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Der Israelit · 1931-08-27 · Heft 35 (27.8.1931) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 35 (27.8.1931)
Date
1931-08-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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27. August 1931 Der Israelit Nr. 39 Seite 7 Die Woche. Verfaffungsfeier in der S. R. Hirsch-Schale. Die Versassungsseier, dazu bestimmt, ein unerschütterliches Bekenntnis zum freiheitlichen und sozialen Rechtsstaat von Weimar abzulegen, konnte dieses Jahr, da der Verfassungstag in die Ferien siel, erst am 16. August abgehalten werden. Ein stimmungsvoller Chor leitete die Feier ein. Dann verbreitete sich Herr Studienrat Dr. Weger über die Verfassung, die das deutsche Volk sich gegeben hat, wie sie das Ergebnis seines schweren Ringens durch das ganze Jahrhundert darstellt, wie sie das Reich verklammert und bindet, das aber die schweren Zeiten seiner harten Geschichte nur überwinden kann, wenn die deutschen Stämme einig sind in treuem Zusammenhalten, in Gemeinsinn, Ordnung, Arbeit und Opserwilligkeit. An einzelnen Artikeln der Reichsverfassung wies der Redner in einer auch dem jüngsten Sextaner verständlichen Weise nach, wie in dem Werke von Weimar die Grundrechte der Glaubens- und Gewissensfreiheit verankert sind, dabei Ausblicke gebend auf Zeiten, wo es anders war. Eine Schülerin, Irmgard Offenbacher, erwies sich als angehende Poetin. Ueber „Einigkeit, Recht und Freiheit" hatte sie zur Feier des Tages vielversprechende Verse gedichtet. Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hatte ein Werk über den Freiherrn von Stein zur Ueberreichung an einen würdigen Schüler zur Verfügung gestellt. Herr Studiendirektor Dr. Elias überreichte es dem Untersekundaner Adolf Zentmann mit einer herzlichen, von Staatstreue beseelten Ansprache. Das Deutschlandlied beschloß den würdevollen Festakt. Verfassungsfeier in der Israelitischen Volksschule. Am vergangenen Sonntag versammelten sich Kinder und Lehrer der Israelitischen Volksschule zur Feier des Verfassungstages. .Ein schöner Chor, „Herr, Deine Güte", unter Herrn Kösterichs Leitung gesungen, versetzte die Anwesenden in die passende Stimmung. Dann hielt Herr Konrektor Steinberger die Festrede. Er legte seinen Ausführungen das Wort unserer Weisen: isi>2 r>"n invi n*t k>k nsnin sbab»® ,rvni>n bv nmbwn bbann 'in zugrunde. Im Anschluß daran berichtete er von seinen eigenen Erlebnissen, die er 1918 beim Rückzug von der Front hatte. Er schilderte den traurigen Weg, den das deutsche Heer beim Rückzug zu gehen hatte, und die Notwendigkeit einer eigenen, neuen Gesetzlichkeit, für die unser Volk jetzt zu sorgen hatte, wollte es nicht vollends der Vernichtung anheimsallen. Und weil wir durch die Weimarer Verfassung damals vor dem endgültigen Untergang bewahrt wurden, haben wir noch heute allen Grund, den Tag der Verfassung festlich zu begehen. Nach der ernsten Rede sang der Schulchor ein lustiges Tiroler Volksliedchen, und Herr Rektor Stern brachte ein Hoch auf die Verfassung aus. Mit dem Deutschlandlied wurde die würdige Feierstunde beschlossen. Eine Veranstaltung der Agudas Jisroel-Orlsgruppe. Aus Anlaß der verschiedenen Aguda-Tagungen dieser Woche veranstaltete die Agudas Jisroel-Ortsgruppe am Dienstag abend eine öffentliche Kundgebung im großen Saal der Frankfurt-Loge. Trotz des strömenden Regens füllte eine ansehnliche Anzahl von Interessenten die Reihen. Zunächst überbrachte Herr Rabb. Dr. Pinchas