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Der Israelit · 1931-08-27 · Heft 35 (27.8.1931) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 35 (27.8.1931)
Date
1931-08-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 35 Seite 5 27. August 1931_^_ liche Behälter, Wandschränke usw. aufgebrochen. Das in hen Schränken ausbewahrte Altargerät wurde herausgerissen und schwer beschädigt. Da nichts entwendet wurde, wird mit Sicherheit angenommen, daß durch die antisemitische Agitation verhetzte Individuen mit der Absicht der Schändung in die Synagoge eingedrungen sind. Die im Jahre 1855 eingeweihte Synagoge der portugiesischjüdischen Gemeinde in der Marcusstraße zu Hamburg ist eine der schönsten und ehrwürdigsten Synagogen in Deutschland. Vom Badischen Rabbinerverband. Karlsruhe, 19. Aug. Eine Sitzung der Badischen Rabbinervereinigung am Nachmittag des 28. Juni 1931 in Karlsruhe, bei der die pfälzischen Kollegen als Gäste erschienen waren, bot zunächst zwei Referate: Von Kollegen Lauer-Mannheim über „Bedingte Trauung und die Möglichkeit, einen Gatten zur religiösen Scheidung zu zwingen": von Kollegen Steckelmacher-Bad Dürkheim über „Bemerkungen zur Grabrede unter besonderer Berücksichtigung ihrer Problematik". Eine eingehende Besprechung schloß sich dem zweiten Referat an, während für das erste eine besondere Aussprache nach seiner Drucklegung in Aussicht genommen ist. Erörterungen fanden statt über das Verhältnis zum Allgemeinen Rabbinerverband, den Entwurf des Lehrplans, die Gehaltskürzungen, die wissenschaftlichen Kurse der „Süddeutschen Arbeitsgemeinschaft" usw. usw. Wegen der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit mußte die Behandlung mancher Angelegenheiten für eine spätere Zusammenkunft zurückgestellt werden. Oesterreich. Wiederaufnahme des Halsmann-Prozesses beantragt. Wien, 18. Aug. Die Anwälte Philipp Halsmanns, der gegenwärtig in Paris seine Studien fortsetzt, haben dem Innsbrucker Landesgericht für Strafsachen den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Halsmann überreicht. Zur Begründung des Antrags wird angegeben, daß Tatsachen bekannt geworden sind, die ein neues Licht auf die gegen Halsmann erhobene Beschuldigung des Vatermordes werfen. Das Gericht wird anfangs September seine Entscheidung über das Wiederaufnahmegesuch treffen. Inzwischen hat die nationalsozialistsiche Presse eine Kampagne gegen die Wiederaufnahme des Prozesses eröffnet. Sie nimmt in heftiger Weife dagegen Stellung, daß die „Justizbehörden durch das Ansuchen des begnadigten ausländischen Juden überbürdet werden." Demgegenüber hat Halsmann dem Gericht bekanntgegeben, daß er das Begnadigungsgesuch nicht mitunterzeichnet habe. Er erklärt ferner in seinem Schreiben an das Gericht, er könne nicht weiter leben, wenn dis Last der Beschuldigung des Vatermordes nicht von ihm genommen werde. Das erste vom Schwurgericht Innsbruck gegen Philipp Halsmann gefällte Urteil lautete auf zehn Jahre schweren Kerkers. Nach Aushebung dieses Urteils durch den Obersten Gerichtshof wurde eine zweite Verhandlung angesetzt, die am 19. Oktober 1929 endete und die Verurteilung Halsmanns zu einer vierjährigen Kerkerstrafe brachte. Am 30. September 1930 wurde Halsmann, nachdem etwa 20 000 Unterschriften für seine Begnadigung gesammelt worden waren, vom Vundespräsidenten begnadigt und sogleich aus Oesterreich ausgewiesen. Seither lebt er in Paris.- Polen. Zionistische Anbiederungspolitik. - . . W a r s ch a u, 16. Aug. Das „Jüdische Tagblatt" weiß von Bemühungen der zionistischen Führer zu berichten, die darauf hinausgehen, sich aus Kosten her orthodoxen Sieger an die Regierungskreise anzubiedern. Sie sollen sich bereit erklärt haben, sich mit ihrem ganzen Organisationsapparat in den Dienst der polnischen Regierung zu stellen und auch ihren Einfluß im Ausland? zu Gunsten der Regierung Zu benutzen, wenn ihnen' folgende zwei Bedingungen erfüllt werden: 1. Dr. Färb stein muß an der Spitze der Warschauer Kehillaleitung. 