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Der Israelit · 1931-09-10 · Heft 37 (10.9.1931) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 37 (10.9.1931)
Date
1931-09-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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10. September 1931 Der Israelit Nr. 37 Seile 7 Schluß' der Konferenz überbrachte der norwegische Delegierte dem Osloer Rabbiner Julius Samuel, der den Weltverband Schomre Schabbos in Norwegen vertritt, die Grüße der Konferenz und gab dem Wunsche Ausdruck, daß es der gemeinsamen Arbeit aller an der Erhaltung der traditionellen Wochenordnunss interessierten Kreise gelingen möge, die aus der bevorstehenden Kalenderreform drohenden Gefahren für alle Zeiten zu bannen. Iugoslaviep. Die neue Verfassung in Jugoslawen und die Gleichberechtigung der Juden. Belgrad, 4. Sept. Die heute durch König Alexander proklamierte neue Verfassung des Königreiches Iugoslavien, die eine Aufhebung der Diktatur und eine Rückkehr zum parlamentarischen System verkündet, enthält folgende für die jüdische Gemeinschaft wichtige Bestimmungen: Sämtliche Staatsbürger find vor dem Gesetz gleich und genießen den gleichen Schutz seitens der Behörden. Religions¬ und Gewissensfreiheit wird garantiert. Der Genuß bürgerlicher und politischer Rechte ist vom Religionsbekenntnis unabhängig. Die rezipierten und anerkannten Religionsbekenntnisse sind in ihren internen Religionsangelegenheiten autonom. Falls das Budget Ausgaben für Religionszwecke vorsieht, so sind diese Summen proportionell unter die rezipierten und anerkannten Religionsbekenntnisse zu verteilen. Neligionsfunktionärs dürfen nicht ihr geistiges Amt für Parteizwecke mißbrauchen. In Andachtsstätten und bei religiösen Manifestationen ist jede politische Agitation verboten. Sämtliche Schulen müssen das staatsbürgerliche Bewußtsein im Sinne nationaler Einheit und religiöser Toleranz entwickeln. Sämtliche Staatsämter sind allen Staatsbürgern unter gesetzlichen Bedingungen in gleicher Weise zugänglich. Die Zdokoh gdauloh und die Polizei. Wilna, 7. Sept. Im großen Kampfe, der hier seit Monaten um die Verwaltung der „Zdokoh gdauloh" tobt, kam eine eigenartige Wendung. Am Montag erschien Rabbiner Rubi n st e i n in Begleitung einer Polizeiabteilung ins Büro der Z. G., beschlagnahmte das ganze Inventar sowie die Akten und überführte alles ins Lokal der Gemeindeverwaltung. Die Wilnaer Zdokoh gdauloh kämpft, getragen von der gesamten Orthodoxie, um ihre Autonomie gegen den Machthunger der antireligiösen Kehillaverwaltung. Ob es bei dieser unerhörten gewaltsamen Lösung bleibt?! Zu der Ermordung des Deputierten holuwko. Warschau, 4. &ept. Ueber die Ermordung des Präsidenten des Regierungsklubs Holuwko herrscht auch in jüdischen Kreisen große Trauer. Oberrabbiner Ahron L e w i n erwähnt in einem ausführlichen Kondolenzschreiben ans Präsidium des B. B.-Klubs die treue Freundschaft, die Holuwko mit dem Heimgegangenen Deputierten Kirschbraun und mit ihm selbst verband. Agudas Jisroel in Polen, sowie der orthodoxe Sejm-Klub veröffentlichen in der orthodoxen Presse warme Trauerkundgebungen. Die neue kehillaverwaltung. Warschau, 4. Sept. In den nächsten Tagen, so etwa zwsichen Roschhaschonoh und Jomkippur, wird die neue Kehillaverwaltung mit Präsidenten Masur an der Spitze die Leitung in der Gemeindestube übernehmen. Die Bestätigung der neuen Verwaltung ist trotz der Machenschaften von zionistischer Seite, die auch vor anonymen Zuschriften an das Ministerium nicht zurückschreckte, am Donnerstag erfolgt. Zu den rüden persönlichen Angriffen aus Masur gehörten die Behauptungen, er beherrsche nicht die polnische Sprache und zahle nicht genügend Kultussteuern. Beide Angaben haben sich als Verleumdungen erwiesen, so daß das Bildungsministerium nunmehr das von den Wählermassen der Orthodoxie und von dieser Herrn Masur geschenkte Vertrauen bestätigen konnte. \5n gehobenen Tagen wird der neue Kurs