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Der Israelit · 1931-09-24 · Heft 39-40 (24.9.1931) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 39-40 (24.9.1931)
Date
1931-09-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Deutschland möge erwachen und die Welt möge erwachen, und die derzeitigen menschlichen Lenker der Weltgej ch i ck e am schönen Genfer See mögen in zwölfter Stunde DT rus “1135? — erwachen und d i e Bedingungen der Weltbefriedigung schassen, die vielleicht imstande wären, die' Wurzeln jener Giftblüten aus dem schwarzen Boden von Haß und Verzweiflung auszurotten. Deutschland erwache! Welt erwache! ... Jtot beten... „In Warschau — aber auch in Moskau — waren die Synagogenplätze an den hohen Feiertagen nicht verkauft, aber die Synagogen bis zur letzten Ecke vollgefüllt. Von den Kanzeln wurde gegen die Selbstmordepidemie gepredigt." Diese kurze Mitteilung beleuchtet die Lage wie kaum irgend eine Schilderung. In einem beachtenswerten Artikel führt das Mlnaer „Wort" aus,' daß die Wurzel der Selbstmordepidemie weniger im Wirtschaftlichen als im Geistigen liege. Das Judentum, und gar das polnische Judentum, hat schon schwerere Perioden der Not erlebt und über lebt. Aber die geistige Krise, der Bankrott von Glauben, Treue und Hoffnung, ist es, der den Menschen keinen Ausweg aus der Not erblicken läßt. Wie tief gesunken muß der Mensch sein, wenn er nicht mehr die Kraft für den Aufblick zum Himmel findet. Das Blatt hat traurige Belege für diese Annahme. Die Statistik der Selbstmorde weist sich selber aus, aus welchen Sphären sie kommt. Weniger aus dem Bes Hamidraschkreis, nicht aus den am schwersten notleidenden Massen kommen die Zahlen der Selbstmorde. Es sind in der Hauptsache Kinder unserer Zeit, Kinder der modernen Schule abseits von der jüdischen Gasse, die beim Zusammenbruch ihrer Hoffnung die Flucht aus dem Leben ergreifen und sich aus der düsteren Sackgasse ihres Daseins nur noch mit dem Revolver gewaltsamen Ausgang verschaffen. Wir haben dem wenig zuzufügen. Bei uns im Westen, wo die Ziffer der jüdischen Freitode diejenige des Ostens nicht nur relativ, sondern auch absolut weit übersteigt, hat man an dieser traurigsten aller Erscheinungen schon längst die ganze Schwere und Tiefe der geistigen Krise erkannt. Wo der Materalisrnus Lebensziel ist, da 'bleibt mit dem Zusammenbruch dieses Götzen nichts mehr übrig, woran sich der mit den Wellen des Lebens Ringende noch halten und klammern könnte. Wo alle Musen schweigen und alle höheren Lichter erloschen sind, da wird der Sprung ins Dunkle, ins unbekannte Nichts schon beinahe zwangsläufig. O, daß es die Menschen, nach Weisung unseres Festes, lernten, aus der Hütte ihrer Lebensenge durch die Dachlücken zum Nachthimmel emporzuschauen. Es wrd ihnen vielleicht doch noch manch Sternlein erstrahlen, das die Nacht erhellt und ihnen sagt: Nicht in die Tiefe; aus der Tiefe mit Auge und Herz zur Höhe empor! -“j'TiJop O'pormv Freude in Hütten. Don A Mannheimer in Dettelbach. Freude in Hütten. Zwei Begriffe, die in solch enger Verbindung dem oberflächlichen Blick und Urteil sich als zwei unvereinbare Gegensätze darstellen, als ein Paradoxon. Freude in der Bedeutung von frohem Lebensgenuß glaubt man zumeist an Reichtum, Besitz und Macht gebunden, an ungehemmte Verfügung über Mittel, die zu irdischer Daseinsfreude führen. Derlei Dinge sucht man in den Palästen der Reichen, nicht aber in den bescheidenen Hütten der Armen, der Minderbegüterten. Und doch lehrt das Judentum, daß auch in der Hütte die Freude eine Stätte haben kann, haben soll. In kühlen Herbsttagen befiehlt die heilige Thora in klar präzisiertem Gebot: er»'’ ns?3B? inu?n 7113102' In Hütten habt ihr zu wohnen sieben Tage, Lv'pstrr m '•is'? önnatPi D’ö1 7117312?' und ihr sollt euch freuen vor dem Ewigen, eurem G'tte, sieben Tage, nvir? "s8 7i",n» nur freudig sollst du sein. Hier ist die Freude ausdrücklich zur religiösen Pflicht gemacht; sie bildet nach Maimonides das 