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Der Israelit · 1931-08-27 · Heft 35 (27.8.1931) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 35 (27.8.1931)
Date
1931-08-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 35 Der Israelit 27. August 1931 SSaill SCHLESiCKY-SIRÜHLEIN ** * - p ' KAISERSTRASSE 27 A L geplant, mit Ausflügen nach den historischen Stätten wie Worms, Mainz usw. Uebrigens sollte man in Polen selbst für die polnischen Brüder solche lehrreichen Studienreisen durch Polen und Zentrallitauen, über Krakau, Lublin, Wilna usw. arrangieren. Der wichtigste Plan des Keren Hathora ist die Einberufungeinesallweltlichen Thorakongresses aller religiösem Erziehungsanstalten d er W e lt für nächsten Winter, der erstens die Lebensfähigkeit der religiösen jüdischen Erziehung beweisen soll und zweitens auch ein Rettungsanker für die schwer bedrängten Thorainstitutionen des Ostens werden kann. Die Thoraautoritäten im Osten haben ihr Einverständnis mit einem solchen Kongreß erklärt. Ort der Tagung ist noch nicht bestimmt, als Zeit ist die Chanuckawoche vorgesehen. Ueber das Bes Jakow-Seminar in Krakau gab Dr.-D. folgende Auskunft: Die Lehrgänge wickeln sich in normaler Weise ab .Zur inneren Ausgestaltung des bereits fertigen Baus ist noch eine Summe von 5 bis 6000 Dollar erforderlich, die bei der jetzigen Krisenzeit schwer zu beschaffen ist. Keren Hathora macht alle Anstrengungen, das große Werk zu vollenden. Zu den 6000 Dollar, die K. H. im letzten Sommer aus den Sammlungen im Auslande nach Krakau für das Seminar geschickt hat, stammt der größte Teil aus der S chw e iz. Man hofft, zu Winterbeginn das Seminar eröffnen und voll in Betrieb nehmen zu können.' Die Thermen von Tiberias und Liberias als Mnterknrort. Von Bärbel Stern in Jerusalem. Der Reichtum an Mineralquellen, der Palästina auszeichnet, entspricht den geologischen Bedingungen, die durch die tiefe Jordansenke und den vulkanischen..Charakter des 'Landes (ich erinnere nur an das Erdbeben vor einigen Jahren) gegeben find. Wir finden Mineralquellen vom Oberlauf des Jordans (Mifchmar Hajarder.) ms zum Toten Meer, ihr Hauptgebiet ist^oer .me Gegend um den See Kinereth herum *9**- men von Tiberias und i>m 10 ’ 6 BOn altersher berühmt. ---- " . ■ . .. -lxi*unoe südlich von Tiberias, ^ln'i JSeit Höhenzuges, der den' See arm- Fuße M an seinem Ufer, entspringen die umraMuellen, deren Schwefelwasferstoffgeruch t?dem Vorbeigehendest bemerkbar ist. Sie sind schlecht gefaßt und.werden in drei Badehäuser geleitet. Das sind alteverwahrloste Gebäude, von denen hauptsächlich das von Ibrahim Pascha 1833 im türkischen Stile erbaute „R e u e Bad" mit einem großen runden Bassin und das 1890 eröffnete mittlere Bad frequentiert werden. Im ganzen sind sieben Bassins und fünf Einzelwannen vorhanden. In der Badesaison sind die engen dunklen Räume von Leuten überfüllt, die Luft ist geschwängert vom Dampf des Wassers und der schwitzenden Menschen; an hygienischen Maßregeln und einfachsten Bequemlichkeiten mangelt es. Vor ungefähr 2000 Jahren, nachdem die Römer das Land erobert hatten, waren über den Quellen große prächtige Badehäuser erbaut worden. Römische Schriftsteller überliefern uns den Ruhm der Bäder, Jofephus berichtet in den „Altertümern" von ihrer Heilkraft, im Talmud werden sie öfters erwähnt und es wird auch Klage erhoben über das sittenverd erb ende „ B a d e - leben". Herodes Autipas hatte Tiberias, das er zu