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Der Israelit · 1931-08-20 · Heft 34 (20.8.1931) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 34 (20.8.1931)
Date
1931-08-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 2 Nr. 17 rend die Seele in der Regel zurückgedrängt wird — und so der Kampf in dem Menschen selber entsteht und er den Ausgleich nicht findet, so ist es um ihn geschehen, so ist in den meisten Fällen die verloren oder doch in den Hintergrund gedrängt. Wie mit dem einzelnen Menschen, ist es nicht anders mit dem *?*?a,der sich ja letzten Endes aus der Einzelnen niatti zusammensetzt. Auch die Seele des 1“?k*hp» bh6 leidet in erster Reihe dann, wenn die Erhaltung des Körpers allzusehr in den Vordergrund tritt und alle Kräfte des Menschen für sich und für seine Erhaltung in Anspruch genommen sind. Wenn die Anforderungen der einzelnen Glieder des bman ^a für ihr leibüdyes Wohl allzuhoch gestellt werden, wenn man sich nichts versagen will, was die Welt an Genüssen und Annehmlichkeiten bietet, wenn man es der nichtjüdischen Welt in Allem nachmachen will, dann müssen die Notwendigkeiten der Seele zurücktreten. Die Welt mit ihren Äußerlichkeiten ist sodann stärker und drängt das rein Geistige und Seelische in den Hintergrund, dann ift.Tnnn mir pj?a nrm»' dann ist die n—rm mit ihren geistigen Forderungen in einen dunkeln Winkel geschoben. j Es kann aber auch auf andere Ursachen zurückzuführen fein, wenn alles Geistige darniederliegt und völlig zu verkümmern droht. Es ist dies in solchen Zeiten der Fall, in denen nicht Genußsucht, sondern die bittere Sorge um das tägliche Brot alle Gedanken und Kräfte des Menschen in Anspruch nehmen. In einer Zeit, wie der jetzigen, in welcher allen Menschen die schwere Sorge um das Morgen auf der Stirne geschrieben steht, in einer solchen Zeit werden Probleme, die mehr oder vorwiegend geistiger Natur sind, beiseite geschoben oder nur wenig beachtet. Es ist dann wieder einmal eine Zeit, von welcher man sagen kann: Dann cm nvwii «p 'iav In einer solch' schweren Zeit dürste es als gewagt gelten, für die Agudas Jisroel, die doch in der Hauptsache eine geistige Bewegung ist, Propaganda zu machen und die Herzen, die voller Sorgen für die Fragen des Tages sind, für sie erwärmen zu wollen. Und doch muß er geschehen, weil das jüdische Volk auch darin anders ist, als alle anderen mal« daß es auch nicht kurze Zeit ohne nawi leben kann, weil eine Verkümmerung seines geistigen Lebens auch den physischen Untergang des Volkes bedingen muß. Wenn der Körper des Vinn?’ bbs in Gefahr gewesen ist, da mochte die Mahnung des Propheten gelten: '131 “p-ma ton ’a» *]*"?• Da konnte man sich eine Zeitlang vom Getriebe der Welt loslösen, sich ganz auf sich zurückziehen und warten, bis wieder bessere Tage kamen. Gefahren, die unseren «p bedroht, haben wir in unserer Geschichte genügend durchgemacht. Sie sind auch nicht ohne Spuren an uns vorübergegangen. ■’ims *ypn vr*n Sie haben uns geschlagen, verwundet und haben uns so manchen Schmuckes, seelischer. Art, den wir von unseren vAiapn niarr besessen haben, beraubt. Aber sie konnten uns die Seele nicht nehmen. Kamen wieder bessere Zeiten, so konnten wir wieder aus unseren Verstecken heraustreten und weiterleben. Das geistige Leben jedoch kann sich solche Pausen der völligen Untätigkeit nicht leisten, sofern wir nicht schweren Schaden an unserer Seele nehmen sollen.. Wollten wir alles geistige Streben ganz zurückstellen, bis die krisenhafte Lage, in welcher sich beinahe die ganze Welt befindet, einer besseren Zeit weichen-wird, so würden da-, durch viele Werten verloren gehen, die nicht mehr ersetzt werden können. Bei allem Verständnis, für die gewaltigen Nöte der Zeit, die' in erster Reihe und wohl am schwersten ^nwia im« betroffen, muß doch gesagt werden, daß wir das seelische Moment nicht ganz hintanstellen und daß wir uns keinesfalls mit dem tos," ts? m »ras *arr CayT beruhigen dürfen. Auf diesem Gebiete bedeutet jeder