K o h n den Gruß der A g u dalei t u n g und der auswärtigen Gäste, die zum Teil im Saale anwesend, zum Teil durch wichtige Beratungen sestgehalten waren, an die Versammlung. Von den Bikkurim der kommenden Sidrv ausgehend und den Grußformeln, die Bikkurimbringer und Empfänger austauschten, zeichnete er das Wesen und den Geist der Zeit, die vor lauter „Sachlichkeit" immer mehr in eine g'ttfremde und g'ttferne Welt hineintreibt. Es sei schon einmal alles dagewesen, und der große Führer begann in einer ähnlichen g'ttlosen Zeit die Sammelarbeit mit dem Ruse '•& Die Aguda und all ihre Beratungen in dieser Woche wollen nichts anderes, als in einer wirtschaftlich und geistig notvollen Zeit mit diesem Rufe die jüdischen Menschen, die jüdische Jugend unter der alten Fahne sammeln. Daraus ergriff der Hauptreserent des Abends, Herr Redakteur S. Schachnowitz, das Wort zu seinem Berichtvortrag über „Die erste Studiensahrt des Keren Hathora". Er paßte die Disposition seines Vortrages der inneren Disposition der Reise an, wobei sich vier Etappen ergaben: Tschechoslovakei, Galizien,. Kongreß-Polen und Zentral-Litauen. Diese vier geographischen Grenzpunkte bezeichnen auch die Skala der seelischen Erlebnisse der Reisegesellschaft. In der Tschechoslowakei sah man das Gesicht der ungarischen Jeschiwa von Chatam Sofer'scher Prägung. Die zweite Etappe, Galizien, gab dem Redner Gelegenheit, ausführlich über Entstehung, Stand, Bedeutung und Zukunft der Bes Jakauw-Bewegung zu sprechen. Die dritte Etappe führte nach Kongretz-Polen, das die jüdischen Massen. und die chassidischen Zentren zeigte. Redner entwirft ein Bild von. Warschau und schildert den Höhepunkt des tiefen Erlebens in Polen in der Lub lin er Jeschiwa. Von den großen Erlebnissen in Zentral- Litauen hob er Radin und Mir hervor, Radin mit seinem Weltweisen, dem „Chofez Chajim" und Mir mit seiner großen Jeschiwa. Redner schildert zum Schluß, was diese vier Etappen voneinander trennt und sie wiederum eint, auch das, was sie insgesamt mit uns im Westen verbindet, und plädiert für öftere Veranstaltung solcher Exkursionen und Beteiligung der Jugend an denselben. Die Ausführungen wurden mit Spannung angehört und mit Beifall belohnt. Die Leitung des Abends hatte Herr Rechtsanwalt Martin K a tz, der den Rednern im Namen der Versammlung dankte. Michael Kahn Plötzlich und unerwartet verstarb in der Nacht zu Dienstag Michael Kahn. Wer hatte dem geraden, aufrechten Manne, der, ein Bewunderer und Genießer der g'trlichen Natur, noch bis zuletzt, sportmäßig ausgerüstet, seine täglichen Spaziergänge machte, seine 73 Jahre angesehen; wer konnte ahnen, daß dem tapfer Ausschreitenden schon ein so nahes Ziel gesetzt war? Um so überraschender und schmerzvoller wirkte die Kunde vom Heimgange dieses trefflichen Mannes. Michael Kahn kam im Jahre 1876 aus der rheinischen Heimat nach Frankfurt und hatte sich in einem arbeitsreichen Menschenleben ganz in den Boden unserer Kehilla verwurzelt. 