Ehren des Kaisers Tiberius benannte, gegründet und er und sein Nachfolger haben die, Stadt mit reichen Bauten, die mit dem freilich noch glanzvolleren Gadara wetteiferten/'ausgeschmückt. Spärliche Säulen und Mauexreste künden noch von der „ B a d^e st a d t " Tiberias. Aber der Ruf der HeilquelleEblieb durch die vielen Jahrhunderte des Verfalles im Volke lebendig. Im Frühjahr ziehen noch heute Araber stämmeweise nach Tiberias zum Baden. Im Frühjahr hat sich auch eine gewisse Erfahrung über die Krankheiten, die durch die Bäder beeinflußt werden: können, herauskristallisiert. Es sind aber vor allem die Juden — deren Vorliebe für Bäder ja bekannt genug.ist, — des alten und neuen Jischuw,' die Tiberias-im Winter in großer Zahl aufsuchen und selbst' die primitivsten Badeverhältnisfe in Kauf nehmen: Ist nun der Ruf, den die Thermen seit dem Mtertume im Volk genießen, auch wissenschaftlich berechtigt? Eine ihuer wichtigsten Eigenschaften ist ihre hohe natürliche W ä r yl e. Die Meßmengen von Friedmann ergaben 61,5° Celsius. Die Thermen von Tiberias find sehr mineralreich, man findet 30 Gramm im Liter. (In Wiesbaden 8,8, Aachen 4,4 Gramm). Man findet ferner Natrium, Kalium, Kalcium, Magnesium, Eisen und die Amonen Chlor, Brom, Sulfat (So») Hydrokarbonat, ferner Kieselsäure und freien Schwefelwasserstoff. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Quellen von Tiberias eine äußerst günstige Kombination verschiedener physikalisch chemischer Eigenschaften darstellen. Die wichtigsten Heilanzeigen sind: 1. Rheumatische Erkrankungen. Rheumatismus ist ein Begriff, der für sehr verschiedenartige Leiden gebräuchlich ist. Vor allem werden chronische und subchronische Gelenkentzündungen und Gelenkversteisungen sehr günstig beeinflußt. Tiberias ist ein ausgesprochenes Rheumatikerbad, und da in Palästina rheumatische Erkrankungen sehr häufig sind, (wenigstens in der jüdischen Bevölkerung) wird e^.auch wegen dieser Leiden hauptsächlich ausge such, 2. Ischias. Besonders bei schweren ent zündlichen Flamen kann man sehr schöne Erfolge beubuUMlt'..-AeysKch verhalten sich auch andere N6rvenentzündunger..,und Neuralgien.?' Zungen verschiedener Genese, z. B infolge Rückenmarkleidens,, längere Zeit zurück liegenden Schlaganfalles. ' -. . 4. Kno ch e w .f.t* k> r a n k n,n g H^fonders .Knochenbruchbehandlung... 5. gr aue n k.rankheiten. Bei den Ara bern gelten die Bäder als Heilmittel gegen Un fruchtbarkeit. 6. Hautkrankheiten. Beobachtungen über die schnelle Heilung von Hautleiden findeman schon im Talmud. Dies sind die hauptsächlichsten Jndikatoinen. Für Trrnkkuren ist das Wasser wegen seiner Salzkonzentration wenig geeignet. Durch die Kombinationen mit Schwefel wird der schlechte Geschmack noch verstärkt. Ein großer Teil der Patienten, die Trinkkuren begannen, konnten trotz verschiedenartiger Verdünnungen sich nicht mit dem Geschmack abfinden. Auf jeden Fall werden immer Bäder, die hauptsächlichste und wirksamste Anwendungsform der Thermen von Tiberias bleiben. Zu erhoffen wäre, daß Tiberias einmal in der jüdischen Welt den Ruf als d e r Badeort einnehmen wird, wie ihn heutzutage beispielsweise Karlsbad besitzt. Dazu hat es k l i m a t i f ch e B e d i n g u n - gen und landschaftliche Reize, wie sie selten einem Badeort geschenkt sind. Tiberias, das im Sommer zu den heisiesten Gegenden des Landes! ehört, zeichnet sich im Winter durch ein mildes Aima aus. Die Badefaifon fällt entsprechend