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Der Israelit · 1931-09-24 · Heft 39-40 (24.9.1931) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 39-40 (24.9.1931)
Date
1931-09-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 39/40 De r I s r a c (i t -24. HMeychex-MW- Vereins Dr. Wiener und der Syndikus des zuständigen Landesverbandes Groß-Berlin, Dr. Reichmann, am Montag, den 14. September, mit dem Berliner Polizeipräsidenten Grzesinsky und dem Polizeivizepräsidenten Dr. W e i h. Rabbiner-Seminar zu Berlin. Berlin 15. Sept. Das Wintersemester am Rabbiner-Seminar zu Berlin beginnt am 15. Oktober. Das Verzeichnis der Vorlesungen kündigt für Talmud, der in einer Unter-, Mittel- und Oberabteilung von den Dozenten Dr. Auerbach, Dr. Grünberg und Dr. Wohlgemuth gelehrt wird, die Traktate Baba Bathra, Kidduschin und Pesachim (täglich 2 Stunden) an. In D e z i s o r e n wird Dr. Wohlgemuth in wöchentlich 4 Stunden Hilchoth Tresoth und Dr. Weinberg wöchentlich 2 Stunden HilchothRibitlehren. Ferner lesen Bibelexegese (Kleine Propheten und historische Bücher) Dr. Grünberg, G e - schichte Dr. Auerbach, Literaturgeschichte und Midrasch Dr. Grünberg, Religionsphilosophie Dr. Wohlgemuth, und Uebungen sowohl in Homiletik als auch in Jgereth de Rabbi Scherira werden Dr. I. Wohlgemuth bezw. Dr. Auerbach abhalten. Neu eingeführt stnd Vorlesungen über „Die Bedeutung der Geonim für die Halacha", die Herren Dr. Esriel Erich Hildesheim er übertragen worden sind. Behandlung der Juden Palästinas fei nicht eine Frage s In einem Saal wurde eigener G'ttesdienst für Sol-- der Anwendung von Minderheitenrechten, sondern etne.baiert abgehalten und sie wurden dort, 406 Manu Verwirklichung des jüdischen nationalen Heims. Polen'stark, auch festlich verpflegt. Ein Major, Herr Fr an - sei an dem Wohlergehen der aus Polen stammenden! k e l, hatte am Roschhaschono wie Jom-Kippur die Palästina-Bevölkerung lebhaft interessiert und begrüße,Schachris-Gebete vorgetragen. Englands Anstrengungen, den Frieden im Lande zu er- Auch beim Lubawitscher Rebben, der seit halten und das Land zu entwickeln. Mülstein billigte! einiger Zeit in Otw oz k wohnt, war der Andrang'der Welttierschuhtag. Berlin, 22. Sept. Auf dem Internationalen Tierschutzkongreß in Florenz im Mai 1931 ist beschlossen worden, am 4. Oktober d. I. einen Welttierschutztag zu begehen. . Auf Bitten des Verbandes der Tierschutz vereine der Mark Brandenburg hat der Preußische Landesverband jüdisch.er Gemeinden den in Betracht kommenden Gemeinden anheimgegeben, an dem Sabbat vor dem 4. Oktober im G'ttesdienst und besonders in den Predigten auf die Pflichten der Menschen gegenüber der wehrlosen Kreatur Hinweisen zu lassen. die Bestrebungen, Palästina so zu entwickeln, daß es eine konstitutionelle Vertretung erhält. Zum Berichterstatter über die Sitzung der Politischen Kommission bezw. über die Aussprache betreffend die Mandate und Palästina wurde der Norweoer Lange ernannt. Er unterbreitete bereits der Kommission den Entwurf des der Plenarsitzung des Völkerbundes zu erstattenden Berichtes. Chafsidim sehr groß. Auch andere Rebbes residieren dorü zur Zeit, und die Zahl der dort anwesenden chassidischen, Festgäste wird auf 5000 angegeben. Hamburger Bürgerschaftswahlen am zweiten Sukkoth-Tag. Hamburg, 16. Sept. Die diesjährigen Hamburger Bürgerschaftswahlen sind vom Senat auf den 27. September, den zweiten Tag des Laubhüttenfestes, angesetzt worden. Es werden so schätzungsweise dreitausend jüdische Wähler, die aus religiösen Gründen an desem Tage nicht schreiben, der Urne fernbleiben müssen. Versuche der Hamburger jüdischen Gemeinde, den Wahltermin verschieben zu lassen, Eingaben republikanischer Parteien, die diese Bemühungen unterstützen sollten, sind ohne Erfolg geblieben. Der Senat ist aus technischen Gründen an den einmal festgelegten Termin gebunden