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Der Israelit · 1931-08-20 · Heft 34 (20.8.1931) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 34 (20.8.1931)
Date
1931-08-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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20. August 1931 Der Israelit Blätter Nr. 17 Seite 3 tionen überzeugt gewesen ist.: Man vergißt jedoch, wenn man auf jene Zeiten hinweist, die auch ohne Agudas Jisroel Überstunden worden sind? daß in jenen Zeiten die Judenheit innerlich einheitlicher und homogener gewesen ist. Es waren wohl der Schwierigkeiten und Nöte genug. Man war von draußen beengt und bedrängt, und wir wollen uns nicht der Selbsttäuschung hingeben, als ob innerlich alles aufs Beste gewesen wäre. Aber die Grundlage, ich meine die seelische Grundlage, auf welcher diese Gemeinden beruhten, war fester. Man war und fühlte sich als einen Tell des *?*?> der auf der min basiert und der, wenn auch nicht in einer nach außen sichtbaren Organisation zusammengefaßt, eine straffe Einheit dargestellt hat. Man war nicht in Parteien gespalten, die, obgleich sie die ,min» das grundlegende Statut der jüdischen Gemeinschaft negierten, dennoch Vorgaben, das Judentum in seiner ursprünglichen und wahren Form zu repräsentieren. In jener Zeit konnte füglich aus eine Organisation verzichtet werden, wenn man aber auch zugeben muß, daß strotz der grundsätzlichen und weltanschaulichen Einheit eine Zusammenfassung der Kräfte auch in jener Zeit gute Früchte gezeitigt hätte. Wenn man daher in unserer Zeit,' wenn auch spät genugendlich dazu geschritten ist, die zer-i splitterten und verstreuten Kräfte ZU sammeln, so ist dies als die späte Erkenntnis einer unbedingten Notwendigkeit zu werten. Eine Notwendigkeit, die im Laufe der Zeiten immer mehr hervorgetreten ist und die ihre Berechtigung nicht nur darin hat, weil wir in einer Zeit der Organisationen leben, in welcher sich die Gleichstreüenden auf allen Gebieten zusammenschlkeßen. Dies wäre als äußeres Merkmal nicht genügend, um die Begründung und die Existenz einer Agudas Jisroel zu rechtfertigen. Es handelt sich hier um viel mehr. Es bedeutet die Erkenntnis, daß unsere Zeit mit ihren Nöten und Zerrissenheiten auf allen Gebieten uns völlig zerreiben muß, wenn wir weiter in unserer Atomisierung verharren und wenn wir nicht alle unsere Kräfte zusammenfassen. Und es handelt sich hierbei um zwei Dinge. Um die begriffliche Klarstellung des wie um die praktische Erfüllung der Notwendigkeiten, die zur Erhaltung dieses dienen sollen. Rein begrifflich hat Vmw’ mm den Charakter des ehemaligen ^2-Gedankens wieder ausgenommen. Den Gedanken, daß das Judentum im Zeichen der mm entstanden ist und nur so weiter bestehen kann. Dieser Auffassung vom Judentum das Wort zu reden und einer Verschiebung des: Grundbegriffes des Judentums wirksam entgegentreten'zu können, gehört mit zu den Grundtendenzen, um derentwillen Agudas Jisroel begründet worden istt Sie nimmt, das einem großen.Teile unserem jüdischen Brüder entfallene Panier wieder auf und steht zur alten Deutung des. Begriffes der keine andere' Aufgabe hat, als die am Sinai offenbarte schriftliche und mündliche Lehre zur Grundlage und zum Grundprinzip alles jüdischen Lebens und Denkens zu machen. Der die Aufgabe hat, die Ideologie des Judentums vor Verfälschung und Mißdeutung zu bewahren. Natürlich darf sie sich, nicht auf die bloße Ablehnung fremder, in das Judentum eingedrungener Ideologien : beschränken. Wir. dürfen uns gewiß nicht mit ewigen Protesten begnügen^ besonders dann -nicht, wenn diese Proteste nicht von eigenen. Taten und Leistungen begleitet sind. n Aber damit! streifen wir ein besonders empfindliches und schmerzensreiches Gebiet agudistischer Tätigkeit. Nicht etwa schmerzensreich deshalb, weil die Agudo zu wenige praktischer Arbeit geleistet hat. Es ist vielmehr eher zu viel geleistet worden. Ich möchte dies dahin verstanden wissen, daß die Agudo sich in ihrer Praktik schen Tätigkeit allzusehr zersplittert hat, daß sie sich allzuvielen Aufgaben zugewendet hat. Und so möchte ich die Behauptung wagen, daß in ihrem ersten Programmsatz der Fehler enthalten ^ei. „Me im-Judentum auftauchenden Fragen. im Sinne der mm zu lösen." Gewiß ist eine solche Zielsetzung als im Sinne der Agudo zu 'bezeichnen. Aber praktisch ist die Zielsetzung erst «dann von Wert, .wenn es der Agudo gelingt, die gesame.