Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 39-40 (24.9.1931)
- Date
- 1931-09-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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24. September 1931 , Laß ihre unablässige und zähe Arbeit die Schwierigkeiten Les Anfangs glücklich überwunden hat. Jetzt heißt es mit derselben Energie weiterbauen. Dazu möge der All- Mächtige seinen Segen verleihen. Vereinspräses, Herr Julius Herzog-Nove Zamky, dankt für die Begrüßungsworte des tnn und Vorsitzenden des Rabbinerkomitees und erstattet den Bericht über den organisatorischen Stand des Vereins, seine Entwicklung seit der Gründung, die Art der Mitgliederwerbung und das System, nach welchem die verfügbaren Gelder aus die einzelnen Jeschiwoth verteilt werden. Danach besitzt der Verein derzeit etwa 30 Ortsgruppen, deren Mitglieder sich zur Leistung eines Monatsbeitrages verpflichtet haben. Eine Anzahl von Gemeinden bewilligte größere und kleinere Subventionen, andere verbrachen eine solche für die Zukunst und manche lehnten unter Vorwand der schlechten Wirtschaftslage jede Unterstützung verständnislos ab. Die Aktion des -anan 'd 'v brachte einen schönen Anfangserfolg. Den Schluß des Referats bildete, ein begeisterter Appell an die Anwesenden, in den Gemeinden und bei jeder Gelegenheit Lie Ziele des Vereins zu fördern. In einem mit Schreibmaschine vervielfältigten Bericht werden nach einem schwungvollen Vorwort alle Einzelheiten des Präsidial- und Kassenberichtes verzeichnet. Hierauf hielt Herr Oberrabbiner M. Eckst e i n-Sered, Vizepräses und eigentlicher Leiter des Vereins, ein das ganze Problem der Jeschiwoth- Unterstützung aufrollendes Referat, das in schwungvoller Sprache auf Herz und Geist der Versammelten zugleich wirkte. Er schilderte den Kampf gegen die Gleichgültigkeit der Gemeinden und der einzelnen in bezug aus das -Schicksal der Jeschiwoth/ den der Verein führen müsse, um die Pflanzstätten der Thora nicht zugrunde gehen ^u lassen. Aus jedem Worte des Referats sprach tiefe Ueberzeugung und glühende Begeisterung für die Größe und die Heiligkeit der Aufgabe, in deren Dienst er sich gestellt habe. Herr Joses R e i ch s e l d -Rove Zamky erstattet den Kassenbericht. Danach schließt das erste Vereinsjahr mit einer Gesamteinnahme von tsch. K 79.533.45. Nachdem der Leitung Entlastung gewährt ward, schritt man zur Neuwahl. De bisherige Leitung wurde auf Antrag Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners Ungar-Trnava einstimmig wiedergewählt. Auf Antrag des Vizepräses Herrn Isidor Sußmann-Galanta wurde Herrn Oberrabbiner Eckstein für seine Tätigkeit protokollarisch Dank votiert. An Stelle des verstorbenen Repräsentanzmitgliedes Herrn David Krauß wurde Herr Heinrich Stahler gewählt, der in einer Ansprache den Verein für. die nächsten Jahre einer ausgiebigeren Unterstützung seitens der Gemeinde versicherte. In der Diskussion hielt im besonderen Herr Markus Fürst-Bratislava eine vielbemerkte, das Problem der Jeschiwa-Unterstützung an seinem Kern anfassende ausgezeichnete Rede. Länger verweilte man bei der Organisierung der Ortsgruppe in Preßburg. Herr Hermann Friedmann-Tapolcany ersuchte, für die Zukunft auch Bekleidungs-Unterstützungen an einzelne Bachurim zu gewähren. Alle diese Anträge wurden der Leitung .zur Behandlung überwiesen. , Nach den Dankes- und Schlußreden des Vorsitzenden und der ehrwürdigen Herren Oberrabbiner Schreiber- Bratislava Und E ck st e i n - Sered fand die Generalversammlung ihr Ende. Ungar»». Eine Abordnung der ungarischen orthodoxen Landeskanzlei beim Kultusminister Ernszt. B u d a p e st, 22. Sept. Eine Deputation der Ungarischen orthodoxen Landeskanzlei unter Führung des Oberhausmitglieds Adolf Frankl, des Vizepräsidenten Ludwig Hart sie in und des Sekretärs Dr. Emerich R e i n e r hat beim neuen Kultusminister Prälaten Dr. Alexander Ernszt vorgesprochen, um für die ungarische Orthodoxie und ihre notleidenden Institutionen die ihnen gebührende Förderung zu erbitten. Kultusminister Dr. Ernszt empfing die. Abordnung sehr herzlich, würdigte die Bedeutung; der Orthodoxie in dem Kampf gegen den Unglguben, | versprach die Förderung der orthodoxen Institutionen und schloß mit den Worten: „Wir frommen, gläubigen - Der Israelit Männer verstehen uns, wir müssen Zusammenhalten.