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Der Israelit · 1931-09-10 · Heft 37 (10.9.1931) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 37 (10.9.1931)
Date
1931-09-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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feite 4 Nr. 37 Der Israelit 10. September 1931 Schenken Sie zu den Feiertagen einen Füllfederhalter; 1000 schreibfertige Halter zur Auswahl! mit 14karat. Goldfeder ab Rmk. 3.— Osmia-Supra, Parker Duofold, Montblanc, Pelikan, Waterman Hausmarken: Ceka und Juwel und andere Marken CARL KLIPPEL Kaiserstrasse 75 Schreibwaren aller Art schützt sei, als durch alle Gesetze und Verwaltungsmaßnahmen, zumal in einer Stadt, die Hundertprozentig jüdisch ist. Die Herren mißverstanden sich, redeten ein wenig aneinander vorbei, aber in diesem Sichmchtverstehenkönnen liegt die jüdische Tragik von Tel-Awiw, von Erez Jisroel. Herr Disingoff, Tel-Awiws Bürgermeister, meinte ja gar nicht den Sabbat, den der englische Hochkommissar aus,her Bibel kennt. Um diesen will man ja gar keinen Drahltverhau von Paragraphen anbringen. Dem Schutze des Gesetzes wird lediglich der nationale Sabbat empfohlen. Darunter versteht man: Arbeitseinstellung, Geschäftsruhe, aber voller Betrieb der Sportplätze und Vergnügungsetablissements. Handel und Arbeit ruhen, um Zeit für ras? m im Sinne von europäischem und sabbatfremdem Amüsement zu gewinnen. Die praktischen Leute aus der jüngeren Generation, Frucht der nationalen Erziehung, sagen sich aber: Wenn schon Sabbat entweihen, dann schon lieber nutzbringend, als im müßigen Spiele. Diese Ueberschreitung der nationalen Sabbatgrenze soll durch ein Gesetz verhütet werden. Das begreift der in Bibeltreue aufgewachsene englische Staatsmann nicht und spricht naiver Weise von E r - z i e h u n g und Einwirkung. Er weiß nicht, daß diese seit Jahrzehnten planmäßig gegen den religiösen Sabbat gerichtet ist. Wie es mit der Erziehung in Palästina für den Sabbat und das jüdische Gesetz bestellt ist, ergibt sich zur Evidenz aus dem eben erschienenen Jahresberichte des Erziehungsdepartements der Palästina-Regierung. Danach besuchen 30 903 jüdische Kinder in Palästina jüdische Erziehungsanstalten. Davon entfallen gut zwei Drittel auf die zionistischen Schulen. Der Rest verteilt sich auf die Schulen der Alliance- und ähnlicher Or-. ganisationen und die orthodoxen Talmud-Thoraschuleü. Letztere umfassen- 4445 Kinder, - cho^u noch.^1669 Schüler von Privatschulen kommen: Nicht'' hinzugerechnet 'sind '469 jüdische Schüler von Missionsschulen und 46 Kinder, die'motzäW medanische Regierungsschulen besuchen. Es wäre Nicht uninteressant, diese Zahlen in größerem Zusammenhänge zu deuten. Hier sei nur. darauf hchgewiesen, -wie klein und winzig leider, der Prozentsatz ist, der vom orthodoxen Erziehungswerk in Palästina erfaßt wird. Etwa 25 000 Kinder sind zum überaus größten Teil den nationalen, zum kleineren Teil der areligiösen französischen und englischen Schulen ausgeliesert und nur etwa 5000 j ü d i s ch e j u n ge S e el e n (wenn wir noch die Besucher der Privat-- Schulen dazu rechnen), können von der Orthodoxie aus diesem geistigen Untergänge gerettet werden. Welche Ausgaben würden sich hier der Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel eröffnen, wenn das Thoravolk in der Gola zum Bewußtsein seiner Pflicht gegen Erez Jisroel und das Kind in Erez Jisroel erwachte! Erziehung und Einwirkung! Wie blutiger Hohn liest sich eine Resolution, die eine Protestversammlung in Haifa dieser Tage gegen öffentliche Sabbatentweihung gefaßt hat. , Bekanntlich galt der Kampf, den „Agudas Jisroel" seiner Zeit um das palästinensische Gemeindegesetz führte, zum guten Teil der Frage, , ob ein Gemeindemitglied, das öffentlich den Sabbat entweiht, in die Gemeindeverwaltung gewählt werden kann. Die Minimalforderung der bewußten Orthodoxie, öffentliche Sabbatschänder wenigstens von der Gemeindeleitung fernzuhalten, ward von der anderen Seite mit einer Leidenschaft bekämpft, die