-chortatreue Judenheit unter ihr Banner zu scharen. Nun wird man aber, und mit einer gewissen Berechtigung sagen, daß diese hohe Zielsetzung ebendeshalb geboten war, um durch sie die Bereinigung der thoratreuen Judenheit herbeizuführen und um dadurch dev bedauerlichen Zersplitterung in unserem Läger zu steuern. Indem man aber von Anfang den sims etwas zu hoch angefangen hat, wurden Hoffnungen erweckt, die dann nicht erfüllt werden konnten. Es muß gewiß zugegeben werden, daß so manche Hoffnung deshalb keine Erfüllung gefunden hat, weil die Gefolgschaft der Massen nicht im erwünschten Maße gekommen ist. Es steht aber ebenso fest, daß die Oeffentlichkeit infolge ihres Programms zu viel von der Agudo erwartet hat und daß, als die Erwartungen nicht erfüllt werden konnten, eine Ernüchterung eingetreten ist. Man stellte Anforderungen an die neue Organisation, ohne ihr Gefolgschaft zu leisten und ohne sie in ihren Zielen zu unterstützen. Das Erreichte ward bagatellisiert, weil es bei der Not der Zeit nur einen kleinen Teil dessen dargestellt hat, was man 'gewissermaßen als ein Wunder von der Agudo erwartet hat. Man glaubte, die Agudo würde alle Nöte bannen und alle Wünsche erfüllen können und all dies, ohne daß man ihr die Mittel gab, die sie doch hierzu benötigte. Unter Mittel verstehe ich hier nicht bloß Geldmittel, ohne die schließlich auch eine Organisation rein idealer Natur nicht arbeiten kan. Man stellte sich ihr nicht — und dies ist das Hauptübel — mit Leib und Seele zur Verfügung. Man gab ihr im besten Falle einen bescheidenen Jahresbeitrag, mittels dessen sie alle möglichen und. unmöglichen Wunder vollbringen sollte. Was hat man nicht alles von der Agudo erwartet bezw. verlangt Bevor noch der mim pp überhaupt begründet war, forderte man oder glaubte man fordern zu dürfen, daß sich kein rrtniPö irgend einer na’tp* mehr sehen lassen dürfe. Wozu haben wir denn die Agudo, wenn sie nicht imstande ist. alle nia'w' zu erhalten? Daß man ihr aber die Mittel hierzu auch nicht in annäherndem Maße gegeben hat, irritiert ja große Geister nicht. Von der Agudo wurde erwartet, daß sie jedem jungen Menschen, der naw rniw ist, zu einer Stelle verhelfe. Es wurde von ihr verlangt, daß sie in pH Kolonien errichte und überhaupt großzügige prr ^nv-Politik treibe. Je schwieriger sich die Ver hältnisse draußen in der großen Welt gestaltet haben, desto größer und dringender wurden die Anforderungen : an eine Organisation? die alle Fragen im Sinne der min lösen wollte und: nun programmgemäß auch lösen , sollte. Man übersah nur hierbei ein sehr wichtiges und grundlegendes Naturgesetz' Daß -eine Maschine nur soviel Kräfte entfalten' könne, als man ihr an Energien zugeführt hat. Dasselbe gilt wie von der Maschine, so von allen Dingen und schließlich auch von einer Organisation. Die Zusammenfassung von Einzelenergien zu einem Ganzen bedeutet ganz gewiß eine Vervielfältigung der Kräfte. Was viele Einzelne nicht bewirken können — und' verfügten sie über noch so starke Kräfte — kann erreicht werden, wenn viele. Einzelne sich zu einem Ganzen zusammenschlietzen. Einerlei, ob es sich um moralische oder materiell-mechanische Kräfte und um beide vereinigt handelt. Voraussetzung aber ist, daß diese moralischen und materiellen Kräfte auch wirklich zusammengetan werdend Daß es nicht bei einem bloßen Zusammensassen , von ' Personen bleibe, ohne daß diese Einzelpersonen auch ihre Kräfte in den Dienst der Organisation stellen. Wo dies aber.nicht, oder nur zu einem geringen Teil der Fall ist, da kann ganz naturgemäß die Organisation nicht viel leisten. Da muß sie eine lose, zusammenhanglose Vereinigung von Personen bleiben, die