Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1931-09-10 · Heft 37 (10.9.1931) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 37 (10.9.1931)
Date
1931-09-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450652-2450689--78203-2535878
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

Seite 8 Nr. 37 Der Israelit , lQ*,;Septem6er 1931 gegeben werden, während bisher, nur Ausländer bei die fer Gesellschaft ^kaufen konnten.. Die Handelsgesellschaft . führt Waren, besonder hochwertiger Qualität, wie ftje in den staatlichen Kaufläden und in den Läden der kauf' männischen Kooperativgdnossenschaften -Nicht zu haben sind. „Torgsin" verkauft neben ^Lebenschftteln und Be kleidungsgegenständen auch Möbel, Kunstgegenstände und Antiquitäten. Jedermann kann Waren bei der Gesell schaft bestellen, die dann einem namhaft gemachten Sowjetbürger ausgefolgt werden. Es genügt auch, einen Geldbetrag in ausländischer Währung an die Gesellschaft : zu übersenden,' ohrie dke'auszüfülgenden "l^aren zu be zeichnen; die Auswahl kann dem Empfänger überlassen bleiben. Bei der Einsendung des Geldbetrages an „Torgsin" ist Name und Adresse des Warenempfängers genau an zugeben. Die Gesellschaft besitzt Niederlassungen in ungefähr dreißig Städten der Sowjetunion, darunter in Moskau, Leningrad, Charkow, Kiew, Odessa, Rostow, Minsk, Tiflis, Baku, Archangelsk und Wladiwostok. Die Tatsache, daß die Gesellschaft „Torgsin" nunmehr auch an Sowjetbürger Waren abgibt, ist sur die jüdische Bevölkerung Sowjetrußlands, die feit jeher von ausländischen Verwandten durch Geld- oder Warensendungen weitgehend unterstützt wurde, von großer Bedeutung, da bei Vermittlung durch die Gesellschaft der hohe Zoll, der auf ausländische Warensendung eingehoben wird, entfällt und die Wertverminderung von Geldsen düngen durch UmwechMng vermieden wird. Bezüglich dtrekteV Zusendung von Lebensmitteln und Kleiderpaketen nach Rußland, hat der europäische Hias- Direktor Benjamin in Riga ein Abkommen mit „Sowtarnflot" getroffen, demzufolge für die künftige Zustellung der Pakete an den Adressaten Garantie geleistet wird. In Deutschland haben die Warenhäuser Tietz den Paketversand nach Rußland organisiert. England. Wird der Paläslma-Anleiheplan zurückgesiellt? London, 4. Sept. Die Zeitung „Jewish Chronicle" befaßt sich mit den Gerüchten, wonach die neue englische Regierung entschlossen sei, den palästinensischen Anleiheplan bis auf weiteres zurückzustellen, und glaubt, auf Grund ^verläßlicher Informationen diese Gerüchte bestätigen zu können. „Die nationale Regierung," schreibt die Zeitung, „halte es im Hinblick auf die gegenwärtige Finanzkrise Großbritanniens für untunlich, jetzt eine Anleihe von 21/, Millionen Pfund für Palästina zu plazieren." „Jewish Chronicle" erfährt weiter, daß die von der Anglo Moslem Association für den 2. November, den Jahrestag der Balfour-Deklaration, nach der Albert Hall einberufene antizionistische Kundgebung eine neue antizionistische Kampagne der proarabischen Parlamentsmitglieder in der Oeffentlichkeit einleiten wird. Die Zeitung bemerkt mit Bedauern, daß die Propaganda der proarabischen Parlamentsmitglieder die der zionistenfreundlichen Parlamentsmitglieder bei weitem übertreffe. Die neue Organisation der jüdischen Gemeinden im Irak. Bagdad, 3. Sept. Als Resultat von Verhandlungen zwischen Führern der Jüdischen Gemeinde in Bagdad und Mitgliedern der Regierung ist vor kurzem eine Gemeindeordnung für die jüdischen Gemeinden veröffentlicht worden. Der beabsichtigte alle Juden umfassende Verband ist nicht gegründet worden, sondern es sind Einrichtungen für die Großgemeinden Bagdad, Basrah und Mossul, sowie für die kleineren Gemeinden getroffen worden. Die Bestimmungen lauten: Die Großgemeinden erhalten einen Präsidenten, einen Oberrabbiner, einen Generalrat und einen Laienrat. Bagdad, die größte der Gemeniden, erhält außerdem einen geistigen Rat. Der Präsident, der Oberrabbiner und die Ratsmitglieder müssen Bürger des Irak sein. Der Präsident wird durch königlichen Erlaß ernannt und evtl, abberufen. Er beruft den Generalrat und den Laienrat ein und vertritt