beginnen, und er wird, wie wir zuversichtlich hoffen, sich bald zum Segen für die Gemeinde auswirken. Der Sabbat aus Ralewki. Warschau, 6. Sept. Wie nunmehr bekanntgegeben wird, haben jetzt die drei Geschäftsinhaber versprochen, fortan ihre Geschäfte am Sabbat nicht mehr zu öffnen. . Herr Kleinmann entschuldigte sich bei der Delegation, nicht er, sondern ein Angestellter habe ohne sein Wissen die Polizei alarmiert. Eine bewußte Herabsetzung der Warschauer Rabbiner durch die kehilaverwaltung. Warschau, 3. Sept. Eine Bagatelle, und dennoch bezeichnend für den Geist in der alten Kehilaverwaltung und ihr Bestreben, nach Wilnaer Muster, den modernen Synagogenrabbiner partout als „Oberrabbiner" über die alten autoritativen Rabbinen des Warschauer Rabbinates zu stellen. In ihrem Berichte, den sie zum Abschied in hebräischer, polnischer und jiddischer Sprache herausgibt, ist auch eine Liste der amtierenden Rabbiner in Warschau enthalten. An erster Stelle wird in der hebräischen Ausgabe Professor S ch o r als o'ymnn M an „Rabbiner für alle Bezirke" aufgeführt. Abgesehen von diesem unverdienten Ehrenplatz aus der Liste, ist auch die Bezeichnung der Kompetenz Professor Schors durchaus irreführend. Nach der Gemeindeordnung hat jedes Rabbinatsmitglied in Warschau für halachische Entscheidungen und die Vornahme religiöser Akte sein eigenes Stadtviertel. Da die Freunde Schors aus der kleinen modernen Schicht auf alle Stadtviertel verteilt sind, so kann Professor Sch. kein besonderes Viertel zugewiesen werden. Nach der polnischen und jiddischen Bezeichnung ist er „Rabbiner ohne begrenztes Stadtvierte l." Mit der Bezeichnung „Rabbiner für alle Bezirke" soll aber die Illusion des „Oberrabbiners" lebendig erhalten werden. In den großen Massen der' jüdischen Bevölkerung, die in den alten Rabbinen die berufenen geistigen Führer der Gemeinde sehen, herrscht Empörung über diesen neuen Versuch, mit der alten Warschauer Tradition zu brechen. _ 70 000 jüdische Kinder in Polen ohne Schulunterricht. Warschau, 4. Sept. Viele jüdische Gemeinden in Polen werden wegen Mangels an Mitteln nicht in der Lage sein, jetzt, zu Beginn des neuen Schuljahres, die von ihnen erhaltenen Schulen zu öffnen, andere jüdische Gemeinden werden die Zahl der Schulklassen stark einschränken müssen, so daß schätzungsweise 70 000 jüdische Kinder ohne Schulunterricht bleiben werden. Hauptsächlich werden davon Kinder armer und ärmster Familien betroffen sein, also Kinder, die in einer Atmosphäre unbeschreiblichen Elends leben und die nun den Teil der Nahrung und Kleidung, den sie bisher in der Schule erhielten, werden entbehren müssen. Die Gemeindebüros sind von verzweifelten Eltern belagert, die stürmisch die Wiedereröffnung der Schulen bezw. Klassen fordern. In Warschau, wo an den Schulen der Jüdischen Gemeinde mehrere Klassen nicht wieder geöffnet werden, werden die Schulen von Kindern, die nicht mehr ausgenommen werden können, und ihren Eltern belagert. In einer der Schulen kam es zu einem schweren Tumult. Eine Gruppe Eltern von nicht mehr aufgenommenen Kindern drang in das Büro ein und demolierte die Einrichtung. Die Gemeindeverwaltung hat angeordnet, daß alle Kinder irgendwie bemittelter Eltern ausgeschult werden, um Kindern unbemittelter Eltern Platz zu machen. Litauen. Zum Andenken an Rabbi Iakob Halevy Lipschütz. K o w n o, 6. Sept. Am m my jährt sich zum zehnten Male der Todestag von Jakob L i p f ch ü tz Dieser verdiente Mann und bedeutendste Chronist aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurde im Jahre 5598 in Wilkomir bei Kowno geboren. Sein Vater war unter dem Namen „Wilkomirer Maggid" bekannt. Schon in jungen Jahren wurde die eminente Begabung Jakobs bekannt und überall anerkannt. In der Hochflut der Haskala wirkten die Artikel des jungen Schriftstellers im „Hamgid" und „Halwonaun" wie regelrechte Abwehrkanonen. 