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Der Israelit · 1931-08-27 · Heft 35 (27.8.1931) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 35 (27.8.1931)
Date
1931-08-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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£L igen hen, eicht dem Hon gefeiitis- Gerger Hen; in sie sie und rber tm chen ibeoriamuen eine sche oße ung Ge- und ien. 27. August 1931 Der Zsraelit Nr. 35 Seite 3 fl sie nur einige Belange aus dem Komlex des jüdisch-religiösen Lebens, wie Schepita, Mikwoh und Mazzoth unter Obhut des orhod-oxen Rabbinates zu stellen hat, in der Schafflug einer Hochburg der liberalen Gesinnung, es religiösen Abfalls und der religiösen Willkür lso durch kein Statut behindert ist. Es bestätigt ich bis zur Evidenz, was wir schon immer zu iesem Thema zu sagen hatten: Wenn es in all den Jahren in Hamburg bei diesem merkwürdigen Nebeneinander glimpflich abging, so lag das weniger am System, als am guten Willen der Menschen, vielleicht auch an dem religiösen Desinteressement der Kreise außerhalb des Synagogenverbandes. Dieser gute Wille bekam aber seinen Stoß schon mit dem Schulkonflikt und mit der strasweisen Entziehung der Subvention an die orthodoxe Mädchenschule, er ist, wie unsere Leser aus Artikeln und Zuschriften über Vorgänge der jüngsten Zeit wissen, immer mehr im Einreißen begriffen, dieser „gute Wille". Das neue Kuppeldach in der Oberstraße zu Hamburg wird ein Memento für unsere Gesinnungsgenossen sein, ein Wahrzeichen dessen, was alles unter der Sonne religiöser „Neutralität" blühen kann, wenn man sich im eigenen Kreise mit der Rolle eines Maschgiach über Schechita, Mikwo und Mazzoth bescheidet, im übrigen aber einer Dachorganisation frei überläßt, mit den Steuergeldern der Mitglieder „Brennpunkte jüdischen Lebens" nach Geschmack und Neigung einer thorafremden Zeit zu schaffen. Das andere Gesicht. Des Entzückens voll über das frisch sprudelnde jüdische Leben in den Ländern des Ostens find die Mitglieder der Keren Hathora-Studienfahrt zurückgekehrt und werden nicht müde, zu berichten über die Reservoire der jüdischen Kraft, die in einer, wie man im Westen meint, thoraarmen Zeit, dort noch vorhanden sind und unter beispiellosen Opfern erhalten werden. Daß der jüdische Osten auch noch ein zweites Gesicht hat, mit dem die Reisenden weniger in Berührung kamen, ist bekannt und soll nicht verschwiegen werden. Wir haben — in ßublin war es — als wir am Sabbat mittag aus den Lichtsphären der Thora aus die Straße schauten, auch Autos und Droschken mit jüdischen jungen Menschen gesehen, die auf den Sport- und Spielplatz zum Fußballmatch fuhren. Dieser Skandal, sagte uns der Rabbi wehmutsvoll und zugleich optimistisch, ist der beste Beleg für die Notwendig-keU' Lebenswichtigkeit unserer Kibbuzim und Thoraanstalten in Polen. : Gewiß ist die Schar der Pflichtvergessenen : in Polen, die nach bekannten Jerusalemer j Mustern ihrer Sabbatseele bei Sport und Spiel j Nahrung zuzuführen suchen, nicht groß. Aber was dieser Fußballmoloch in Polen schon angerichtet hat und dauernd anrichtet, beweisen Berichte grade der nichtorthodoxen Presse — die der orthodoxen Presse sollen ja alle „Hetze" und „Stimmungsmache" sein. — Der Wilnaer „Tog", geleitet von Salman Reisen, ist ein nationales Blatt, aber eines jener einsichtigen Organe, die den Mut haben, das Kind beim richtigen Namen zu nennen und den eigenen Gesinnungsgenossen gelegentlich die Dinge so zu zeigen wie sie sind. Nicht von der religiösen Seite, nicht von der Sabbatentweihung spricht das Blatt, aber von der unglaublichen, in jüdischen Kreisen nie gekannten Verrohung der Sitten und Gefühle, die die Spiele in Polen jüngsthin an den Tag legten. In Radom nahm bekanntlich die blutige Schlägerei, die schon einem Pogrom sehr ähnlich kam, auf dem Fußballplatz am Sabbat ihren Ausgang. In G r o d n o spielten dieser Tage der Bialystocker und Grodnoer „Makkabr" einen Match aus. Aus dem Spiel wurde blutiger Ernst. Es gab Schwerverletzte auf beiden Seiten und die Männer der Jury mußten ohnmächtig vom Platze getragen werden. Das Publikum griff tätlich in den Streit ein. Eine ganze Kompanie Soldaten mußte