Stillstand einen Rückgang, der nicht ohne die schwersten Folgen für die Seele des Vk‘iP‘> Vts bleiben kann. Dies ist der Rechtstitel dafür, daß Agudas Jisroel auch in einer solchen Der Israelit Blätter Zeit den Mut. aufbringt, hinauszutreten und für sich und für die Ideen, die sie vertritt, Propaganda machen will. ' -w Es ist nichtnotwendig, viele Worte darüber zu machen, was Agudas Jisroel will'und was' A. I. bedeutet. A. I. bedeutet nicht mehr und nicht weniger als den festen Willen, den ^a wieder auf der Basis aufzubauen, auf welcher er früher bestanden hat. Es war dies zu einer Zeit, von welcher man glaubte, daß. eine Organisation wie Agudas Jisroel nicht nötig.-fei und im gewissen Sinne auch nicht notwendig gewesen ist. Zu einer Zeit, da noch nicht wüste Reformsucht und assimilatorischer Nationalismus an dem Körper des ^a nagten, da sie sich noch nicht von allen Seiten auf die Seele des jüdischen Volkes gestürzt und sie zu Gunsten des zurückgedrängt haben. Es war dies zu einer Zeit, da man unter Judentum nichts anderes verstanden hat als das Judentum der vnivvni nainan min* Eine Zeit, in welcher man all die Formen des Judentums, wie sie sich unter dem Einfluß der Reform und, des religionslosen Nationalismus gebildet und als Judentum ausgegeben werden, als Blasphemien betrachten mußte. Es wäre von unschätzbarem Werte gewesen, wenn schon in jener Zeit, als das Unglück der religiösen Assimilation über das Judentum hereingebrochen ist, eine Organisation wie die A. I. vorhanden gewesen wäre. Wenn nicht in jener Zeit die einzelnen Gemeinden sich selber überlassen gewesen wärn. Wieviel Unheil hätte noch abgewendet werden können, wenn die Kräfte des Widerstandes nicht atomisiert gewesen wären, wenn man planmäßig organisiert mit vereinten Kräften dem Anstürme der Zeit und ihren trügerischen Ideen entgegengetreten wäre. Die Reihen der Thoratreuen sind doch in jener Zeit noch viel geschlossener gewesen und mit ungleich größerer Kraft hätte man den Stoß der Reform auffangen und zurechtweifen können. Aber kw n'psn m nn “lajwb psmn. Es hat keinen Zweck, über versäumte Gelegenheiten zu jammern. Und wir wollen uns auch nicht wundern darüber, daß es in jener Zeit an der Zusammenfassung der Kräfte und dem notwendigen Zusammenschluß der W wim m w» gefehlt hat. Wir brauchen ja bloß unsere Zeit zu betrachten. Wir brauchen ja nur in unser eigenes Lager zu blicken und wir wollen uns über nichts mehr wundern. Sind doch in unserer Zeit die Probleme viel verwickelter, die Lage der Judenheit in den meisten Ländern trotz äußerer, formaler Emanzipation, eine viel schwierigere, als sie in jener vormärzlichen und rechtlosen Zeit gewesen. Es ist doch wahrhaftig nicht nötig, auf alle Nöte der Zeit, soweit sie die- Judenheit be^ rühren — und welche Not hätte nicht und dazu in erster Reihe die Juden betroffen — erst Hinweisen zu müssen. Sie liegen so deutlich auf "der Hand, daß nicht einmal ein Verschließen der Augen mehr nützen kgn-n.. Wer kennt sie nicht, die furchtbare Judennot im Osten, die ins Groteske gehende seelische Not in Sowjetrußland. Die Verarmung des größten Teiles der' Juden auch in solchen Staaten, wo sie früher zu den gehobeneren Ständen-gehört haben. Die.Proletarisierung weiter Kreise, die allzurapid in diese Not geraten sind, um sich in ihrer neuen Lage zurechtfinden und emrichten zu können. Und wie furchtbar ist erst überall die Lage derer, die nicht um ein Linsengericht die Erstgeburt verkaufen wollen. Die nicht den rav, die Seele des jübischeu Volkes, seine mn» nmi, Vergeben und inmitten aller Nöte der jüdischen Aufgabe die Treue bewahren wollen. Und dennoch, trotz all dieser nnx, sind wir nicht imstande, unsere, wenn auch schwachen Kräfte zusammenzufassen, uns besser und wirkungsvoller gegen die uns drohenden Gefahren wehren zu können. Trotzdem fehlt es noch an der eigentlichen n*mx, an der Vereinigung all derer, denen swnpn urrnn Grundprinzip und Lebensideal des Judentums bedeutet. Trotzdem gibt es noch