Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1931)
- Date
- 1931-09-10
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Ufaffei* der faadesotganifaHon der Ngudar-Iisroel In Ventfvkiand. 7. Jahrgang Hamburg, 10. September 1931 / 28. Ellul 5691 Nummer 18 ^chriftleilung: Wolf S. Aacoöfort in Kamburg. i Sitzung des Landesvorstandes der deutschen Agudas Zisroel. Der Landesvorstand der deutschen Agudas Jisroel hielt am 25. und 26. August in Frankfurt ct. M eine Plenar-Tagung ab, die insofern unter einem ungünstigen Stern stand, als die beiden Vorsitzenden des engeren Vorstandes, die Herren Oberrabbiner Dr. Spitzer und Dr. Lipman Schlesinger aus gesundheitlichen Gründen verhindert waren, anwesend zu sein, während auch Herr Wolf Jacobson durch eine plötzliche Erkrankung am Tagungsorte an den Sitzungen nur zu Beginn teilnehmen konnte. In der ersten Sitzung vom 25. August erstattete Herr Jacobson den an anderer Stelle abgedruckten Bericht des Vorortvorstandes über die Tätigkeit der Landesorganisation, anschließend daran den Kassenberich t. Alsdann wurden zunächst die von der AgudasJisroel-Jugend- Organisation bestimmten drei Vertreter für den Landesvorstand, und zwar die Herren Siegfried H e ck s ch e r -Hamburg, Hugo Heinemann -Fürth und Albert Loewenthal- Frankfurt bestätigt. Als Vertreter der drei Mitglieder der Jugendorganisation nimmt Albert Loewenthal an der Sitzung teil. Im übrigen waren anwesend die Herren: Rabbiner Dr. I. Auerbach-Halb erstadt, Hugo I. Cahn-Mainz, Wolf S. Jacobson-Hamburg, Dr. Nathan Birnbaum-Berlin, Dr. L. Deutschländer-Wien, Rabbiner Dr. Esra Munk-Verlm, Rübb. Dr. I. Merzbach-Darmstadt, Rechtsanwalt Klibanski- Frankfurt a. M., Jacob Rosenheim-Frankfurt a. M., Josef Rosenbaum-Frankfurt a. M., Julius Loewenthal-Eschwöge. Herr Rabbiner Dr. Auerbach -Halberstadt übernahm den Vorsitz und erbat eine Reihe von Erläuterungen zum Berichte und zum Kassenabschluß. Im Rahmen der daran sich anschließenden allgemeinen Debatte über die aktuellen organisatorischen und finanziellen Fragen wurde einer Anregung des Herrn Rabbiner Dr. M i - ch a l s k i -Karlsruhe zugestimmt, die vorschlägt, in den einzelnen deutschen Ländern die Ortsgruppen zu Unterorganisationen der deutschen Agudas Jisroel zusammenzufassen, um ihnen eine den Bedürfnissen des Bezirkes mehr angepaßte Spezialtätigkeit zu ermöglichen. Eine lebhafte Debatte löste die redaktionelle Gestaltung des Inhaltes der „Blätter" aus. Albert Loewenthal führte Beschwerde darüber, daß die „Blätter" den ideologischen Grundfragen der Agudo einen zu geringen Raum widmeten und daß bei einem Versuch, den einige junge Agudisten durch eine Anfrage unter der Ueberschrift „Klarheit" nach dieser Richtung unternahmen, den Anfragenden kurzerhand das Wort abgeschnitten worden sei. Von der Leitung wurde auf diese Vorwürfe erwidert, daß die „Blätter" schon mit Rücksicht auf die Raumverhältnisse sich unmöglich auf die langcnmige Erörterung akademischer Fragen einlafsen könne, daß sie vielmehr in erster Reihe dazu da seien, um durch einen möglichst lebendigen Nachrichten-! teil den Zusammenhang innerhab der agudistischen Welt Deutschlands und darüber hinaus in der ganzen Welt — denn die „Blätter" werden ja durch den „Israelit" in fast allen Ländern der Erde verbreitet — zu stärken. Rabbiner Dr. Auerbach- Halberstadt