zur Schlichtung des Streites und Wiederherstellung der Ordnung beordert werden. Der Wilnaer „Tog" wirft die Frage auf, ob es nicht schon besser und empfehlenswerter fei, am Sabbat daheim zu bleiben oder nach Altvätersitte ins Bes Hamidrasch zu gehen, anstatt solchem Fußballspiel mit Faust und Messer beizuwohnen. Andere Zeitungen nennen diese Vorgänge „Huliganismus", „nationalen Huliganismus". Das Wort trifft das Wesen der Dinge, womit sie aber nicht abgestellt noch gemildert sind. All das hindert nicht einen zionistischen Führer, Herrn Goldberg, — nach einem wörtlichen Bericht der „Hazefira" Nr. 123 — auf einem Bankett den „Hakoah" als Verkörperung des neuen jüdischen Typus, oder richtiger des alten, fchn'li vor tausend Jahren gekannten, zu feiern, des! Typus, „der es versteht, G'tt mit seinen Füßen! zu dienen." Ein neuer Götzendien^, ein Götzen-j fuft mit den Füßen. Kein Wunder, daß daraus! auch ein solcher mit den Hunden, mit Faust! und Messer wird.! Der Rabbi von Lubttn hat schon recht: Solche traurigen Abirrungen verdüstern das gewaltige Bild, das u-lv lrn Osten zu seben bekamen, nicht, sie beweisen nur, welche rettende Tat die großen Frankfurts größtes Spezialhaus bietet „Beste Qualität zu billigsten Freisen". Uhren aller Art 1■' Gold . Silber _ llfl Juwelen " w Bestecke Trauringe lefefth u n o soHn Nur Zeil 95 u. Töngesg. 25-27 Führer mit ihren Gründungen vollzogen und wie wir alle, in Ost und West und jenseits des Ozeans, ein vitales Interesse daran haben, jene Leuchttürme, . die unserer Jugend mitten im wogenden Meere der Zeit Weg und Ziel zeigen, zu erhalten. Ein allweltlicher Kongreß des Keren Hakhora. Das „Jüdische Tageblatt" in Warschau veröffentlicht ein Interview mit Dr. S. D e u t schlau d e r über Erfolg der K. H.-Studienreise und die weiteren Pläne des „Keren Hathora", dem wir folgendes entnehmen: Das eigentliche Ziel unserer Studienreise war, die großen Thorainstitutionen persönlich kennen zu lernen und das Interesse des westeuropäischen Judentums für den schweren Existenzkampf der Thorastätten im Osten zu wecken. Alle mündliche und schriftliche Propaganda kann die eigene Anschauung nicht ersetzen. Fürs erste mußte die Zahl der Teilnehmer beschränkt werden. Das Resultat übertrifft alle Erwartungen und Vorstellungen. Das Programm war vielleicht technisch etwas überladen, man hatte insgesamt über 4000 Kilometer in zwei Wochen bewältigt, aber die tiefen Erlebnisse lohnten alle Mühe. Die Eindrücke von dem sprudelnden religiösen Leben in Polen, lassen sich nicht übertreffen. Man hatte auch Gelegenheit, den größten religiösen Autoritäten und geistigen Führern menschlich näher zu treten, so dem „Chofez Chajim", dem Gerer Rebben, Rabbi Chajim Ofer, dem Lubliner Raw. Es ist interessant, zu bemerken, daß e i n Teilnehmer unserer Expedition sich von uns getrennt hat, um noch einige Tage beim „Ehofez Chajim" zu bleiben. Zwei andere jüngere Teilnehmer „verloren" wir in Mir bezw. Lublin. Man darf von der Auswirkung dieser Reise, an der Vertreter von sieben Ländern Westeuropas teilnahmen, das beste für den Keren Hathora erwarten. Ueber die nächsten Pläne des Keren Hathora w i; sf P’f diese Exkursionen eine be- Ml^^urichtung bleiben sollen. Es sind auch 1 w umgekehrter Richtung, von Osten nach Westen, u->.. ^rMn Hamburg. und fragt mich: „Was für eine Brochoh macht man, wenn man erfährt, daß eine abgestorbene Firma wieder auferstanden ist?" Die Antwort gibt er natürlich selbst: „Es ist die alte Brocho: dvi» D’ias> msw i'mvn." „Wem", — so fragt man, — „geht es schlimmer? Nach einem Toten klagt man dreißig Tage, den Lebendigen klagt man heute ständig nach. . ." Unter dem Motto rri>i nnwv ]"» erzählt man sich in Lemberg: Die ni»w sind oft genug Der Iehudi ist ständig — und dennoch t.Nd trotzdem geht der Jude heute mit einem verdrehten Kops herum und fällt dauernd auf die Füße. . . Den Konttast von „Einst und Jetzt" schildert primitiv, aber drastisch die nachstehende Gegenüberstellung: Früher hatte der Händler volle Schränke mit Ware und ein leeres Buch, — heute hat er leere Schränke und ein volles Buch. Früher sind die Menschen mit gefüllten Taschen und mit leeren Herzen umhergegangen, — heute aber