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Der Israelit · 1931-09-24 · Heft 39-40 (24.9.1931) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 39-40 (24.9.1931)
Date
1931-09-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 39/40 Der Israelit 24. September 1931 Der Palästina-Landenlwicklungsplcm von den Sparmaßnahmen der englischen Regierung bÄroffen. London, 14. Sept. Eine der vom Finanzminister Snowden in seiner letzten Büdgetrede im' Unterhaus üntzekündigten Sparmaßnahmen betrifft de Kürzung des Colonial Development Fund um eine Viertelmillion Pfund. Man nimmt an, daß von dieser Kürzung auch der Palästina-Landentwicklungsplan betroffen ist, da er in die Palästina- und Südafrika-Anleihe einbegriffen ist, die einen Teil des Eolonial Depelopment Fund' bildet. China. Die jüdische Siedlung in Hankau vernichtet. Shanghai 9. September. Die katastrophale Hochflut, welche Stadt und Provinz Hankau zum großen Teil vernchtiete, wobei Hunderttausende Menschen ums Leben kamen, hat uach die kleine jüdische Siedlung in der Stadt Hankau zerstört. Dar einiger Zeit waren aus Charbin und Shanghai mehrere hauptsächlich qus Rußland stammende jüdische Emigranten nach Hankaw gekommen, hatten dort verschiedene Industrie- und Handelsberufe ergriffen und Manchen Hweig der Wirtschaft von Hankau zum Blühen gebracht. Diese jüdischen Kaufleute, Industriellen und Handwerker haben mm durch die Hochfliit ihr ganzes Hab und Gut verloren, sind obdachlos und befinden sich gleich den übrigen Einwohnern von Hankau . in. einer/ äußerst bedrohlichen Lage, da die Rettungsaktion fhr die Unglücklichen durch das Steigen der Hochflut stark behindert ist. (I. T. A.) Palästina. Unbehagen in Palästina über die Entwertung des englischen Pfund. Jerusalem, 22. Sept. Die Mitteilung der Bank von England, daß in den nächsten sechs Monaten Pfundscheine nicht mehr in Gold eingelöst werden würden, und der damit verbundene Sturz des englischen Pfunds an den ausländischen Börsen um 15 bis 20 Proz. hat in ganz Palästina ein gewisses Unbehagen verursacht, da ja das palästinensische Pfund Sterling mit dem englischen steht und fällt. Man ist sich noch nicht klar darüber, wie sich die Entwertung, der Währung auf die Gesamtwirtschastslage in Palästina auswirken wird. Verurteilung der Rablus-Agitatoren. Jerusalem, 22. Sept. Der englische Polizeirichter Cressal sprach heute gegen die drei arabischen Agitatoren, die in der arabischen Versammlung in Nablus am 31. Juli die Bevölkerung unter Hinweis auf angebliche jüdische Waffenlager in einer Weise aufhetzten, daß es dann zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei gekommen war, das Urteil aus. Jamal Kafsim wurde zu.200 und Dr. Sidki Malhus zu 100 Pfund Sterling Geldbuße verurteilt, wobei sie der Richter als „politische Schwindler" erklärte. Den Scheich' Abdein sprach er mit der Begründung frei, daß er ein Ignorant sei und selbst nicht wußte, was er sprach. Richter Cressal sagte, -es wäre' eine-Vergeudung öffentlicher Mittel, ,-irregeführte Nullen^ ins ©eföngnis' zu schicken. „Diese Uebertreibungen," sagte Richter Crossal in der Begründung des Urteils weiter, „mögen einer politisch voreingenommenen Zuhörerschaft patriotisch klingen, aber in der ruhigen Atmosphäre des Gerichtes seien sie nichts anderes als amüsante Beispiele geradezu kindischer Arroganz." Amerika. Die Hinterlassenschaft von Jacob Schiff. N e w y 0 r k, 1. September. 