2. Die Gemeindewahlen in Lodz seien zu kassiere» und neue auszuschreiben. — Zur gleichen Zeit, da die Zionisten über das schwächliche und unwürdige „Stadlonuthverhalten" der Aguda wettern, bedienen sich die zionistischen Stadlonim der kleinlichsten Mittel, nur um ihren teuren Farbstein in Amt und Würden zu erhalten. Das ist bezeichnend! Die Woche. Berlin. Unter dem Titel „Haltet die Wohlfahrtspflege aufrecht", erläßt die „Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden" einen Aufruf an die jüdischen Gemeinden Deutschlands, in dem sie die tiefe Not schildernd, auf die fürchterlichen Konsequenzen hinweist, wenn die jüdische Wohlfahrtspflege aus Mangel an Mitteln ihre Tätigkeit einstellen müßte. Darmsladt. In Hessen haben sich in den letzten Tagen zwei Fälle von Schändungen jüdischer Friedhöfe ereignet. In dem oberhessischen Dorf Griedel bei Butzbach haben sich zwei llsährige Schüler in der Dämmerung m den jüdischen Friedhof eingeschlichen und dort drei Grabsteine beschädigt. Die zweite Schändung ereignete sich in Ossenbach, wo auf dem jüdischen Friedhof zwei Grabsteine vom Sockel gestürzt wurden. Hier fehlt von den Tätern noch jede Spur. Buchen. Das Amtsgericht verurteilte zwei junge Burschen, die in der Nacht zum Verfassungstage die Scheiben der hiesigen Synagoge einschlugen, zu vier bezw. Monaten Gefängnis. Ein Mithelfer kam mit Mk. 50.— Geldstrafe davon. Posen. 10 Polen,die auf dem Jahrmarkt zu Jablonowa Raubüberfälle an jüdischen Markthändlern ausübten, wurden vom Kreisgericht zu Gefängnisstrafen von 3 Jahren.-bis 3 Monaten verurteilt. Bern. Die Schweizer Bundesregierung, chat den bisherigen schweizerischen Konsul in Sidney, Eugen Bloch, zum Generalkonsul der Schweiz in Australien ernannt. Eugen Block ist der Sohn eines früheren jüdischen Arztes in Endingen, Aargau. Zürich. Die Sitzung der Exekutive der Jewish Agency in Zürich fand vom 17. bis zum 19. August hier statt. Es wurde u. a. die Erlassung eines Aufrufes zu einem Notopser für Palästina beschlossen. — Es wirkt beunruhigend, nicht allein auf die jüdischen Kreise, daß die deutschen Nationalsozialisten ein eigenes Sekretariat und Propagandazentrum für die Schweiz in Zürich geschaffen haben. Es soll demnächst ein groß angelegter Werbefeldzug einsetzen. Wir wollen hoffen, daß die Schweiz 'keinen Boden für dieses Verhetzungswerk abgibt. Antwerpen. Im Alter von 63 Jahren verstarb in Antwerpen Dr. Asriel Günzig. Als Rabbiner in Loschwitz (Mähren) gab er das literarisch-wissenschaftliche Jahrbuch „ha- Eschkol" (gemeinsam mit I. S. Fuchs) heraus (5 Bände, 1899 bis 1913). Außerdem arbeitete er an anderen jüdisch-wissenschaftlichen Zeitschriften mit (Ha-Maggid, ed. Fuchs); Ozar Ha-Sifrut u. a. m. 1921—1927 teilte Günzig als Leiter der hebräischen Schule „Tächkemoni" in Antwerpen. Er veröffentlichte mehrere Bücher. Amsterdam. Der holl. Delegation für die September-Tagung des V ö l ke r b u n d e s gehören auch zwei jüdische Mitglieder an, u. a. Staatsrat I. Limburg und Prof. Dr. E. M o r e s c o. Warschau. Die vor kurzem neuauferstandene hebräische Tageszeitung, „Hazesirah" in Warschau, hat am 15. August i h r Erscheinen infolge finanzieller Schwierigkeiten eingestellt. Moskau. Nach den letzten Feststellungen leben heute in Biro-Vidschan 3846 jüdische Seelen, von denen die Mehrzahl in staatlichen Landwirtschaftskollektiven, die übrigen in handwerklichen Produktionsgenossenschaften beschäftigt sind. Die Warschauer kehillaverrvaltung bestätigt. Warschau, 23. Aug. Wie das „Jüdische Tageblatt" aus sicherer Quelle zu berichten weih, werden allen Gegenaktionen und Machenschaften der Zionisten zum Trotze die Pr äsitz i u m s w a h l e n in der Warschauer und Lodzer Kehilla von der Macht dieser Tage bestätigt. Das Lodzer kehiUabudget bestätigt und gekürzt. Lodz, 16. Aug. Das Ministerium hat das von der Kehilla angenommene Budget bestätigt, aber bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Neben vielen Posten