brachte die Esra-Fra ge zur Sprache und schlug vor, hinsichtlich der „Blätter" eine gemeinsame Redaktionskommission aus Vertretern der Jugendorganisation von Hamburg und Frankfurt für eine besondere Jugendabteilung der „Blätter" zu bilden. Er appelliert ferner an die gemeindeorthodoxen Mitglieder des Landesvorstandes, ihre Gesinnungsfreunde zum Eintritt in die Agudo zu bewegen. Rechtsanwalt Klibansky erörtert die Gründe, aus denen es bisher nicht möglich gewesen sei, den Wunsch des Herrn Rabbiner Dr. Auerbach zu erfüllen. Agudas Jisroel könnte eine gewaltige Aufgabe lösen, wenn sie sich beispielsweise in Berlin in den Mittelpunkt der Propaganda für die Orthodoxie in der großen Gemeinde stellen würde. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung wurde der Plan einer weitgreifenden religiösen Propaganda innerhalb der Judenh e i t auf Grund eines Memorandums des Herrn Rosenheim erörtert. Rabbiner Dr. K o h n tritt hierbei für eine Zusammenarbeit mit anderen Konfessionen und für die Hineinstellung des Planes in den Rahmen einer interkonfessionellen Prodeo-Arbeit ein. Auch Dr. Nathan Birnbaum hält eine Beschränkung auf den innerjüdischen Kreis für falsch. Wir hätten alles Interesse daran, die religiösen Tendenzen in der Welt im allgemeinen zu stärken und den Atheismus und die Gottlosenbewegung zu bekämpfen. Nach weiterer Aussprache über diesen Punkt wurde beschlossen: „Die Landesorganisation ist gemäß der von der Exekutive der Agudas Jisroel gegebenen Anregung bereit, zusammen mit den gesinnungsverwandten gesetzestreuen Organisationen eine größer angelegte geistige Werbearbeit im innerjüdischen Kreise zu entfalten, und sie ist grundsätzlich auch bereit, sich an ähnlichen Veranstaltungen für die Allgemeinheit, soweit die Initiative dazu von anderen Konfessionen ausgeht, zu beteiligen." Hinsichtlich der Landarbeit der deutschen Agudas Jisroel gelangte ein ausführliches Expose des Herrn David U l l m a n n in Kassel zur Verlesung, zu dessen Inhalt sich die Herren Julius Loewenthal-Eschwege und Rabb. Dr. Merzbach- Darmstadt kritisch äußerten. Der Vorort beabsichtigt, die Tätigkeit der Agudas Jisroel auf dem Lande gemeinsam mit der Freien Vereinigung und den Landesverbänden auszuüben, da eine Zersplitterung auf diesem Gebiete der Sache nur schaden könne. Namens der Jugend spricht sich Albert Loewenthal hiergegen aus und bezeichnet es als unerträglich, daß in Deutschland zwei gesetzestreue Organisationen mit denselben Zielen nebeneinander arbeiten. Für Agudisten dürfe es nur eine einzige, agudistische Einheitsfront geben und man solle bemüht sein, die Freie Vereinigung mit der Landesorgamsation der Agudo zu verschmelzen. R o s e n h e i m glaubt, daß man dies wohl als ein Ziel betrachten dürfe, zunächst aber zur Ausschaltung von Reibungen den Weg der Zusammenarbeit betreten müsse. Wenn auch die Möglichkeit zuzugeben ist, daß aus dem Vorhandensein verschiedener Organisationen eines Tages sich peinliche und schädliche Kämpfe entwickeln, so muß diese Möglichkeit, wenn man zweckmäßig und freundschaftlich vorgeht, doch keineswegs Wirklichkeit werden. Es wird beschlossen, im Sinne der bereits vom Vorstand der Landesorganisation ergangenen Einladung an die Freie Vereinigung, den Halberstädter und den Darmstädter Verband diesen Organisationen die Gemeinsamkeit sämtlicher