Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1931)
- Date
- 1931-09-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 36 Seite 9 3:. September-1931 Der Israelit sierung der antireligiösen Arbeit unterstützen. Antireligiöse Prozessionen von Schulkindern und Exkursionen in die''antireligiösen Museen sind zu organisieren. . Aus Odessa wird mitgeteilt, datz der dortige Stadtrat eine großangelegte., antireligiöse Kampagne aus Anlaß der herannahenden jüdischen Feiertage eingeleitet hat. 50 für die antireligiöse Arbeit ausgebildete Agitatoren besuchen die Fabriken,, in denen jüdische Arbeiter beschäftigt sind, um diese zur Fortführung der Arbeit an den Feiertagen zu bewegen. Tausende antireligiöse Plakate in jiddischer Sprache wurden angeschlagen. Schwere Strafe für Duldung der Befchneidungsakles. Moskau, 23. Aug. Die Lehrerin an der jüdischen Schule in Krementfchuk, Kremenkzka, hatte sich vor dem „Klub der Roten Lehrerschaft" zu verantworten, weil sie die Vollziehung des Beschneidungsaktes an ihrem neugeborenen Söhnchen geduldet hat. Sie verantwortete sich dahin, daß ihre Eltern, ohne ihr Wissen den religiösen Akt vollziehen ließen. Dies wurde ihr nicht geglaubt, und sie wurde wegen „Duldung eines barbarischen Aktes" für sechs Monate aus der Lehrerorganisation ausgeschlossen. Das Bildungskommissariat wurde ersucht, sie für die gleiche Zeitdauer vom Lehrdienst zu suspendieren. Der Musikantenklub, dem ihr Vater, ein Musiker, angehört, wurde ersucht, auch seinerseits gegen das der Vollziehung eines „blutigen Rituals" schuldige Mitglied entsprechend vorzugehen. (ITA.). Palästina. Abschiedsabend der Gemeinde Jerusalem für Chancellor. ■:< Jerusalem, 27. Aug. Am Donnerstag, den?27. August, fand in Jerusalem ein von der Stadtgemeinhe veranstalteter Abschiedsabend für den High Commifsioner, Sir John Chancellor, der demnächst Palästina verläßt, statt. An der Feier nahmen £>00 geladene Gäste/? Angehörige aller religiösen Gemeinschaften Jerusalems,, teil. Sir John Chancellor hielt eine Ansprache, die ganz aus einen Ton der Resignation abgestimmt war; „Ms ich zum ersten Mal hörte, daß ich nach Palästina gelten sollte", führte der High Commifsioner aus, „da ergriff mich der Gedanke, ich könnte etwas dazu beitragen,, die alte Herrlichkeit dieser Stadt zu erhalten. Jetzt — nach einem von Kummer und Sorge erfüllten dreijährigen Aufenthalt im Lande — verlasse ich die Stadt tief enttäuscht. Ich kann mich nicht rühmen, irgend etwas getan zu haben, um das Land glücklicher zu machen. Ich weiß, wieviel es zu tun gibt und wie wenig getan wurde." Die Lage in Palästina. . Jerusalem,- 25., Aug.; In Nablus macht sich, ein wachsender Widerstand der besonnenen älteren arabischen .Führer gegen die ungezügelte Propaganda der ° jugendlichen Elemente bemerkbar. .' Die; friedliche. arabische Bevölketüng ve-rurteilt die Ausschreitungen ' irr der Stadt;'' inÄesd'ndere sind die strenggläubigen Moslems darüber erbittert, daß auch Frauen an den Straßenkundgebungen teilgenommen und Steine gegen die Polizei geschleudert haben. Es 'wird erwartet, daß i die Mißstimmung in den-Kreisen der älteren orthodoxen .Mohammedaner eine Gegenbewegung gegen die extremen Nationalisten auslösen werde mit dem..Ziel, die jugendlichen Heißsporne endgültig zur Ruhe zu bringen. Weitere zwanzig Personen, die wegen Teilnahme an den Ausschreitungen in Nablus verhaftet worden sind, wurden ins Untersuchungsgefängnis nach Jerusalem gebracht. Die bei den Straßenkämpfen Verwundeten sind in- Jerusalemer Spitäler eingeliefert worden. Die arabische Exekutive hat am Montag nachtnittag, eine Sitzung abgehalten, in der sie sich mit den Zusammenstößen in.Nablus beschäftigte. Am Dienstag, den 25. August, wurden die ersten Urteile gegen die Teilnehmer zu den Ausschreitungen in Nablus gefällt. 