55 Jahre war er ununterbrochen bei der Firma Veit Wohlfahrt in gehobener Stellung tätig und wegen, seines klaren, geraden Sinnes und seines Arbeitseifers von den Chefs, dem Personal wie den Kunden gleich hoch geachtet. Ein ständiger und täglicher Besucher der Klaussynagoge, genoß er dort als ein d**p»Vk kvi iv'i an aller Wertschätzung. Möge dem Sohne, dem einzigen Kinde, seine himmlische Nechomo zuteil werden lassen. Auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft gab am Mittwoch morgen Herr Rabbiner Dr. Josef Breuer dem Schmerz der Familie, der Freunde und der Klausgemeinde in herzlichen und beredten Worten Ausdruck. rrasan. Zum Andenken an Dr. Schapira Vor gerade einem Jahr — am 28. August 1930 (5. Ellul) — verstarb hier, ganz so still und unbemerkt wie er gelebt, der Philosoph Dr. Abraham Schapira. Keine Zeitung Frankfurts hat damals Notiz von seinem Leben und Sterben genommen und doch fand mit dem Tode dieses Mannes die Tragödie eines stillen Märtyrertums ihren Abschluß, das wohl nicht alltäglich ist. Qualvolles Siechtum, verbunden mit wirtschaftlicher Not unterhöhlten schon früh die Kraft dieses Mannes, zerbrachen die Laufbahn eines philosophischen Geistes, dessen vielversprechende Doktor-Dissertation über „Erkenntnistheoretische Strömungen der Gegenwart (1904" eine akademische Laufbahn erwarten ließ. Stattdessen mußte er den Rest seiner durch die zehrende Krankheit geschwächten Kräfte ganz in Arbeit und Sorge für den Unterhalt einer mehrköpfigen Familie verbrauchen. 17 Jahre lang versah er das bescheiden honorierte Amt des Bibliothekars an der seinerzeitigen jüdischen Bibliothek und Lesehalle in der Langestraße. Die letzten Jahre war er arbeitslos und auch völlig arbeitsunfähig. Schapira hinterließ zwei unveröffentlichte Arbeiten: eine Uebersetzung ins Hebräische von Vergsons „Einführung in die Metaphysik" und eine leider Fragment gebliebene größere Arbeit über die Kantbewegung. Heroorzuheben ist, daß Dr. Schapira ebenso sehr im philosophischen wie im jüdischen Schrifttum zu Hause wur und modernes kritisch-philosophisches Denken mit gesetzestreuer Gesinnung- und Lebensführung verband. Ortsgruppe Frankfurt (M) des Jüdischen Frauenbundes. Die Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Frauenbundes, die Frauenvereinigungen der drei Frankfurter Logen und die Gesellschaft für -Jüdische Volksbildung laden ihre Mitglieder auf Montag, den 31. August, 20.30 Uhr, zu einem Vortrag ein, den Herr Rabbiner Dr. Jacob H o f f m a n n über „Zeitgeschehen und Festgedanken" in der Frankfurt-Loge, Eschersheimerlandstr. 27 halten wird. Der Kaftan. Der „Kaftan" ist ein jüdisches Theater mit, wie die Regisseure hervorheben, positiv eingestelltem jüdischem Charakter. Sein Repertoir besteht ausschließlich aus Piecen, die, aus der jüdischen Seele geboren, zur jüdichen Seele sprechen und religiös-ethische Impulse vermitteln. Begründer und Leiter dieser Stätte leichter jüdischer Kunst ist Maxim Sakaschansky, der in Berlin,. wo seine Bühne ihr beständiges Domizil hat, und auf Gastreisen große Erfolge zu verzeichnen hatte. Der „Kaftan" wird am Samstag, den 29. August, abends 8.30 Uhr, in der Frankfurt-Loge, Cschersheimerlandstraße, ein einmaliges Gastspiel geben. Der Vorverkauf der Karten hat im Kaüshause Wronker, bei Lina Schott und in der Buchhandlung Wahrmann eingesetzt. Auch an der Abendkasse sind Karten zu haben. Familiennachrichten. Silberne Hochzeit: Gabriel Gabrilowitsch und Frau Sarah, geb. Lattenbaum, Frankfurt a M., Parktraße 11, begehen am 2. September ihre Silberne Hochzeit. Die Pension Kahn in Basel teilt ihren Gästen und Freunden mit, daß sie mit dem 17. August die Pension nach dem Hause Blumenrain No. 1 verlegt hat. Die Pension glaubt bestimmt, daß sie hiermit - das Haus beendet sich in zentralster Lage direkt vis-a-vis Hotel „Drei Könige" — dem Wunsche vieler Rechnung getragen hat, und bittet weiterhin um Zuspruch. Briefkasten. I. B. Karlsruhe Besten Dank für Ihre Einsendung, das zweite Geschichtchen werden wir demnächst abdrucken; für die anderen haben wir keine Verwendung. