Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 39-40 (24.9.1931)
- Date
- 1931-09-24
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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24. September 1931 Rietuellen Passagieren, dZe Möcks Persönlich: Ueberzeugungdaß die rituellen Vorschriften zum Wärmen der rituellen Konserven oder zuni Braten von Fisken und Kartoffeln laut Instruktion eingehalten werden, die Küche besichtigen wollen, sei; hierzu in. freundlicher entgegenkommender Weise die Gelegenheit gegeben. Nach jeder Ueberfahrt hat der amtierende Schiffskommissar über folgende Einzelpunkte Dienstbericht zu erstatten: Berichterstattung des Kommissars . . .. . über die rituelle Verpflegung auf dem Dampfer . . . . der Palästinareise Nr. 1. Wurde die Zubereitung der rituellen Konserven, der Fischspeisen und der Kartoffel ausschließlich auf dem Spärherd der ehemaligen Mannschaftsküche veranlaßt? N. 23. für diese Speisen darf die allgemeine Küche in keinem Falle benutzt werden. 2. Wurden die rituellen Speisen für Samstag schon Freitag abends eine Stunde vor Einbruch der Nacht zubereitet? 3. Wurden die für Mittagessen am' Samstag bestimmten rituellen Konserven schon Freitag abends in den Kupferkessel auf dem Sparherd der ehemaligen Mannschaftsküche gelegt? , 4. Wurde cm den rituellen Tischen sowohl in der 1. als auch in der 2. und 3. Klasse ausschließlich mit Koscherstempel versehene Bestecke benützt? 5. Haben Sie veranläßt, daß an den rituellen Tischen Porzellanteller-nicht verwendet worden? 6: gaben Sie bie Maßnahmen getroffen, daß an den rituellen Tischen bei Mittag- und Abendessen keine Milch, Käse oder Butter gegessen werden? 7. / Haben' Sie die Maßnahmen getroffen, daß an den rituellen- Tischen Suppen, Teigwaren oder sonstige ähnliche Speisen, die bei der Zentralküche zubereitet werden, nicht serviert werden? 8. Haben vielleicht die rituellen Passagiere die mit Koscherstempel versehenen Bestecke zum Privatgebrauch benützt? 9. Wurden die rituellen Bestecke separat von allen anderen gereinigt? Spezielle Bemerkungen. Datum. Der Kommissär. Aus alledem ist klar zu ersehen, daß der Lloyd Triestino in anerkennenswerter Weise die Einrichtung der rituellen Verpflegung auch in technischer Hinsicht wie z. B. auch letzthin durch die Errichtung der Sonderküche — ausgebaut und verbessert hat. Alle gesetzestreuen Faktoren, die für jüdische Palästinareisen ein warmes Interesse haben, werden dieser renommierten Schiffsgesellschaft auch für dieses verdienstliche Werk nur Dank und Anerkennung wissen. Aus der gesetzeslreuen Jugendbewegung. Wir veröffentlichen nachstehend Aufsätze zweier junger Agudisten, die zufällig gleichzeitig an uns gelangten. Beiden ist die Zukunft und Sicherung der deutschen Orthodoxie Herzenssache. Der eine glaubt sie am ehesten zu erreichen durch logische, jedem Einsühlen in andere Auffassungen abholde Untermauerung des eigenen geistigen Standpunktes, der andere durch Unterstreichung des gemeinsamen religiösen Fühlens und Tuns. Beide stehen sie innerhalb der A. I. Das sollte die, welche über die „Enge" innerhalb der deutschen Agudo zu klagen lieben, zum Nachdenken, zur Revidierung vorgefaßter Meinungen bestimmen. Die Redaktion.! I. Zionismus, Misrachismus — und mir. Von Edgar M. Stern in Frankfurt a. M. Es ist vielleicht mehr als ein Zufall, daß vor einigen Wochen es zu ein und derselben Zeit war, als das deutsche Reich und der Zionismus zusammenzubrechen drohten. Ein. irregeleitetes, von blindem Judenhaß erfülltes Volk auf der einen Seite, eine Organisation von jüdischen Gsttesempörern auf der andern Seite, beide standen sie unmittelbar vor dem Zusammenbruch. Und wir, das an Zahl winzige Häuflein von E'tt treugebliebenen Jehudim, die sich gemeinsam verbunden haben, um mit gegenseitiger Hilfe und vereinigten Kräften das Wort