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Der Israelit · 1931-09-03 · Heft 36 (3.9.1931) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 36 (3.9.1931)
Date
1931-09-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 8 Nr. 36 Der .Israelit benachbarten Wiesbaden hatte man Anteil an dem harmonischen Verlaus der Tagung. Besondere Anerkennung gebührt der geschickten Tagesleitung des Herrn Rabb. Dr. B a m b e r g e r - Mainz. Nach den Begrüßungsreden, — unter ihnen ist besonders die des Vorsitzenden des G. A., Rabb. P. K o h n- Wien zu nennen —, ergriff Herr Rabb. Dr. Ans - b a ch e r - Wiesbaden das Wort zu einem Referat über die „Psychologie der jüdischen Jugend", in dem die Grundsätze jüdischer Erziehungspolitik dargelegt wurden. An den Vortrag schloß, sich eine Diskussion an, die dem Redner Gelegenheit gab, in einem Schlußwort auf Einzelheiten einzugehen. Herr Rabb. Du. M e r z b a ch - Darmstadt zeigte in einer temperamentvollen Rede über „Der Talmud zur Wirtschaftsnot", daß die jüdische, thoragebotene Lebenshaltung unabhängig von den wechselnden Konstellationen der Wirtschaft gewahrt werden muß. Rabb. Dr. Bamberger-Mainz wies durch einen interessanten historischen Streifzug nach, daß in der jüdischen Vergangenheit die schweren und existenz- und lebenbedrohenden Zeitumstände immer ein großes, der Ueberlieferung treues Geschlecht gefunden haben, und zwar auch in Zeiten, die ungleich schwerer als die heutigen Krisentage auf d-H Menschen lasteten. Am Abend fand sodann im überfüllten Saale eine große und eindrucksvolle Kundgebung statt, bei der zunächst Herr Rabb. Dr. Klein- Nürnberg in feinsinniger Weise über „Krisenzeit und Agudas Jisroel" sprach. Der Redner führte aus, daß die Organisation der Thoratreuen ein Bollwerk sein müsse, gegen das die entgötterte und nur auf Menschenkraft bauende Umwelt vergebens anrönne, Herr Jacob Rösenheim- Frankfurt gab schließlich in seinem umfassenden Referate über das Thema „Ist Agudas Jisroel zeitgemäß" eine scharfe Analyse der Wirtschaftskrise, die, durch die mangelnde politische Einsicht und die.Angst jedes Staates um seine Souveränität hervorgerufen, eben wegen der Selbstvergötterung der Staaten in Wahrheit eine sittliche und damit religiöse Krise der Menschheit ist. Gerade deshalb ist Agudas. Jisroel berufen, als funktionsfähiger Organismus des G'tt als souverän anerkennenden jüdischen Volkes, die wahre und in Zukunft für die ganze Menschheit zu erstrebende, auf sittlicher Grundlage beruhende Organisa-. tionsform aufzubauen und zu. bewahren. Den Rednern wurde starker Beifall zuteil. Rabb. P. Kohn-Wien richtete zum Schlüsse mahnende Worte des Abschieds an die Versammelten. Hessischer Landesverband gesetzestreuer Synagogengememden. Darmstadt, 1. Sept. Gemäß einer Verfügung des hessischen Ministeriums ist dem Hessischen Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden in Darmstadt der Charakter einer öffentlich-rechtlichen Körp erschüft im Sinne von Artikel 137 der Reichsverfassung verliehen worden. Dieser bedeutsame Schritt zur Konsolidierung der unabhängigen Orthodoxie in Hessen wird in den weitesten Kreisen mit lebhafter Genugtuung begrüßt werden. - ' Der Deutsche Katholikentag gegen das Hakenkreuz. Nürnberg, 27. Aug. Im Rahmen des heute in Nürnberg abgehaltenen Vertretertags des Deutschen Katholikentags fand ein Appell an die katholischen Landfrauen statt, dem Taufende von Bäuerinnen, in der Hauptsache aus dem fränkischen Land) gefolgt waren. Der Erzbischof von Bamberg, Dr. Hauck, führte in einer Ansprache an die Ldndsrauen aus, er fei überzeugt, daß der im „Sturms" erschienene Aufruf der Nationalsozialisten, der in!