Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 39-40 (24.9.1931)
- Date
- 1931-09-24
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450652-2450691--78261-2535938- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Nr. 19 Der Israelit Bist 1 er 24. September 1931 verschüttet war; wir haben ihn wieder ausgegraben, und wir haben chn frei von Staub und Moder erglänzen lassen. Cr glänzt heute auch wieder als Trost, und Klall Iisroel ist uns etwas Heiliges geworden. Woraus wir düs erkennen? Aus der Tatsache, daß ein so furchtbarer, ergreifender Kampf entstanden ist um den Inhalt dieses Klall Iisroel; daß Menschen, ernste, große Menschen mit allen Waffen des Geistes und mit Feuerhingabe sich bemühen, nun festzustellen, was ist denn der Inhalt von Klall Iisroel. Meine Verehrten, als wir jünger waren, da haben die Menschen des Geistes ihre Klingen kreuzen lassen um das Wese n des I u d e n - tum s. Heutzutage kämpft man und ringt man um den Begriff Klall Iisroel. Wir haben den alten Kampf um das Wesen des Judentums, der fast wesenlos zu werden drohte, wir haben ihn herabgezogen aus dem Himmel auf die Erde!— °70'^i Q’aff — unter Menschen und haben daraus gemacht ein Ring e n u n d K ä m p f e n u m d e n I n h a l t v o n Klall Iisroel. Das ist der Beweis, d a ß e r l e b t. Es gilt zu kämpfen. Und bei diesem Kampf dürfen wir wohl in dieser Stunde von seinen häßlichen Formen schweigen und nur festhalten, daß von allen Seiten geworben wird um die jüdische Seele. Klall Iisroel ist und war an Deiner Wiege. Was Du daraus machst, wie Du in diese Gemeinschaft einen Inhalt gießt, das ist Aeußerüng des Lebens Deiner Seele, das ist freier Entschluß Deines Herzens. Und darum wollen wir diesem Kampf nicht gram sein. Und wir, meine Verehrten, wir haben in diesem Kampf nur Eines: 'KW* yaff' und daran wollen wir festhalten. Wir haben zu all diesen Kämpfen, zu all diesem heißen Werben, und zu all diesen großen Zielen nur den einen Ruf: Schma Iisroel, höre, verstehe, begreife. Begreife an der Hand von Jahrtausenden, den Blick auf all das, was vor Dir war und den Blick auf all das, was geschehen ist. Wir rechten nicht und wir richten nicht. Der große Unterschied besteht darin, ob man den Inhalt von Klall Iisroel an etwas Vergängliches knüpfen darf, was mit dem Menschen geboren wird und mit dem Menschen stirbt, den aufeinanderfolgenden Generationen immer andere Ziele und andere Träume gibt, oder ob wir den Inhalt des Klall Iisroel begreifen und darstellen wollen als etwas Unvergängliches und stolz darauf sein wollen, daß wir, die wir gestern noch nicht waren, und morgen nicht möhr sein werden, an die zitternden Seiten unseres Herzens das Unvergängliche knüpfen dürfen; daß wir die Tage unseres Weges über die Erde als etwas Unsterbliches fühlen dürfen. Das ist eigentlich letzten Endes der große Kampf um den Inhalt von Klall Iisroel: zusammengefaßt in Judenheik lebender kämpfender Men sch-e n oder im Judentum lebender, siegender Menschen!! Wir haben das Letztere gewählt. So verstehen wir die Stunde vom Sinai, die Geschichte des jüdischen Volkes, und da hat Agudas Iisroel nach zwei Fronten gekämpft, nach zwei Fronten geworben. Wir wandten uns an den Osten und sagten zu ihm: Schma Iisroel, führt Eure Tauroh in das Leben! Und man kann nun sagen, — natürlich ist ein solches Bild nur in groben Umrissen zu zeichnen, — man kann sagen: I m Osten ist das große Werk geglückt. Unsere Brüder haben ihre Tauroh in das Leben geführt und beanspruchen nun, das führende Wort in allen jüdischen Belangen zu sprechen. Es möge ihnen gelingen! Und sie haben auch die Tauroh in das Leben ihrer Töchter und Schwestern geführt. Daß wir ihnen dabei helfen konnten, daß wir in unserm Veth Jakob eine Stätte errichten konnten, wo dieser Sehnsuchtsschrei unserer Väter einen Widerhall fand, das ist etwas, dessen wir uns freuen wollen. I m W e st e n , bei uns, ist es noch nicht ganz gelungen. Wir haben es, trotz manch wunderbarer Momente des Aufschwungs noch nicht ganz vollbracht, daß wir unser Leben in die T st u roh geführt haben, daß