Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 39-40 (24.9.1931)
- Date
- 1931-09-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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24. September 1031 Herz versagte zuletzt seinen Dienst. Ein langes Krankenlager, ein schweres Ringen mit, dem Tode füllte ihre' letzten Lebensmonate aus, bis sie dann Haschem von ihrem Leiden befreite. Ein arbeitsreiches Leben ist damit beendet, ein Lebens bas ganz ausgefüllt war von rniVaa n»x Vff lori* Als Vorsteherin de8 Jüdischen Frauenvereins hat sie Tag ''und Nacht ich' Dienste der heiligsten und schwersten Mizwö gestanden,"hat Liebe erwiesen den Töten und Lebenden hat Freude durch ihre feinfühlige Art der Teilnahme verdoppelt. Ihre ganze Grütze aber zeigte sich in ihrem Hause, wo sie erst so recht ihre jüdischen Frauentugenden entfalten konnte. Einer mv gleich, hat sie dem von. den gleichen Idealen beseelten. Gatten geholfen, sein' Haus zu einem Hause Awröhoms zu machen. Gastfreundlich waren stets, die Türen ihres Hauses geöffnet, auch materielle njm übte sie bis . über die Grenzen ihres - Könnens aus,' immer in dem Bewußtsein, daß sie mehr die- Nehmende dabei ist, als die Gebende, unerschütterliches iitivb machte ihr selbst die schwersten Opfer leicht/ dieses' felsenfeste G'ttvertrauen war es ja auch,- das' sie in ihrer langen Leidenszeit immer wieder aufgerichtet hatte. Mittelpunkt ihrer Familie war sie nicht nur'in hauswirtschaftlicher Beziehung, sondern auch in religiöser Beziehung hat sie es verstanden, ihrem Hause die Weihe eines vsv vnp» zu gMn. .Als Zeichen, wie man in weiten Kreisen die' Heimgegangene in ihrem Werte zu schätzen wußte, darf das .unabsehbare Trauergefolge angesehen werden, das die Entschlafene zur letzten Ruhestätte geleitete. Fm Hause und am. offenen Grabe würdigte Herr Lehrer 'Mos e s: die Verdienste der Verstorbenen, nach ihm beklagte Herr Landrabbiner Dr. Blum-Emden in bewegten Worten den Verlust, den die Gemeinde erlitten hat. So wird das Andenken dieser wahrhaft frommen Frau im Gedächtnis aller derer, die sie kannten, stets fortleben. .. . ~ .f. f M Sprechsaal. Der Deulsch-JsraeMsHe Synagogenverband in Hamburg. Geehrte Redaktion! Der Deutsch-Israelitische Synagogenverband in Hamburg hat nur einen Rabbiner, nämlich Oberrabbiner Dr. Spitzer. Dieser bedurfte keiner „Vorbeugungsmittel" vor einer „prekären Lage". An ihn ist eine Anfrage des Tempels wegen einer etwaigen Einladung gar nicht ergangen, da feine Einstellung zum Tempel und dessen Funktionären viel zu klar und eindeutig bekannt ist. Oberrabbiner Dr. Spitzer hat vielmehr anläßlich der Jubiläumsfeier der Bornplatz-Synagoge am rav vor r-rn von der Kanzel herab die von den ausgesprochenen wiivm gegenüber der Reform und ihren Institutionen in Erinnerung gebracht und erklärt, daß der 112'rr sich nicht nur auf den Haupttempel mit dem Orgelg'ttesdienst, sondern auch auf den Wochentägsg'ttesdienst in den Nebenräumen erstreckt. V2'N8 pa VIvV'hamburg. Unter dieser Spitzmarke ging uns von anderer beachtlicher Hamburger Seite eine längere Zuschrift zu, welche sich mit unserer Notiz: „Keine Kuppel, sondern flach . . ." in Nr. 37 des „Israelit" beschäftigt. Wir entnehmen ihr, daß unsere Meinung, die Rabbiner des Synagogenverbandes wären bei erfolgter Einladung durch den Tempelverband in eine prekäre Lage gekommen, irrig ist. Sie schreiben: „Kein Mensch in Hamburg —- auch kein Führer der Liberalen — wird je auch nur im' entferntesten daran gedacht haben, daß irgendein Gesetzestreuer —> geschweige denn unser Herr' Oberrabbiner oder andere, gesetzestreue Rabbiner — an diesem Akt teilnehmen bezw. aus eine Einladung anders als ablehnend, reagieren würde; Wir^zititzren aus' dieser Zuschriftweitert'- „Die/ von Ihnen iHebräcM