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Der Israelit · 1931-09-03 · Heft 36 (3.9.1931) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 36 (3.9.1931)
Date
1931-09-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 36 Der Israelit 3. September 1931 e i l b r o n n überbrachte die Glückmünsche des badischen Oberrats. Herr Studienrat Elias Gu t, Köln, ein Sohn Gailingens, feierte in geistreicher Art die heutige Stunde Den Schluß der synagogalen Feier bildete ein von dem Gailinger Oberkantor, Herrn Levy, gemeinsam mit dem Chor gesungener „Scholaum row". Es schloß sich die Schlüsselübergabe an. Architekt P i c c a r d, Kon stanz, übergibt mit tief empfundenen Worten den Schüft sel des Hauses dem Präsidenten. Die ganze Gemeinde war zu einem Imbiß im neuen Speisesaal geladen, bei dem noch mehreren Reden gehalten wurden, u. a. von Gailingens Bürgermeister, Herrn Josef Ruh. Berlin, 31. Aug. Die Import-Gesellschaft P a l ä st i n m. b. H. legt Wert aus die Feststellung, daß ihr Ve trieb unter der rituellen Aufsicht des Herrn Rabbiner Dr. Jacobowitz in Berlin steht. Slrümpselbrunn i. O., 24. Aug. Ein seltenes Jubel fest konnte die hiesige Synagogengemeinde am Sonntag den 10. Ellul begehen: die Feier des 100jährigen Bestehens ihrer jetzigen Synagogei Gor vielen Kurgästen ist der idyllische Luftkurort bekannt und alle wissen, daß die Mitglieder der hiesigen Gemeinde kein noch so schweres Opfer gescheut haben, um das Minjan und einen traditionellen G'ttesdienst aufrecht zu erhalten, da Strümpfelbrunn wie leider alle Kleinge meinden sehr unter der Landflucht zu leiden hatte. Dem Ernst der Zeit entsprechend wurde eine ganz schlichte Feier veranstaltet, aber trotz der wirtschaftlichen Depresi sion wurde die Synagoge von innen und außen einer gründlichen Renovierung unterzogen, die dank der Groß zügigkeit des Badischen Oberrates und anderer Stifter ermöglicht wurde. Es ist eine Freude, zu sehen, wie das G'tteshaus im Schmucke seines neuen Gewandes er strahlt. Das Innere ist in lichten Farben gehalten, die dem Raume ein freundliches Gepräge geben. Durch Spenden ehemaliger Gemeindemitglieder wurde das Aussehen noch verschönert. Zur Feier hatte sich eine Anzahl Gäste aus nah und fern eingestellt. Im Namen des Vorstandes und Synagogenrats begrüßte Herr Adolf M o n a t t die Erschienenen. Nach ihm sprach als Beauftragter des Oberrats Herr Rechtsanwalt Dr. Kauf mann, Heidelberg. Er überreichte den Herren Götz Israel und Salomon Bär Ehrenurkunden für ihre langjährige Tätigkeit im Dienste der Gemeinde. Es war ein erhebendes Bild, als die Vertreter der Ortsgemeinde und der beiden christlichen Konfessionen 'sprachen, und alle Redner das gute Einvernehmen sämtlicher Konfessionen hier betonten^ Die Festrede hielt Herr Bezirksrabbiner Greilsheimer, Mosbach. Ausgehend von den Kämpfen um die Wende des vorigen Jahrhunderts schilderte er die Entstehung der drei Richtungen im Judentum, um dann auf die Geschichte der hiesigen Gemeinde einzugehen. Ehrend gedachte er der verhältnismäßig großen Zahl der gefallenen Kriegsteilnehmern und der Verstorbenen. Sodann sprach Herr Lehrer Kahn, Höchst i. O., der früher hier wirkte. Die Herren Lehrer Kahn, Höchst i. O. und B a r a ck e r, Mosbach, verschönten mit ihren Gesängen die Feier. Das Jubelfest machte auf alle einen so nachhaltigen Eindruck, daß wohl niemand den schönen Tag vergessen wird. Berlin, 30. Aug. Das Stellenvermittlungsamt des B. I. A. (Rechtsanwalt Dr. Artur Katz, Berlin C. 54, Rosenthalerstr. 