Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1931-08-27 · Heft 35 (27.8.1931) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 35 (27.8.1931)
Date
1931-08-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2450652-2450687--78171-2535844
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 6 Nr. 35 D e r Israelit 27. August 1931' Rosch-ha-fchono-Glückwünsche können in drei Größen veröffentlicht werden: Größe I 10 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 5.— Größe I116 Zeilen 1 spaltig zu Mk. 7.50 Größe III 10 Zeilen 2spaltig zu Mk.10 — Die Beträge wolle man auf Postscheckkonto Nr. 19 802 überweisen, den Text durch Postkarte emsenden. Texte, di>e bis zum 8. September in unserem Besitze sind, werden in der Rosch-Haschono-Nummer, später eintrefsende m der darauffolgenden veröffentlicht. Wer seine Glückwünsche zu Gunsten von Erez Jisroel a b z u l ö s e n und keine Anzeige zu veröffentlichen wünscht, wolle dem nach Belieben festzusetzenden Ablösungsbetrag eine Gebühr von 2.20 Marl für die Veröffentlichung von Namen und Wohnort im Sammelinserat beifügen. Frankfurt a. 2N. Verlag des Israel» G. m. b.H. würde. Mit Hilfe seiner Parteifreunde gelang es dem Dep. Dubin, bei der Regierung zu bewirken, daß das Akzisprojekt zurückgehalten und dem Landtag gar nicht unterbreitet wird. Eine ähnliche Aktion Dubins zu Gunsten der in ihrer Existenz bedrohten jüdischen Zahnärzte und Dentisten aus der früheren russischen Zeit — das neue Gesetz verlangt Vorbildung und Examen an einer lettischen Universität — scheiterte durch das Eingreifen des Oppositionsdep. Dr. Meisel, der eine Interpellation in den Sejm einbrachte. Wie zu erwarten war, wurde der Antrag der Opposition im Landtag verworfen, dadurch war aber Herrn Dubin der Weg zu weiteren Schritten bei Koalition und Regierung fürs erste verbaut. Wieder einmal ein Beweis dafür, wie verhängnisvoll es für die jüdischen Parteien werden kann, statt mit der Regierung zu gehen, sich mit den Oppositionsparteien gealltäglichen auszugestalten beginnt, hat eine derartige gen sie zu verbinden. Rutzland. Die roten Zehn Gebote. Moskau, 15. Aug. Das Zentralkomitee des Bundes der Gottlosen hat folgende „Zehn Gebote" zur Bekämpfung der jüdischen Feiertage verkündigt: 1. In allen Fabriken, kooperativen Artels, Kollektivfarmen, Schulen und Klubs sind Vorträge über die Themen: „Fünfjahresplan und Religion", „Antisemitismus und Religion", Kollektivierung und Religion", „Der Klassencharakter der jüdischen, religiösen Feiertage" und „Modernes Judentum und nationaler Haß" gu halten. 2. Zu Rausch Haschonoh und Jom Kippur sind Exkursionen zu veranstalten, antireligiöse Filme zu zeigen Und Theaterstücke antireligiösen Inhalts zur Aufführung zu bringen. 3. Anstelle der hohen Feiertage sind „nationale Arbeitstage" zu proklamieren, an denen jedermann zur Arbeit im Dienste des Landes aufgefordert werden soll. 4.» Es sind besonders antireligiöse Ausstellungen zu veranstalten. 5. Das Radio soll in den Dienst der antireligiösen Propaganda gestellt werden. 6. Anläßlich der jüdischen Feiertage sind besondere Versammlungen der Jugend und der Frauen einzuberufen. 7. Eine großzügige Werbung von Mitgliedern für den Bund der Gottlosen ist durchzuführen. 8. Es ist eine Geldsammlung für den Bau -eines Kriegsschiffes, das den Namen „M i l i t a n t e r A p i k o i r e s" tragen soll, einzuleiten. 9. Die jiddischen Publikationen antireligiösen Inhalts find zu vermehren und in Kolonien und Fabriken zu verbreiten. 