrabbiners in der größeren Nachbarstadt, der angerufen wird, bleibt, wenn die uns zugegangenen Nachrichten korrekt sind, neutral, d. h. er bleibt die Antwort schuldig. i Nicht im Fallen, sondern im Wachsen... Eine Betrachtung im Lichtscheine der Menorah. Der Modus für das Anzünden der Chanukalichter unterliegt, wie vieles andere im religiösen Leben, einem Meinungsstreite zwischen Beth Schamai und Beth f) i I e l. Nach Schamai nimmt die Zahl der Lichter von Abend zu Abend ab, von acht bis auf eines. Beth Hilel lehren *pm eycn«, man beginne mit einem und steige auf bis zu acht Lichtern am letzten Abend. Beth Schamai begründen ihre Ansicht mit dem Hinweis auf an;r die Opferstiere am Laubhüttenfeste, die ja ebenfalls an Zahl von Tag zu Tag a b n a h - men. Beth Hilel setzen dieser Ansicht einfach den halachischen und ethischen Grundsatz entgegen, «npa rVj?» s'N'->i» „man steige in der Heiligkeit, gehe aber in den heiligen Dingen nicht zurück." Kommentare, die es lieben, in allen differenzierenden Aussprüchen beider Schulen den Ausdruck zweier Weltanschauungen, einer strengeren und milderen, zu sehen (auch M a l b i m neigt dazu; siehe seine Erklärung zu npm '=) werden es nicht schwer haben, auch diese Streitfrage unter den großen widerstreitenden Gesichtspunkten beider Schulen zu sehen und zu zeigen. Was feiern wir am Chanuka im Scheine der Menorah; die schwere Niederlage der feindlichen Ueberzahl oder mehr den Sieg der gerechten Sache, den wachsen- ,den Erfolg der g'ttlichen Wahrheit? Beth Schamai mö- I gen, getreu ihrer strengen Auffassung, in erster Reihe an die brutale Macht gedacht haben, die G'tt zerbrochen hat; an die anstürmende Feindesschar, die, von einem Funken g'ttlicher Begeisterung in schwacher Menschenbrust erfaßt, verzehrt und vernichtet wird. Sie denken an die „Stieropfer des Laubhüttenfestes", die, zuerst 70 an der Zahl, sich immer mehr vermindern, um dem einen Opfertier, das am achten Tage G'tt mit Israel verbindet, Platz zu machen. Wie dort Kraft und Gewalt der Völker dezimiert wird, um dem g'ttlichen Freiheitsgedanken eine Gaffe zu bahnen, so zeigen am Chanuka die Lichter in abnehmender Linie an, wie die Großen und Mächtigen einer nach dem anderen verschwinden, auf daß der g'ttliche Weltenplan auf reinem Boden ungehindert zur Ausführung kommen kann. Beth Hilel möchten in ihrer traditionell milden Denkart dabei von „Feind", „Fall" und „Niederlage" gar nicht sprechen. Wichtig für uns ist einzig und allein das Licht in seinem von keiner Macht der Welt zu verdunkelndem Glanze, von keinem Feind aufzuhaltenden Wachsen. Wir feiern den Sieg, der wächst und wächst, -poi» wie die Lichter, von eins bis acht. In einer Zeit, da Israel überall von Feinden umringt ist wie kaum je zuvor, sollten wir es, wie wir es halachifch ja immer taten und tum auch weltanschaulich mit dem Hause Hilels halten. Sprechen wir weniger von den Feinden, deren Ansturm, Sieg oder, Fall. Ergreifen wir, nach alter Vätersitte, die Flucht in uns und freuen wir uns des Lichtes, so es unsere Her-, zen und unsere Häuser noch beleuchtet, in der Zuversicht, daß alle Stürme der Welt sie nicht zum Verlöschen bringen, in der Gewißheit, daß sie wachsen und wachsen und einmal doch noch über unseren Kreis hinauswachsen. •pm poi» Um ein Stückchen Seide. Zum Wochenabschmkt. Josef hatte den wohlgebauten Körper und das hübsche- Gesicht von seiner Mutter Rachel geerbt. Er war sich auch dieser Vorzüge bewußt und in jünglinghafter Eitelkeit verbrachte er manche Stunde, sie durch besondere Pflege und allerlei Mittelchen noch mehr augenfällig zu machen. Und der alte Jakob unterstützte in einer natürlichen Schwäche den zur Ueberheblichkeit neigenden Stolz seines Lieblingssohnes, indem er ihm einen mit Seide und Pelz verbrämten Ueberrock schenkte. Durch diese Bevorzugung verstärkte die sich bereits vorhandene Abneigung der Brüder zu offensichtlichem Haß gegen den eitlen Knaben. Sie gönnten ihm schon kein freundliches Wort mehr. Als Joses nun bald daraus, in seinem „bunten Rock" über die abgeweideten Wiesen herkommend, seine Brüder im Auftrag des Vaters aufsuchte, da trieb gerade das bißchen Pelzwerk bei ihnen die Erinnerung hoch an des Siebzehnjährigen eitle Phantasien, die ihn bis in seine Träume verfolgten. Und Mordgedanken stiegen — sagen wir: sogar — in eines Israels Söhnen auf, die protzig zur Schau getragene Auszeichnung ließ Triebhaftes über edle Erzvätertradition Macht gewinnen. Und nur dem in seiner Erstgeborenenwürde verantwortungsbewußten Reuben gelang es als -erstem, die Brüder vor -einer Ungeheuerlichkeit zu bewahren. So kam Josef nach Aegypten; und ihm nach zog später seine ganze Familie in jahrhundertelanges Fronen - und Elend. Die Ursache aber für das ägyptische Golus war das winzige Stückchen Seidenflitter.-- I st' s eine alte Geschichte nur? Gleich geblieben ist die Sucht, durch die äußerlichen! Mittel des Putzes und Schmuckes mehr Beachtung zu er-

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