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Samstag morgen nach Schul im Hörsaal: Dinim, Herr Dr. E. Posen. — nachm. 3k Stunde vor Mincho im Vereinslokal, Mikro. Herr Dr. W. Hofmann. Sonntag morgens nach Schul (ebenso Mittwoch) oin "n- Herr S. Schachnowitz — vormittag 8 Uhr (ebenso Samstag 4 Uhr) Gemoro Herr I. Soffer — vormittag 91/2 Uhr (ebenso Dienstag abends 6V2 Uhr) Gemoro, Herr R. Ä. Gerson Posen. Montag (auch Donnerstag), nach Schul: Mischna Mitgliederlernen — abends 7 Uhr auch Mittwoch), Gemoro, Herr Rabb. Dr. Jos. Breuer, abends 81/4 Uhr (auch Donnerstag) Gemoro, Herr Dr. E. Posen. Dienstag (auch Freitag) nach Schul: Mischna, Herr Dr. E. Posen. Von Montag bis einschl. Freitag morgens nach Schul, im Sitzungszimmer, Gemoro Herr Dr. S. Ehrmann. Jeden abend 8 3/4 Uhr, im Vereinslokal Schaßlernen, Herr H. Holpern. Jahrreitrstiftungen. Monstag, 31. August: Jakob Marburger-Stistung. Aguda» Jivroel-Jugend' und Mädchengruppe. Veranstaltungen im Ellul 5691. Samstag, 29- 8. 31, 21 Uhr, Erez Jisroel-Arbeitsgemeinschaft. Leitung: Herr Dr. Jsaac Breuer. Ort: Heim, Schwanenstraße 12 (Geschl. Zirkel). Sonntag, 30. 8. 31, 201/» Uhr, 3. Abend der Agudistischen Arbeitswochen: Die Eigenart des jüdischen Nationsbegriffes. Referent: Herr Dr. Salomon Ehrmann. Ort: Liederhalle, Langestraße 26. Samstag, 5. 9. 31, 21 Uhr, Erez Jisroel-Arbeitsgemeinschaft. Leitung: Herr Dr. Jsaac Breuer. Ort: Heim, Schwanenstraße 12 (Geschl. Zirkel). Sonntag. 6. 9. 31, 20'/° Uhr, 4. Abend der Agudistischen Arbeitswochen: Das Judentum als historische Erscheinung. Referent: Herr Dr. Jsaac Breuer. Ort: Liederhalle, Langestraße 26. (Alle Schiurim wie üblich.) Liwjath Chen. Samstag, nach Mincho (51/4 Uhr) im Hörsaal, Friedberger Anlage, Vortrag des Herrn Schachnowitz über „Höhepunkte prophetischer Tröstungen". 3. Abend der Agudistischen Arbeitswochen der Agudas Jisroel-Iugendgruppe. Am Sonntag, den 30. August abends 20.30 Uhr spricht im Rahmen der Agudistischen Arbeieswochen Herr Dr. Salomon Ehrmann über: „Die Eigenart des jüdischen Nationsbegriffes." Ort: Liederhalle, Langestraße 26. Gäste sind willkommen! Ortsgruppe Frankfurt (M) des Jüdischen Frauenbundes. Arbeitssitzung: Montag, 31. August, 10 Uhr vormittags, Langestraße 31. Schiurim der Gemeinderabbiner,. Talmud-Schiur für Fortgeschrittene, s'v'A '0»n X'Lio Sonntag morg. 9.^, Dienstag und Donnerstag abends 201/2 .Uhr im Hörsaal Friedberger Anlage 5 — 6. r-nan^n niam Arbeitsgemeinschaft für junge Leute, Samstag nachmittag nach nm» für angemeldete Teilnehmer im Jugendlern- , zimmer Fichtefttahe 5. Regelmäßige Sprechstunde des Gemeinderabbiners während der Monate Elul und Tifchri an allen Wochentagen eineStundevor nru» nur im Amtszimmer, Friedberger Anlage 4 pt. In eiligen Angelegenheiten wolle man Sprechzeit telefonisch vereinbaren. Tel. 47135. Gebelzeiter,. Kinrt ’D rinff Freitag abend 6.45 Samstag nvsvn 6.45 Samstag morg. 8.00 Samstag nachm. 1.00 u. 5.00 Samstag abend 8.05 Wochengottesdienst: Morgens 6.15 Nachmittags 6.30 Tefillin-Legen am Morgen 4 35 Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Sch achnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate t. 58.: S. Schach« nowttz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer «, Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Sermon G. m. b. H., Frankfurt a. M. — .Drum Sermon-Druckerei» Frankfurt a. M.

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