10. Jedes in einer Stadt ansässige jüdische Mitglied des Bundes der Gottlosen hat sich an den jüdischen Feiertagen in die Dörfer zu begeben, um die Bauern zur Ablieferung der Ernte an die Regierung anzueifern. (ITA.). Palästina. Ein Notschrei für unsere Jugend in Erez Iisrael. Tel-Awiw, 15. Aug. Die Ausführungen des Herrn Saly Geis „Kleine Erlebnisse" in Nr. 30 des „Israelit" veranlassen mich, einen Punkt, den Herr Geis nur flüchtig berührt hat, besonders hervorzuheben. Herr Geis schreibt: «... Cs waren daher einige studierte, in Westeuropa gebildete orthodoxe Rabbiner nötig, deren Aufgabe es fein müßte, die erwachsende Jugend um sich zu sammeln." Ich will in kurzen Worten versuchen, ein Bild zu geben, in welch trauriger Thoraoerwaistheit sich die schulentlassene Jugend befindet. Zum Teil ist diese schulentlassene Jugend, in meisten Fällen ab 14 Jahren, in den Jugendbünden organisiert. Doch die Tätigkeit dieser Bünde bezieht sich nur auf Spiel, Sport, Wanderungen usw. Und auch die gesetzestreuen Bünde machen hierin keinen Unterschied. Im Arbeitsplan der Schulen nehmen 5/e des Unterrichtes rein jüdische Fächer, wie Talmud, T'nach usw. ein, so daß den Schulkindern die wenigen freien Stunden für Spiel und Sport zu gönnen sind. Anders wirkt sich dieses doch bei der schulentlassenen Jugend aus, bei der jedes „Lernen" mit dem Verlassen der Schule auch meistens automatisch aufhört. Gewiß gebührt alles Lob den Misrachilehrern, die tun, was in ihren Kräften steht, wenn vielleicht auch nicht immer die rechte Kraft am rechten Platze ist. Bedenkt man aber, mit welchen Schwierigkeiten die Lehrer mitunter zu arbeiten haben — ist es doch nichts seltenes, daß in einer Klasse Kinder, aus zwanzig verschiedenen Ländern kommend, sitzen — so ist die Leistung der Lehrer hierzulande etwas ganz Hervorragendes. Solange die Kinder nun die Schule besuchen, wird nach Möglichkeit darauf geachtet, daß die Kinder die Religionsgesetze befolgen. Wünschenswert wäre es jedoch, wenn man den Kindern nicht nur die Gesetzesvorschriften beibringen, sondern ihnen auch mehr den Sinn der Gesetze lehren würde, als es bisher geschieht. Ich spreche nicht nur von den Misrachischulen, sondern von allen gesetzestreu geführten Schulen Palästinas. Was geschieht nun mit der Jugend, die die Schule verläßt, mit der Heranwachsenden Jugend, die die Hoffnung des jüdischen Volkes fein soll? Was geschieht mit denjenigen, die die 'pn mm erben und forterben sollen? Leider nichts, nichts, nichts. Es gibt niemanden, der sich dieser thoraverwaisten Jungen und Mädels annimmt. Nicht die Rabbonim, vor deren Thoraweisheit wir uns tief beugen, noch die Lehrer, die unter schwierigsten Lebensverhältnissen voll beschäftigt sind, stehen in irgend einem Konnex zu der schulentlassenen Jugend. Wollten sie. es selbst versuchen, Einfluß auszuüben, so wäre dieses vergebliche Mühe ,da die Religion der Alten und die Religion der Jungen hier nicht in Einklang zu bringen sind. Es fehlt ein Bindeglied zwischen alter und junger Welt. Es fehlt hier der Geist eines S. R. Hirsch und seiner Zeitgenossen. Ich komme nun zu Saly Geis's Ausführungen. Sendet uns Rabbonim, Lehrer, Akademiker, die mit dem Geiste der Erneuerer der Orthodoxie versehen sind, hierher, und die Erfolge werden nicht ausbleiben. Wäre dieses nicht das schönste Werk, ja das Krönungswerk, das die Agudas Jisroel vollbringen könnte? Selbst eine i-rnv' vsa zu weiten, ist aller Mühen