-"' i Die orthodoxe Chewra Kadischa in Rakospalota bei; Ujpest hat ein Greifenafyl mit Tempel geschaffen, die zu Rasch Haschanah eingeweiht worden sind. Es handelt sich um ganz moderne und vorzüglich ausgestattete Ge- Die Woche. Berlin. Nach fünfjähriger Tätigkeit als. Generalsekretär der Gesellschaft Ort, Abteilung Deutschland, hat nun Herr Dr. Michael T r a u b dieses Amt aus privaten Gründen niedergelegt: er verbleibt aber weiter im Vorstand der Gesellschaft und wird sich der Ort-Arbeit künftighin ehrenamtlich widmen. — Am vergangenen Samstag nachmittag wurden drei jüdische Schüler im Alter von 17 Jahren am Viktoria Luise-Platz in Schöneberg von zwei Nationalsozialisten angerempelt und mißhandelt. Die Polizei nahm die beiden Täter fest. Liegmtz. Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete und frühere Borkum - Pfarrer Münchmeyer wurde vom Berufungsgericht in Liegnitz wegen des in einer Versammlung gebrauchten Ausdrucks „Judenrepublik" zu 1200 Mark Geldstrafe verurteilt. Münster. In der Nacht zum 11. September haben Friedhofsschänder den jüdischen Friedhof in Wickede (Westfalen) heimgesucht und zwei Gedenksteine auf Kindergräbern umgerissen, einen von diesen schleppten sie aus dem Friedhof heraus und warfen ihn in die Straßenböschung. Danzig. Am Abend des Rosch Haschanah-Festes wurde in die Synagoge von Tiegenhoff im Freistaat Danzig eingebrachen. Die Thora-Lade wurde von den Einbrechern zertrümmert, die gesamte Inneneinrichtung der Synagoge demoliert. An die Thora-Lade und die Wände der Synagoge waren kommunistische Parolen in roter Oelfarbe gemalt. Die Polizei forscht nach den bisher noch unbekannten Tätern. Riga. Während größere Massen orthodoxer Juden Rigas am Dünafluß zum Taschlich-Gebet versammelt waren, kam es zu einem schweren Zusammenstoß mit antisemitischen Huligans. Die Huligans befestigten ein Kreuz in einem Boot gerade gegenüber den betenden Juden. Als einige jüdische junge Leute das Kreuz entfernen wollten, fielen die Huligans über sie her. Während des Zusammenstoßes wurde ein jüdischer junger Mann durch Messerstiche ernstlich verletzt. Amsterdam. Aus Anlaß des 51. Geburtstages der Königin wurde eine große Reihe von angesehenen jüdischen Persönlichkeiten durch Einsetzung in hohe Aemter oder Verleihung von Orden ausgezeichnet. Budapest. In einem konkreten Falle hat das Gericht die Unterhaltungsansprüche einer jüdischen Frau an ihren Mann, der zur katholischen Kirche übergegangen ist, a b g e l e h n t, und zwar mit der merkwürdigen Begründung, daß der Glaubenswechsel des Mannes nicht die Frau davon abhalten könne, die Ehegemeinfchäft mit ihm sortzusetzen. Czernowitz. In letzterer Zeit mehrten sich in Dörfern der Bukowina die an Juden begangenen Morde. An manchen Plätzen wagen sich die Juden bei Anbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Straße. Die Polizei bleibt untätig. In einem vom Deputierten Dr. Diamant dem Justizministerium eingereichten Memorandum wird auf diese unhaltbaren Zustände dringend hingewiesen. London. Wladimir I a b o t i ns k y, dem die Wiedereinreise in Palästina nach den Palästina- Unruhen im Herbst 1929 vom damaligen Kolonienminister Paßfield verboten worden war, hat nach Bildung der Nationalen Negierung in England an den Kolonienminister Thomas das Ansuchen gerichtet, ihm die Wiedereinreise nach Palästina zu gestatten. Thomas hat dieses Gesuch abgelehnt. Auf Anfrage Colonel Josiah Wedgwood im Unterhause antwortete der Kolonienminister Thomas, er habe die Angelegenheit mit dem stellvertretenden High Commiffioner reiflich erwogen und fei zu dem Schluffe gekommen, daß die Umstände in Palästina heute noch nicht solche sind, daß eine Modifizierung der vom früheren Minister Lord Paßfield ergriffenen Maßnahmen gerechtfertigt wäre. Wilna. An der Wilnaer Universität wurde