11 Jahre nach dem Tode von Jacob H. Schiff, dem großen Philanthropen undFührer der amerikanischen Juden. ist vom stellvert^-tenden Finanzkommrssar der Regierung eine endgültige Schätzung seines hinterlassenen Vermögens bekannt gegeben worden. Laut dieser Schätzung betrug die Hinterlassenschaft von Jacob Schiff 35.162 932 (netto 34 388156) Dollars. Unter verschiedene jüdische und nichtjüdische Wohlfahrtsinstituitonen sollten 1350 000 Doll, verteilt werden. Schon zu seinen Lebzeiten hat Jacob H. Schiff mehrere Millionen zur Schaffung und Erhaltung philanthzropischer Institutionen gestiftet. Das Testament bestimmt, daß das hinterlassene Vermögen zwischen seinem Sohne Mortimer L. Schiff, der; bekanntlich im vergangenen Frühjahr verstarb, und seiner Tochter Frau Frieda SchisstWarburg, der Gattin Felir M.' Marburgs, geteilt wurd est Für die Witw^ wurde schon durch Errichtung eines Fonds im Jahre 1910 gesorgt. Die Vermächtnisse für öffentlichem Wohlfahrtsanstalten betrugen: 500 000 Dollars für die Rewyork Jewifh Federation, 300 000 Dollars für das Montefiore-Hofpital, 100 000 Dollars für die Union of American Hebrew Congregations, 150 000 Dollars für das Jewifh Theological Seminary und je 25 000 Dollars für das Israelstische Waisenasyl in Frankfurt und das Salomon und. Betty Loeb-Sanatorium. Andere Vermächtnisse betrafen die Columbia- und -die Harvard-Universität, das Metropolitan Museum of Art, die Newyorker Volkslesehalle, die Henry Street Settlement und sieben andere öffentliche Institutionen. Personalien. Trauerseier für Lehrer Heinrich Ehrmann Friedberg, 17. September. Eine Weihestunde mitten in den' „Tagen , der Weihe" war Mittwoch abend in unserer hellbeleuchteten und von einer andächtigen Gemeinde angefüllten Synagoge dem Andenken Lehrer Ehrmwnns gewidmet. Auch Vertreter der Stadt, der Geistlichkeit beider Konfessionen, der Lehrerschaft sowie auswärtige Delegationen nahmen an der Feier teil. Nach dem Mariwgebet sang Herr Lehrer und Kantor B e t'm!onn aus' Bad Nauheim das 'rrxria era#‘ 1'»', woraus der für Friedberg zuständige ' Privinzial-' rabbiner Dr. Sander aus Gießen in einer Gedenkrede ein Bild des Heimgegangenen in ’ feiner Bedeutung als Lehrer, Gelehrter und Mensch entwarf. Rach den Worten im qpn nanai-Gebet w nnin dix Va i'i habe Ehrmann sein Lebensbild in die Annalen der Geschichte selbst sür alle Zeiten eingezeichnet. Es folgte eine zweite Gedenkrede des Herrn Lehrer S e e l i g . Friedberg, der für den Heimgegangenen Kollegen und Amtsvorgänger warme Töne der Würdigung fand. Er nannte u. a. all die Vereine und Wohlfahrtseinrichtungen in Friedberg, die in Ehrmann ihren Freund und Förderer verlieren. Herr Ferdinand Krämer als erster Vorsitzender des Kultusvorftandes sprach dem geistigen und unermüdlichen Führer den Dünk der Gemeinde aus/' In besonders warmen und bewegten Worten brachte Herr'Dr. Rose nthal zum Ausdruck, was ihm Ehmänrn als Lehrer Gewesen, ist, wie er es durch seine' Persönlichkeit und sein reichen Wissen verstanden hat, ihn und all seine Schüler Glauben und Wissen als eine harmonische .Einheit' be-. greifen zu lassen. Danken könne die Gemeinde ihrem Führer nur dadurch, daß sie die Jugend in seinem Sinne an die Quellen der jüdischen Lehre hinsühre. Herr Leopold sprach den Dank der