wohl ein gemeinsames Ziel haben, aber i nicht; imstande sind, diesem Ziele mit Erfolg zuzustreben. Eine solche Vereinigung hat eine bloße demonstrative Bedeutung, die ihr aber mit der Zeit auch verloren gehen muß, weil sie . nicht die innere Kraft besitzt, nur neue Mitglieder anzuziehen und sie auch nicht hindern kann, daß sie in sich langsam abbröckelt. Dies muß das Schicksal der Agudo sein, wenn sie nicht alles daran setzt, die große Idee, die ihr innewohnt und die zu ihrer Begründung geführt hat, auch zur Entfaltung zu bringen. Die Grundidee der Agudas Jisroel, den auf Grundlage der .min aufzubauen, ist so gewaltig, daß sie — so mühte man meinen — imstande sein müßte, alle nun 'pibw die Sonderansichten über den Weg, der zu diesem Ziele führt, zu überwinden und einer Synthese zuzuführen. Dies ist m. E. der erste und wichtigste Schritt, der unternommen oder doch wenigstens versucht werden müßte. Den niaabn TiTS' der in unserem Lager so groß ist — und vielleicht deshalb so groß ist, weil alle es mm? meinen und ein Jeder glaubt, daß man nur dann dem hohen Ziele dienen! kann, wenn man es in feiner Weise tun würde — die Spaltung und die Zerrissenheit in unserem eigenen Lager zu bannen. Ohne diese Einigung ist eine ersprießliche Arbeit in der Agudo nicht zu gewärtigen. Wenn es wie bisher weiter geht, daß ein Jeder las^-nna .1212 ist und sei es in reinster D^m nn> so bleiben unsere Bemühungen wirkungslos und wir find auch weiterhin nicht imstande, den gewaltigen Gefahren, die die Zeitverhältniste und Zeitströmungen mit sich bringen, auch nur im entferntesten zu begegnen. Dann bleiben wir eine mim ne?' eine atomisierte schwache Gemeinschaft, die kaum noch mehr diesen Namen verdient. Wir stehen dann da wie in den traurigsten Zeiten des nihä mit dem Unterschiede, daß im früheren Jahrhundert die Judenheit nach außen hin wohl atomisiert, aber innerlich doch eine feste und homogene Gemeinschaft gewesen ist. Damals konnte die Judenheit wohl ohne Organisation bestehen. Daß dies heute nicht der Fall ist, daß Zeitgeist, Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse und andere Faktoren von innen und von außen an dem Lebensnerv des jüdischen Volkes unaufhörlich nagen, diese Veränderung der Verhältnisse verlangt ganz andere Mittel und Wege. Da heißt es, den ernsten Versuch zu machen und alles auzubieten, um eine Konzentrierung der Kräfte und die in der Agudas Jisroel begonnene Sammlung unter der Fahne der min auch wirklich herbeizuführen. Dies müßte die Zielsetzung sein, die die Arbeit der Agudo und für die Agudo vorerst bestimmen müßte. Das Ziel soll heißen: Erweiterung der Organisation und durch sie eine wahrhafte Front aller wnu zu schaffen. Dieser Zusammenfassung aller Gleichgesinnten und Gleichstrebender gelte unsere Arbeit und unsere Propaganda. Mögen diesem Rufe folgen all diejenigen, die'die Erhaltung des mwn ds? auf der Grundlage der mm als wichtigste Lebensaufgabe des jüdischen Volkes erachten. Je größer die Anzahl derer, die dem Rufe der Agudo folgen und die sich in den Dienst dieser Aufgabe stellen wollen, desto größer und intensiver wird die Vetätigungsmöglichkeit der Agudas Jisroel sein. Mögen sie alle kommen mit Hintansetzung ihrer besonderen Wünsche, die gewiß gut und ehrlich gemeint sind. In einer Gersteinschaft, die die min in ihr altes Recht einsetzen will? werden diese die Geister bislang scheidenden Fragen im Sinne der nun geklärt werden können. Die Organisation, die einen mm^ #na rnviv über sich gesetzt'hat, dem die letzte Entscheidung in allen wichtigen Fragen zusteht, wird auch die richtige Antwort auf diese Fragen finden und eine Synthese herbeiführen in Ansichten, die sich heute noch gegenüberstehen. Dann, wenn alle, die es angeht, kommen und Mitarbeiten, wird unsere Agudo zu einer wahrhaften mm werden. Dann wird sie auch an die Verwirklichung ihres Programmes herantreten können: Alle Fragen, die an das Judentum herantreten, zu lösen im Sinne und im Geiste von nrnpn 12min-

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