nur als Folge jener „Erziehung und Einwirkung" zu verstehen ist. Es gibt Gemäßigte, die im Prinzips mit der orthodoxen Forderung einverstanden sind, aber darüber hinaus „die Welt nicht in Bewegung setzen möchten." Allein die Dinge spitzten sich inzwischen so zu und die gröblichen Verstöße gegen den Sabbat mehrten sich in einer Weise, daß auch diese Gemäßigten aufgerüttelt wurden. Es kam zu einer Massenprotestversammlung, mit einer Resolution, in der der W a a d L e u m i z u r H i l f e a n g e r u f e n wurde, die Sabbatklausel zu regeln und zu sichern. „Ohne Mitwirkung des Waad Leumi," schließt die Resolution, „besteht keine Hoffnung, die Uebel der öffentlichen Sabbatentweihungen abzustellen." Man bedenke: der Waad Leumi, dessen Mitglieder zum größten Teile für ihre Person den Sabbat nicht kennen, diese Körperschaft, die sich „Awelim"-Bank, von wo er die ganze Menge überschauen konnte. Dort saß er und oblag .seiner Lieblingsbeschäftigung: , — Thillimsagen. Wenn , es,., im .Schul, etwas ruhigerwar, konnte man, immer seine dünne zitternde Stimme vernehmen. : |!'’ " ' Chaim war ein wichtiges Elementi; in' der KHMo. Chaim. war nicht nur -Slicheswecker. Er war auch Schulklopser und Kettensperrer. Als Schulklopfer betätigte er sich täglich — außer Schabbos — morgens und abends. „Kettensperrer" war er nur Freitag. Da wurde die Gasse über Schabbos vom Wagenverkehr abgeschlossen. Bei jeder Beschäftigung sagte er bestimmte Abschnitte Thillim. Emst hörte ich ihn, als er an einem Freitag den Eingang.der Judengasse mit einer Kette versperrte, „Mismaur schtr lejaum haschabos" brummen. Das „Slicheswecken" besorgte Chaim mit besonderem Eifer. Das hat ihm auch seinen Namen eingebracht. Seine drei Ha.mmerschläge auf jedes Tor und „Auf zu Sliches"- Rufe, untermischt mit seinem schläfrigen Thillim-Gebrumm, konnte" man schon zu frühester Stunde vernehmen. "War eines der Khillo-Mitgljeder von den Lebenden geschieden war er der erste Künder. Er klopfte dann — Minhag gemäß — nur zwei mal. Von seiner frühesten Jugend bis ins Greisenalter war Chaim der ^,„SWeswecker". Viele seiner Altersgenossen waren schon ihres Weges gegangen. Aber Chaim lebte noch. Wer hätte denn Chaim ersetzen können? Aber an einem kühlen Slichosmorgen wurde nicht geweckt. Die gewohnten Thillim-Melodien waren verstummt. Man ging in Chaims Wohnung. Er lag leblos im Bett. Neben feinem Bette lag der Schulklopfhammer und — ein Thillimbüchlein. Am anderen Morgen wurde nur zweimal geklopft. (Das jüdische Darlehenskassenwesen ini Deutschland.) In der Schriftenreihe der;. .Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Hauhtstelle für jüdische. Wanderfürsoige erschien soeben eine für die breite jüdische Oisffentjichkeit besonders wichtige Veröffentlichung: „Das jüdische Dcnzlehenskassenwesen in Deutschland". ' In dieser Schrift wird ein Ueberdlick gegeben über depgegepwärn tigen Stand des jüdischen Darlehenskassenwesens (samt einem Verzeichnis sämtlicher bestehenden jüdischen Darlehenskassen in Deutschland und ihrer Darlehensbedingungen), über seine Formen und über die Tätigkeit der einzelnen Darlehenskassen im ganzen Reich. Ferner wird aus die. günstigen Möglichkeiten, sich bei öffentlichen Stellen, Behörden usw. billige Darlehen zu verschaffen, hingewiesen. Schließlich werden noch - die - bisherigen Förderungsmaßnahmen, erörtert, die die Zentralwohlfahrtsstelle gemeinsam mit. dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden getroffen hat. Diese Maßnahmen zielen insbesondere darauf ub, den bestehenden oder neu zu errichtenden Darlehenskassen Kapitalien zu verschaffen und dieses Kapital durch einen bereits , bestehzenden Zinsverbilligungsfonds erheblich: zu verbilligen. Im zweiten .Teil der Schrift wird für den notwendigen Ausbau des jüdischen Darlehensfassenwesens in Deutschland geworben.. Es wird darauf hingewiesen, daß die gegenwärtige wirtschaftliche Situation der deutschen Juden den. Ausbau des Netzes der jüdischen Darlehenskassen dringend erforderlich macht. Die vor