Mitteilung,' daß Rabbiner Dr.: Holzer dem Tempest ein - herzliches Glückwunschschreiben sandte, ist zwqp außerordentlich bedauerlich, es wäre aber ungerechtfertigt, wenn man daraus weitergehende Schlüsse mf die Gesetzestreue des Herrn Rabbiner Dr. H. ziehen wollte. Auf einen exponierten Posten gestellt — das Rabbinat seiner Synagoge wurde nach dem Tode von Rabbiner Dr. Loewenthal von den'Predigern des Tempelverbandes versehen — hat er nicht nur in seiner Synagoge, unter Aufwand großer Energien, eine.Fülle »an Reformen beseitigt und die Wiedereinführung vieler Ächtiger Gebetsstücke durchgefttzt, auch in seiner gewöhnten Lebensführung und in seinem Lehren steht er durchaus auf dem Standpunkt der Ueberlieferung . . ." Wir sind uns zwar nicht bewußt, der Persönlichkeit des Herrn Rabbiner Dr, Holzer seinerzeit irgendwie zu nahe getreten zu sein — das erwähnte Glückwunschschreiben ist ja dem Herrn Einsender genau so unverständlich wie uns — wir nehmen aber-gern öffentlich davon Kenntnis, daß er in Hamburg im Sinne der Thoratreue wirkt. Vermischtes. Kiel, 19. Sept. Am Sonntag, den 6. September hielt Herr Rabbiner Rabinow, Hamburg, Leiter der dor- "MN Jeschiwa, im Beth-Hamidrasch, Knooperweg ,30, einer Einladung folgend, einen Vortrag. Der Redner Referierte über das Thema: „Erstlinge der Gegenwart", D e r Fs r «> l i t indem er besonders auf die mangelhafte Thorakenntnis : vor allem der heutigen Jugend hinwies. Die in meisterhafter Weife, vorgetragenen^Ausführungen fanden im überfüllten Saale starken Beifälliger das außerordentlich große Interesse und den ^herzlichen Dahk .bewies. Nürnberg,, 20. September.,: Nach langer' Pause fand am Sonntag, den 6. September abends im' großen Saale des Luitpoldhauses in Nürnberg wieder einmal ein größerer Vortragsabend statt, Der Verband ' gefehestreuer jüdischer Fugendvereine in Bayern, dessen Vorsitzender die Versammlung leitete, hatte sich mit den Fugend- und Ortsgruppen, in Nürnberg und ,Fürth zusammengeschlossen im Rahmen der Werbeaktion der Agudas Fisroel in Deutschland, auch in Bayern dem Ruse der Landesorganisatiön zu folgen. Trotz der -Ungunst der Verhältnisse und trotzdem man am nächsten .Morgen wieder zu Selichaus gehen mußte, fand sich eine überaus stattliche Zahl von Besuchern ein, so daß der große Saal bald bis auf den letzten Platz beseht war. Als erster Referent sprach Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Klein, Nürnberg, über das Thema: „Was sagt uns jetzt Agudas Fisroel? ... :ü:. ' Fn meisterhafter Rede verstand, es der Redner dem aufmerksam lauschenden Publikum die Aufgaben der Agudas. Fisroel unter einer Perspektive vorzuführen, die geeignet war im? Hinblick auf die -herannahenden Fomim Rauroim gleichzeitig zur Tefchuwo anzuregen. Der Redner warf eingangs seiner Ausführungen die Frckge auf, ob heute, in der Zeit schwerster Wirtschaftsnol. die Agudas Fisroel den Anspruch erheben könne!, sich in den Mittelpunkt von Interesse und Denken zu stellen. Man muß auf die tiefere Ursache der Weltkrise zurückgehen, um diese Frage zu beantworten. Die Welt sei von einer „Vertrauenskrise" erschüttert, das gegenseitige Vertrauen .der, Völker und Menschen ist geschwunden. Aber' .man müsse auch von eineir Krise allzu großen Vertrauen sprechen. Nämlich des allzu großen Vertrauens, das die Menschen seit Jahrhunderten in die Macht der Materie, der Wirtschaft, des Geldes gesetzt hätten. Höhere Gesetze, die Politik, Wirtschaft und andere zu beeinflussen und zu bestimmmen Hätten, wurden nicht anerkannt, vielmehr für alle Gebiete des irdischen Lebens eine Eigengesetzlichkett in Anspruch genommen. So nahm das materielle Stteben schrankenlos ohne Rücksicht aus ethische Gründe überhand. So kam es, daß wie beim Turmbau von Babel, der „Ziegel", die Technik alles