wir; unser Lebens das selbst , '.in semen Irrwegen doch immer von ' Taurohwillen erfüllt war, •' noch nicht ganz wieder zur Tauroh emporgeführt haben. Und alle 1 Lebensäußerüngen des Geistes und -des. Herzens: und der Lebensführung, des Lebeusmorgens mnd des Lebensabends ganz wieder so zu leben, sd darzustellen, daß es mit zwangsläufiger Notwendigkeit als eine Willensäußerung der Tauroh anzusprechen ist, das ist uns noch nicht gelungen. Und. wenn es noch gar nicht gelungen wäre, auch dann würden wir hoffen und vertrauen. Denn solche -agudistische Gestalung der Weltanschauung, sie kann nicht erzwungen werden. Sie kann bloß fließen aus dem unerschöpflichen Quell einer heißen Liebe. Und wenn erst unsere Liebe und die Liebe unserer Kinder sich paart mit einer heiligen Gewißheit, daß Schma Iisroel Wort G ' t t e s ist und wenn wirdankbar dafür sind, daß uns die Ewigkeit für jeden Schritt und Atemzug den Weg weist, d a n n wird es auch bei uns vielleicht bald gelungen sein. 'Demoencfef «üguda - OTtarften ', » , Srfigff lieft In aiien Ovtsgvttppen, Die Zeit kommt uns entgegen! Und hier lassen Sie mich noch auf ein letztes Gegenspiel aufmerksam machen. Vielleicht wissen Sie es nicht. Es ist ganz merkwürdig.' In dieser Zeit, die sich bemüht hat, mit Verführungen' und Gewalt, mit Spott und Hohn alle diejenigen Gemeinschastsbeziehungen der Menschheit, die nicht aus Nützlichkeitserwägungen stammen, zu lösen, in dieser Zeit hat sich eine neue Weltanschauung Bahn gebrochen, die wohl wieder dem Gefühl seine richtige Stellung im Leben gibt. Und draußen lehren, draußen predigen, schreiben Tausende von der gewaltigen Bedeutung des inneren Erlebnisses Deiner Seele für Dein Leben. Das ist wirklich nichtderWegzurück,son de r n d e r Weg empor zu Wert und. Würde Deines Menschseins. Und wenn in prophetischer Ahnung Dr. Nathan Birnbaum in seinem Aulim-Gedanken diesem Willen bei uns Bahn zu brechen versucht hat, nun wohlan, so möge das zu einem Erlebnis werden, zu einem Erlebnis, das Mit neuem Frühlingszauber und neuer Ewigkeitsahnung die Gemeinschaften erfüllt, die wirklich bei unserer Wiege standen, und sie zum Leben erwecken. Ich glaube, aus diesem Gedanken und aus dieser Lebenskunst des richtigen Fuhlens und aus dieser Lebenskunst des richtigen Verstehens des Schma Iisroel werden neue Lichtströme fließen, die sich gegenseitig beleben und die mählich entschleiern das Geheimnisvolle dieser Zeit. Wenn jüngst ein jüdischer Mensch davon sprach, daß 2000 Jahre verstrichen sind, und wir das Veth Hamikdosch und seine Korbonaus nicht mehr brauchen — was wird Agudas Iisroel dagegen tun? Nichts kann und wird d a g e g e n Agudas Iisroel tun! Durch unser Leben wollen wir zeigen, was uns das Beth Hamikdosch ist, Und weinen und klagen nur über die Hand irrender Menschen, die sich schwer gelegt auf unser Haus. •lEnpan nnVnwiiP vn 'isa Dazu rufen wir Sie als Genossen des Kampfes, und dazu rufen und bitten wir Sie als Gefährten! Wir wollen mit der Agudas Iisroel gehen zu allen jüdischen Brüdern und ihnen sagen: Es war einst ein Heiligtum in Iisroel, es waren einst opfernde Menschen in diesem Heiligtum, die durch ihr Opfern bekundeten die Größe einer Welt, die nicht auf Leistung und Gegenleistung aufgebaut ist, die Größe einer Gemeinschaft, die nur bestimmt ist von heißer Liebe zum Heiligen: der Weg zurück zu diesem Beth Hamikdosch, das ist der Weg der Agudas Iisroel. Die rituelle Verpflegung auf den beiden Dampfern der direkten PäkWttaiinieVesLloyd^Triefirvo. Mehrseitigen Anregungen folgend hat die Palästma- Eentrale im Verfolg der in den „Blättern" stattgehabten Diskussion über die rituelle Verpflegung aus den Lloyd- Dampfern nach Palästina eine Klärung derjenigen Punkte herbeizuführen sich bemüht, in denen widersprechende Ansichten geäußert worden waren. Wir können nunmehr, auch in Uebereinstimmung mit einer offiziellen Zuschrift des-Chiefs der Verp'flegsabteilung des Lloyd Triestino^ folgendes Mitteilen:. 