Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1931)
- Date
- 1931-09-10
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450652-2450689--78217-2535892- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 Nr. 18 I ft f; I' Der Israelit Blätter 10. September 1931 Vadisch-württembergifche Gruppentagung. Die GruppettLagung det AgudckS Jtsrö'ök für Baden und Württemberg 'am ' Sonntag, den 17. Elul 5691, nahm in Karlsruhe in den Räumen der Karl Friedrich-Loge einen glänzenden Verlauf. Im Namen der Agudas Jisroel-Gruppen Karlsruhes entbot der Vorsitzende der Ortsgruppen, Herr Rabbiner Dr. M i H a l s k i, den : zahlreich erschienenen Mitgliedern und Gästen im Anschluß an die amaa des Wochenabschnittes den Willkommensgruß. Insbesondere begrüßte er den Präsidenten der Agudas Jisroel, Herrn Jacob R o s e n h e i m, das Zentralratsmitglied Herrn Moses Herz, Schwäb.-Hall, die Verwaltung der Israelitischen Religionsgesellschaft in Karlsruhe, den Vertreter des Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums, sowie die Gäste aus Freiburg, Königsbach, Mannheim, Stuttgart, Braunsbach und anderen Orten aus nah und fern und. dankte Herrn Markus S t e r n für die Mühewaltung bei der Vorbereitung der Tagung. Er wies auf die Bedeutung der Agudas Jisroel hin, auf ihre Aufgabe, durch Tat und Wort den Geist der Taüroh im Gemeinde- und Einzelleben zu stärken und zu fördern. Er erteilte sodann den Vertretern der befreundeten Organisationen das Wort zur Begrüßung. Im Namen der Verwaltung der Israelitischen Religionsgesellschaft dankte Herr Maier A l t m a n n für die Einladung und gab der Freude Ausdruck, daß die Gruppentagung neue Funken aus der Este schlafen würde, Herr Prof. D a r m st ä d t e r, Mannheim, überbrachte in gewählten Worten den Gruß des Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums, der die gleichen Ziele verfolge, den Geist der Tauroh in Baden zu verbreiten. Herr Streber dankt im Namen des M i sr a ch i für die Einladung. - Sodann ergreift das Mitglied des Zentral- >ats, Herr Moses Herz, Schwab. Hall, das Wort zu seiner Ansprache, in der er die Grüße der Aguda von Württemberg überbrachte und zugleich auf die Notwendigkeit einer altjüdischen Erziehung der Jugend in beredten Worten hinwies, die wieder der gleichen möge, die die Ahnen uns gegeben. Ihnen allen dankte der Vorsitzende für ihre Worte, bei jedem Einzelnen darauf hinweisend, wie die. Wirksamkeit.!des betr. Vertreters innerhalb seiner Organisation auch seinen Worten entspräche. Herr Rabbiner Dr. V o h rer, Gallingen, erbat sich sodann die Erlaubnis, über seine Beteiligung an - der D r e t I ä nd e r f a h r t n a ch d e m O st e n , sprechest zu dürfen. ' In bewegten, anschaulichen Worten schilderte er die unverlöschlichen Eindrücke, die der Besuch in der Jeschiwoh von Lublin, beim Gerrer Rebbe und beim Chofez Chajim auf ihn machte. Insbesondere hinterließ der Chofez Chajim bei ihm eine Wirkung, die er als richtunggebend ,für sein ganzes Leben bezeichnete. In der Pause wurden die Handarbeiten, die die Agudas I isroel- Frau en grupp e Karlsruhe in den geselligen Zusammenkünften unter Leitung von Frau Trude Heinemann angefertigt hatte, zu Gunsten der Bes Jaakauw--- Schulen verlost/ Sodann erhielt Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt, das Wort zu seinem Referat über „die Wirtschaftsnot im Lichte der talmudischen Ueberlieserung". Weder Optimismus noch Pessimismus seien angebracht angesichts der jetzigen Notlage. Der Talmud lehre, daß die Ursachen des wirtschaftlichen Niedergangs in den Sünden liege, die auf finanziellen und sozialen Gebieten nur zu häufig begangen werden. Einfachheit -in Kleidung und Nahrung, Arbeitsfreudigkeit und G'ttvertrauen seien.die Mittetz die den Anbruch besserer Tage* herbeiführen können. Reicher Beifall; lohnt die b erd en Redner, denen der Vorsitzende für ihre Ausführungen noch besonders dankte. ...... Nach Schluß des ersten Teils der Tagung hielt eine interne Besprechung die auswärtigen Gäste vereint, in der die Gründung einer Bezirksorganisation beschlossen wurde. Diese soll vor allen Dingen das Daurohlernen in Lerngemeinschaften in den einzelnen