und glaubt, eine Verlängerung der Wahlzeit über 6 Uhr abends hinaus, die Einrichtung eines besonderen, einige Tage vorher geöffneten Wahlbüros und ähnliches würde eine Gesetzesveränderung bedeuten, die er nicht vornehmen darf. Auf Wahlversammlungen und in der Lokalpresse wird die Angelegenheit überaus lebhaft besprochen. Eine sozialdemokratische speziell für jüdische Wähler einberufene Kundgebung gab die Initiative zu einer an das Hamburger Oberrabbinat offiziell gerichteten Anfrage, die das Rabbinat darum ersucht, einen „Dispens" vom Schreibverbot zu erteilen. Ein solcher Dispens wird selbstverständlich nicht erteilt werden. Nachdem alle Einigungsversuche gescheitert sind und auch die letzten Vorschläge zu gewissen Erleichterungen der Wahlteilnahme für jüdische Bürger vom Senat rundweg abgelehnt worden sind, rechnet man in informierten Kreisen damit, daß die hieran interessierten Parteien aus diesen Vorgängen einen Grund zur nachträglichen Anfechtung der Wahl beim Staatsgerichtshof ableiten werden. Schweiz. Die Palästina-Aussprache in der Politischen Kommission des Völkerbundes. Genf, 19. Sept. Im Verlauf der Aussprache über die Mandate in der Sechsten (Politischen) Kommission des Völkerbundes erklärte der Vertreter Polens, Mülstein, die Frage der Biblische Themen auf dem Internationalen Orientalistenkongretz. A m st e r d a m, 14. Sept. Königin Wilhelmine von Holland empfing eine Abordnung des gegenwärtig in Leyden tagenden Internationalen Orientalistenkongresses. Der Abordnung gehörten auch einige hervorragende jüdische Forscher an, so Dr. L. A. Mayer aus Jerusalem, Professor Sylvain Levi aus Paris und Professor E. Leoi Provencal aus Marokko. In der Plenarsitzung des Kongresses in Leyden verlas der deutsche Forscher, Professor Grimme aus Münster, eine Abhandlung über drei von ihm aus dem Berge Sinai neu aufgesundene Inschriften. Auf einer dieser Inschriften glaubt er den Namen Joseph entziffert zu haben. Professor Bauer aus Halle machte eine Mitteilung über Ausgrabungen bei Ras Schamra, wo er bis jetzt unbekannt gewesene Buchstaben mit Nägelköpsen als alphabetische Texte in einer semitischen Sprache festgestellt hat. In der Sitzung der Abteilung für Assyriologie auf dem Internationalen Orientalistenkongreß in Leyden machte Dr. M. von Oppenheim, Berlin, Mitteilung über Ausgrabungen, die unter seiner persönlichen Leitung in Tel Halaf in Mesopotamien jüngst vorgenommen wurden. Es wurde dort eine Art Engefligur mit 6 Flügeln ausgegraben. Der bekannte Astronom Sidershy verlas eine Abhandlung über die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Forschungen betreffend die in dem Buch der Propheten beschriebene Schlacht Gibeons, während der die Sonne eine Zeitlang stillgestanden hat. Polen. Die Hohen Feiertage in Warschau. Warschau, 22. Sept. Die Hohen Feiertage standen unter dem Zeichen von Krisis und Frömmigkeit. Bezeichnend war für sämtliche Synagogen, daß die Plätze nicht alle verkauft waren, daß sie aber alle bis zur letzten Ecke gepackt voll waren. Man mußte alle, auch ohne Platz und Eintrittskarte, hereinlaffen. Die Andacht schlug Wellen wie kaum zu einer anderen Zeit. Die Gebete um „Rah-? rung und Verpflegung" sind heute allen sehr lebensnahe. In vielen Synagogen, so auch in der sogenannten „Chorschul" auf Tolmazka, wurden Predigten gegen die Selbstmordepidemie gehalten. Man warnte vor Verzweiflung und suchte den Menschen Hoffnung und Vertrauen einzuflößen. Einige Kommunisten, die hie und da Störungen des G'ttesdienstes versuchten, erhielten, ohne Zuhilfenahme der Polizei, einen so gehörigen Denkzettel, daß sie schwerlich wiederkommen werden. Das Geschäft im Detailhandel, das sonst vor den Feiertagen blühte, lag dieses Jahr sehr darnieder. Auch in den Lebensmittelgeschäften wurde nur das Allernotwendigste gekauft. Aus den Dörfern kam zu den Feiertagen nur ganz kleiner