wurde, der einzelne Mensch nichts. Heute ist das Wirtschaftsleben der Welt von krassen Widersprüchen zerrissen. die Maschine richtet unzählige Menschen und ihre Eristenzen zu Grunde, in einem Lande wird der große Ueberfluß eine Gefahr; im anderen hungern Millionen. Auch für das jüdische Leben im Besonderen und seine ethischen Forderungen ist dieses ausschließliche „Berttauen" auf das Irdische ein drohendes Verhzängnis. Demgegenüber wolle die Agudas Fisroel und die in ihr verkörperte Weltanschauung der Tauro ein mächttges Bollwerk des Vertrauens zu E'tt der Herrschaft höherer Gesetze. Aus solcher Anschauung allein könne die Welt sicher aussteigen und zu ihhr müsse sich jeder jüdische Mensch bekennen. Um die Aufgabe der Allgemeinheit und des Einzelnen im richtigen Geiste zu sehen. Großes, wenn auch ohne lärmendes Aufheben, vollbringe die Agudas Fisroel in der Politik und auf kulturellem Gebiete, inmitten einer nahezu entg'tteten Welt. Der Einzelne müsse innerhalb der Agudas Fisroel die Kraft gewinnen, um als jüdischer Mensch gerade in solcher Zeit zu leben und zu bestehen. Reicher Beifall lohnte die schönen Ausführungen und nach kurzer Pause ergriff der zweite Redner des Abends, Herr Redakteur ,S. -S.ch a ch n o w i tz aus Frankfurt, der sich trotz so. vielseitiger.,Inanspruchnahme entschlossen hatte, dem Rufe der bayerischen Agudogruppen zu folgen, das Wort zu seinem 'Vortrag über das Thema: ,„An den. Kraftquellen des jüdischen Lebens". (Eindrücke, aus der Mudiemeife des Keren Hathora). . - '! stVier/Länder waren es, welche besucht worden waren. Rur' wenige, hattendas Glück, die Reise mitzumachen. Aber man war infolge der interessanten Schilderungen im Geiste und mit dem Herzen bei ihnen. Fn einstündigrm Vortrag wurde man den Weg über Tschechoslowakei, Ungarn, Polen und Litauen geführt. An dem geistigen Auge der Zuhörer zogen nacheinander vorbei: das Beth Jacob-Seminar' in Krakaü> eine der großartigsten Leistungender Agudas Fisroel, Warschau mit seinem großen jüdischen Proletariat, Lublin, der Sitz von R. Meir Schapira, dem Leiter der Weltjeschiwoh, die eine Elite: von Bachurim beherbergt und durch ihr äußeres Gepräge zeigt, daß ihrem Schöpfer Kewäuth Tathauro sehr wichtig erscheint. Fm Gegensatz dazu erschien Wilna als der Ort.- wo man jedem äußeren Prunk abhold ist. Ebenso 'Radin, wo der 93 jährige Chosez Chajim seine Schüler (Kauhanim) für die Zeiten des Moschiach, für die Awaudo vorbeiret. Der Weg führte am Grabe des Wilnaer Gaon vorbei und endete schließlich in Mir, der Hochburg der Thora. In diesem Ort lernen 400 Bachurim, darunter 10'- Deutsche, 20 Amerikaner, von Chebron hergekommen usw. GMßer Wert wird, hier auf Mussar gelegt. " --o» 1 . Schöne Wörtchen.!.che^/elten Mit Manchem lehrreichen eingestreuten .Pewar Tauroh‘ ijt:j schönster Weise ab, und der lang anhaltende Beifall bewies, welch tiefen Eindruck die Ausführungen bei allen Anwesenden hinterlassen hatten. ’ L. T. aus F. . -Nr. 39/40 Seite 9 Die Woche. „Mitteilungen" der ^Bereinigung ehemaliger Schüler - vvd Schülerinnen' der S. N. Hirsch-Schule. Die September-Nummer der Mitteilungen ist erschienen und bietet eine interessante und auskunftsreiche Lektüre. An leitender Stelle wird über die Aktion zur Erhaltung unserer Schule referiert. Die .Appelle vyn der Kanzel und in der Versammlung im gro- - tzen Saale des Zoologischen Gartens am 25. .Juni haben guten Erfalg gezeitigt. Die Sammlung brachte etwa Mk. 50 000, wozu noch eine Kleinsammlung in der Form von Wochensammlungen hinzukommt. Das Ziel: Die Summe von etwa Mk. 100 000 für zwei Fahre ficheizustellen, konnte infolge der Krisen der letzten Monate-leider nicht erreicht werden. Der Ruf zur Rettung der Schule muß von neuem und eindringlich erhoben werden. Es werden im ferneren ausländische -Stimmen - über Charakter. Wert und Bedeutung unserer Schule.. wiedergegeben. Ein Aussatz behandelt die Leistungs-- und Persönlichkeitsunterschiede von Knaben und Mädchen. Ein Bericht über die Führungen des letzten Sommers zeigt, welch großer Beliebtheit sich diese Einrichtung der Vereinigung erfreut. Ein liebevoller Gruß wird , an Hermann Gumb ertz - Hamburg (ehemaliger ' Schüler unserer Schule) zu seinem. 