22-Rädelsführer-der Unruhen wurden zu Gefängnisstrafen von drei bis zwölf Monaten verurteilt. (ILA.). Hebron mrrß mit der Zahlung der koüektwstrafe j beginnen. Jerusalem, 20. August. Die Regierung hat bestimmt, daß die. Stadt Hebron mit der Zahlung der über sie wegen der Massakres im August 1929 verhängten Kollektivstrase sofort beginne. Jeder Araber in Hebron mit Ausnahme derjenigen, die während des Massakres jüdische Mitbürger verteidigt haben, wird jährlich den Betrag von etwa 3 Dollar zu entrichten haben. Die Einhebung dieser Beträge wird solange fortgesetzt, bis die mit 14.000 Pfund festgesetzte Strassumme voll erlegt ist. Die Araber hatten um einen Monat Zahlungsaufschub für die erste Teilzahlung gebeten. Es wurde ihnen jedoch nur eine dreitägige Frist gewährt. (ITA.). Brief aus Palästina. Jerusalem, 25. Aug. Der Oberkommisfar Sir Chancellor, der jetzt, nach dreijähriger Regierung, von seinem Amte scheidet, machte mit seiner Gemahlin der Stydt Tel-Awiw seinen Abschiedsbesuch. In seiner Ansprache wies Bürgermeister D l s i n g o f f auf die Notwendigkeit i der Verordnung eines Sabbatgesetzes für Tel-Awiw seitens der Regierung hin. (Das frühere Sabbatgesetz ist durch die Bemühungen eines jüdischen Advokaten — Cohen — vom obersten Gerichtshof als nicht gesetzlich erklärt worden, und zwei jüdische Advokaten — Feinstem und Goldberg — die am Meeresstrand ein Haus errichteten, sind schuld, daß in diesem Jahre zum ersten Male die Cafes usw. am Strand am Sabbat geöffnet haben.) Chancellor erwiderte, er höre zum ersten Male von einem Sabbatgesetze. Seiner Meinung nach müsse dieses Gesetz Platz greisen durch die Vorbereitung der öffentlichen Meinung und nicht durch ein Regierungsgesetz. Es fei eben die Aufgabe der leitenden jüdischen Schichten, auf das jüdische Publikum erzieherisch einzuwirken. Chancellor schloß seine Worte: „Die Regierung wird Helsen, wenn auch ihr eure Pflicht Mt! Wie es euch gelungen ist, das Jiddische aus dem Weichbild der Stadt zu bannen und das Hebräische herrschen zu lassen, ebenso wird euch auch dies gelingen!" Es zeigte sich schon manchmal, daß ein.objektiv denkender Nichtjude eher bei jüdischen Fragen das richtige Urteil hat als ein Jude, der die Traditionen des Judentums nicht lebt und darum an einer vernünftigen Stellungnahme zu den jüdischen Problemen gehindert wird, weil er von vornherein ungünstig beeinflußt ist. Disingofs und sein Kreis leben nicht nach den Gesetzen des Judentums, und sie können daher niü). iuf die Bevölkerung Tel-Awiws erzieherisch emwrrken. Der Magistrat von Tel-Awiw, dessen Leiter Disingoff ist, hat den Zaun der Sabbathüt eingerissen, indem er feit einigen Jahren am Meeresstrand Gelände für das Vermieten von Liegestühlen verpachtet, aber keine Klausel wegen des Sabbat vorgesehen hat. Der Sabbat ist für die Besitzer ' der Liegestühle det Tatz, der ihnen mehr Geld bringt, als die Hälfte der Woche. Ebenso