Zuzug, weil die meisten nicht einmal das Fahrgeld aufbringen konnten. Dagegen war die Wallfahrt der ch a ffi d r-fAxe n Mas s e n nach G e r tärker als je zuvor. Die philantropischen Institutionen haben mit ihren kargen Misteln däs Menschenmögliche zur Linderung der Rot 'getan, tue K e h i'l l a a l s s o l ch e leider gar nichts. Im übrigen prasselte während der beiden Roschhaschonotage ein kalter Regen vom Himmel, der zu der allgemeinen Stimmung gut paßte. Die neue orthodoxe kehiltateitung. W a r s ch a u, 23.. Sept. Am Dienstag vor Jomkippur hat die neue, aus öer orthodoxen Mehrheit hervorgegangene Verwaltung die- Leitung der Warschauer Kehilla übernommen. Es ist keine erfreuliche Erbschaft, die sie übernimmt. Die Kassen sind leer und die Schulden betragen Zloty 160.000. Es gab in der ersten Sitzung eine lebhafte Auseinandersetzung, der der neue Kehillapräses, Herr M as u r, mit einer längeren Rede und einem Aufruf zunr Frieden und solidarischem Zusammengehen eiü Endemachte. Schon die folgende Sitzung stand im Zeichen dieses Friedens. Die Kehillabeamten sprachen der neuen Leitung und ihrem Präsidenten ihr Vertrauen aus. Herr Meschuliin K a m i n e r wurde zum Präsidenten der Kommission für die Festunterstützungen gewählt.. Diese Kommission trat auch sofort in Funktion. Cs wurden Zloty 50.000 zu diesem Zwecke bestimmt und auch, sofort zur Auszahlung gebracht. Zloty 10.000 entfallen auf philantropische Institutionen, Zloty 40.000 aber für Privatunterstützungen. Da die Gemeindekasse über diese- Summe nicht verfügte, so suchte und fand der neue Präsident Wege, sie leihweise zu verschaffen. Cr selbst zählte gleich Zloty 4.000 aus Konto seiner diesjährigen Steuern ein, andere folgten seinem Beispiel. Sehr versöhnend wirkt es, daß der Präsident die „Jüdische Kunstgesellschaft" in Audienz empfing udn ihre Klagen und' Nöte anhörte. Herr Masur versprach weitgehende Hilfe und überwies ihr gleich als erste Spende aus Eigenem Zloty 300. Eine aufsehenerregende Verhaftung. Warschau, 23. Sept. In Ostrow-Masowjezk wurde der Ortsrabbiner, Rabbi Feiwel Singer, und mehrere der angefehendsten Mitglieder, auf Denunziation eines jüdischen Friseurs, verhaftet. Der Friseur hatte als erstersein Geschäft am Sabbat geöffnet, wogegen der Rabbiner in einer geharnischten nsiw nr= Predigt Protest erhob. Unter dem Eindruck dieser Predigt begab sich eine Delegation unter Führung des Rabbiners nach dem G'ttesdienfte zum Friseur, um ihn in aller Güte zur Schließung des Ladens zu veranlassen. Der Friseur wurde aber gegen den Rabbiner tätlich, und in ihrer begreiflichen Erregung drangen jüngere Leute in den Laden ein, wobei es nicht ohne Schlägereien und Verwüstungen abging. Die Folge war die gemeldete Verhaftung, die die ganze Stadt in höchste Aufregung versetzt hat. Tschechoslowakei. Das Hilfsrverk für die Iefchiwoth. Preßburg, 18. Sept. Am 17. Elul d. I. trat in Bratislava der Vereiw Machfike Hajefchiwoth" zu seiner ersten Jahresversammlung zusammen. An der Generalversammlung nahmen die Jeschiwaleiter von Preßburg, Tyrnau, Sered, Sala n. V., Bösing und Samorin, das Präsidium des Vereins, des Zentralausschusses, der Repräsentanz und mehrere Vertreter von Ortsgruppen teil. Den Ehrenvorsitz führte Seine Ehrwürden Herr Oberrabbiner Schreiber -Bratislava. Er begrüßte auch als Erster die Erschienenen mit einer, warmen Ansprache, in /der er seiner und aller Anwesenden Freude über das Gelingen der Bereinsgrundung Ausdruck gab und die j Bedeutung dieses Vereins für die Iefchiwoth hervorhob. i Es sei nur zu wünschen, daß sowohl die Gemeinden, als? auch die' einzelnen an der finanziellen Stärkung des Vereins Mitwirken, damit er in. steigendem Mäße seinen Aufgaben gewachsen ist. Es sei ein großes Verdienst dxr Vereinsleiter, insbesondere des Sereder Oberrabbiners,

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