43) weist Niederlassungsmöglichkeiten nach: für praktischen Arzt nahe Frankfurt a. M., Augenarzt in süddeutscher Mittelstadt, Frauenarzt in süddeutscher Großstadt, Rechtsanwalt bei Frankfurt a. M. — Anstellung suchen: zahnärztlicher Assistent, Kinderärztin und praktische Aerztin. Castellann (Hunsrück), 15. Aug. Am 7. August fand in der hiesigen Gemeinde eine erhebende Feier statt. Trotz der Wirtschaftsnot war es dank dem Opfersinn der Gemeinde, insbesonderder hochherzigen Spende eines Gemeindemitglieds sowie durch Zuschüsse privater jüdischer Institutionen gelungen, ein neues ivv zu schreiben. Nachdem die nmn isv in der Wohnung des bereits erwähnten Spenders unter Beteiligung aller übrigen Gemeindemitglieder zu Ende geschrieben worden war, wurde sie unter feierlichem »on yi-o-Gesang und unter Vorantragung von Fähnchen seitens der Kinder und der übrigen Thorarollen durch die Gemeindeältesten in die Synagoge gebracht. — Am darauffolgenden nsn mw wies Herr Lehrer Gabel in seiner Ansprache auf die große rii2»-Tat von vrrm ni'vn n» c>2i> ',202 nnyi hin und sthloh mit dem Wunsche, daß das jüdische Leben in der hiesigen durch vertieftes Thorastudium eine Stärkung erfahren möge. Die Kinder der Israelitischen Waisenanstalk wünschen... Wie alljährlich mit dem Ellulhorch kam auch dieses Jahr der wohloertraute Roschhaschono-Gruß der Franksurter Israelitischen Waisenanstalt ins Haus, in Form eines schönen Wandkalenders. Der Rückendeckel hat nur die Jahreszahl geändert, ist in seiner anmutigen Ausmachung der alte geblieben. Oben die Firma, etwas weiter unten die Widmung und daa zwischen die stattliche Front des schönen Hauses am Röderbergweg. Weiter unten noch einige Sprüche vom „Vater der Waisen und Witwen" und ganz zuunterst das allerwichtigste: Postscheckkonto 15 181. Wenn wir das bunte Vorderblatt mit dem Glückwunsch der Waisenkinder abreißen, folgt noch ein weißes Blatt, das uns in einfachen Worten sagt, was die Israelitische Waisenanstalt für ihre 70 Schutzbefohlenen und im weiteren Sinne für die jüdische Gemeinschaft bedeutet. Ein weiteres Blatt wirbt um M 0 - natsspenden. Dann aber folgt Blatt auf Blatt, jedes eine Woche unseres Jahres, eine Woche unseres Lebens. Aber die grünen Formulare, die in genauen Intervallen den Blättern eingefchoben sind, wirken beinahe symbolisch. Im grauen Einerlei unserer Tage und Wochen, der Sorge und Arbeit sind die Taten der Liebe die heiteren Punkte, die das Leben lebenswert machen, die uns erheben und erfreuen im Ausrichten udn Erfreuen. Beachten wir diesen Wandschmuck der Liebe und der rasenden Zeit. Sie rast, die Zeit, wenn wir am Wochenende ein Blättchen abreißen und es im Winde verwehen lassen, sie wird stabilisiert und nutzbringend angelegt, die Zeit, wenn wir die uns von Monat zu Monat in die Hand fallende Zahlkarte nicht in den Papierkorb werfen, sondern ausfüllen und auf die Post tragen. — Postscheckkonto 15181! Briefkasten. I. Ostr. in D. Wir haben die Sache bereits einmal gebracht. Besten Dank- Die Woche. Dr. Familiennachrichken. Barmizwoh: Joseph Diener,Israel. Waisenanstalt, bvws 'B rav. — Leo, Sohn des L. Rakow, Uhlandstr. 45, Synagoge Börneplatz, v'arr 'b mir, 5. September. Geburtstag: Herr Elias Herschmann, Bonn, (ftüher in Hamburg) Andtstr. 17, feiert am 6. September seinen 70. Geburtstag. — Frau Kantorswitwe Hinna Oppenheimer, geb. Eldod, Treuchtlingen, toV* i-a, 8. September 70. Geburtstag. Gestorben: Hildchen Friedmann, Königshofen, 25. August. Rakhcm Birnbaum: Moderne Jugend und Religiosität. In der zweiten Elluloeranstaltüng der Agudas Jisroel-Jugendgruppe sprach nach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden, Referendar Albert Löwenthal, Dr. Nathan Birnbaum -Berlin über „Moderne Jugend und Religion". Die Veranstaltung fand im überfüllten Saale der Frankfurt-Loge statt. Der Redner sieht in den beiden Wurzeln der modernen Weltgestaltung, Souveränität des Menschen und Loslösung alles Weltlichen von der G'ttesidee, die Wurzel vieler Verirrungen, von denen besonders die Unterhöhulng der Gerechtigkeit, die Ueberschätzung und Selbstüberschätzung der Jugend, die Autoritätslosigkeit und die Relativität der Moral behandelt und gewertet