für gesellschaftliche und - Kulturzwecke sind solche für mehrere agudistische Jnsti- , tutionen gestrichen. So die Subventionen für die Bes i Jakauw-Schule, Die Abendkurse der Benoth Agudas Jisroel, die Jeffode Hatora u. a. m. Die Tatsache, daß der Dispositionsfonds für den Präses, L. Minzberg, bestätigt wurde, veranlaßt die zionistische und linke Presse zu wüsten Ausfällen gegen die Orthodoxie und zu der Unterstellung, als habe diese die Streichungen der Subventionen zum Schaden der Zionisten und Volkisten verursacht. Diese Reduzierungen pflegten auch in früheren Jahren von der Regierung vorgenommen zu werden, und dieses Jahr treffen sie die Orthodoxie nicht minder als die antireligiösen Parteien. Letztere dürfen aber keine Gelegenheit versäumen, die „nachteilige Wirkung des orthodoxen Regimes" in der Gemeindeverwaltung nachzuweisen. Tschechoslowakei. Prager Brief. .. , Prag, 17. Aug. Man findet hier die alte Wahrheit bestätigt, daß Vorurteile, einmal gefaßt, schwer auszurotten sind. Noch vor wenigen Jahren konnte es mancher Besucher unserer Stadt nicht begreifen, daß die einstige „Mutterstadt in Israel" nur von einem winzigen Häuflein Gesetzestreuen bewohnt werde. Heute, wo es G. s. D. besser geworden ist, gilt die Stedt nach wie vor als prr snn spn mn» i> Mehrere Umstände waren es, die ein Anwachsen der Zahl unserer Jereim herbeiführten: Familiengründungen der Einheimischen, dauernde Neiderlassung einzelner Ostjuden, die als Kriegsflüchtlinge gekommen wären, Zuwanderung slovakischer und deutscher Brüder. Und — was hier besonders in den letzten Jahren — geschaffen wurde, darf wohl als verheißungsvoller Ansatz zu einer schöneren Zukunft bezeichnet werden. In dem neu gegründeten Cheder wird täglich den ganzen Nachmittag Gemoro unterrichtet; wir sind so glücklich, einen hervorragenden o-n r>»t»n als p'i zu besitzen; mehrere Restaurationen, eine gewissenhaft beaufsichtigte Wurst-, Semmel- und Milchversorgung erleichtern wesentlich die Lebensführung; endlich hat sich in letzter Zeit eine Anzahl junger Leute zusammengeschlossen zu einem Vereine, der neben dem altbewährten „Sinai" für Limud Thora und Chisuk Emuno eintreten will. Erwähnenswert ist, daß dank dem tatkräftigen Eingreifen eines zielbewußten Vaalbos in der Nähe von Prag für den Sommer ein kleines Zentrum geschaffen wurde. Herr R. Stransky läßt seit einer Reihe von Jahren in seiner Villa in Radeschowitz, einem Orte, 40 Minuten von Prag entfernt, am nas? beten und lernen und Vorträge über m» 'piv halten. Dieses pw, das sich mehr und mehr zu einem alltäglichen auszugestalten beginnt, hat eine derartige Anziehungskraft gewonnen, daß gerade dieser Ort sich einer immer größeren Beliebtheit als Sommerfrische in rmseren Kreisen erfreut und sicherlich mit der Zeit auch Touristen zum Reiseziel dienen wird. — Durch den Xob des Präsidenten der Kulturgemeinde, durch die bevorstehende Neubesetzung des Oberrabbinates sind wir vor -schwere Aufgaben und Kämpfe gestellt: deshalb ist es als iiRisn vor der nun zu bezeichnen, wenn wir n-2 unsere Reihen fester zusammenschließen können als je zuvor. Lettland. Eine Exrfkenzqueille für taufende Juden gerettet. Riga, 14. Aug. Deu neue Zolltarif sah eine Steuer für die Schokoladen- und Süßigkeitenindustrie vor, die daraus angelegt war, tausende jüdische Existenzen in Lettland zu ruinieren. Besonders nach dem Kriege ernähren sich unzählige Juden in Riga und in der Provinz von der Fabrikation von Süßigkeiten. Unternehmer wie Arbeiter und Zwischenhändler sind durchwegs JuÜön. In ihrer Not wandten sich die in ihrer Existenz bedrohten Fabrikanten und Händler an den Aguda-Deputierten M. D u b i n, der sich sofort der Sache annahm. Dank seiner Zugehörigkeit zur Regierungskoalition, konnte er seinen Parteigenossen beweisen, daß eine Ueberbelastung dieser Industrie eine Gefährdung der Volksgesundheit und den Ruin eines großen Teiles des Mittelstandes bedeuten

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