Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1931)
- Date
- 1931-08-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 35 27: August 1931 Frankfurt a. M., den —irmrsm Ein Centralorgan tOr das orthodoxe Judentum Begründet von Dr. Lehmann in Main). Abonnement ab Juli 1929: Deutschland. 1.39 Mark monatliche Ausland: Vierteljahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Ber- " sandes) Deutsch-Lkterreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga5.; Lolland 2 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire: Iugoslaoien 88 Din.; Litauen 7L0 Ltt.; Rumänien ab 1. 7. 37. 180 Lei: Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 WM breite Reklamezeile: letzte Tertsett' 2.— Mk., vorletzte Tertseile 350 Mk.; Chiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarism. Preiserhöhung jederz Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de» Verlag des Israelit T. m. b. §., Frankfurt a. M, Rechneigrabenstratze 7, Tel. Hansa 21084 sow. durch sämtl. Aunoncen-Exped. d. In- und Auslands. Alleinige Jnferatenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderltnstraße 25 Tel. 45888. Platzvorschr. ohne Berbindlichk. „ t direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19612. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79605. — Postsparkassen,mt Budapest Nr. 18424.— Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VIII 7354. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34869 — Postscheckamt Prag, Nr. 79.080 — Banca Marmarosch Blank & Co. Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten sich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat September Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Aber selbstverständlich ist ein in detailliert genauen geographischen Einzelheiten gegebener Bericht der Bibel nicht gleichwertig mit einer vagen Luftgrillenkombination des Orientalisten; es heißt vielmehr bei Noch: die gemeinsame Landnahme durch die zwölf Stämme habe sich „als Fiktion erwiesen". (!) (Wieviel auffällige Namensgleichheiten gibt es gerade in der Bibel! Ein Sohn Esaus heißt Korach, ein Philisterkönig Abimelech, Esaus Weib Judith, der Schwiegervater Mosches und ein Sohn Esaus Reuel und viele andere Beispiele mehr.) Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. Geschichte und Phantasie. Voll Dr. Joseph Carlebach in Altona. gl! ii. Die ganze Grundlage für die kühnen Konstruktionen Noths bildet ein Namen isr eines in ägyptischen Listen vorkommenden Fremdvolkes oder Fremdlandes in Nordgaliläa schon aus der Zeit 1300 vor unserer Zeitrechnung. Dieser isr wird als Ascher identifiziert. Also saß Ascher schon vor der Eroberung durch Josua in Palästina, und so gut wie er, gewiß auch andere „Leastämme"; später erst sei das „Haus Joseph" über den Jordan eingebrochen und habe zur Erfindung der „Rahelstämme" den Anlaß gegeben. Es ist symptomatisch, wie hier die „alttestamentliche Wissenschaft" arbeitet. Zunächst ist die Gleichung isr-ascher reine Kombination. Geben wir sie als bewiesen zu, daß ein Landstrich oder eine Volksgruppe einen Namexr, aus der Wurzel ivn gebildet, vor JsraAs Msitznahme getragen hat, kann das uns wundeMl.ehmen? Aschera ist altkannanäischer Götternaine, Avarum sollte nach ihm nicht ein Eigenname sich gebildet haben? Ascher heißt ferner glücklich, gLpriesen. Warum sollte sich nicht eine soalche NMensbildung vor Israel gefunden haben? (Etwa Glücksland, wie pn pH in Maleachi 3, 12.). Dagegen ist in Jofua 19, 24 bis 32 in absoluter Deutlichkeit die Landnahme Äschers erzählt und zwar als eine der letzten unter den israelitischen Stämmen. Aber seien wir einmal Gläubige des Unglaubens und nehmen demütig an, das „Zwölfstämme-System" ist nach Schema F in der Zeitepoche E eingeführt, glauben wir einmal, die „Künstlichkeit" des Systems hätte auf den ersten Blick es uns als historische „Fiktion" bewiesen, daß