wurden. Die Devise „Alles Verstehen heißt alles Verzeihen" führt letzten Endes konsequent zur Verirrung, denn schon ein kleiner Schritt in das Getriebe der Moderne ist ein Abirren vom geraden Wege. Diese Gefährdung der religiösen Grundeinstellung droht in besonderem Maße dem Judentum: man will, an fid) durch die religiöse Lebens¬ und Geisteshaltung zum. Konservativismus gezwungen, auf allen „nichtreligiösen" Lebensgebieten aus jeden Fall modern und liberal sein und betrachtet mit den Augen der Umwelt alles Hemmende und Grenzensetzende als Reaktion" und deshalb als bekämpfenswert, ohne dabei zu merken, daß man Werte vernichten will, deren Erhaltung die Religion fordert. Dies wird mit Beispielen (politische Einstellung, Frauenemanzipation, Duldsamkeit gegenüber Verirrungen der Kunst, Bekämpfung der geistlichen Autorität) ausführlich belegt. Die Absage an die Moderne ist die einzige Rettung ür die Religion,' dabei braucht die Verbindung mit der wahren Kultur nicht gelöst zu werden, da echte Kultur immer religiös fundiert ist. Die Verländlichung ist ein Weg, den Auswüchsen der Zeit zu entrinnen, die ihren Nährboden zumeist in der Großstadt haben. Die Organisation der Gesetzestreuen ist ein wichtiges Mittel im Kampfe gegen die Umweltseinflüsse, dabei muß aber die klare Linie konsequent gewahrt werden. Besondere Ge- 'ahr droht einmal durch die Ansteckung mit der Mentalität des Zionismus. (An dieser Stelle verwahrte sich der Redner entschieden gegen den Vorwurf der Palästina- Feindschaft.) Palästina darf nur als dem religiösen Fühlen und Handeln geweihtes Land gelten. Konzessionen an die Moderne sind hier doppelte Sünde. Eine zweite Gefahr droht vom Kommunismus, dessen Gedankengänge in Wahrheit eine Negation alles G'ttlichen bedeuten. Das wahre G'ttesgefühl kann nur erreicht werden und zum Durchbruch gelangen, wenn alles, was an der Zeitkultur wertlos und falsch ist, abgeschüttelt wird und besonders alle Schlagworte als solche erkannt und geächtet werden. Dann erst kann das religiöse Gefühl und die g'ttnahe Innigkeit früherer Zeiten wieder errungen werden. Die klaren und, wo es nottat, geradezu kräftigen Formulierungen des Redners, seine ungebrochen kämpferische Einstellung gegenüber allen Scheinwerten haben wohl jeden Hörer zumindest zur Stellungnahme gezwungen. Wie diese auch beim Einzelnen ausfallen mag: Nathan Birnbaum ist für uns alle der ewige Mahner, der uns immer wieder aufrüttelt, die durch tausend Kanäle eindringenden Einflüsse der Zeit stets von Neuem an den ewigen Wahrheiten der religiösen Ueberlieferung zu kontrollieren, eine Ausgabe, die unbequem, aber zwingend ist. M^N. Die Eigenart des jüdischen Rationsbegriffes. Der dritte Abend der agudiflischen Arbeitswochen brachte ein Referat des Herrn Dr. S. Ehrmann- Frankfurt über „Die Eigenart des jüdischen Nationsbegriffes". Der Redner betonte, daß es sich nicht darum handle, zu dem alten Thema grundlegend Neues zu sagen, sondern nur darum, zusammenfassend und klärend den Nationsbegriff des historischen und überlieserungstreuen Judentums darzulegen. Dies sei umso notwendiger, als die Zeit dazu neige, zwischen den Strömungen des Universalismus und des Individualismus den Begriff der Nation abzuschwächen. Unter Zurückweisung der zionistisch-nationalen Auffassung auf der einen Seite (Hergl, Klatzkin, Achad Haam) und der eine jüdische Nation überhaupt verneinenden Ansicht des Liberalismus auf der anderen Seite sieht die historisch begründete Anschauung des Thoratreuen das Wesen der jüdischen Nation in der beherrschenden Stellung des G'ttesgesetzes, das zeitlich vor dem Staate war und Staat und Land überdauert hat, nachdem diese, für jede andere Nation unerläßlichen Existenzbedingungen dem jüdischen Volke verloren gingen, da es sie nicht gesetzesgemäß, sondern als Selbstzweck behandelt hatte. In der praktischen