>er Aufforderung gipfelt die katholischen Landfrauen sollten möglichst rasch vom Kreuz weg zum Hakenkreuz treten, für alle Zukunft wirkungslos bleiben werde. In diesem Zusammenhänge interessiert ein Bericht aus Beuchen: Anläßlich des ersten oberschlesischen katholischen Jugendtages im-Beuthener Stadion hielt Kardinal Dr. Bertram eine eindrucksvolle Rede, in der er der katholischen Jugend die „Ablehnung jedes Radikalismus, einerlei, ob er pon rechts oder von links komrE, .anempfahl. „Die Bischöfe," sagte er, „mahnen zur Besonnenheit und^ warnen von großsprecherischen Agitatoren." - Schweiz. Die „Bemerkungen" der Mandatskommission zum Palästinabericht der Alandatarmacht.; Genf, 24. Äug. Am Montag) den 24. August, würden die Bemerkungen der Mandatskommission zu dem ihr auf ihrer Junitagung vorgelegten Palästinabericht veröffentlicht. In diesem Dokument wird die Erklärung des Vertreters der englischen Regierung, Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, zur Kenntnis genommen, daß die englische Regierung bemüht sei, die jüdische Einwanderung ohne Benachteiligung der arabischen Majorität dadurch zu fördern, daß durch Ausbau der palästinensischen Wirtschaft die Fassungskraft des Landes für neue Einwanderer erhöht wird. Ferner wird die Vorbereitung eines landwirtschaftlichen Entwicklungsplans zur Kenntnis genommen. Die Mandatskommission begrüßt es, daß der Vertreter der britischen Regierung anerkannt hat, daß eine Besserung der arabischjüdischen Beziehungen von einer gerechten Lösung wirtschaftlicher Fragen abhängig ist. Die Stellung der Mandatskommission zur Palästinapolitik der englischen Regierung wird durch folgende Bemerkung gekennzeichnet: Die Mandatskommission hat nicht ohne ein gewisses Unbehagen die Fluktuationen der Palästinapolitik der Mandatarmacht verfolgt und hofft, daß die neuen Bemühungen, das Porblem der arabisch-jüdischen Beziehungen zu lösen, von Erfolg gekrönt sein werden. In einer Reihe weiterer Bemerkungen zu Einzelfragen begrüßt die Mandatskommission die Erklärung Dr. Shiels, daß die Mandatarmacht in Uebereinstimmung mit dem Weißbuch einen Legislative-Council einzusetzen beabsichtige. Sie nimmt es zur Kenntnis, daß bezüglich verschiedener Gegenstände ein Abweichen vom Weiß» buch erfolgte. Sie bringt die Hoffnung zum Ausdruck, daß die Mandatarmacht ihre Absicht, die Stadtverwaltungen zu reorganisieren und ihnen weitgehende Machtvollkommenheiten einzuräumen, verwirklichen werde. Die Entschließung des Minderheits-Kongresses. - Genf, 1. Sept. Der..siebente Minderheitenkongreß ist am Montag, den 31. August, zu Ende gegangen. Er nahm nach einer Rede Mayer Ebners über die Lage der jüdischen Minderheiten eine Entschließung an, die u. a. besagt: „Der siebente Kongreß der organisierten nationalen Minderheiten in den Staaten Europas hat die Berichte über die Lage der Volksgruppen zur Kenntnis genommen. Unter dem tiefen Eindruck dieser Berichte stellt der Kongreß fest: In den durch Minderheitenschutz gebundenen Staaten fehlt ebenso wie in den vertraglich nicht gebundenen Staaten nach wie vor das Verständnis für das Nationalitätenproblem. Die verfassungsmäßig und völkeiTechtlich verbürgten Rechte der anderen nationalen Staatsbürger werden mißachtet. 2>tY staatsbürgerliche Gleichberechtigung, die Gleichheit vor dem Gesetz, die kulturelle Freiheit sind fast nirgends vorhanden. Nicht einyml die Staatsangehörigkeit lst gesichert. Auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens werben die andersnationalen Staatsbürger bewußt zurückgesetzt und benachteiligt. .. Schärfer alsje wird die Assimilation betrieben. Mit polizeilichen und militärischen Machtmitteln sind sogar Exekutionen gegen Leben und Eigentum eigener Staatsbürger unternommen worden, die allgemein Entsetzen erweckt haben." Das Präsidium wixd bea^fts.ägf, de,m Völkerbund den Ernst der Lage vorzüstellen und vor allem die Notwendigkeit der Aenderüng der Behandlung der Eingaben von Minderheitsangehörigen in lebenswichtigen Fragen zu betonen. ' - Frankreich. Weltkongreß der »en Inden? a.r i s, 23. Aug. r Die Zeitungen medlen aus Madrid, daß dort der Oberrabbiner von Argentinien und Uruguay, Sab aty, eingetroffen ist, um von der spanischen Regierung die Genehmigung zur Abhaltung eines Weltkongresses zu erbitten, der von den Nachkommen der im 15. Jahrhundert aus Spanien vertriebenen Juden veranstaltet werden soll. Etwa eine Million Juden soll an diesem Kongreß interessiert sein: 