Viele, die der Agudo fern bleiben Sicher nicht'aus bloßer Negation oder aus etwaigem 20. August 1931 Uehelwollen. Sie haben alle ihre Gründe und nach ihrer Ansicht triftige Gründe, um die Agudo negieren oder auch bekämpfen zu dürfen. Die Einen befinden sich im Gehege anderer Organisationen, die auf praktischem Gebiete für jüdische Interessen mehr leisten können., Aber wo bleibt die Präponderanz des Geistes oder besser gesagt, der Vorrang der naivwenn man einer Organft sation fernbleibt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den alten ^a in seiner Unverfälschtheit wieder herzustellen, den 'man der seinen Bestand in der Herrschaft der min allein gesichert sieht. Auf der anderen Seite stehen wieder diejenigen, die ihrer Grundeinstellung nach gleichfalls zur Agudo gehören, die ihr aber wegen sogenannter niwwn fernbleiben. Es ist schwer zu rechten mit Leuten, die es sicher sehr ehrlich meinen, denen aber Männer wie der Vya und nny wm '*i nicht maßgebend genug sind und die da glauben, cpbw uwb da abseits stehen zu müssen, wo diese Männer es als eine heilige Pflicht betrachten, die Organisation der Agudo zu stärken. Es ist schwer anzukämpfen gegen eine aw öp1? nj?il?nfc' die ja möiö ist. Die Folge. all dieser nwipn und Gegnerschaften ist der furchtbare maaVn rrpader uns leider unfähig zu jeder großen Tat macht. Wir zersplittern und reiben unsere Kräfte aus in der Kleinarbeit für den Alltag. Zu großen Konzeptionen jedoch und zu größeren Taten sind uns durch den bedauerlichen Zwiespalt der Geister die Kräfte genommen. Wenn trotz aller Nöte der Zeit diese fim nicht imstande sind, die nsna amn die im Ziel doch einig sind, zusammenzuführen und zu gemeinsamer konstruktiver Arbeit zu bringen, so können wir begreifen, daß es auch in früheren Zeiten nicht viel anders gewesen ist. Auch damals hat es solche — sicherlich ehrlich gemeinte — rmtpn gegeben, die die Kräfte derer atomisiert und zersplittert haben, die geeinigt dem Anstürme der Reform ganz anders hätten entgegentreten können. Es soll gewiß anerkannt werden, daß die Kräfte der anderweitig vielfach in Anspruch genommen werden. Sie müssen überall schwer kämpfen, um die nV?nj? und ihre Institutionen erhalten zu können. Es werden Forderungen an sie gestellt, die sie unter den obwaltenden krisenhaften Verhältnissen kaum erfüllen können. Wer könnte da nicht begreifen, daß sie über den Sorgen des Alltags — nicht bloß für die Erhaltung ihrer Familien, sondern in der Sorge um die Erhaltung der Gemeinden nicht mihr dazu kommen, an die Zukunft des hmun bhs zu denken.. Man muß all dies begreifen und man muß'daher so manche Unterlassung auf diesem Gebiete verzeihen. Verzeihen, besagt aber gleichzeitig, daß eine Unterlassung vorliegt. Verzeihen kann daher nur der Vergangenheit gelten und nicht der Zukunft. Es darf kein/Freibrief dafür sein, daß man auch in Zukunft die' Sorgen für-die Allgemeinheit völlig zurücktreten läßt wegen der schweren Sorgen der Gegenwart. Wer so denkt, wird niemals dazu kommen, an die Allgemeinheit und deren Bedürfnisse zu denken. Denn es hat kaum eine Zeit gegeben — und seit dem Beginn des rffa gewiß nicht —, in welcher es keine Sorgen der Gegenwart gegeben hätte. Die Sorge: um den immer da zurücktreten zu lassen wo es andere näherliegende Sorgen gab) heißt den Gedanken der Erhaltung des to völlig preisgeben. > Es muß daher immer wieder darauf hingewiesen werden, d<H wir unter keinen Umständen berechtigt sind, uns öder-Sorge für und um den bba ganz zu entziehen. Es war in den früheren Jahrhunderten wohl möglich, daß man im Drange des r>i^ und in der Sorge um die Erhaltung der Gemeinden auf' eine größere Organisation verzichten konnte. Obgleich ein Blick in-die Geschichte des niin uns lehrt, daß 'immer und überall Versuche zu größeren Zusammenfassungen gemacht worden sind. Ein Beweis dessen, daß man auch in jenen Zeiten von der Notwendigkeit und von dem Werte größerer Organisü-

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