öffentlicher Veranstaltungen vorzuschlagen. Nur die Mitgliederwerbung müsse getrennt erfolgen. Ein organisatorischer Zusammenschluß der Landesoroanisation der A. I. mit t$r Freien Vereinigung erscheint erstrebenswert, aber vorläufig nicht erreichbar. Zu den auf den Abend angesetzten gemeinsamen Besprechung wurden die Herren Rechtsanwalt Klibansky, Julius Loewenthcll und Jacob Rosenheim delegiert. In der am Mittwoch vormittag stattgehabten zweiten Sitzung berichtete Herr Rosenheim zunächst über das Ergebnis der gemeinsamen Besprechung mit den. gesinnungsverwandten Organisationen. Hiernach ist folgendes beschlossen worden: a) Die sogenannten Prodeoversammlungen in den Großstädten sollen gemeinsam von den gesetzestreuen Organisationen veranstaltet werden. Zur Vorbereitung dieser Versammlungen wurde eine fünfgliedrige Kommission ernannt, bestehend aus den Herren: Rabbiner Dr. Munk- Berlin, Dr. Nathan Birnbaum-Berlin, Rabbiner Dr. P. Kohn-Ansbach, Dr. Ehrmann und Jacob Rosenheim-Frankfurt a. M. b) Was die geistigen Werbeveranstaltungen für Stadt und Land betrifft, so wird eine viergliedrige Kommission gebildet, in die Agudas Jisroel-Landesorgamfation und Freie Vereinigung je zwei Mitglieder entsenden mit der Aufgabe, sich über ein systematisches Nebeneinanderarbeiten bezw. eine geographische Aufteilung der Arbeit zu verständigen. In dieser Kommission hat die Freie Vereinigung die Herren Dr. Ehrmann und E. H. Lehmann entsandt. Die zwei Vertreter der Landesorganisation sind vom Vorort zu ernennen. In organisatorischer Hinsicht faßte der Landesvorstand einen bedeutsamen Beschluß: Es soll dem Vorortsvorstand empfohlen werden im Hinblick auf die Zeitverhältnisse. die eine Art organisatorischer Rationalisierung dringend erheischen, auf dem Wege einer Notverordnung unter dem Vorbehalt späterer Genehmigung durch die Delegiertentage die Landes - und Inge n d o r g a n i s a t i o n zu verschmelzen und dementsprechend auch örtlich die Ortsgruppen u rt fr Jugendgruppen zu vereinigen. Es soll dadurch nicht nur eine Ersparnis an Geld und Arbeitskraft erzielt werden, sondern es werden auch überflüssige Reibungen ausgeschaltet und es wird den Ortsgruppen, in denen die ältere Generation unter dem Drucke der Wirtschaftsnot völlig passiv zu sein pflegt, ein Strom jugendlicher Energie zugeführt. Wenn es dem Vorortsvorstand gelingt, die Reform durchzuführen, so dürste das agudistische Leben in Deutschland dadurch einen starken Auftrieb erhallen. Endlich wurde eine Aktion zur Gewinnung von Geldmitteln beschlossen, die der landwirtschaftlichen bezw. gärtnerischen Ausbildung gesetzestreuer junger Leute in Deutschland dienen soll, einerlei ob diese jungen Leute die Absicht haben, sich später innerhalb Deutschlands selbst der Landwirtschaft zu widmen, oder ob sie eine Uebersiedlung nach Erez Jisroel im Auge haben. Diese Uebersiedlung selbst kann durch die deutsche Agudas Jisroel jedenfalls nur dann gefördert werden, wenn die Aguda die Möglichkeit schafft, daß die jungen Leute in Erez Jisroel nicht isoliert und zum ©intritt in andere Organisationen gezwungen sind, sondern wenn Gruppen geschaffen werden können, die ein orthodoxes Milieu verbürgen. Dem Vorortsvorstande wurde empfohlen, durch Kooptation weitere Mitarbeiter für die Lösung der schwierigen Tagesaufgaben der deutschen Agudo zu sichern.