3. September 1931 Polen. Sabbat-Propaganda in den 'indischen Vierteln Warschaus. WÄr s ch a-u, 24. Aug. ,,Die, schwere ökonomische Krise unter der jüdischen Bevölkerung Polens hat es mit sich gebracht, daß zahlreiche jüdische Ladeninhaber, die bisher ihre Geschäfte an Sabbattagen geschlossen hielten, von dieser Uebung abgegangen sind, um der Konkurrenz der nichtjüdischen Geschäfte standhalten zu" können. In d'en^ Hauptsächlich von Juden bewohnten Gassen in Warschau wie z. B. Zamenhosgasse, Nowolipki, Karmelizki, Leszno ufw., ja sogar in den Straßen Nalewski und Franziskanska, wo früher kein einziger Laden am Sabbat offen war, geht eine immer größere Zahl jüdischer Ladeninhaber dazu über, die Geschäfte an Sabbattagen "offen zu halten. Am vergangenen Sabbat hielt im Nalewki-Hof unter freiem Himmel der Verband der „Z ei re Agudas Jisroel" eine zahlreich besuchte Versammlung ab, in der gegen das Offenhalten der Läden am Sabbat protestiert wurde. Von dort zogen die Teilnehmer, in Gebetmäntel gehüllt, vor die offenen Geschäfte und forderten die Inhaber aus, dieselben zu schlichen. Als die Polizei die Demonstranten vertrieb, sammelten sich diese wieder im Nalewki-Hof und sprachen in einer spontan gefaßten Resolution ihre Erbitterung darüber aus, daß sich, „staatliche Organe in die inneren religiösen Angelegenheiten der Juden einmischen." Die Leitung dtzr polnischen AgUda beschloß, gegen das Einschreiten der Polizeiorgane bei der Regierung vorstellig zu werden. Bes Iakauw-Seminar. Krakau, 30. Aug. Herr Maurice E i l e n b e r g aus Cape Town beuchte das Zentralinstitut Beth Jakob in Krakau. Er besichtigte das Gebäude, in welchem früher das Seminar untergebracht war, sowie das neue Heim und führte nach herzlichen Dankesworten an die leitenden Damen und Herren in einer Ansprache folgendes aus: „Vor 3 Jahren schon war ich in Krakau und hatte mich über die sichtbaren Erfolge Ihrer wunderbaren Arbeit gefreut. Heute bin ich von den ungeheuren Fortchritten, die festzustellen ich hier Gelegenheit habe, auf das Freudigste überrascht. Ich hatte vor drei Jahren gern für Ihr Werk, gegeben, die Arbeit Ihres Sendboten in Südafrika habe ich nach bestem Können unterstützt und heute gebe ich Ihnen gern wieder einen Beitrag. Viele europäische Institutionen entsenden ihre Emissäre nach Südafrika. Die Spender aber fragen oftmals, ob die Nachrichten nicht übertrieben sind, ob alle die Hilsswerke, für die geworben wird, tatsächlich in dem Ausmaße, wie es uns erzählt wird, wirken und schaffen. Hier sehe ich das Gegenteil: weit mehr und weit Höheres hat Beth Jakob geschaffen, als es Ihre Druckchristen und Ihre Sendboten künden. Ich wünsche Ihrer herrlichen Arbeit für alle Zukunft vollstes Gelingen und gebe Ihnen die Zusage, in meiner Heimat stets für Ihr großes Werkeinzutreten." Rutztapd. Offizielle antireligiöse Kampagne ' anläßlich der jüdischen hohen Feiertage. Moskau, 20. Aug. Das Volksb ildungs kommissariat der Union der russischen Sowjetrepubliken hat an alle Volksbildungsabteilungen-in der Sowjetunion ein Zirkular versandt, in welchem aus die ’ Bedeutung der antireligiösen Kampagne aus Anlaß i der bevorstehenden jüdischen Hohen Feiertage hingewiesen und die Beteiligung an dieser Kampagne als eine wichtige politische Ausgabe bezeichnet wird. Im Hinblick darauf, heißt es in dem Zirkular, daß die antireligiöse Kampagne während der Herbstbestellung der Felder, zu Beginn des neuen Schuljahres, und während derVorbereitung zum vierten Jahr des Fünfjahresplans vor 'ich geht, müsse in diesem Jahre auf die antireligiöse Arbeit anläßlich der jüdischen Feiertage besonderer Nachdruck gelegt werden. Die antireligiösen jüdischen Kreise müssen kontrolliert und aktiviert werden. In Fabriken, in denen eine größere Zahl jüdischer Arbeiter beschäftigt ist, sind antireligiöse Diskussionen zu veranstalten. Jede Fabrikzeitung hat eine besondere, der Bekämpfung der jüdischen Feiertage gewidmete Rubrik einzurichten. Studenten werden die Fabrikskomitees in der Organi-

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