E'ttes zu verwirklichen, wir, die wir uns Agudisten nennen, wir merken nicht den G'ttesruf, der m diesen schweren Tagen an die ganze Welt, in erster Reihe "aber an uns ergangen ist.. Lassen wir es v*n nicht so weit kommen, daß auch in unsere Reihen eine Krisis hereingeschlichen kommt! De r Is ra eIit Blätter___ ... Wir merken vielfach nicht einmal, daß der Agudismus weder Vereinsmeierei -mit großen Bekanntmachungen und schönen Anschlägen, ein Klub zur Befriedigung des Schlafbedürfnisses ist. Ja, gar vielen Agudisten kommt €s . nur selten zum Bewußtsein, daß Agudas Jisroel I e d i g l i ch die Bestimmung hat, alle Jereim unter der G'ttesfahne zu .einem großen G'ttesdienst zu vereisten, wie er für ewige Zeiten in unserem heiligen Thoragesetz verbrieft ist, jenem Thyragesetz, das unaufhörlich seit der Gesetzgebung am, Berge Sinai das Einzelrecht des „Jochid", der Privatperson, und das Staatsrecht des „Klall", des.jüdischen Gesamtheitslebens, regelt. — Hunderttausende von deutschen Staatsbürgern haben sich im Nationalsozialismus vereinigt, um das Volk G'ttes zu bekämpfen und Hunderttausende von Juden haben sich im Zionismus organisiert, um das Recht G'ttes zu stürzen. Gemeinsam arbeitet der deutsche Nationalismus mit dem jüdischen Nationalismus, um das wahre Judentum untergehen.zu lassen. Und nun zu einer gemeinsam e,n Zeit ließ die g'ttliche Vorsehung diese beiden unheilvollen Bewegungen ihre Erntezeit feiern, die em wahrlich trübes Bild ergab. Doch unsere jüdische Einstellung zu diesen zwei ,jErnteergebttissen" kann keinesfalls eine gleiche fein. Von Deutschland hoffen wir, daß es sich bald völlig erholen wird. Dom Zionismus aber hegen wir den innigsten Wunsch, die bei ihm noch im Anfangsstadrum sich befindende Auflösung in kurzer Zeit vollendet zu sehen. Denn Deutschland gewährt den Juden ein ungestörtes Wohn- und Erwerbsrecht und trotz des großen Antisemitismus ist die Zahl derer in Deutschland noch groß, die es würdig sind, in Wohlstand und in Zufriedenheit zu leben. Der Zionismus aber ist nicht mehr und nicht weniger als eine organifrerle Reb ellion gegen die Thora. Das' zionistische Judentum ist in demselben Maße als das wahre Judentum zu betrachten, wie ein aus Wachs hergestellter Mensch als wahrer Mensch zu bezeichnen ist. Beide sind nicht wahr, weil sie seelenlos lind. Und die Seele des Judentums ist die Thora. Nichtsdestoweniger findet man in orthodoxen und selbst in agudistischen Kreisen vielfach eine sich immer wieder bemerkbarmachende Neigung für den Zionismus vor, „weil er immerhin in Erez Jisroel viel geleistet hätte." Denen, die mit solchen Redensarten kommen, können wir ruhig erwidern, daß diese anzuerkennenden Leistungen in. Wirklichkeit verschwindend Nein sind im Vergleiche zu dem verheerenden, nicht zu übersehenden Unheil, bas den Zionismus seit seinem Bestehen im jüdischen Volke ungerichtet hat und Tag für Tag noch anrichtet. Die Hunderttausende von jüdischen Seelen in der ganzen Welt, die dem zionistischen Treiben zum Opfer gefallen sind, die schmähliche Verschändung unseres Heiligen Landes durch die zionistische Tumoh, die Verseuchung der großen jüdischen Massen des Ostens mit dem schlimmsten „Apikorsus": all das kommt auf die Rechnung des Zionismus, all das ist nimmer wieder gutzumachen. Wer G'tt und seine Thora lieb hat, der kann nichts übrig haben für eine derartige grauenhafte G'tieslästerung, wie sie bisher noch nie im jüdischen Volke dagewesen war. Auch die vielleicht als mildernd erscheinende Tatsache, daß es im Zionismus eine Abteilung von solchen gibt, die im E i n z e l l e b e n thoratren sind, kann keinesfalls als Entlastung für ihn dienen, denn es ist naturgemäß, daß der Zionismus darauf ausgeht, alle Kreise des jüdischen Volkes für seine Sache zu gewinnen, so auch die Thoratreuen. . Traurig ist es aber, daß selbst