'Ein Dreißiger, kam er nach Kowno und als Generalsekretär an die Seite von Rabbi Jizchok Elchonon, dessen rechte Hand er bis zum Heimgang des Gaon blieb. Man darf sagen: „ Er hat als „Kanzler des jüdischen Volkes" im Haufe von Rabbi Jizchok Elchonon, wo alle Diüerwellen und Haararbeiten ist Vertrauenssache! E (IG EM OCHS Spezialist dafür Moselstr.16 . Taunus 1593 rnrnrnrnrnammmamm Unverbindlicher Besuch erbeten MMWWWIWMW» Fäden der jüdischen Politik und auch der jüdischen Leiden zusammenliefen, mit einer Sachkenntnis und Aufopferung ohnegleichen auf exponiertem Posten feine Pflicht getan. Reben der fürsorglichen Verteidigungsarbeit nach außen ging der Kampf nach innen, gegen Haskala und Abfall. Er war bei den Modernen der bestgehaßte Mann seiner Zeit. Die Rabbinen und Thoragrößen der Zeit wußten aber die von ihxn gegründete und geleitete „Jüdische Weltkanzlei" zu würdigen. Die Memoiren von Rabbi Jakob Lipschütz sind in drei Bänden niedergelegt, die ein Geschichtsbuch von eigener Art bilden. Sie sind herausgegeben vom Sohne des Verfassers, Rabbi Notel Lipschütz in Kowno Slabodko und bei ihm zu beziehen. Rußland. „Zehn Tage Anti-Religion". Moskau, 4. Sept. Im Hinblick auf die bisherige Erfolglosigkeit der Kampagne gegen die Begehung der hohen jüdischen Feiertage hat das Hauptbüro der Atheisten zur Bekämpfung der traditionellen „Zehn Tage innerer Einkehr" (Assereth jeme teschubah) „Zehn Tage ^Anti-Religion" proklamiert. Die lokalen Atheisten-Komitees wurden angewiesen, mit allen Kräften die Tätigkeit der jüdischen religiösen Funktionäre lahmzulegen. (ITA.). Ein Teil der Ernte in den jüdischen Kolonien der Krim verloren. Moskau, 7. Sept. Wie aus der Krim mitgeteilt wird, sind im Durchschnitt 15 Proz. der Getreideernte in den jüdischen Kolonien der Krim als Folge des kurz nach dem Schnitt eingetretenen Regens verloren gegangen. In einigen Rayons beträgt der Ernteverlust sogar 40 Proz. Im jüdischen Rayon Kalinindorf wurde die Ernte durch die Regenfälle unterbrochen, 63 Proz. des Getreides liegt noch auf den Feldern; bei anhaltendem Regenwetter ist mit deren Verlust zu rechnen. Bis zum 15. August haben die jüdischen landwirtschaftlichen Kollektiven der Krim etwa 130 000 Zentner Brotgetreide bei den Staatsspeichern eingeliefert, d. s. 47 Proz. der Getreidemenge, die sie in diesem Jahre überhaupt abzuliefern haben. (ITA.). Die antireligiöse Kampagne aus Anlaß der kommenden jüdischen hohen Feiertage bleibt wirkungslos. Moskau, 1. Sept. Laut den aus verschiedenen Teilen der Sowjetunion in Moskau eintreffenden Berichten verläuft die große antireligiöse Kampagne der Apikorsim-(Atheisten-)Zirkel gegen die Abhaltung der jüdischen hohen Feiertage überall ohne Wirkung. Die jüdischen Massen in den größeren und kleineren Städten nehmen von der antireligiösen Agitation keine Notiz, die Atheisten-Zirkel selbst sind äußerst lau und begnügen sich damit, die vom Hauptquartier der Atheisten-Liga gelieferten antireligiösen Flugblätter und Plakate zu verbreiten. Die jiddisch-kommunistische Presse klagt, daß die Atheisten- Zirkel keinen Versuch machen, die Tätigkeit der Rabbiner zu kontrollieren und die jüdischen Massen dazu zu bewegen ,an den hohen Feiertagen den Synagogen fernzubleiben und zu arbeiten. „Emeß" klagt, daß in den jüdischen Dörfern aus die anti-religiöse Kampagne nicht im geringsten geachtet wird, und prophezeit, daß in vielen jüdischen Kolonien wie im vorigen Jahre so auch in diesem Jahre die Bauern zu Roschhaschonoh und Jom- Kippur die Arbeit auf den Feldern ruhen lassen werden. Reue Möglichkeiten für Warensendungen nach Sowjelrußland. Moskau, 7. Sept. Die sowjetrussische Handelsgesellschaft „Torgsin" bietet ausländischen Angehörigen von Sowjetbürgern einen neuen Weg, ihre Verwandten in Rußland durch Warenüberweisungen zu unterstützen. Wie Herr Schliar, der geschästssührende Direktor dieser Gesellschaft, mitteilt, werde von nun an aus den „Torgsin"-Magazinen gegen ausländische Valuta Waren auch an Sowjetbürger ab-

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