kurzem ins Leben gerufene Zentralstelle für jüdische Darlehenskassen wird allen Gemeinden mit Rat und Tat zur Seite.stehen. Insbesondere macht sich die Zentralstelle zur Aufgabe, Bezirksdarlehenskassen auf genossenschaftlicher oder genossenschaftsähnlicher Basis zu fördern oder zu errichten. mit Feuereifer dafür einsetzte^ - daß jedermann, unabhängig von feiner Stellung zürn Sabbat und religiösen Judentum, führend in der:füdischen HeMemde und im nationalen Rate stein Dnn, dieser Waad Leumi soll nun die.Sache fe ..Sabbats in die Hand nehmen und wirksam gegen die öffentliche Sabbatschändung austreten! Beruht die Aeußerung des Hochkommissars auf einem Irrtum, da er die Grenze zwischen dem nationalen, undsn religiösen, Sabbat nicht .Ihnen kann, so ist die Haisaer Resolution eine bewußte und wohldurchdachte Irreführung:' Mit-der' Art,, wie uns der Waad Leumi den Sabbat zu retten gedenkt ist dem Sabbat und uns nicht gedient. Und ein Sabbat nicht auf religiöser Grundlage^ wird nie ein Sabbat sein, auch kein nationaler! Das hat die Entwicklung in Tel-Awiw und Haifa gezeigt. „Erziehung und Einwirkung!" Aber diese muß anderswo, schon an der.Wurzel, einsetzen. Und darin liegt eine h e i lige Auf ga,,b e füv das Volk der Thora in P a l ä st i n a u n d i n d e r G o l a h. Seine Kuppel — sondern flach... Unsere Ausführungen zum Neubau des Hamburger liberalen Tempels an dieser Stelle, bringen'''die „Jüdische Liberale Zeitung" in Berlin,, die die Einweihung zu einem W e l t e r e i g n i s des liberalen Judentums macht, in Harnisch. Sieerkennt unser Recht an, den liberalen Tempel abzulehnen; daß wir aber jetzt, vor Jomkippur, das liberale Judentum als organisierten Abfall bezeichnen, sei ebenso „unjüdisch, unreli-- giös wie geschichtlich unwahr." Zunächst bleibt es uns unerfindlich, . wie etwas gerade vor ' Jomkippur „unreligiös und geschichtlich unwahr" sein muß, was sonst zu einer andern Zeit vielleicht eher jüdisch und geschichtlich wahr sein könnte. Und dann: Ist nicht gerade der Jomkippur dazu da, daß wir in uns gehen und aus den eigenen tiefen Erkenntnissen heraus dem N'vm nmn gerecht werden? Wären nicht gerade die jnn dazu angetan, daß sich auch die Reform zur Selbstrechenschast zieht und sich auf die Brust klopft: v'Iivn r Wir haben Deine Gebote, die altgeheiligten Traditionen, über Bord geworfen, um fremde Kulte an deren Stelle zu setzen ,12!? nw genützt hat es uns aber nichts. — Die Friedhofs- und Synagogenfchänder unter dem Hakenkreuz demolieren und beschmieren mit gleicher Liebe — gleichem Haß — die Blumen- und Urnengräbev und Synagogensassaden der Reformgemeinde wie schlichte, Grabsteine des „Heiligen Orts" ^und Wände der orthodoxen Schul . . ... n. Geschichtlich unwahr? Bitte Bewe-ise! W ir haben unsere Darstellung mit. NarNexi Md Daten aus der Urzeit der Reform und den Amtszeit des Chachgm Bernays fundiert, Sie sagen glatt: „unwahr!". " > , m Und dann sei uns ein unverzeihlicher Lapsus unterlaufen. Wir sprachen vom „Kuppeldach in der Oberstraße", die neue Synagoge habe allen keine Kuppel, sondern ein flaches Dach! Mit Verlaub, liebe Kollegin von links! Eine solche Wortklauberei — das darf mam auch, vor Jomkippur sagen' — ist s 0 f la ch w f e d a s „ P a ch i n d n r O b er st r a ß e ". .Eine. Kuppel, eine Zinne muß sich als Symbol nicht erst stchtbarlich erheben, das, wissen Sie,, recht gut, denn Siesieben zuweflssn auch die. Bildersprache (so sprechen Sie cmch.Mr. vonr,.Werastsmus als „Aüffangen'etz"). Ditz.Kuppel:'.lasten wir fallen, über das Memenrö bleibt! . . . "';j Und in der gleichen Nummer hat das Blatt im-Zusammenhang Mit der Hamburger Tempel" einweihung Gelegenheit, sich zu ä r g tz r n undzu fr eu e n. Es ä r g e nt sich, daß die gemeinfan mit öen: Tempelrabbinern in der Deutsch-Israelitischen Gemeinde vereinigten Rabbi n e r des Synagogenverba n d e s den Wunsch äußerten, zur Einweihungsseier nicht einge-! l g d e n zu s t i n , und sie f reut sich -über ein

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