die Gemeinde der Regierung gegenüber. Der Laienrat, der sich in Bagdad aus 8, in kleineren Gemeinden aus 4—6 Mitgliedern zusammensetzt, verwaltet die Sssiftungen und Wohlfahrtseinrichtungen, die Schulen und das Steuerwesen. Der Generalrat in Bagdad-besteht aus 60 Personen;"von denen 7 Rabbiner sein müssen, in den anderen Gemeinden setzt er. sich aus 20 bis 40 Personen zusammen. Der Generalrat vollzieht die' Wühl des Präsidenten, des Oberrabbinertz" und des Laienrats, überwacht die. Verwaltung der Latent rate, entsendtt 7 Mitglieder in den geistigen Rat und entscheidet über Fragen, die ihm vom geistigen Rat vorgelegt werden. Are Woche. Berlin. In einem bestimmten Falle entschied das Berliner Arbeitsgericht, daß ein jüdischer Arbeitgeber antisemitische Angestellte fristlos entlassen kann. — Dr. James S i - raon, der bekannte> Wirtschaftspolitiker und Philanthrop, .Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender des, „Hilssvereins für deutsche Juden" feiert am 17. September seinen -80. Geburtstag. — Der neugewählte Vorsitzende des Vorstands der Gemeinde, Dr. Wilhelm Kleemann, hat sein Amt als Eemeindevorsitzender angetreten. — Espe neuaufgestellte Liste der F r i e d h o.,fs f ch ä.n düngen von 1923 bis 1931 erreicht die Zahl 103. Ejn Rekord der Sittenverrohung! — Als ein Symptom der Verzweiflungsstimmung wird es in jüdischen Kreisen angesehen, daß an einem Tage, und zwar am ersten September vier Selbstmorde^ >in>. der. hiesigen' jüdischeNjiPevölte- •: ruitg vrstH^kyMien find. Freilich ein Zeichen des-''abnehmenden G'ttvertraüens und des Glaubens an sich selbst! Danzig. Zum Vertreter Daüzigs in dem zur Zeit in Genf tagenden Europäischen Ausschuß wurde der frühere Senator Dr. Grünspan, ein angesehener Danziger Jude, ernannt. Genf. Eine Publikation 'des Völkerbundssekretariats in einer umfangreichen Broschüre unter dem Titel „Der Völkerbund, seine Ausgabe und Organisation" ist, auf Anregung des polnischen Vertreters im Völkerbunde, auch in hebräischer und jiddischer Sprache erschienen. London. Im neuen englischen Kabinett wurde Sir Philipp S a s s o n mit dem Amte eines Unterstabssekretärs für Luftfahrtwesen betraut. — Die Zeitung „News Chronicle" (vereinigte „Daily News" und „Daily Chronicle") teilt mit, daß Baron James de R o t h s d) i I b als Finanzsekre 1 är beim Kriegsministerium in die neue englische Konzrntrationsregieurng eintreten werde. Baron James Edmond Armand de Rothschild ist der älteste Sohn Baron Edmond de Rothschilds, des „Vaters" der jüdischen Kolonisation in Palästina. Er wurde 1878 in Paris geboren, in England erzogen, wo er als naturalisierter englischer Bürger ansässig ist. Während des Weltkrieges diente er als Major in der jüdischen Legion. Seit 1929 ist er Vertreter der Jsle of Ely im Parlament. Amsterdam. Don den 6 neuen Stadträten, die die Stadtverordnetenversammlung dieser Tage wählte, sind 4 Juden. Einer von ihnen, Herr S. Rodrigues de Miranda wurde zum Vizebürgermeister von Amsterdam gewählt. — Aus Anlaß des Geburtstages der Königin wurde der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde von Amsterdam, Herr Simon L o o p u y d zum Ritter des Ordens. Oranien-Nassau ernannt. Budapest. Allen beunruhigenden Gerüchten. entgegen, erklärt der Kultusminister, Dr. Alexander Ernszt den jüdischen Instanzen, daß ein neuer Numerus clausus für Ungarn nicht in Frage kommt. — Die Israelitische Kultusgemeinde hat in ihrer letzten Vorstandssitzung einen Beschluß gefaßt, rede Kalenderresorm, die irgendwie das Leben des glaubenstreuen Juden erschwert, abzulehnen und zu bekämpfen, Ein dementsprechendes Memorandum wurde dem Völkerbund in Genf überreicht. Sofia. Infolge der anschwellenden antisemitischen Hetze in Bulgarien hat das jüdische Konsistorium eine Intervention bei der Regierung unternommen. Es wird ein Verbot für die gifthaltigen Hetzschriften verlangt. — Konstautinope). Der Posten eines Oberrabbiners für die Türkei, der durch den Tod von Chajim Bedjarano frei geworden ist, wird nicht mehr besetzt werden. Die Regierung verweigert die Unterstützungszuschüsse und die türkische Judenheit, so wird