488. Thoragebot. Kann man das Frohsein einem Menschen überhaupt befehlen? Lassen sich Gefühle gebieten? Hängen sie nicht von äußeren Umständen ab, aus denen sie von selbst fließen? Und gar in Hütten froh zu sein; es klingt wie ein.Widerspruch in sich selbst. Freilich, uns Kindern des 20. Jahrhunderts ist eine Ideenwelt fremd geworden, mit der die Forderung der Thora in harmonischem Einklang steht. Sozial gesehen, war das Heilige Land ein gewaltiges Lehen aus G'ttes Hand, in zwölf große Preisliste, auch anderer guter Nährmittel frei! Dr. Fromm, Kötzschenbroda 77 WUuViJZA. / Frankfurt. Niederlagen Hirsch-Apotheke Zell 111 Reformhaus Boermel-Ernst, SchillerstraOe 27 und wiederum kleine Parzellen geteilt und mit einem auf dieDauer unveräußerlichen Grundbesitz. Jeder Starrheit abhold, ist menschlich schon ein Spielraum von fünfzig Jahren gegeben, während welcher sich im sozialen Ringen und Schaffen Verschiebungen einstellen konnten, denen aber das Jobeljahr als feierliches Restitutions- und Regenerationsjahr ein Ende machte. Einen Kapitalismus ließ das Zinsverbot nicht aufkommen, im siebten, dem sogenannten Erlaßjahr, verfiel die Leihschuld von selbst, ja, es hatte einen kommunistischen Einschlag. An der Jahresernte hatten Arme einen gesetzlich und rechtlich fixierten Anteil, vom Zehnten bezw. von der Terumah konnte der ganze Levitenstamm sein Leben fristen. Kein Wallfahrtsfest, an dem nicht die Thora eigens mahnt, des Leviten, des Armen, des Fremden, der Waise und Witwe nicht zu vergessen. Sind doch gerade die Gedenktage von ausgesprochen demokratischer Prägung. Am Osfenbarungsfeste ward der „Mmd geschlossen" auch mit dem letzten „Holzhacker und Wasserschöpfer" im Volke. (Deuteronomium 29, 10.) Am nvs hält Arm und Reich das gleiche Brot «in Händen und am 7-3131V wohnt Reich und Arm in der gleichen Hütte. In solch staatlichem System ist der Boden wohl vorbereitet für den Einzug der Freude auch in Hütten. Es ist sehr bequem, den alten jüdischen Staat mit überhebender Geste als veralteten Agrarstaat abzutun, der mit industriell entwickelten Ländern nichts zu tun habe. Müssen denn nicht mustergültige, ja ideale Normen in moderne Formen gegossen werden? Dürfen und können wir nicht die wie kalter Hohn klingende Gegenfrage stellen: Wie weit seid ihr Völker und Staaten heute mit eurer Politik des Realen? Erleben wir nicht Tollheiten, wie, daß Millionen hungern und verhungern und an anderer Stelle versenkt man Hunderttausende von Zentnern Kaffee ins Meer, verbrennt Baumwolle und Getreide als wertlose Dinge? Sind das nicht untrügliche Krankheitssymptome? Man sucht nach Auswegen aus solchen Wirrungen und Irrungen in der Weltpolitik und beschreitet ungewollt und unbewußt dabei jüdische Bahnen. Der Hooverplan ist nichts anderes als eine gewaltige Anleihe bei altjüdischen Ideen und Idealen. Die Bodenreformidee von Damaschke ist ein schüchterner Versuch der Annäherung an die jüdische Jobel- Vergänglichen. König David nahm daher eine irdene Scherbe, schrieb den G'ttesnamen hinein -und warf dann die Scherbe in die Flut. Der Erfolg Blieb nicht ans, die Wahrheit triumphierte, denn die mächtigen Wasser gingen 16 000 Ellen zurück. 16 000 Ellen! Wohl dem Zahlenwerte „16" des zweiten, dritten und vierten Buchstabens im G'ttesnamen entsprechend! Das Wort, welches sich ans ihnen zusammensetzt, heißt „der Seiende". Vor der Wahrheit, daß G'tt im Menschenwesen gegenwärtig ist, trat die Flut des Verderbens zurück, welche die Erdwelt in dem Augenblicke zu überschwemmen drohte, als König David im Begriffe stand, ihr den Weg ins Reich der G'ttesfreude zu bahnen. Das starke Zurückweichen der unterirdischen Flut ist in der Allegorie eine Wirkung der allmächtigen Kraft der g'ttlichen Gegenwart, die sich hier offenbarte, um dem heidnischen Anprall zu begegnen. In normaler Zeit bkeibt das Wasser nur taufend Ellen von der Oberfläche der Erde entfernt, weil das Wachstum des Feldes durch die von dem unterirdischen Wasser aufsteigende Feuchtigkeit