Gemeinden zu fördern suchen, aber auch andere Aufgaben der badischen Judenheit auf gesetzgeberischem Gebiet zu lösen sich bemühen. Des Abends versammelte eine große öffentliche Kundgebung die Teilnehmer der Nachmittags-Sitzung, zu denen sich noch sehr viele jüdische Mitbürger Karlsruhes einfanden. Der Vorsitzende begrüßte im Anschluß an die Worte mwa rirm ‘rwanna “jvn diejenigen, die bereits am Nachmittag zugegen wären, wie auch diejenigen, die am Nachmittag auf den Gefilden der Umgebung ^geweilt hatten, und gab einen kurzen Ueberblick über die Referate des Nachmittags. Sodann schilderte er in seinem Referat „Kampf um die S che chi to h " die Anfeindungen, die aus die Schechitoh schon in früheren Zeiten und ganz besonders in jüngster Zeit einstürmten. An Hand zahlreicher Stellen aus dem jüdischen Schrifttum, vor allem aber auch aus den Gesetzesvorschriften, wies er nach, daß jede Tierquälerei dem Judentum als Sünde gilt. Zur Vermeidung jeglicher Schmerzen des Tieres seien die Schechitoh-Vorschriften bis ins einzelste in. der Weise angeordnet, daß sie aufs schnellste dem Tiere das Bewußtsein nehmen, so daß es keinerlei Schmerzempfindungen hat, trotz der Reflexbewegungen der motorischen Nerven. Insbesondere lassen die Vorschriften der Hagromoh, die den Ort des Schächtschnittes genau umgrenzen, die Möglichkeit offen, daß bei dem Tier eine ähnliche Bewußtlosigkeit eintrete, wie sie der Earotissinus-Schlag an der oberen Halsgegend, nach Prof. Hering, beim k. o. des Boxens hervorruft. Prof. Kisch,'ein Schüler Herings, hat hierauf bereits hingewiesen. Es sollten diese Ausführungen, wenn im Rreife von Bekannten die Schächtfrage angeschnitten wird, Material bieten zur Abwehr der Angriffe auf die Schechitoh. Von der. Versammlung aufs lebhafteste begrüßt, ergreift dann Herr Jacob R o s e n h e i.m, Frankfurt, das Wort zu seinem Referat: ^Gegenwart und Zukunft des gesetzestreuen Judentums. Er führte in logischen Ausführungen aM, daß die Wirtschaftskrise eine Folge der. organisatorischen und politischen, diese eine Folge der sittlichen und-religiösen Krise sei, und daß auch die Krise im gefetzestreuen Judentum auf diesen Momenten beruhe, die begleitet ist von einer starken Zerrisfenheit der Judenheit. Weder das libe-- ral Judentum noch-der Zionismus hätten vest macht, eine Lösung zu gebend Agudas Jisroel erstrebe einen Zusammenschluß unter Berücksichtigung der Besonderheiten in den einzelnen Ländern, so wie die verschiedenen Organe des Körpers von einer gemeinsamen Seele gelenkt Md geleitet werden. "'. / - ' Nicht enden wollender Beifalldankt Herrn Rosenheim für feiste herrlichen Worte, auf "die der Vorsitzende iw Schlußwort Bezug, nahm; mit dem Wunsche, einer baldigen Erfüllung jener Zukunftswünfche schloß die Tagung, die allen Teilnehmern lichtvolle,. Stunden der' Ermunterung und Änerserung gebracht haben dürfte. Jüdische Landarbeit G.mb.H. Die LandesorganifatM der Agudas Jisroel in Deutschland hat Herrn Är. Nathan Birnbaum, den Wortführer orthodoxer Interessenten an der jüdischen Siedlungssache, beauftragt, auch sie gegenüber der Jüdischen Landarbeit G. m. b. H. in Berlin zu vertreten. Herr Dr. Birnbaum wird den Verkehr der Landesorganisation mit der Jüdischen Landarbeit ,(p. m. b. H. zu vermitteln und dieser gegenüber den' Standpunkt jener zu wahren haben. Insbesondere wird es seine Aufgabe sein, sich um die Sache der Siedlungsbewerber und Siedstr/-welche die Landesorganisation der 'Jüdischen Mstdar.hM G.m.b. H. namhaft gemacht hat, zu bekümmern. . Bezirkstag»«« der Agudas Jisroel für Hessen und Hessen-Nassau in Mainz am 10. Elul <22. August 1931). Unter großer Beteiligung, die die Erwartungen noch» übertroffen, eröffnete Herr Rabbiner Dr. B a m 6 e r g e r: die Tagung und begrüßte die Anwesenden, unter denen, nächst dem Tagungsort Frankfurt, Miesbaden und Kreuznach besonders stark vertreten war und erwähnte, daß. dieser Boden schon vor 600 Jahren durch das Blut von 6000 Märtyrern der ehrwürdigen Stadt Magenzo geweiht wurde. Nach Begrüßungsworten des Herrn Dr.. Schlesinger für die Jsr. Religio.nsgefellschaft und Löwen-thäl, Frankfurt für die Jugendorganisation., knüpfte