60. Geburtstage entboten. Den Abschluß bilden Berichte über Schulfeiern. Das lesenswerte Heft kann von der Schulkanzlei bezogen werden. Wintersemester in der Jüdischen Frauenvereinigung e. B. / Die Jüdische Frauenvereinigung e. V. beginnt ihr WinterLProgramm am Dienstag, den 6. Oktober 1931, abends 8.30 mit dem Referat von Frl. Fetta Rosenheim: „Eindrücke von einer Erez-Fisroel- Reife". (Gemeinsam mit der Agudistischen Frauengruppe). Am Sonntag, den 11: Oktober spricht Herr Lyzeal-Oberlehrer Karl Ochsenmann über „Psychologische Typen". Herr Redakteur S. Schach - nowitz bringt am Sonntag,, den 25. Oktober „Jüdisches in der Weltliteratur." Heber Kindliche Konflikte" spricht am Sonntag, den 8. November Herr Dr. Arnold Merzbach. Außerdem haben uns Herr Direktor M. E l ia s und Herr Dr. S. : Ehrmann Vorträge zugesagt, dex Zeitpunkt steht noch nicht fest. " r Die Vorträge finden alle 14 Tage Sonntag nachmittag 6 Uhr im Hörsaal Friedberger Anlage statt und wir hoffen ans recht regen Besuch, denn mehr denn je sehnen wir uns Frauen in dieser aufreibenden Zeit nach geistiger Anregung und Entspannung in harmonischem Zusammensein mit Gleichgesinnten. Beim ersten Gemütlichen Zusammensein am Dienstag, den 13. Oktober nachm. 4 Uhr im Zoo referiert Frau Dr. Groß über die „ S o n d e r t a g u n g in Gent beim Völkerbund für internationale Erziehung der Jugend". Die weiteren geselligen Zusammenkünfte finden 4 wöchentlich statt und werden ebenso wie die Vorttäge im „Israelit" und durch Anschlag in der Synagoge bekannt gegeben. Zu allen Veranstaltungen sind Gäste herzlich willkommen. Der Winter naht! Unseren Schützlingen fehlt es an warmer Kleidung. Wir bitten recht herzlich um Zuwendung von wärm ör . Ober- und Unterkleidung. Auch für Bett- und Leibiväsche liegt große Nachfrage vot. Schicken Sie uns bitte,-was'Sie von noch brauchbaren Wintersächen entbehren können. Gerne sind wir auch zur Abholung im Hause bereit. Jüdische Frauenverechigung lh. 33.,, Kleider--, deppst Schühenstr. 1 parterre, Telefon 44217. . - ^Verein Melor Ehajhn. i ' Wir weisen unsere -verehrl. Mitglieder. und Freunde hösl. darauf hin,-daß das «an rrrpvin-Lernen in diesem Fahre am Donnerstag abend 8.30 Uhr in unserem Berenislokal stattfindet; wir bitten um zahlreiche Beteiligung. Mit Rücksicht auf die Zeitverhältnisse haben wir den Kostenbeitrag auf nur Mk. 1.— pro Teilnehmer festgesetzt. ,, . Das int vergangenen Fahre neu aufgenommene Frühminjan am Simchas Thauro hat großes Interesse gefundne, das uns Anlaß gibt, auch in diesem Fahre das Minjan Simchas Thauro morgens 6 Uhr stattfinden zu lassen. Es ist vorgesehen, sämtliche Teilnehmer aufzurusen. Wir erwarten rege Beteiligung. Unser Sukkaus-Programm veröffentlichen wir an anderer Stelle. Agudas Fisroel-Fugendgruppe e. V. Wir haben im Garten unseres Heimes gemeinsam mit der Israelitischen Religionsgesellschaft eine Sukko zum Gebrauch für Jedermann errichtet. Die Sukko ist geöffnet: vormittags von -7—-9 Uhr, mittags von 12—15 Uhr, und abends von 18—21.30 Uhr. Fn der Küche des Heims kann das mitgebrachte Essen aus Wunsch gewärmt werden. Münzen für den Gasautomat zum Preise voll 20 Pfennig sind beim Verwalter erhältlich. An Simchas Thouroh veranstaltet die Fugend- gruppe wie , alljährlich um 5.45 Uhr vormittags ein Frühminjan. Nachmittags findet .im Heim eme Simchas Thauroh-Feier statt.