bedingt ist. Die Flut mußte somit 'Meder 16 000 (Men emporsteigen. Da fprach König' DuvK die fünfzehn und die Flut stieg 15 000 Ellen aufwärts. Auch diese 15 000 Ellen 8es Aufstiegs, den die 15 E'ti preisendest Gesänge bewirkten, stufen von g'tilichet Kraft betragest; Mch sie Wgt det G'ttesstjMest in' sich, Wem' W VHdtzk ersten BstMaben deÄelben die Zahl;,Mfzehn" ergeben. Hakte das Zurücksinken der Mut die Rettung der Welt vor dem Ansiürm der heidnischen Meltauschiauustg uerg'egM, aWgt;' ^1 zKgte - ‘ Mt wr >' EnWMigen?' dest ^fstieg M MeMen tzst der WlMtt 'HöhH'M'MÄW willen -EM ZM Watest gddeHen Mt. " - -Fünfzehn Stufen führtest im TempÄ von der rrt» d’Ii nstm. von der Halle dÄ Männer AI der FtaEMNe Wtzehst StäM hstWlst des MML -in'UM-MM M MiMMWM gedästklich zusammen. Auf den fünfzehn Stufen, welche die beiden Räume miteinander verbanden, standen die Leviten beim Freudenfeste des Wasserschöpfens am Suäoth mit Musikinstrumenten ohne Zahl. Mit Sang und Klang feierten sie den herrlichen Gedanken des Wasserschöpfens für das eingangs geschilderte Gußopfer. In der einen Halle weilten die Männer, in der anderen die Frauen; dazwischen erscholl die begeisternde Musik der Leviten, der Widerhall einer Freude, die nach dem Zeugnis der Mischna nicht ihresgleichen hatte. Die Freude war so groß, weil mast die Regenspende, das Wahrzeichen des täglichen Brotes, nur Ms G'ttes Händest erwartete und dem Prophetenwörte „ustd Ihr werdet Wasser schöpfen in Wüstste aus den Quellen der Hilfe" Vertrauen schenkte. Die Freude war so groß, weil sie mit dem sittlichen Ernste, dem Gedastken an G'tt, verbunden war; weil sie aus ihm hervorging und wie die Blume zum Lichte zu ihm fürs tägliche Leben wieder hinstrebte. ÜBeint ersten Spatenstiche am Altargrunde und in den freuderfüllten Hallen des Tempels zeigt sich somit der Hinweis auf die fünfzehn Stufengesänge der Psalmen. Dort, am Grundstein des Altars, übt er auf das mächtige Element den Zauber feiner weltbeherrschenden -geistigen Kraft. Soeben war das Wasser, vom Banne heidnischen Wahnes berührt, im Begriffe gewesen, die Wdt zu überschwemmen; weil sie sich anschickte, dch ernstfrohe StimmuM MrückMtzewinnen: die das erste Merhchenvaar Ziese beseM. Der G'ttesmme hatte die entfesselte n Samt — und mmeilt sie auf den;i rg der fünfMn Psalmen, um /das Gedeihen der Saaten in WÄdFeld zu -ermSgüchen und - so den B^st-Ärd der WestschenweA M sicherst. ^7----:- an "det ' SlMe ' rachWDer Freude, verbindet der 'G^anke der- StuMl-iedet die-:GeWechter zu hMger FrvützK' und Äi vMAdliWr- Wtise/ ' s .re.? .,ri '! ' > n-:r •••-• tut g'tthörigen Harmonie durchs Leben zu schreiten. Mag dann der Lebensweg dem ersten dieser Psalmen entsprechend mit Not und Ernst beginnen, er führt zu jener sittlichen, lichtuistflossenen Höhe des letzten Stufenliedes, auf welcher der Mensch sich „als E'ttesdiener" fühlt und im Schutze des G'tteshauses selbst „in den Nächten, d. t. trrt Unglück, aufrecht bleibt." Uleines Feuilleton. Speisegesetze und moderne Mflenschafk. Von Dr. M. Ascher in Ber-les-Dains. Auf verschiedene Interpellationen hin wegen meiner in No. 24 des „Jsraeltit" erschienenen Besprechung des Dr. Schapiro'schen Buches: „L'Hhgiene alimentaire des juiss devänt la Science moderne" Ahle ich mich gedrungen, zu äußern, daß mir jede Absicht fernlag, den wissenschaftlichen Wert des Büches herabzusetzen. Auch erklärte ich wiederholt im selben Ärmel, dütz es sich um ein äußerst lesenswertes Buch händelt, das jedem Israeliten Wichtiges mitteilt und stn dem man wird nicht vorüber gehen können. Natürlich> rnuß es bei Besprechung selbst eines guten Buches dem KEker überlassen bleiben; auf etwaige Schwächen- -aufmerksam Machen zu dürfen. Gern angenommen, dM es stW gesiUentlich geschieht, daß in lwm Buch das patt;;D i . oder ,,le Ereateur" Mer ängWichvermieden wirb und statt dessen stets -,le legislateur" vder „le legisläteur du Pentateugue^ sieht. Bei SSOSSm

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