Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1931)
- Date
- 1931-12-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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3. Dezember 1931 23. Kislew 5692 Nr. 49 ' - Abonnement ab Juli 19Ä: Deurlchcäno t.Äi) Mack «onarltch; Anslanv: Vtertel- - tahrpretfe (entsprechend vrm ventschen Inlanospreis ZNZäiltch Konen ves'Stretfband-Bersandes) Deutsch-Lkteinretchr Ttzlllinn 8!—: Ämertkä I Ddflrr; EngläN» 4 sh.; ab 4 Ä«tlt Frankreich33 Fr.; Belgien ab 1.7^37. Belg» o.; HollaavS fl.; Italien ab l. 1.38.18 Lire; Ingo» slavten 85 Din.; Litauen 7L0 Ltt.; Rumänien ab 1. 7. 37. ISO Lei; Polen 4 deutsche Tolümark zum Tageskurs oder 7 Zloty; SHwet, S Fr.; Tschecho-Sloroakei 35' Kronen; Ungar» ' Pengo S ab 1. Juli 1837; Dänemark 8.50 Krön.; Nrrrorgen 3.50 Kro».; Schweden 3.50 Krön. . Einzelnummer vierzig Goldvfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und FamMenanzetgen nur ±0 Pf. Die 75 mm breite Nekla«ezeils: letzte Tertseite 3.— Mk., vorletzte Textseite 380 MI.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnseratauftragen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. o. tz., 'Frankfurt a. M, Rechneiarabenftraße 7, Tel. Hansa 31084 sow. durch samtl. Annoncen-Erved. d. In» und Auslands. Alleinige Inseraten»»«. für Franks. Grschäftsanz.: Jul. Schmidt, tzölderlinüratze B Tel. 48888. Platzvorschr. ohne Berbtndltchk. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt ftftiut) 1t r 19i ia. — JI igrcdem an: Pritiorckaise Wien Nr. 7860a.— Pockioarkassenamt Budapest Nr. 18434.—Postscheckkonto Warschau Nr. 180757. — Postscheckamt Zürich Nr. VIU 7354. — Postscheckamt Amsterdam Ni!.iA889 — Postscheckamt Prag Nr. 79.0M —. Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen ' Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M.; Zeit ist's, zu kämpfen! Von Rabbiner Dr. 3. Merzbach in Darmstadt. I. Ein Schiff ist in großer Not. Vom Orkan beispiellos aufgewühlte Wogen umtoben es und drohen, es zu zerschmettern. Die gesamte Mannschaft sucht einmütig unter Hintansetzung aller persönlichen Gegensätze zu retten, den lecken Boden aus- Zubefsern. Aber in sinnlosem Gebaren zerschlägt ein Teil der Mannen edelste Teile des Schiffes, wichtigste Glieder der Maschinen. Werden, können, dürfen die Besonnenen schweigen? Um die einheitliche Rettungsarbeit gegen das Meer nicht zu gefährden, die Sorge um die Zukunft des Schiffes unterdrücken? Einen lebenswichtigen Teil nach dem anderen der brutalen Zerstörung anheim fallen sehen und nicht aufschreien und wehren, wo nur zu wehren ist? „ B u rgfrr e d e in solcher Stunde der Not"? Darin, um alle Welt, wahrt doch Ihr den Burgfrieden und zerstört, nicht mit frevelnder Hand irnsner mehr der kostbarsten. Teile unseres Schiffes!! I hr seid es doch, die Ihr, den Frieden im Munde, gegen, unsere Erhaltung kämpft, die Ihr unser aller Lebest gefährdet und dann noch von uns fordert, still und ruhig es mit anzusehen?l Zeit ist's, zu.kämpfen! Feindschaft ringsum hat auch zur Zeit E. s r a:s geherrscht, als unter feiner Führung neue jüdische Gemeinschaft eben in Jeruscholajim erstanden war. Und dennoch — oder sogar gerade deswegen — gab es für ihn nichts Heiligeres und nichts. Wichtigeres 3Ü schaffen, als für R e i n e r- Haltung des I i ch ü s zu wirken, als mit allen Mitteln der Macht für die Jnnehaltung der Taürohgesetze im Kreise' hier Mischen' Eheschließung Sorge zu trägem Mit der Waffe des Eherem in der. Hand, mit der Drohung der Ausschließung aus-'der jüdischen GetyMschaft, vollbrachten die vnim die um das Wort G'ttes Besorgten, das Werk, die Gemeinschaft von den verbotenen Ehen zu befreien. Tausendmal mehr leisteten sie so für den Fortbestand ihrer jüdischen Gesamtheit, als wenn sie in falscher Friedensliebe, eine Eintracht des Scheines duldend, schwerste Uebertretungen; des Taurohwortes mit angesehen hätten. ' Als H u n g e r s n o t ' — Wirtschäststatastrophe — in. .den Zeiten D a v ist s herrschte, begegnete man ihr im zweiten Jahr der Not nicht nur durch Zusammenschluß, nicht nur durch Notstandsmaßnahmen; man suchte — so erzählt uns der Talmud —, wo in der Mitte