Anwendung sei dieser, auf dem geofsenbarten G'tteswillen beruhende Begriff der von den anderen Nationen wesenhast geschiedenen jüdischen Nation geeignet, Mißverständnisse aus dem Wege zu räumen (Araberfrage in Palästina). Dem Diskussionsredner, Herrn B. Kurzweil, der in dem sachlichen Teile seiner Ausführungen bemängelte, der so aufgestellte und begründete Nationalbegriff sei nicht geeignet, der wissenschaftlichen Kritik von liberaler oder zionistischer Seite standzuhalten, erwiderte der Referent, es sei nicht der Zweck der Veranstaltung gewesen, etwa einem Leugner der religiösen Grundlagen gegenüber deren Wahrheit zu beweisen, sondern den Bejahern dieser Fundamente den Glauben an die eigene Wesensart zu stärken. M. N. Frau Brünn n"y. « Nach langem Leiden verstarb, von vielen betrauert, Frau Brünn. Vor 16 Jahren, nach dem Russeneinsall in ihre Heimatstadt Memel, kam sie hierher und konnte sich in kurzer Zeit dank ihrer reichen Bildung, ihren hervorragenden Geistesgaben und ihrer unermüdlichen Arbeitskraft eine Existenz als Lehrerin gründen. Von hochangesehener Familie herstammend, — ihr Großvater war Ehrendajan in Memel, ihr Vater ein Mann, der Tag und Nacht dem Thorastudium oblag und seine letzten Jahre im Heiligen Lande verbrachte, wo er auch zur letzten Ruhe kam, — hatte sie all die religiösen Impulse dieser großen Männer in sich vereinigt, und diese waren es, die ihr über ein vielfach schweres und prüfungsreiches Dasein, auch über die schwere Krankheit hinweghalfen.'G'ttergeben bis zur letzten Minute, hauchte sie ihre edle Seele aus. Sie war dankbar für die spärlichen schönen Stunden, die ihr ein gütiger G'tt in ihrem kurzen Leben geschenkt hatte und trug mit frommer Geduld alles Schwere und Furchtbare, das ihr auferlegt war. Ein geistiger und innerlich veranlagter Mensch, war sie dankbar für jeden Dienst, für jedes gute Wort, das ihr geworden war. Wie glücklich war sie in ihren gesunden Tagen, Gäste in ihrer bescheidenen Behausung zu bewirten. Selten hatten Krankenschwestern eine geduldigere und dankbarere Patientin gepflegt. Mit heißem Dank auf den Lippen für den Arzt, die Verwaltersleute und die Schwestern im Rothschild'schen Spital, die alle zusammenwirkten, ihre letzten Tage und Stunden nach Möglichkeit zu verschönen, ging sie von dannen. Wir werden ihr ein ewiges liebes Angedenken bewahren. An der Bahre auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft entwarf Herr Rachelsohn ein Bild der Heimgegangenen. Line Achtzigjährige. Frau Geheimrat Rosenbaum, die vielverehrte Gattin des unvergeßlichen Geheimrats Dr. Elieser R 0s e n b a u m feierte in diesen Tagen in voller geistiger und körperliacher Frische ihren achtzig st en Geburtstag. Möge der Altersjubilarin noch eine Reihe von.ungetrübten Jahren im Kreise ihrer Kinder und Enkel vergönnt sein. wy-mv Agudistische Arbeitswochen der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Der für diesen Soanntag abend angekündigte Vortrag des Herrn Dr. Isak Breuer in der Liederhalle muß aus verschiedenen Gründen verschoben werden. Der Zeitpunkt wird an dieser Stelle noch bekanntgegeben. Der Vortrag des Herrn Jacob R 0 s e n h e i m über „Die Problematik des Thora-im-Derech-Erez-Prinzips" findet im Monat Cheschwan statt. Des weiteren wird für die Mödchengruppe Frau Rabb. Dr. Bamberg er geb. Falk aus Mainz nach den Jomim Tauwim sprechen. In der Agudas Iisroel-Jugendgruppe findet täglich morgens und abends ein Minjan nach sephardischem Minhag statt. Am Mauzoe Schabbos findet vor Nacht Seudo Schlischis statt. Heim: Schwanenstraße 12. Semesterschluß in der Rabbinifchen Lehranstalt von Rabb. Dr. Hoffmänn. In der Rabbinischen Lehranstalt Jeschiwoh wurde das Sommersemester am Sonntag, den 23. August, mit einem großen Verhör beschlossen, zu dem sich neben dem Do-

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