1. Die von den rabbinffchen Autoritäten gewünschte Einrichtung einer besonderen Küche für das Wärmen der rituellen Konserven ist seit mehreren Wochen durchgeführt und - hat sich vortrefflich- -bewährt.. Irgend welche Berührung , mit dem nichtrituellen Küchenbetrieb' erscheint jetzt erst recht vollkommen ausgeschlossen, fr»; wie dies übrigens auch früher, der genauer Einhaltung der für dw rituelle Verpflegung. geltenden Vorschriften durch die Passagiere der Fallwar. . - - 2^ Alle Beschwerden ,die vorgekommen sind, waren, darauf zurückzuführen, daß rituell lebende Passagiere die Dienstbeslissenheit der Stewards mißbrauchten und sich Speisen reichen ließen, die gar nicht in der für. rituelle Verpflegung ausschließlich geltenden Speiseliste enthalten, waren. 3. Die Speiseordnung für die rituelle. Verpflegung ist folgende: Frühstück: Tee (evtl. mit ritueller. Kondensmilch). rit. Schweizer Schachtelkäse. Mittag: eine halbe Büchse rit. Fleischkonserven, Kartoffel vom Nost, Salate^ Tomaten, Gurken, Gemüse (Pickles). Dieselbe Folge für Abendessen, wobei jedoch an Stelle von .Fleischtonserven gebratener. Fisch oder Oelsardinen, abwechselnd auch. Kompotte treten. Brot nach Wunsch bei jeder Mahlzeit.. Ferner auf Wunsch je 4 Eier täglich. Auf Verlangen wird auch Butter zum Frühstück gegeben, doch gehört Butter nicht zu den rituellen Sorten der offiziellen rituellen Verpslegungstabelle. Die Speisekarte für die rituellen Tische liegt bei jeder Mahlzeit auf. Speisen, die in dieser Speisekarte nicht Vorkommen, dürfen auf den rituellen Tisch nicht gebracht werden. Verboten ist es^ während der rituellen Mahlzeiten mittags und abends am Tisch Milchspeisen zu essen, ebenso ist die Benutzung der Bestecke und Speifegeräte im Privatgebrauch bezw. für Speisen, die nicht laut Speisekarte dienstlich verabreicht werden, strengstens verboten. Rituell lebende Passagiere dürfen keinerlei Speisen aus der allgemeinen Küche von den Stewards verlangen. 4. lieber jede einzelne Fahrt haben die Schiffskommissare regelmäßig Bericht hinsichtlich der rituellen Verpflegung zu erstatten, sodaß die Direktidn jederzeit in der Lage ist ,auf Grund der gemachten Erfahrungen Verbesserungen ins Auge zu fassen. In der Tat gehen den Direktion häufig Dank -und Anerkennungsbriefe für die rituelle Verpflegung zu. Etwa vorkommende Verstöße werden sofort nachdrücklich geahndet. So gelangte e& jüngst zur Kenntnis der Direktion, daß an einem Sonnabend eine Stunde vor Nacht für einen der an dem rituellen Tisch Dienst tuenden Angestellten etwas gewärmt wurde. Es wurde unverzüglich eingeschritten und angeordnet, daß in der rituellen Küche am Sonnabend erst nach Eintritt vollständiger Nacht mit dem Aufwärmen der Konserven begonnen werden darf. 5. Wir geben im Folgenden der Uebersicht halber eine genaue deutsche Uebersetzung der für die rituelle Verpflegung geltenden Bestimmungen, die in den Schiffsräumen in‘ italienischer Sprache ausgehängt sind. Vorschriften für die betriebsmäßige Behandlung der rituellen Verpflegung. Für das Wärmen der rituellen Konserven darf nur der hierzu bestimmte rituelle Kupserkessel mit Speziallössel verwendet werden. Die Eisenplatte des Kochherdes, auf welche der Kessel gestellt wird, muß immer knapp vorher rot geglüht werden. Vor dem Braten der Fische muß der Rost und die Eisenplatte des Kochherdes, auf welche der Rost gelegt wird, ebenso knapp vor dem Braten der Fische rot geglüht werden. Beim Wärmen der rituellen Konserven oder Braten der Fische, soll die Eisenplatte durch entsprechende Abteilung begrenzt sein. Vor dem Braten von Kartoffeln soll die Bratröhre rot geglüht werden. Zu den rituellen Mahlzeiten Mittag und Abend, bezw. wenn die fleischigen Eßbestecke auf dem Tisch sind, dürfen Butter, Käse oder sonstige Milchspeisen nicht serviert werden. Bei den rituellen Tischen dürfen nur Glasteller verwendet werden. Die Reinigung der Koschergefäße und Eßbestecke mutz separat geschehen. Für die Reinigung ■ darf keinerlei Seife oder sonstige Fettmittel benützt werden. Die Konserven für Freitag Abend und Sabbat Mittag müssen schon am Freitag eine Stunde vor Eintritt des Abends in den Kessel gelegt sein und bleiben dort bis zum Gebrauch derselben.