Menschen, die sonst bestrebt sind, ein crufichtiges jüdisches Leben der G'ttesfurcht zu führen, hier schwach werden, sich vom zionistischen scheu Taumel ergreifen lassen und bewußt zum zionistischen Zerstörungswerk beittagen. Wir meinen, daß es sogar einem objekttven nichtjüdischen Beobachter auffallen mußte, welch ein ins Auge springender Widerspruch zwischen Handeln und Wollen bei dieser thoratteuen zionistischen Abteilung — sie nennt sich Misrachi — vorherrscht. Immer wieder beteuert der Misrachi, die Thora als bindendes Staats recht . des jüdischen Volkes anzuerkennen und geht darin mit der Agudo einig. Trotzdem scheut er nicht davor zurück, fteiwillig in eine Organisation von jüdischen Männern und Frauen hineinzugehen, die offiztell erklärt, daß für sie die Thora nicht die Geltung eines Staatsgesetzes besitzt, und die jene Heiligtümer von sich stößt, für die unsere Väter während Jahrhunderten hinter Ghettomauern gelitten und geblutet haben. Die bekannte misrachistische Verteidigungsformel man wolle dadurch der Thora „einst" zur Herrschaft verhelfen, kann niemals als stichhaltig angesehen werden. Die Thora will ewig herrschen, zu jeder Zeit und zu jedem Ort, wo jüdische Menschen sind. Man darf nicht Unrecht tun, um eventl. Unrecht zu vermeiden. Und daß der Misrachi, der statt der Statuten der Thora die Statuten des zionistischen G'ttesverrates anerkennt, eine Politik treibt, die nicht im Einklang zur jüdischen Tradition stehen kann, also ein U n - recht ist, das sollte einem nicht nur das klare nüchterne Denken, sondern auch das jüdische Gefühl schon sagen. Ist aus diesen Gründen die misrachistische Ideologie zu verwerfen, so erst recht seine praktischen Auswirkungen vor allem die der letzten Zeit. So sehen wir, wie Misrachi sein Hauptziel, der Thora im Zionismus einst zur Herrschaft zu verhelfen, dadurch erreichen will, indem er Schulen errichtet, die alle Vorzüge haben mögen, nur die nicht, woraus es erster Reihe ankommt, ihre Schüler und Schülerinnen zu wahrhaft echten, von der Heiligkeit ihrer Lebensbestimmung überzeugten Jehudim zu erziehen. So sehen wir ferner, wie Misrachi freudig Arm in Arm. geht mit dem berüchttgten Herrn Jabotinsky, dem zu Recht so genannten „jüdischen Hitler", zu dessen ftr. 19 Seite S Zukunftspolitik unter vielem anderen auch die kleine Aufgabe gehören soll, dem britischen Weltteich den Krieg zu erklären. Armes England! Und wenn es sogar so weit kommt, daß sich orthodoxe Kreise mit ehrlicher Entrüstung aufregen müssen, weil ein angesehener und gelehrter rabbinischer Misrachfführer in einer öffentlichen Ansprache das Besiedeln seitens der Poschim von Erez Jisroel auch als eine „religiöse Tat" bezeichnet und weiter gegen d ie überlieferte jüdische Auffassung hinzusügt, die Gesetzesüberttetung fei auf dem sni? r-iai» von Erez Jisroel weniger schlimm als in pm (üb dann betrachten wir all diese bedauerlichen Vorfälle als die normalen Folgen eines von vorneherem der Thora zuwiderlaufenden Programmes. Aber auch wir müssen mit wehem Herzen bestättgen, daß jeder Misrachist uns auf diese Vorwürfe einfach entgegnen kann: „Ein großer Teil von Euch Agudisten, die Ihr Euch mit UNS verfeindet habt, weil wrr im Zionismus die Souveränität der Thora nicht anerkennen können, anerkennt ebensowenig die Thorasouveränität im jüdischen Kehillaleben. Warum arbeitet ihr daher gegen uns? Arbeitet nun mit uns im Zionismus zum Wohle der jüdischen Gesamtheit!" So sehen wir, daß die Handlungsweise vieler Agudisten noch viel unkonsequenter als die der Misrachisten ist. Denn Agudas Jisroel ist eine Bewegung, die alle auf dem Boden der Thora stehenden Jehudim auf der ganzen Welt organisieren will, um sich als geschlossene Einheit dem G'tteswillen zu unterordnen. Weil jeder wahre Agudist infolge der geistigen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der