erklärt, sehe sich nicht mehr in der Lage, einen Oberrabbinec zu erhalten. Moskau. Es wird bekannt gegeben, daß die Regierung der Sowjetrepublik Ob- ■ sorge für die jüdische Kolonisation: in Biro- B i d sch a n übernimmt. Jerusalem. Die Witwe des vor wenigen Jahren verstorbenen hebräischen Denkers Achad Haam (Ascher Ginzberg) ist am 31. August in Haifa gestorben. Der geistige Rat überwacht-dip Ausbildung der-Rabbiner und wacht über das geistige Wohl der Gemeinde. In den drei Großgemeinden wird ein religiöser Gerichts- Mf' eingesetzt, der Angelegenheiten des Personenstandes, wie ' Heirat, Scheidung,) Testamentsvollstreckung ysrp. zu erledigen hat'. Ueber Streitigkeiten innerhalb. der Jüdischen Gemeinden entscheidet der Justizminister. Die Zahl der Juden im Irak beträgt 110.000: es leben in Bagdad 70.000, in Basrah 6000, in Mossul 3000, in einigen anderen Städten je 3000 oder 4000 Juden. ' , Griechenlands Die jüdischen Opfer der Salonikier Unruhen. — Eine Darstellung des Oberrabbiners. Saloniki, 7.-Sept. Berichte der griechischen Blätter über eine in Paris gegen die Ausschreitungen in Saloniki abgehaltene Protestversammlung, in, der ein Redner behauptet hatte, in Saloniki .seien 20-Juden getötet und Hunderte verwundet worden,-haben in der griechischen Oeffentlichkeit einen höchst,.ungünstigen Eindruck gemacht. Der stellvertretende Qberrabbiner von Salonikis Rabbi Chaim Habib, ersucht die ITA., die Behauptung des französischen Redners kategorisch zu dementieren. Er erklärt, bei den Unruhen seien nur zwei Todesopfer zu beklagen gewesen, ein Jude und ein Christ, es habe nur wenige Verwundete, gegeben, öte: bereits atte wiederhergestellt sind. Die Regierung, fügte Rabbi Chaim Habib hinzu, hat versprochen, Entschädigungen zur Wiedergutmachung der angerichteten Sachschäden zu leisten. Palästina. Norman Bentwich kehrt nicht auf feinen Palästina-Posten zurück. Jerusalem, 7. Sept. Eine heute erlassene offizielle Bekanntmachung der Palästina-Regierung besagt, daß Herr Norman Bentwich, der Oberstaatsanwalt für Palästina, am 31. Oktober ds. Js. aus dem Regierungsdienst ausscheidet und daß sein Urlaub bis zu diesem Datum verlängert worden ist. Norman Bentwich war seit Beginn der vorschreitenden britischen Okkupation (1917) leitender Verwaltungsbeamter in Palästina und wurde unter Sir Herbert Samuel Generalstaatsanwalt und Oberster Justizbeamter. Als solcher hat er eine Neuordnung des Gerichtswesens in Palästina durchgeführt. Schaukat Ali will Jerusalem zum Zentrum des Kalifats machen. Jerusalem, 3. Sept. Wie die ITA. erfährt, bildet eine Erklärung Schaukat Alis, des Führers der indischen Moslems, daß' er sich auf der bevorstehenden Indien-Konferenz in London (Round Table Konferenz) dafür einsetzen werde, daß in Jerusalem das Zentrum des moslemitischen Kalifats errichtet werde) das Gesprächstheyra innerhalb, der moslemitischen'Kolonie in England.-Der Name des Kandidaten auf den Posten des Kalifen steht: noch nicht ganz fest. Schaukat Ali teilte mit, daß er in Cairö für seine Idee die einmütige Unterstützung der dortigen Moslems erlangt habe. Auch die proarabische Liga in London mit den Lords Brentford, Jslington und Denessort an der Spitze unterstützt die Kalifatbewegung. Andererseits sprachen sich prominente moslemitische Delegierte zur Indien-Konferenz, die bereits in London weilen, gegenüber dem JTA-Vertreter dahin aus, daß Schaukat Alis Plan, daß das Kalifat in Jerusalem errichtet werde, auf großen Widerstand zahlreicher moslemitischer Kreise, die gerne Komplikationen vermieden sehne möchten, stoßen werde. Diese Kreise treten dafür ein, daß Damaskus Sitz des Kalifats fein solle. Weitere aus Jerusalem eingetroffene Telegramme besagen, daß der gegenwärtig in Palästina weilende Führer der indischen Moslems, Schaukat Ali, mit arabischen Führern die Möglichkeit einer Wiederannäherung zwischen Juden und Arabern besprach. Er soll erklärt haben, die Lage in Palästina sei heute ernster als im Januar d. I., da sich die Gegnerschaft der Araber gegen England' verstärkt habe, was Anlaß zum Nachdenken gibt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.