zwölf Stämme gemeinsam Palästina erobert und sich dort angestedelt haben.. Wenn sich also das „Zwölfstämme-System" nicht als eine getreue Widerspiegelung einer auf ganz natürliche Weise gewordenen historischen Situation verstehen läßt, so muß man doch annehmen, daß es für irgendwelche bestimmten Zwecke erfänden worden sei. Nun hält, wie gesagt, Noth das für eine festgestellte Tatsache, daß auch das israelitische Zwölfstämme-System in der Zeit vor der Staatenbildung entstanden sein muß und, wenn überhaupt jemals, dann jedenfalls in vorstaatlicher Zeit eine bestimmte historische Grundlage gehabt hat. Es müsse ihr „eine Organisation von Stämmeverbänden zugrunde liegen, die bei den Völkern ohne staatliche Ordnung im Bereich der geschichtlichen Welt, in der Israel lebte, eine gewisse Rolle gespielt habe." Und nun kommt der Clou: bei den alten Griechen gab es solche Stammesverbände, genannt „Amphiktyonien". Wir bitten den Leser, das Wort zehnmal zu wiederholen, damit er es auch gut behalte. Es gab sogar Amphiktyonien von 12 Gliedern. Also gab es auch in Israel einen Amphiktyonienverband, es gab amphiktyonische Rrtualakte, und diese Institution einer Amphiktyonie schuf das Organ für einen dauernden Zusammenhalt. Ein solcher Zusammenschluß muß als das Erste „vorausgesetzt" werden, er führt dann seinerseits zu der Notwendigkeit eines gemeinsamen Zentrums durch Uebernahme des Kults in einem schon bestehenden Heiligtum. In Israel sei es die alte Stadt Sichem gewesen, die den heiligen Mittelpunkt abgegeben habe. Dies, alles müssen wir Noth glauben, und es lohnt ja schon, denn wir sind dadurch um ein ganz bedeutendes Fremdwort für unsere jüdische Geschichte bereichert worden. Es sollen dann auf Grund solcher Phantasien die Berichte des Deuteronomiums, des Buches Josua und der Richter umgedeutet werden. Dabei gerät der Verfasser in jedem Satz in neue Verlegenheit, vor allem die Zusammengehörigkeit von Benjamin und Juda macht ihm große Kopfschmerzen. Denn wenn er zu den „Rahelstämmen" gehörte, wie kommt er in die Gemeinschaft mit Juda? Wir hören zu unserer Beruhigung, die Einwanderungsgeschichte beruhe „auf ausschließlich benjamitischer Tradition". Aber da fragt es sich, wie ist die Gestalt des Josua, die, wie die Lokalisierung feines Grabes auf dem Gebirge Ephraim bestätigt, speziell zum „Hause Joseph" gehört, in diese benjaminitische Einwanderungsgeschichte hineingekommen? So taumeln wir von einer Schwierigkeit zur anderen. U. E. ist es dem Verfasser an keiner Stelle gelungen, durch seine AuffteMrygen auch nur in irgendeiner Weife Tatbestände ^'dder textliche Schwierigkeiten aufzuhellen, immer wieder müssen neue Annahmen gemacht, immer wieder uns. statt geschichtlich belegten Materials Vermutungen zum Ersatz dargereicht werden. Wir lehnen das Ganze als absolut unwahrscheinlich ab. Für uns ist die Bibel kein Buch der Phantasie und historischer Rekonstruktionen. Wir glauben nicht, daß die Bibel, die die Lüge verbietet, Lügen lehrt, letztlich nur um das Gesetz zu begründen: du sollst nicht lügen. Aber abgesehen von diesem für uns unvollziehbaren Gedanken von der Unwahrheit und Unzuverlässigkeit des Vibelberichtes ist es psychologisch unvorstellbar, daß eine Geschichte der 12 Jacobsöhne erfunden worden sei, die zehn Stämme und speziell die führenden Juda und Levi, mit dem Makel des Bruderhasses behaftete. Wer historisch in der Darstellung der eigenen Vergangenheit so wenig idealisierend, so wenig beschönigend Schuld und Fehl aufdeckt, wem immer nur dis ethische Tendenz den Griffel führt, der ist über den Verdacht erhaben, Dichtung für Wahrheit auszugeben. Infolgedessen ist für uns die Urgeschichte der heroes eponymi die völlig ausreichende Erklärung für das „System" der zwölf Stämme. Und wir überlassen es neidlos der Bibelkritik, sich aus Gründen der Amphiktyonie die Geschichte Israels zu erklären.