heutigen Judenheit eme gemeinsame Lösung der jeweiligen Gesamtheitsaufgaben einerseits für erforderlich erachtet, andererseits aber der Ileberzeugung ist, daß das Herrschaftsrecht der Thora sich nicht allein aus das Einzelleben erstreckt, sondern sich auf das Gesamt he i ts leb e tt der Glltesnatr'on ausdehnt und daher eine jüdische Gemeinschaft, gleich welcher Art, nur Existenzberechtigung beanspruchen kann, wenn ihre Verfassung in jeder Weise die Verfassung der Thora ist, deswegen ist jeder Agudist Agudist und kein Mitglied des Misrachi, in dessen Mitte schon aus materiellen Gründen Erfolge viel eher als in der Aguda zu erzielen wären, deswegen ist jeder Agudist Gegner des Misrachismus. Nun ist es schwer zu verstehen, wie man zwei G'ttern mit vollem Herzen dienen kann. Wenn einer Agudist ist und gegen den Misrachi kämpft, weil dieser sich nicht vollends vom G'ttesrecht beherrschen läßt, müßte er durch die einfache Lehre der Logik oder durch den talmudischen Begriff des '“iniml>j?~ (durch eine logische Schlußfolgerung von einem leichteren Fall auf einen schweren) unwillkürlich folgern müssen, daß eine jüdische Gemeinde, zu deren Mitgliedschaft ein je der Jehudivom Schulchan Aruch aus gezwungen werden kann, und der bei aller Notwendigkeit einer orthodoxen Weltorganisation noch viel mehr Wichtigkeit und Bedeutung als einer solchen zusteht, erst recht keine Daseinsbefugnis hat und keine dem Din entsprechende Kehillah ist, sobald diese Gemeinde Statuten aufstellt. die nicht in Einklang zur Thora st ehe n sobald diese Gemeinde eine Institution duldet, die der hl. G'tteslehre Hohn und Spott spricht. Aus welchem Grunde ziehen hieraus so viele Agudisten andere Folgerungen? Vielleicht, könnte man sagen, haben' sie noch wenig über diese Frage nachgedacht und, den Herdentteren gleich, taten sie dasselbe wie die anderen, wie ihre Freunde, ihre Umgebung. Dann sollten ihnen diese Elulwochen der großen jüdischen Einkehr zu denken geben, was hier das Richtige, was hier das Falsche ist. Dann sollte diesen Agudisten last not least die gemeinsame Krisis eines Judenhasservolkes mit jenen unserer jüdischen Brüder und Schwestern, die das G'ttesgesetz als Staatsgesetz verwerfen — den Zionisten und Misrachisten — ein Weckruf aus ihrem langen Schlafe sein, der vielleicht daraus Hinweisen will,daß ein kleiner Zusammenhang zwischen diesen cm sich ganz verschiedenartigen Krisen doch bestehen kann, als ob n-apn etwa, kleinmenschlich ausgedrückt, zu uns sagen wollte: Wehe über meine •>33, die sich organisieren und sich selber ein Gesetz machen und nicht einmal begreifen wollen, was die Allerkleinsten des Morgens stammelnt\ bnp> .wn» n®» «V rm mw „Die Thora t)at uns Mosche befohlen als Erbe für die Gemeinde Jakobs", über diese imn®' '33 zürne ich genau so wie über jene Völker, die meine heilige Nation zu vernichten drohen. Und dann ist es eigentlich noch etwas, warum vor allem die Jugend heute mit fanatischer Begeisterung für die Reinerhaltung der jüdischen Kehillaus werben und kämpfen müßte. Dieses „etwas" ist die katasttophale Zeit, in der wir leben. Eine ganze Welt steht vor dem Zusammenbruch, die größten Köpfe stehen ratlos da und können keine Hilfe bringen, zu groß ist die Not und die menschliche Unzulänglichkeit. Wir unsererseits, das kleine Golusvolk, befinden uns im beinahe hoffnungslosen Zustande. Die fürchterliche, fast überall überhand genommene Verarmung, die immer heftiger und reißender werdenden Wellen des Antisemitismus, die erschreckende Statistik des Geburtenrückganges und der zahllosen Mischehen — das alles sind unter gewöhnlichen Umständen Symptome, die mit einer Bestimmtheit innerhalb einer kurzen Zeit den Untergang des betteffenden Volkes Voraussagen würden. Wer von uns fühlt nicht die drückende Schwere des jetzigen Golus, wer von uns —