ein Lektorat für hebräische Sprache eingerichtet. bäude. Die Schaffung dieser Institution in der wirtschaftlich schweren Zeit wixd her genannten Organisation im ungarischen Judentum als ein großes Verdienst att'l gerechnet.! _Nr. 39/40 Seite 7 Rrrtzlany. Plan der jüdischen Kolonisation in Rußland für 1932. Moskau, 15. Sept. Die Zentrale res Komzet (Regierungskommiffion für Zuführung der Juden zu Landwirtschaft und Industrie) in Moskau hat den Plan der jüdischen Landansiedlung für das Jahr 1932 bereits aufgestellt. Danach sollen i. I. 1932 in Biro-Bidschan 3500 jüdische Familien und 3000 alleinstehende Personen, zusammen 16.000 Seelen, in der Krim 4000 Mische Familien (etwa 16.000 Seelen) und in der Ukraine 2500 jüdische Familien (etwa 10.000 Seelen), insgesamt also etwa 42.000 jüdische Seelen, auf dem Lande angesiedelt werden. An die Werbearbeit wird schon jetzt herangegangen. Beim Komzet wurde ein Werbestab organisiert, der das erforderliche Menschenmaterial für die Landansiedlung anwerben, bezw. auswählen soll. Die 60.000 Arbeiter der Leningrader Gigant-Fabrik „Roter Putilow" haben das Protektorat über die jüdische Kolonie Amurzet in Viro-Vidschan übernommen und in einem Aufruf alle Leningrader Fabriken ausgefordert, ihrem Beispiel zu folgen und der jüdischen Siedlung in Biro-Bidschan emporzuhelsen. Die Fabrik hat sich verpflichtet, 16.000 Lose der Ozet-Lotterie unterzubringen. Die gleiche Fabrik entsandte vor kurzem 400 ihrer Arbeiter in das jüdische Kollektivdorf Jewselkop in der Nähe von Leningrad, um den jüdischen Landwirten in der Ernte und in der Vorbereitung der Felder für die Wintersaat zu helfen. Der antireligiöse Kampf in Rußland. Moskau, 15. Sept. Die jiddisch-kommunistische Presse war an den beiden Rosch Haschanah-Tagen fast ausschließlich mit Material über den antireligiösen Kampf gefüllt. In Leitartikeln und Korrespondenzen wurde auf die Wichtigkeit des antireligiösen Kampfes hingewiesen, da „zwischen Religion und Faschismus eine enge Verbindung" bestehe. Zur Unterstützung des antireligiösen Kampfes werden zahlreiche Briefe von Juden veröffentlicht, die sich öffentlich von der Religion lossagen, darunter der Brief eines angeblichen Rabbiners, der erklärt, er kehre der Religion den Rücken und lege fein Rabbineramt nieder. Die Zeitungen veröffentlichen auch Beschlüsse einzelner Heimarbeiter-Genossenschaften, verschweigen aber, wie gesteckt voll alle Synagogen waren. Die Religionstreue der jüdischen Arbeiter in der Krim. Moskau, 22. Sept. Das eigens zu Jomkippur erschienene Journal „Apikoires" (Atheist) klagt, daß die Religionstreue bei den jüdischen Bauern in der Krim tief verwurzelt ist. Die Mehrheit der jüdischen Kolonisten im Dorfe „Golde" tut an Sabbattagen keinerlei Arbeit und versammelt sich auch an Wochentagen zur Andacht in der Gebetstube. — In der Kolonie Smidowitsch blieben die Kolonisten an Sabbattagen auch während der Ernteperiode den Feldern fern. Sie sabotierten die nicht koschere Feldküche und gingen 4 bis 5 Kilometer ins Dorf zurück, um koscher zu essen. Auch in der Kollektivkolonie „Rosa Luxemburg" existiert eine Betstube. In der Kollektivkolonie „Perez-Feld" gibt es spezielle Bevollmächtigte, die die Sifre Thora bewachen. In der Kolonie „20“ beten an Sabbattagen einige Minjanim. In allen Kolonien werden die neugeborenen Jungen rituell beschnitten. Eine Trauung ohne rituelle „Chupa" gehört zu den Seltenheiten. Diese Zustände, schließt „Apikoires", dürfen Nicht länger geduldet werden. England. „Manchester Guardian" für den jüdfchen Standpunkt in der katenderreform. London, 9. September. „Manchester Guardian", die führende liberale Tageszeitung Englands, besaßt sich in einem Leitartikel mit der Aufgabe der für den 12. Oktober nach Genf einberufenen Konferenz zur Behandlung der Kalenderreformkrage, auf der auch Amerika vertreten sein wird. Die Zeitung unterstützt den die Einführung des Blankotages ablehnenden jüdischen Standpunkt und empfiehlt die Beibehaltung der in der Heiligen Schrift festgesetzten Koytinuität der Sieben-Tage-Woche.