wert. Hier handelt es sich 'nicht um die Rettung einer nava, hier handelt es sich um die Rettung tausender Seelen, aus sonst frommen Häusern, die uns verloren gehen oder schon verloren gegangen sind. Es handelt sich um die Rettung ganzer Geschlechter. Welch unerläßlichen Segen hat die A. I. in Osteuropa durch ihre Beth Jakow-Schulen gestiftet. .Warum nimmt sich A. I. nur der Kinder an, und unternimmt nichts zur Rettung der Mutter jvx? Sorget erst recht für tps, dann wird auch die Welt mit mm versorgt sein, nim ssn vi’xa Ich weiß wohl, daß die A. I. auch hier in starkem Maße für rnrnn iia'^ sorgt. Aber selbst in diesne amin und ist aus bekannten Gründen, die ich heute nicht anschneiden will, von dem Geist unserer Thoraerneuerer, von dem Geist S. R. Hirsch nichts zu spüren. (Diese Art des rnrnn yi»'S> kann auch nur einen kleinen Bruchteil der heutigen Jugend befriedigen). Wenn sich A. I. der schulentlassenen Jugend hierzulande annimmt, so ist sie nicht an gewisse Beschränkungen gebunden. Möge uns die A. I. erst einen oder zwei solcher Jugenderzieher hierhersenden und die Erfolge würden nicht ausbleiben. (Die Ausgaben würden in keinem Verhältnis zum Beth Jakauw-Schulwerk stehen). Schnell geholfen ist doppelt geholfen. Wollt Ihr, daß die schulentlassene Jugend nicht ganz dem Sport verfällt und die 'pn mm vergißt, dann rettet sofort! Jeder Tag ist kostbar. Die na®a eines jeden verlorengegangenen Kindes bedeutet ein Geschlecht. Darum: Rettet! Rettet bald! M. L. Versonallen. Aurich, Ostfriesland, 23. Aug. Am Samstag, den 22.. August, «an m '->s beging die hiesige Gemeinde die Feier des 70. Geburtstages ihres 1. Vorstehers, Abraham van Dyk, der seit etwa vier Jahrzehnten der Gemeinde vorsteht. Herr Landrabbiner Dr. Blum aus Emden war an diesem Tage in unserer Gemeinde anwesend, um Herrn v. D. seine Glückwünsche persönlich auszusprechen. Obwohl sich Herr v. D. jegliche Ehrung verbeten hatte, gestaltete sich der G'ttesdienst zu einer erhebenden Feier ihm zu Ehren. Als Herr v. D. zur Thora aufgerufen wurde, sang ein Doppelquartett junger Leute unter Leitung des Herrn Lehrer Lachmann in stimmungsvoller Weise das „Boruch habbo", welches den Aufgerufenen in tiefe Rührung versetzte. In seiner Festrede, der er die Worte der Haftarah zugrunde legte, pries Herr Dr. Blum das bisherige Wirken sowie die fromme und edle Lebensführung des Gefeierten. Er hob besonders hervor, daß sich Herr o. D. um die Verbreitung der G'tteslehre durch Gründung und Erhaltung des Talmud-Thora-Vereins, ferner als väterlicher Führer der Gemeinde und um die Hochhaltung des Schabbos in der Gemeinde sehr verdient gemacht hat. Als besondere Ehrung hatte Herr Dr. Blum die Verleihung des „Morenu"-Titels in Aussicht genommen, die aber von Herrn v. D. in seiner großen Bescheidenheit abgelehnt wurde. Herr Dr. Blum charakterisierte diese Handlungsweise dahin, daß die Ablehnung der „Morenu" Herrn v. D. mehr ehre, als ihn der Titel zu ehren.imstande gewesen wäre. Der Vorstand der Synagogengemeinde überreichte ihrem Vorsitzenden durch Herrn Vorsteher A. Wolffs sein Bild, das ihm zu Ehren im Gemeindezimmer seinen Platz finden solle. Eine ähnliche Ehrung erwies ihm der Talmud-Thora-Verein bei dem am Abend stattfindenden '"vi-Schiur durch Herrn Lehrer Wolfs. Der zweite Vorsitzende dieses Vereins, Herr David Wolfs, überreichte dem Präses ein Geschenk. Die reichen Blumenspenden, die ihm zugedacht waren, wurden auf Wunsch Herrn van Dyks zugunsten eines wohltätigen