in jHe Monate November bis Mai und hat ihren Höhepunkt in den Monaten Januar bis März. Palästinas Ebenen teilen überhaupt die klimatischen Vorzüge y 'des Mittelmeeres derentwegen die vielen Kurorte seiner Küsten, irn Winter und Frühling von den-Nord- und Mitteleuropäern ausgesucht werden. Tiberias besitzt nun demgegenüber, den anderen. Orten Pa- Mstinas/stußer Jericho am-Töten Meer, ein. noch milderes Klima. Diese Besonderheit verdankt es dem außergewöhnlichen Faktum, daß es 200 m unter dem Meeresspiegel liegt. Nachdem ersten Megen hebt der Frühling in Palästina an. Dann entfaltet sich an den Ufern des tiefblauen Genezaretfees eine üppige Vegetation, zu der der tief herunter mit Schnee bedeckte Hermon (3000 m) wundervoll kontrastiert. Man darf wohl sagen, daß wohl wenige Badeorte in Europa eine so herrliche landschaftliche Lage haben wie Tiberias. Zu allem eignet dieser Gegend auch ein hehrer historischer Nimbus. So sind die besten Bedingungen für die Entwicklung eines Kurortes ersten Ranges gegeben. Die Negierung interessiert sich nicht für den Ausbau der Bäder, sondern nur für gewinnbringende Verpachtung; den bisher daran ernstlich interessierten jüdischen Käpitalgruppen ist es noch nicht gelungen, die Erforderlichen Gelder aufzubringen. Die 'wirtschaftliche Bedeutung, die der moderne Ausbau der Bäder für das Land hat, braucht wohl kaum erwähnt zu werden. Es sind aber vor allem die Kranken, die darauf wartest, daß sich ihnen die Bäder öffnen, deren Einrichtung eine rationelle medizinische Anwendung gestattet und unseren hygienischen und ästhetischen Anforderungen entspricht. Mre5ponaenre« « nacftricbten. Deutsches Reich. Die Synagogenvereine für die religiöse Friedensbewegung. Berlin, 19. Aug. Auf Veranlassung eines Initiativkomitees fand am 17. August im Plenarsaal des Gemeindehauses Rosenstrahe zu Berlin eine zahlreich besuchte Versammlung von Delegierten der Synagogenvereine aller religiösen Richtungen, sowie von Rabbinern statt. Nach der Eröffnungsansprache des Herrn Sally Struck hielt Herr Dr. Alfred N o f f i g das Hauptreferat. Nach ausgiebiger Diskussion faßte Dr. N o s s i g dis Ergebnisse der Beratungen und bisherigen Vorarbeiten zusammen: 21 Synagogenvereine, davon. aus der Reihe der großen Gemeindesynagogen, haben.Vertreter zu dev Beratung entsandt. Bei aller Verschiedenheit der Gesichtspunkte-, hat sich die' vollkommene grundsätzliche Übereinstimmung aller an der Aussprache Beteiligter^ hinsichtlich der. Notwendigkeit der Durchführung des vorgeschlagenen Planes herausgestellt. Noch vor der Versammlung haben sich 15 Rabbiner verschiedener Richtungen bereit erklärt, den Ehrenvorsitz der zu bildenden Bezirksausschüsse zu übernehmen. Mit den noch nicht beteiligten Synagogenver einen und Rabbihern werden die Verhandlungen fortgesetzt. — In dest ersten Septembertagen soll die Konstituierung des Zentralauschusses erfolgen, damit anläßlich der hohen Feiertags eine planmäßige Werbearbeit für den Friedensgedanken einfetzen kann. Schändung portugiesischen Synagoge: ^in Hamburg 1» r] Hamburg, 18. Aug. , Die S y n a gliche d er p o rtu g i e f isch -j üü'i - ch e.n G e m>ein he/in der MarcUsstraße zu Hamburg ist fn.. der Nacht otün! 17., zum 18!'August von unbekannten Tätern gef chä nl> e t woMen.' Nach Zertrümmerung einer Scheibe im Obergeschoß der Synagoge sind die Täter in das Innere eingedrungen und haben samt-

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