der jüdischen Gesamtheit die E h e g e s e tz e der Tauroh mit Füßen getreten wurden. Man wußte, daß in solcher Not mehr als alles andere es hilft, wenn man für diese Gesetze G'ttes mutig und konsequent überall, ja, allüberall, nicht nur in seinem engen Kreis, eintritt. In schwerster Zeit mehr als je, mMP'.Ynnai, nach der Tauroh muß gehandelt werden, und wenn nicht, — Z e i t i st' s, z u k ä m p f e n! Der gemeinsame Aufruf der beiden gesetzestreuen Rabbinerverbände Deutschlands, an der Spitze dieses Blattes vor zwei Wochen veröffentlicht, unterschrieben von denen, die stets bis zur letzten Konsequenz die Durchführung des Kampfes für Tauroh und Jiroh forderten, und von denen, die eine gewisse Einheit und Zusammenarbeit auch mit Gesetzesübertretern in Duldung für richtig halten, m u ß der jüdischest Oeffentlichkeit die Augen über das öffnen, was! . im deutschen Judentum vor sich geht. Die Vollz iehung wichtiger relig i o N s ge se tz l i che r A kte w re G e t (Scheidüng), Chat i z o . und A u f n a h m e i n s I u d e ntu m durch l i be ra l e R abb ine r von uns nicht a ne rka nnt: das ist einstimmiges Wort der berufenen Vertreter aller gesetzestreuen Rabbiner Deutschlands. .Gleichviel, ob sie im Gemeindeleben.neben liberalen Rabbinern wirken dder ob nicht. Weiß die jüdische Oeffentlichkeit, daß, wenn ihre, Rabbiner so sprechen, schwerste Verstoß e gegen den . pst G'ttes J a hrfürIa h r sich" vollziehen. Verstoße, die auf Ewigkeit Generationen mitten in unserer Gemeinschaft zü Mamseriist.und zu Nichtjud en machen? Weiß sie .' es, ■: warum schwe ig t sie?. Schweigt, nicht nur,','wenn ihr heiligstes Gut, die Tauroh, vom Liberalismus in den Schmutz gezogen wird — „Zentral-Viehhof" nannte vor kurzem die liberale jüdische Zeitung in Berlin unser EHpBn rra mit feistem Opferdkenst; verzeih es uns 'Ti' daß wir es wiedergeben! —; schweigt auch dann, wenn mit Verletzung der Ehegesetze Hand an unser Edelstes, unser Jichus, unsere AdelsrÄnheit, gelegt wird! Sind die Zeiten unwiederbringlich vorbei, wo allein die Möglichkeit, es könnte eine einzige Scheidung gesetzwidrig vollzogen worden sein, die Judenheit Deutschlands — zur Zeit des „Clever Get" — in Erregung brachte? Wo noch im vorigen Jahrhundert — das „Hamburger Attentat" — eine gegen die Tauroh gerichtete Handlung eben als Attentat auf unser Heiligstes überall in den Kreisen der Gesetzestreuen gewertet wurde? Und es sind doch inzwischen hunderte solcher Attentate geschehen, und sie geschehen dauernd weiter, überall in Deutschlands Grenzen, — und das gesetzestreue Publikum schweigt, nennt die, die solches tun, mit dem r-mTin n^iv-Titel des Talmud: „Rabbiner", und sucht so — den Frieden!? Gebe nur G'tt, daß die gesetzestreue Judenheit Deutschlands noch nicht so tief gefunken ist, daß sie es weiß und sich nichts wissend m ach t, daß sie kalt bleiben kann, wenn liberale Führer jüdischer Gemeinden Spielball mit dem G'tteswort treiben. Weiß aber die Oeffentlichkeit es n i ch t, — d a n n war es wahrlich die zwölfte Stunde, war es dieallerhöchste Zeit zu; kämpfen und zu sprechen und aufzurufen! * * * Nun denn: warum nicht einmal Schluß nur mit allgemeinen Reden; warum nicht, wie man es noch vor wenigen Jahrzehnten im deutschen Judentum durfte, an den Pranger gestellt all die, die — schlimmer noch als hätten sie es selbst getan—.kraft ihrer „rabbinischen Autorität" auf häufen. Oder wiederum: Sind wir schon so tief gesunken, daß man mir entgegenruft, Personen zu schonen, sachlich zu bleiben? Mußten unsere Weisen verschweigen, daß ein stnrr eben ein nnx ist? Hat man Spinoza schonen dürfen, trotz seiner weltbedeutungsvollen Geisteshöhe, als er Emuno und Tauroh in seinem Kreis gefährdete? (Und waren beide doch wahrlich Männer anderen Formats, geschlossenerer Konsequenz als die liberalen Führer von heute!) Ist das Wort vergessen, daß jeder Schuljunge seinen Rabbiner mit dem Schulchan Aruch in der Hand zur Rechenschaft fordern darf — dann aber auch mutz? Es muß, wollen wir uns wehren, das deutsche Judentum sehen lernen, sehen, was ihm geschieht, sehen, w e r seine Hand dazu bietet, die Axt an die Wurzel des Judentums