Mensa Academica aus, für die sich der Heimgegangene sehr verdient gemacht hat. Herr; Lehrer K.aufrnann, Schotten sprach für den Hessischen L e h r e r.l an d es v e r ein und rühmte dabei, was Ehrmann als Erster zur Organisierung' der jüdischen Lehrer in Hessen getan hat. Herr. Lehrer H i r f ch b e r g Frankfurt a. M. überbrachte. die letzten Grüße des Bund es. g efetzes.treuer Lehrer in Deutschland, dessen Vorstand der Heimgegangene angehörte, und schilderte dabei an Hand eines Satzes im Köheleth. wie er dienend das jüdische Erzr'ehungsrdeal!— als Religionslehrer nur — zur Herrschaft brachte. Herr Emil Ro'senthal überbrachte die Gruße der NaHbargemenkoe 5B a'ö Nauhekm. Zuletzt sprach Herr Redakteur Sch achno w itz , Frankfurt a. M. für einen Kreis Frankfurter Freunhe und die Redaktion des Israelit, der Ehrmann , -js lnWjährigtzp Schriftleiter der Pädagogischen Beilage' sehr nahestand. Er zeichnet die Persönlichkeit und das Wirken Ehrmanns als nav, im Sinne'von ni>'vn,naia.n>v. Mit-'einem -Gesang des Herrn Lehrer Söelig nahm die in 'threr Schlichtheit äußerst wirkungsvolle Feier ihr harmonisches Ende. Die Gemeinde hatte sich noch einmal das Bild des Mannes, der sie durch ein halbes Jahrhundert betreut hat, vor die Seele geführt. Nun gilt es, fein Andenken in Tat und Handlung, in. Gemeinde und Haus, - in Ehren jü' " halten. i ... ’ ’• ’ * ‘iü 1 ■'■■ ■ ■''' jU ' "*! . - J. ■ : . ‘ )(!. ' lieber die Persönlichkeit und,..den Werdegang-. Ehemanns >27 wird uns H unserem! Nachrufe in jüngster .,-. Nummer aus Lehrerkreisen,noch folgendes mitgeteilt<'!' K Herr Heinrich Ech r nt a n n >xt ist in Poppenlauer (Unterfranken) geboren und von dem selig. Rabbiner Abraham Hirsch >"xr, der ebenfalls von Poppenlauer stmnmt, veranlaßt worden, sich dem Lehrerberufe zu widmen, sür den er sich im Seminar zu Würzburg vorbereitete. Nach besonderer Prüfung wollte er eine, Stelle! in Westhofen übernehmen. Ans Zureden von Robbst Hirschj. trat er jedoch als erster. Lehrer (1874); . m die neu*: , gegründete Präparandenanstalt,„Talmud Thora" in.Burgpreppach ein, der er 'seine ganze Kraft, widmete. Er unterrichtete zunächst 2 Klassen und war täglich von früh 7 Uhr bis abends 10 Uhr für die Anstalt tätig, indem er zu dem Unterricht und der . Beaufsichtigung der Schule noch die Stelle eine Sekretärs ausübte. Er kannte schon damals keine Rücksicht auf seine eigene Person und arbeitete sich so' herunter, daß der Arzt ihm dringend riet, eine andere Stelle zu suchen. Dabei nahm er noch seine Mutter und feine Schwester zu sich und sorgte für sie bis zu ihrem."Ableben in rührendster. Weise. Seine würdige Gattin Regina, geh.. Pfeiffer war eine Tochter des Burgpreppächer Volksschüllehrers Pfeiffer. Von Bu>. siedelte er später (1865) nach. Fpiedberg über. Er nahm regelmäßig ' .aiy Gomoro-Schiur . des fel. Rabb. Markus'Horpvitz teil, lernte , aber auch an noch manchen anderen Stellen. Seine Selbstlosigkeit war ohne Gleichem Der edle Mensch opferte Kraft und Geld, wo es galtr jemanden zu helfen. Man könnte unzählige Beispiele erzählen, die zeigen, welch großer Mensch hier betrauert wird. rraxan-.. . .Nqbbi Ahcon Schmuel Tamrath-,>1x7. - Warschau, 15. Sept. Zu dem von uns bereits! gemeldeten Ableben von Rabbr Ahron Schmuel Tamrath,. der unter dem Pseudonymll'üa-in nnxin-der östlichen Welt eine große Rolle spielte, ist noch