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Der Israelit · 1931-09-24 · Heft 39-40 (24.9.1931) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 39-40 (24.9.1931)
Date
1931-09-24
Page
– (sequence 28)
Language
German
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Der Israelit BI S t t er 24. September 1931 Seite 4 Nr. 19 dies gilt besonders von der Jugend — hat nicht, jeder in einer anderen Art, tagtäglich einmal schwerer einmal weniger schwer zu leiden?! Und ein Blick von uns Jugendlichen in die Zukunft geworfen, flößt uns keine freudige Zukunftshoffnungen ein, sondern belastet uns nur mit neuen qualvollen Sorgen und angsterfüllt fragen wir: Was soll aus uns werden? Indessen sitzt fern im Osten ein greiser Rabbi, ein Mann zu dem inriv' ba, der Westen und der Osten, Chassidim und Misnagdim, „Oberländer" und „Unterländer" mit Verehrung emporschaut — und lernt mit seinen Talmidim die Dinim, die für die Zeit bestimmt sind, da der jüdische Staat wieder aufgebaut ist. Es ist dies der Chofez Chajim, er spricht vom baldigen Herannahen des von G'tt gesalbten Moschiach, der das jüdische G'ttesoolk unter dem G'ttesbanner sammeln und ins Heilige Land zurückführen wird. Dort wird der alte jüdische Staat in neuer Pracht und Herrlichkeit erstehen, und in Israel wird es nur ein Recht, das Recht G'ttes und nur einen Willen, den Willen G'ttes geben. Können wir aber die Stirne heben, uns für würdig zu erachten, diese glorreichen Moschiachzeiten, da die Nation, das Recht und der Boden G'ttes vor aller Welt emporblühen wird, miterleben zu dürfen, wenn wir jetzt nicht einmal bereit sind, unsere Kehillaus, die Urzellen unseres zukünftigen jüdischen G'ttes st aates, ganz dem heiligen Willen G'ttes zu unterord- Wie sollen wir uns den jüdischen Staat überhaupt vorstellen, wenn seine Urzellen, die unserer Pflege anoertraut sind, Männer zu Führern haben, die ungestört von der Kanzel predigen dürfen: „Ihr braucht nicht mr zu halten, Ihr müßt nicht -wa essen, handelt nur nach Eurem persönlichen Gefühl," Männer, die nicht einmal gewillt sind, den Grundstein des jüdischen Volkes, das jüdische Ehegesetz, stehen zu lassen, Männer, die heute nicht einmal alle an den wahren G'ttesbegriff glauben? Wenn wir uns wahrhaft für Moschiachs Zeiten rüsten wollen, dann darf uns nichts von unserem Schöpfer trennen, keine Orgel und kein Reforrnrabbin e r. Der beste und ehrlichste Wille kann keine Rechtfertigung dafür sein, in einer von G'tt abgefallenen Gemeinschaft zu verbleiben. Die Sorge um unsere irregehenden liberalen Brüder ist voll berechtigt, überlassen wir sie aber vorläufig G'tt und tun wir in erster Reihe unsere Pflichten. Wenn die in der Aguda organisierte Orthodoxie ganz zu dieser Einsicht kommen würde, dann wären wir G'tt und dem Maschiach näher. Hier aus diesem Gebiete ausklärend und belehrend zu wirken, darin liegt vor allem die geschichtliche B e d e u t u n g A g u'd a s I i s r o e l s. Durch Studium, Arbeitsgemeinschaften, Ausspracheabende und dergl. sollte der agudistischen Jugend volle Klarheit über das Wesen der Thora und der jüdischen Nation geschaffen werden. Wenn die agudistischen Jugendgruppen sich dieses hohe Ziel stellen würden, dann hätte die Aguda wahrhaftig keine Zeit, ein „Schlafklub" zu sein und hätte mit Vereinsmeierei nichts gemein. Daher gehe die Agudo gleich im neuen Jahre an die Arbeit — denn noch ist es nicht zu spät! ___ Wenn sich so die in Agudas Jisroel organisierten Jereim für die große Erlösung rüsten, dann können wir mit Hoffnung und Zuversicht auf den Tag harren, an dem nicht nur wir, sondern auch die Völker, die uns heute der Vernichtung anheimfallen lassen möchten, unserem großen Schöpfer mit Begeisterung wegen unserer Rettung zujubeln werden, wie wir es an jedem nav im jvtoan -Liede singen: •aV« bj> rm'ab 'n b'im o’m ii»«1 ix Aufgaben der geseheslreuen Jugend. Von Mordechai ben Zwi. Auf der liberalen Weltkonferenz 1930 in London