Zweckes abgelöst. David Lieben Vst. Prag. 19. August. In der Nacht von omas? p"»2na mürbe isnsr*» in ‘»sa’a'i von seiner irdischen Laufbahn abberufen. Als Sohn eines großen Vaters, R. Solomon Lieben, als Enkel eines Geschlechtes von Großen reihte er sich würdig seinen Ahnen an. Er war das Musterbeispiel von Frömmigkeit, Lamdomes und Menschenliebe und dabei von unglaublicher Bescheidenheit. Ein navai mma i>ru stets bereit, den Geringsten anzugehören, ihm nach Tunlichkeit zu helfen. Er hat für Prag und für den ganzen bbs das Beispiel der echten Jüdischkeit gegeben, die sich durch nichts beirren läßt, nicht durch Politik, nicht durch pöbelhafte Anrempelungen seitens Einzelner oder der Presse. Solchen Angriffen war er in seiner Eigenschaft als Obmann der Chewra Kadischa, die er durch mehr als 40 Jahre leitete, häufig ausgesetzt, weil er es verstand, diese Institution als einzige Prags nicht nur jüdisch zu erhalten, sondern auch in jüdischem Sinne auszubauen. Die Chewra Kadischa in Prag, die ein R. Elieser Aschkenasi gegründet, ein hoher Rabbi Löw fortgeführt, hat R. David Lieben erhalten. Als hohes Alter und Krankheit ihn vor 2 Jahren zwangen, die Obmannstelle niederzulegen, wurde er sehr gegen seinen Willen zum Ehrenobmann und Ehrenmitgliede ernannt. Er hat . ein Alter von mehr als 88 Jahren erreicht. An seinem Leichenbegängnis beteiligten sich eine unübersehbare Zahl von aufrichtig Mittrauernden. Der Zug ging durch die alte Judenstadt, wo bei der Altneuschul und., dem Chewrahause Halt gemacht wurde. Nachrufe hat sich^ der Verstorbene letztwillig verbeten. Sein Andenken wird in der ganzen Judenheit in Ehren gehalten werden.. p' miar- Berlin, 24. Aug. Vor einigen Monaten wurde der Rabbiner des ältesten und angesehensten Synagogenvereins des Berliner Westens, in der Passauerstraße, Dr. Hartwig Carlebach, zum Oberrabbiner der Jüdischen Gemeinde in Baden bei Wien gewählt. Mit dem Nabbinat in der Passauerstraße ist die Leitung einer bedeutenden Religionsschule und die Erledigung zahlreicher jüdisch-sozialer- und -kultureller Aufgaben verknüpft. Vor einigen Tagen: wählte der Synagogenverein Dr. Alexander Altmann einmütig zu seinem rabbinischen Führer. Dr. Altmann, der älteste Sohn des Oberrabbiners Dr. Altmann-Trier, der erst 26 Jahre alt ist, besuchte kurze Zeit eine ungarische Jeschiwah und studierte dann mehrere Jahre in Berlin. Im Jahre 1930 promovierte er hier zum Dr. phil. und wurde im letzten Frühjahr vom Hildesheimer'schen Rabbinerseminar mit der Rabbinatsautorisation entlassen. Schon als Student war Dr. Altmann akademischer Religionslehrer der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Düsseldorf, 23. Aug. Durch den Wegzug von Herrn Lehrer i. R. Marcus Frank hat der kleine Kreis der Düsseldorfer d’kt einen Verlust erlitten, der sich im Augenblick noch nicht übersehen laßt. Ungefähr 40 Jahre lebte er in unserer Mitte, und es ist bekannt, mit welch unermüdlichem Eifer er unser spärliches pa gu fördern bestrebt war. Stets freundlich gegen jedermann, hat er es verstanden, sich die Liebe und Achtung weiter Kreise, besonders aber der Jugend, zu erwerbend Als besondere Anerkennung seiner Verdienste hat er vor einiger Zeit von unserem '"i m die nan-Würde verliehen bekommen. Für seinen Lebensabend, den er im Kreise seiner Verwandten in Oberohmen (Oberhessen), verlebenwill, wünscht ihm seine dankbare Gemeinde das Aller-- beste. v*jna».

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.