der Präsident der Exekutive, Rabbiner Dr. P.. Kohn an die vom Vorsitzenden erwähnten Gestalten, der Vergangenheit an, die gleichzeitig heilige Saat für die- Zukunft und vollendete Ernte in ihrer sittlichen und jüdischen-Größe waren, mxj?;> naii nsr»i3 trsntn und wünschte, der Tagung glücklichen Eifolg. Sodann folgte das Referat von Rabbiner Dr. Ansbach er, Wiesbaden über „Psychologie der j ü -- bischen Jugend. Als hervorstechende Eharakterzüge der Jugend bezeichnet der Redner den Drang nach Utrab h an..g tg f et t, der .sein?,-Ursachen habe in den Nachwehen des itrieges, politischer Revolution, Umformung der Schule und last not least modern Zug nach allseitiger Organisation, der alle Kreise erfaßte. Es wäre unmöglich,, sich diesem Verlangen zu verschließen, man müsse der Juegnd. Verständnis darin entgegenbringen, ohne die Autorität fallen zu. lassen. Der Gedanke, die Jugend kollegial zu sich emporzuheben, ser auch jüdisch verankert 1132 T*y u'3N aber nicht dürfe der Erzieher zum Schüler und Kind kollegtal herabgezogen werden snaa»»» «iias 131, dis Linie geht nur aufwärts, nicht, reziprok abwärts. Günstig fei die Neigung der Jugend zum Idealismus,, zur einfacheren Lebensweise, die unserer ökonomischen Lage so besonders nottäte, woraus eine Idealisierung der Ehegründung zu wünschen wäre. Nicht aus die Spitze sei zu treiben Körperkultur, Redesucht und Ueberschätzung des Wissensstoffes ohne gleichzeitige Charakter- und Herzensbildung. Die anregenden Ausführungen riefen in der Versammlung den Wunsch nach kurzer Debatte wach, au der sich Dr. K 0 rnblum, Wiesbaden, Sonn und Dr. K l i b a n s k y , Frankfurt beteiligten, worauf ein Schlußwort des Referenten folgte. Sodann ergriff das Wort Rabbiner Dr. Merzbach Darmstadt zum Referat „Der Talmud zur Wirtschaftsnot". An Hand verschiedener taimudischer Zitate versuchte er die Gründe wirtschaftlicher Krise in der Verletzung sozialer und religiöser Pflichten finden, so in der Uebertreibung des Lurus, tütet nmn 2",153 ’02J Nwlw ’>23, VVNV'1 JDSTS '>2 V3>' 1'V2L '. ,T>3«? 12V 'V313 i-V in mangelndem sozialen Sinne, 'i"vi : u. a. Der thoratreue Jude sollte aber davon garnicht erschüttert werden, denn sein Weg sei ihm oorgezeichnet unabhängig von den äußeren Verhältnissen. Hierauf spricht Rabbiner Dr. Bamberg er, Mainz. über j, Die Zukuüft des gesetzestreuen Judentums" und verbreitet sich besonders über den Grundgedanken: Die Judenheit hätte nicht Grund, in unseren Tagen zu - verzwetfeln, denn viel dunklere und leidensreichere' Zeiten hätte sie/ besonders im Mittelalter, , überstanden, wovon der "Redner 'seinen kurzen Ausschnitt, giht: Damals -wäre' die Welt gegendas Judentum gerichtet. gewesen, heute teile es die Krisis mit seiner Umgebung. Sämtliche Referate wurden von der mehrhundertköpfigen, imposanten Versammlung mit reichem Beifall! ausgenommen und der Verlaus war ein vorbildlich harmonischer. Nach einem kurzen. Schlußwort des Herrn. Bankier Fill d'atz Mainz, der besonders auf die Heiligung, des Schabbos hinwies, war die Nachmittagssitzung beendet, die noch durch die außerordentliche Gastfreundschaft der Israel. Religionsgefellschaft, die für Erfrischungen, gesorgt hatte, in wirklich, festlicher Stimmung bis zum. Ende blieb. Nach einer dem Abendessen besttmmten Pause begann, die Abendkundgebung in dem bis auf den.letzten Platz vollbesetzten ca. 600 Personen fassenden Saal, und eswar für alle Teilnehmer erhebend, daß man auch hierzulande eine so' stattliche Zahl für eine dem gesetzestreuen Judentum dienende Veranstaltung aufbrachte. Rabbiner Dr. K l«i n Nürnberg sprach über „ K r i s e n z e i t und Agudas Jisroel". Die wirtschaftliche Krisis fei gekennzeichnet durch die Ausschaltung des G'ttes- Ledankens 'k rVs rmap on — man vernichtet in Amerika Werte, die in Ederen Ländern Hungernde sättigen könnten, ebenso den polttischen — jedes Volk ist souverän,, man will den GedEken nmi, daß G'tt der König, aller Völker sei, nicht Eerkennen, ebenso die Wissenschaft entthrone das g'ttliche Wesen, wolle ohne- Metaphysik Eskommen. Das Bitochaun auf Hafchem ser geschwunden, dagegen zuviel Ve.rt.ra.uen auf bteeig en e Kr af t.; j. >ii. ' 1