ist von den Schulen aus, soweit sie nicht dem Misrachi unterstehen, noch niemals auf -die Jugönd eingewirkt worden,' äm Sabbat kein tkab zu fahren, auf Ausflügen nicht Essest ab.zukochen üsw. Im Gegenteil: wertst ein Lehrer z. V. Radfahrer-:ist, fährt er auch am Sabbat. Wo ist also die Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu Gunsten des Sabbat? Zofe al Zion. Personalien. Wiesbaden, 30. Äug. Unser Raw, Herr Rabbiner Dr. Ansbacher, beging am vergangenen «an '’a raff sein 25jähriges Amtsjubiläum, nachdem er die ersten 5 Jahre seiner Tätigkeit, in Labischin (Prov. Posen) die Wacht der Orthodoxie an, der ostjüdischen Grenze gehalten, 15 Jahre in Heilbronn und Stuttgart als erster Rabbiner )er Religionsgesellschaste'n, sowie als Vorstand des geetzestreuen Landesverbandes, sich um die Befestigung dieser Gemeinden,gls Bollwerke der Orthodoxie in Württemberg verdient gemacht, und feit sechs. Jahren hier besonders den Ausbau des Kafchrus in vorbildlicher Weise für Hiesige und Kurgäste sich hat angelegen sein lassen. Durch sein aus deutschen und ungarischen Jeschiwaus erworbenes talmudisches, Wissen, sowie seine rhetorische Begabung hat er auch außerhalb seiner Ge>- tnAnden sich stets betätigt, insbesondere in Agudas JisroK und Freier Vereinigung, wie er auch dem Ausschuß des'--Orthodoxen Rabbinischen Verbands und der Frankfurter Jeschiwah angehört. Eine schlichte Feier in der SyNgoge hat dem Jubilar die freudige Teilnahme feister Kehillo zum Ausdruck gebracht, und wünschen wir ihm noch viele Jahre in ungetrübter Frische zum Segen des Klal wirken zu können. ff"vs- Königshofen im Grabfeld, 29. Aug. Im gesegneten Alter von 82 Jahren verstarb am 12. Elul die allseits verehrte. Kaufmannswitwe Frau Pietchen F r i e d - mann geb. Gutmann, tiefbetrauert von ihren Kindern und Anverwandten. Sie war eine edle aufopfernd? Mutter und Menschenfreundin, die sich in allen Kreist;; der Bevölkerung der höchsten Wertschätzung erfreute. Die ganze Gemeinde erwies ihr die letzte Ehre. Aus den Nachbargemeinden waren die jüdischen Lehrer herbeigeeilt, um der tiefreligiösen Frau das letzte Geleite zu geben. An der Trauerfeier beteiligten sich aber auch außerordentlich viele nichtjüdische Freunde, um in letzter Stunde der beliebten Mitbürgerin den Beweis ihrer Anhänglichkeit zu geben. Altona, 24. Aug. Anläßlich des 40jährigen Jubiläums des Herrn Rabbiner D u k e s z an der Klaus fand am ersten Ellul ein Festg'ttesdienft statt. Nach dem Morgengebet ergriff der Amtskollege, Herr Rabbiner Jakob B. Cohen, das Wort.und hob die großen Verdienste hervor, durch welche der Jubilar sich die Sympathie aller Kreise erworben hat. Dann sprach der Vorsitzende der Klaus, Herr Paul Möller, Worte des Dankes für das, was Dukesz in 40 Jahren der Klaus, der Gemeinde und ihren Institutionen gewesen ist. — In der Wohnung des Jubilars versammelten sich dann die Vorsteher, für den Klausvorstand sprach Herr Walter Lehmann und überreichte im Namen der Schüler und Freunde eine Adresse in Verbindung mit einer wertvollen Ehrengabe. Am Sonntag Abend fand anläßlich des Jubiläums ein Sijum auf Gemoro Schabbos statt. Die Räume der Klaus konnten die hierzu erschienenen Freunde und Schüler kaum fassen. Mit. einem Gesang des Synagogenchors unter Leitung des Kantor M. Cohen wurde die Feier eröffnet, dann trug der greise Oberkantor Natansohn das