hat sich die Jugend aller Länder, die auf religiös-liberaler Grundlage steht, zu einem Weltbund der liberalen Jugend zusammengesunden. Wir nun, die wir auf der Thora fußen, sollten keine Einigung fertig bringen? — Wo Wille, ist Weg.' So schwer ist die Schaffung einer solchen Organisation nicht, wie es erscheinen mag. Nötig dazu ist nur die Erkenntnis der Notwendigkeit einer Zusammenarbeit! In den Zentren jüdischen Lebens, in Berlin, Breslau, Frankfurt, Hamburg, Nürnberg ufw. sollten sich die Führer der Agudoh, des Esra, des Misrachi und anderer auf dem Boden der Tauroh stehender Bünde zusammensetzen, um sich zu verständigen. Da sind ja so viel gemeinsame grundlegende Dinge, in denen die Einigung möglich ist. _ Zuerst Tauroh und Erez Jisroel. Wenn auch ein Teil der taurohtreuen Jugend den Zionismus ablehnt, so ist doch Erez Jisroel für sie alle gleichwichtig. Unser Ziel ist: Volljuden zu erziehen, die ihr Judentum wirklich voll leben können. Und wo kann man das in Europa? Müssen wir nicht überall Konzessionen und Kompromisse machen?! Da bleibt doch bloß das Land unserer Väter, wo wir ganz jüdisch leben können. Tarjag Mizwaus ohne Erez Jisroel sind fast unmöglich, doch Erez Jisroel ohne Tauroh? — „Wenn Ihr meine Gebote beachtet, . . .dann werdet Ihr das Land behalten und in Glück darin wohnen dürfen!" Sicher wissen wir, daß der Bestand der Thora und Israels nicht vom heutigen Erez Jisroel abhängt; doch welches Land liegt uns denn näher, es aufzubauen, darin und dafür zu leben? Und Erez Jisroel hat noch eine andere Bedeutung für uns. Dort ist die beste Möglichkeit, uns zu regenerieren. Wir Jungen müssen klar sehen: die Entwicklung der jüdisch-wirtschaftlichen Schichtung weist nach unten. Wir müssen uns praktisch umschichten. Wir müssen uns vereinfachen. Wir müssen gemeinsam kämpfen. Wir wouen das alles aber im Dienste der Thora, im Dienste Israels tun und nicht warten, bis uns die Not dazu zwingt. Praktisch sollte dieser Bund bestimmte gemeinsame Arbeit aufstellen. 1. Thora: Jeder soll möglichst ein bestimmtes Maß jüdischen Wissens besitzen, jeder soll lernen. Das ist nichts. Neues! Das würde sicher auch so getan werden. Aber gerade deswegen soll ja gerade das als gemeinsame Arbeit bestmmt werden. Weil Thora das stärkste Band zwischen uns Juden ist! 2. Hachscharah: Eine Vorbereitung als Jude, sittliche, ethische Selbstarbeit! Hebraisierung! Eine Vorbereitung für Erez Jisroel, ein Würdigsein für seinen Aufbau, denn Erez Jisroel soll ja auf Tauroh ruhen, und eine innere und praktische Einstellung zu allen seinen Problemen ist zu fördern. 3. Umstellung: Hier ist schwere Arbeit. 1. Selbstarbeit, Umschichtung, innere Umstellung zur Umwelt. Unsere Aufgabe heißt: Gesund sein, uns erhalten! Weg vom Intellektualismus! 2. Allgemein soziale Arbeit. — Gegen diese Arbeit dürfte wohl niemand etwas einzuwenden haben, weder der Misrachi, denn nichts widerspricht, seinen eigenen wesentlichen Zielen, — noch die Agudah — sie bekommt von ihren Aufgaben nichts abgenommen! Und der Esra hätte die natürliche Ausgabe, sofort diese Einigung durchzusühren. Diese Organisation soll die Selbständigkeit der Bünde nicht behindern. In ihr sollen sie sich bloß nahekommen, ihre gemeinsame Arbeit sehen, ihre Einigung und bejahende Einstellung zur Tauroh zum Ausdruck bringen. Jeder soll jeden als Chower betrachten. Man wird gemeinsam Fahrten machen. Jeder wird seine besondere Aufgabe kennen und auch die des anderen achten. Uns steht nicht zu, das jüdische Leben des anderen als falsch zu betrachten und das unsrige als das richtige. Wer auf dem Boden der Tauroh steht, gehört zu uns. Alles soll gemeinsam sein. Lager, Schabbos, Singen, Lernen, Beten, Jüdisch-Denken und -Fühlen. Er denkt jüdisch, er fühlt als derselbe Jude, der ich bin. Ob ich Agudah bin und er Misrachi ist, spielt hierbei absolut keine Rolle. Machen wir uns ftei von den Fesseln der Politik. Unsere Politik sei die