geht man herum mit leeren Taschen und mit einem vollen Herzen... Auch das Spiel mit der muß in diesen verwickelten Zeitläuften herhalten, und darum erklärt man: Amerika tummelt mit der Welt, denn Amerika ist reich, und ivv ist im Zahlenwert genau dasselbe wie (Sturm, Orkan). Oder der folgende Einfall: „Jetzt verstehe ich, daß man tief in der nvirr (Erde) liegt, wenn man ein Mädel hat, das eine ni>2 ist, — denn ist im Zahlenwert naucn. Unüberwindlich ist diese ostjüdische Seele. Zwei armselige Kleinhändler sitzen auf dem Wall. Der erste: „Seit Wochen kann ich nicht schlafen. Ich kann kein Auge zumachen, wenn ich an meine Schulden denke, die ich habe!" Der zweite: „Warum hast du mir, deinem besten Freunde, bisher gar nichts davon gesagt?" Der erste: „Wirklich? Du bist bereit, mir zu helfen, und das Geld zu leihen, damit ich meine Schulden bezahlen kann?" — „Das nicht", erwiderte der zweite, „aber ich hätte dir gern ein gutes Schlafmittel gegeben!" Das Lachen hat man nicht verlernt im Ghetto. Aber unter der Maske des „Witzes" stöhnt und schreit der jüdische Mensch, den die Krisis in Polen mit doppelter Unbarmherzigkeit angefaßt hat. I. Raphael. (Iuden müssen Pfarrern silberne Löffel „schenken".) Ein Urteil, das nicht nur an mittelalterliche Zustände gemahnt, sondern sie auch praktisch wiederherstellt, wurde vom Kasseler Landgericht in einem Prozeß der jüdischen Gemeinde von Rotenburg 6. d. Fulda gegen das dortige Pfarramt gefällt. In Rotenburg sind die Juden aus Grund einer alten Berordnung, deren Datum und Entstehungsursache sich nicht mehr feststellen läßt, dazu verpflichtet gewesen, alljährlich je einen silbernen Löffel an den Stiftsprediger der Neustädter Kirche abzuführen. Schon in den Jahren 1809, 1833 und 1851 wurden-vergebliche Versuche gemacht, diesen vermeintlichen Rechtsanspruch des Pfarramtes für nicht bestehend erklären zu lassen. Die Behörden und Gerichte stellten sich aber immer auf die Seite des Pfarramts. Nur während der französischen Okkupation von 1814 haben die Juden diese entwürdigende Abgabe nicht zu leisten brauchen. Vor kurzem ist es nun den beiden jüdischen Nachbärgemeinden von Meimbressen und Mansbach, für die eine gleiche „Verpflichtung" anerkannt wurde, gelungen, sie durch die Justizbehörde in allre Form annullieren zu lassen. Daraufhin hat nun auch die Gemeinde Rotenburg den Versuch gemacht, eine Entscheidung der Gerichte herbeizuführen, nach der diese Abgabenverpflichtung aufgehoben wird. Das lokale Notenburger Gericht lehnte das ab und erklärte den Anspruch des Pfarrers auf die Löffelsteuer für einen gültigen Rechtstitel. Aber auch die Revisionsinstanz, das Landgericht in Kassel, schloß sich dieser Auffassung an. In einer eben der jüdischen Gemeinde von Rotenburg zugeleiteten Urteilsbegründung von fünfzehn Seiten Umfang führt das ■ . zu erweisen gewesen, daß die LöfsilM aus: Es sei nicht mittelalterlichen HörigkeitsverhältnisseL'ler Ueberrest des Kirche sei und es werde nicht für ausgefchlo,^uden zur daß es sich um eine privatrechttiche Schuld drehalten, an die Kirche handelt. Sei das aber der Fall, so lükn die Lösfelabgabe auch weiterhin geleistet werden. — Aus der bloßen Vermutung, es bestünde eine privatrechtliche Abmachung dieser Art, begründet das Gericht also eine Entscheidung, die jeden jüdischen Einwohner Rotenburgs dazu verpflichtet, auch jetzt noch dem Pfarrer alljährlich einen Löffel zu geben. Auf juristische Kreise wirkt diese Urteilsbegründung um so befremdlicher, als ja kaum angenommen werden darf, daß eine privatrechtliche Schuld auf so seltsame Art wirklich abgetragen werden könnte. Handelte es sich um eine der Kirche zurückzuzahlende Summe, so müßte doch die Geltungsdauer der „Steuer" und der Wert der zu entrichtenden Löffel fixiert worden sein. Bei der hessischen Judenheit hat die menschlich und juristst-' unverständliche Handlung des Kasseler Landgeri,;*•;<= —"tze Verstimmung ausgelöst. Wochenkalender., v. 29. Aua. - 8. Sept. 1991 ' n. 16. Elul - 23. Elul 6881 Samstag 29 16 tmn-o Sonntag 30 17 Montag 31 18 Dienstag Sepf. 1 19 Mittwoch 2 20 Donnerstag 3 21 Freitag 4 22 Samstag 5! 23 li"i aiysi

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