Minchagebet vor. Dann wurde der Traktat ausgelernt, ein geistvoller Hadran des Herrn Rabbiner Dukesz schloß die Feier, der sich eine Festtafel anfügte. Als erster sprach Herr Rabbiner Cohen, der besonders das freundschaftliche Zusammenwirken mit seinem Kollegen betonte. Dann feierte Herr Dr. M. Levi in geistvoller und launiger Weise den Jubilar, dem er auch für die Gemeindeverwaltung die höchste Anerkennung aussprach. Es sprachen noch die Herren M. Flörsheim und Alex Levi, Hamburg, die ihre innige Freundschaft mit dem Jubilar betonten, während Dr. Möller und Eisner für die älteren und jungen Schüler Dankesworte sprachen. Alsdann dankte der Jubilar in rührenden Worten für alle Ehrungen und schloß mit einer Würdigung all derer, welche als Vorsteher während seiner Amtszeit fungiert hatten und deren Kinder und Enkel heute, trotz der Not der Zeit in Ehren und unter großen Opfern die Klaus erhalten. Erst in später Stunde trennten sich die Festteilnehmer mit einem Dank an die Veranstalter und die Damen, für die freundlichst gebotenen Genüsse. Braunsbach (Württbg.), 25. Aug. Am 7. September begeht Frau Nanette Adler, Witwe des im Jahre 1916 in Vraunsbach verstorbenen Kaufmanns Koppel Adler, ihren 8 0. Geburtstag. Sie ist seit vielen Jahrzehnten eine Wohltäterin den Armen, Bedrängten und Verlassenen ohne Unterschied der Konfession. Dem Frauenverekn, sowie sämtlichen religiösen Einrichtungen hat sie ihre allseits geschätzte Kraft gerne und oft unter großen Entsagungen gewidmet. Nicht zuletzt ist es ihr und ihres Hauses Verdienst, das religiöse Gemeindeleben in jeder Beziehung gefördert zu haben, was insbesondere durch ihre unermüdliche Führung in der Wohlfahrtspflege zum Ausdruck kam. Mögen ihr noch viele segensreiche Jahre im. Kreise ihrer Familie in Freude und Gesundheit Geschieden sein! Vermischtes. Gäilingen, 24. Aug. Die jüdische Gemeinde in Gailingen lud zu einer schlichten religiösen Feier, anläßlich des fertiggestellten Anbaus am jüdischen Krankenhaus ein. In dem altehrwürdigen schönen G'tteshause versammelte sich die andächtige Gemeinde. Den mit Blumen geschmückten.-Almemor .fronte herrlichster. Silberschmuck; rechts und links von ihm grüßten die Fahnen des jüdischen Gesangvereins Eintracht, der vor 70 Jahren gegründet wurde. Nach dem einleitenden Prolog, verfaßt von Herrn Hauptlehrer Zivi, vorgetragen von der Minen Meta Bach, sang.der Chor: „Matauwu". Hieraus hielt Herr Leopold'F r ä n k l, Präsident der Verwaltung des jüdischen Krankenhauses, die Festrede. Herr Rahh. Dr.-Bohrer hielt die religiöse Weiherede. Drei Grundpfeiler, so führte er aus, haben dieses schöne Werk gestützt: 1. Das Verankertsein in der jüdischen Tradition, das jüdische Herz. 2. Die Liebe zur Heimatgomeinöe,, die auch in der Heimat stark blieb. 3. Die Opferwilligkeit eines jeden Einzelnen innerhalb der Gemeinde. Weithin leuchte der Geist der Brüderlichkeit und Menschlichkeit dieser kleinen Gemeinde, beispielgeb e n d im Sinne Jesajas: „Mache weit den Raum, Inache fest die Pflöcke deines Zeltes, damit auch andere Pflöcke befestigt werden an deinem Zelt." Es fdlgt ein Chorgesang. „Laßt freudig fromme Lieder schallen!" Hierauf gab Herr Bezirksrabbiner Dr. Chane seiner Freude über das gute Gelingen Ausdruck. Herr Saly I s a a c sprach im Namen des jüdischen Gesangvereins „Eintracht". Herr- Synodalabgeordneter Dr. Siegmund