Einigkeit, Dienst an Tauroh und Jisroelsein. Die Einigung soll aus breiteste Basis gestellt werden. Sie soll nicht nur von den Bundessührern ausgehen, sondern vor allen Dingen von den Ortsgruppen. Eine Basis zur Einigung zu schaffen, ist jetzt auf den Bundestagen der Jugendorganisationen möglich. Es ist keine Zeit zu verlieren; es gilt, sich nach den Bundestagenin den Blättern mit den zu erwartenden positiven Ergebnissen und Beschlüssen zu beschäftigen. Vor allem habe ich nur die unbedingte Notwendigkeit und innere Möglichkeit der Schaffung einer solchen Organisation zu zeigen versucht. T y r n a u in der Slovakei, Lublin in Polen und Mir in Litauen konnten wir uns eine genaue Vorstellung von dem Leben und Treiben in den Jeschiwaus der verschiedenen Länder und der Stellung ihrer Leiter machen. Es ist kein Wunder, daß der Redner mit besonders liebevollen Worten der prächtigne Lubliner Jefchiwo ihres Gründers, Leiters und Erhalters, des Rabbi Meier Schapiro, gedachte, der ja auch in unseren Kreisen eine populäre Erscheinung geworden ist. Rührend war die Beschreibung des Besuches beim Gaon von Radin, dem Chofez Chajim, den Senior der agudistischen Führer, dem M'aur Hagolah, dessen Einfachheit und Bescheidenheit nur von seinem gewaltigen Wissen überragt wirk Dankbare Worte der Anerkennung - fand Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach für das gewaltige Bes' Jakauw - S ch u l w e r k, das über ganz Polen, auch schon über Teile von Ungarn, der Tschechoslovakei und Rumänien verbreitet, so unendlich viel für die früher ganz ver- - absäumte Mädchenbildung geleistet hat. Liebevoll gedachte der Redner dabei des Initiators dieses gewaltigen Werks, des Herrn Dr. Leo Deutschländer, der, in Altona erzogen, die hier erworbene westliche Bildung glücklich mit Thoraliebe paarend, zum Kulturträger der gesamten jüdischen Diaspora geworden ist. Es ist, so führte der Redner weiter aus, nicht das geringste Verdienst der Agudas Jisroel, daß sie es verstanden hat, die divergierenden Teile des gesetzestreuen jüdischen Volkes zusammenzuschweißen, daß West und Ost, Chassidim und Misnagdim heute zu einer Aguda achas, zu einem einheillichen, sich liebenden und sich verstehenden Bunde geworden sind. Als Brüder sind wir überall ausgenommen worden und wer seinen Bruder kennen lernt, lernt sich selbst kennen. E. Wien. Die Juli-Nummer des Mitteilungsblattes der Agudas Jisroel-Jugendgruppe Wien enthält einen von jugendlichem Temperamente erfüllten offenen Brief an die orthodoxen Kultusvorsteher, worin diesen vorgeworsen wird, daß sie seit Jahren im Kultusvorstand das Zünglein an der Wage bildeten, es aber angeblich nicht verstanden hätten, diese Lage zu Gunsten der orthodoxen Interessen in der Kultusgemeinde auszunutzen. Sowohl die Schiftschul als alle anderen orthodoxen Gruppen und Institutionen feien schwer benachteiligt, s. z. B. der Schomre Schabbos- Berband, das Ferienheim der Jugendgruppe und vieles andere. Die jungen Herren behaupten aber ferner, daß die orthodoxen Kultusvorsteher auch nichts unternommen hätten, um der Orthodoxie ein größeres Maß von Selbständigkeit, etwa wie der türkisch-israelitischen Gemeinde in Wien zu verschaffen. Auf der andere Sneite erschienen die orthodoxen Mitglieder des Kultusvorstandes in den Generalversammlungen orthodoxer Vereine als Vertreter der Kultusgemeinde und repräsentierten dort deren Jnte- Der Brief muß jedenfalls als Symptom für die Stimmung in einem Teile der agudistischen Jugend Wiens beachtet werden. Die Jugendgruppe hat in Möltern, einem reizvollen Flecken im Wechselgebiet, ein schönes Ferienheim für ihre Mitglieder eingerichtet. Die erste Gruppe, ungefähr 45 junge Leute, ist bereits heimgekehrt und äußerte sich begeistert über das Gebotene. Ende Juni fand ein feierlicher Sium auf den Tälmudtraktat Makkos statt. Aus der Bewegung. Hamburg. Die Hamburger Agudas Jisroel-Gruppen veranstalteten am ersten Selichaustage einen Vortragsabend in Altona. Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach' Altona hatte es freundlichst übernommen, über seine Eindrücke auf der Studienreise des Keren Hathora in die Thoraländer des Ostens zu referieren. Schon lange vor Beqinn des Vortrages war der große Saal in Pabsts Gesellschaftshaus überfüllt. In einundeinhalbstündigen Ausführungen wußte der verehrte Redner das zahlreiche Publikum bis zum letzten Augenblick zu fesseln. Nach kurzen Einleitungsworten des Vorsitzenden der Ortsaruppe. Herrn Dr. Julius Möller, charakterisierte Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach die vier Länder, die die Teilnehmer der Fahrt besucht hatten. Die erste Gruvpe war die slovakische Orthodoxie, am straffsten organisiert und der westeuropäischen Kultur am nächsten stehend, ist sie dank der überragenden Stellung, die die dortigen Rabbiner innerhalb ihrer Gemeinden einnehmen, antireligiöser Zersetzung am wenigsten ausgesetzt. Die zweite Gruppe — Galizien und Kongreßd ölen — stehen vornehmlich unter, der Führung der Ehassidimrabbis. die Vater und Freund der ihnen vertrauenden und unbedingt gehorsamen Massen sind, ohne daß die jüdische Bevölkerung dieser Länder es an Individualismus fehlen läßt. Das vierte Land. Litauen, bezeichnete der Redner als. das Land der Thorademokratie, ein Land der Studenten. Hier gilt nur die Beschäftigung mit der Thora. Während in den vorher skizzierten Ländern der Rabbiner kraft seines Amtes schon die Autorität besitzt, muß sich der litauische Raw die seine erst von Tag zu Tag neu erringen und bewahrt sie sich eben nur durch seine geistige Ueberlegenheit, das heißt seine Thoragelehrsamkeit. Plastisch verstand es der Redner, den Hörern ein Bild von den besuchten Jeschiwaus zu vermitteln. An Hand einer Beschreibung der Thoralehranstalten von Warschau. Aus Anlaß der Tage der Einkehr erläßt das C.-K. der Agudas Jisroel in Polen einen Ausruf an sämtliche Agudakomitees und Führer im ganzen Lande, in dem zunächst auf die schweren Kämpfe für die gefetzestreue Judenheit Polens im letzten Jahre hingewiefen wird. Die Wahlkämpfe haben einen ungeahnten Sieg gebracht und der Aguda zu einer angesehenen Stellung in der Politik nach innen und außen verholfen. Darüber mußten aber innere Aufgaben vernachlässigt werden. Es muß noch viel auf dem Gebiete der Organisation, besonders zur Aktivierung der Kräfte in Zentral-Litauen gearbeitet werden. Die Erfahrung hat gezeigt, daß da, wo Agudagruppen existierten, dis Orthodoxie sich auch mit guten Erfolgen bei den Wahlen durchsetzen konnte, weniger aber dort, wo die Orthodoxie unorganisiert und zersplittert daftand.. Große Ausgaben erwachsen der Aguda auf dem Gebiete der Erziehung. Die Fortbildung der Jugend und die Ausbildung geeigneter Lehrer ist eine Lebensfrage für die gesetzestreue Judenheit. Die ökonomische Lage zwingt zu weiteren Hilfsaktionen und Wohlfahrtseinrichtungen, dabei sind zur Zeit infolge der Krisis auch die alten Institutionen in ihrer Existenz bedroht. Zuletzt wird im Aufruf auf unsere Pflichten gegen Erez Jisroel hingewiefen. Zu dem Arbeitsprogramm des kommenden Jahres gehört die Einberufung einer Landeskonferenz aller orthodoxen Keh illos und aller orthodoxen Ratmänner in den Stadtverwaltungen, um einen einheitlichen Arbeitsplan festzulegen. Die Feiertage sollen der Orthodoxie neue Energie und neue Impulse für die kommende Arbeit geben. Newyork. Die neugeschaffene Organisation Zeiire Agudas Jisroel hielt eine große Konferenz ab, an der über 100 Männer und 70 Frauen teilnahmen. Es wurden verschiedene Resolutionen Ungenommen und die neue Leitung gewählt. Die Organisation umfaßt zwei Frauenabteilungen und eine Männerqruvpe. Die Organisation erwarb 250 Dunam Boden in Erez Jisroel. Es soll eine Kolonie unter dem Namen „Nerve Zeiirim" geqründet werden. An der Svitze der Leitung stehen Benjamin Hirsch und Rabbi Fränkel.

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