zu sagen, daß er in Polen als Gaon allgemein geachtet war. Seine Werke auf talmu- . difchem und halachifchem Gebiet genießen größte Popularität. In Wolofchin gehörte er in seiner Jugend zu den. Lieblingsschülern Rabbi Ehajim Briskers. Die Freundschaft zu Rabbi Ehajim erhielt er auch noch später während seiner rabbinischen Wirksamkeit in M i l e i - zrtk. Rabbiner Tamrath war ein Schriftsteller von großem Ausmaß und ein Mann von sozialem Denken wie man ihn selten findet. Sein Temperament ging zuweilen mit ihm durch und feine scharfe Feder war lange Jahre auch, in der orthodoxen und rabbinischen Welt gefürchtet. Er war ein kritischer Geist, ein Suchender und ein Ringender. Er versuchte es auch einmal mit dem ' Misrachi-Ztonismus, aber sein kritischer Geist und seine unbestechliche Rechtlichkeit wurden dort als sehr unbequem empfunden. In den letzten Jahren seines Lebens hatte er sich ganz den Ideen und Idealen der organisierten Orthodoxie zugewandt, wenn er auch hier oft seine eigenen Wege ging und seine eigenen Meinungen vertrat.. Er durfte sich mit Recht zu den D’sp’n» zählen, er suhlte Israels Schmerz und trug ihn in der Tiefe seiner Seele, suchte ihn zu seinem Teile zu lindern, wenn es auch diesem selbständigen Denker nicht leicht fiel, immer den Anschluß zu finden. Eine der markantesten Gestalten scheidet mit Rabbi Tamrath aus der rabbinischen. Welt in Polen. Man wird aus ihn und seine in unzähligen Schriften niedergelegten Ideen noch oft zurückgreifen. München, 20. 'September. Wenige Tagt vor Rausch, hafchono wurde Frau Mirjam Martha Lamm zur letzten Ruhe , gebettet. Die echt jüdische Tradition ihres höchangesehenen Elternhauses im eigenen Hause pflegend/'' schuf sie .ihrem Manne und"!ihren beiden Söhnen' eine Stätte, -harmonischen >' Familienlebens; ’ d'a's die heutzutage: :fo stark!' auftretendetb VGegeyfätze zwischen Jügend und Alter auszugleichen wußte. Mutig-' nahm "fit den Kampf mit der Not unserer Zeit auf; für Familie und Bedürftige opferte sie die Kraft ihres Lebens, bis sie erlag. Sie wird nicht vergessen sein in unserer Mitte bei Freunden und Bekannteil. Diele sind es, das bewies die Beerdigung,, an der weiteste Kreise der Münchener Gemeinde trauernd teilnahmen. u^axam- Köln-Ehrenseld, 18. September. Am 2. Oktober feiert Herr 'Salomon' Hirsch 'aus Cöbern a.' d. Mosel im Altersheim des Israelitischen Asyls Köln-Ehrenfeld seinen! 94. Geburtstag. Derselbe ist körperlich und geistig noch rüstig, jedoch leider erblindet. Chemnitz,. 17. September. Am vergangenen Dienstag! wurde Isaak Weiner unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Der Verstorbene war Opfer eines Straßenunfalls, er wurde, auf uder -Straße von einem Lastkraftwagen überfahren und war soforttot. An ddr Bahre sprachen Herr Rabb. Dr. Fuchs und.Herr Siegmund Unger. Die Redner brachten zum Ausdruck, daß < die Gemeinde einen ihrer; Besten in ihm verloren hat^.! - - -T-raxan Aurich, 14. Sept. Am Mn'i>o-7 /a c>i-> ist eine unserer besten Frauen von uns gegangen, unsere Kehillo be-, trauert in dem Heimgang der Frau Negine ' Wallheimergeb. Samson eine Frau, in der noch der Geist unserer Stammütter lebte. Das Herz, das in Liebe brannte für ihren Gatten und ihre Kinder, das Freud und Leib'-- ihrer jüdischen Brüder und . Schwestern - mitfühlte, das-

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