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Der Israelit · 1931-08-20 · Heft 34 (20.8.1931) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 34 (20.8.1931)
Date
1931-08-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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20. August 1931 fcßir dieser nurnp einen Hauch verspürt hat,, i^m-d den Anker für die Seele finden, den ihm s lalles Wissen und alle Ethik der zivilisierten Welt Inicht bieten konnten. I Für suchende und strebende Jugend kann eine Isolche Studienreise mehr als ein Erleben, eine [b u eite g -e istiger Gesundung werden.! Die höheren Schulen führen heute ihre Jugend über Land und Meer, zu den- Kulturstätten Roms und Athens, gewiß nicht ohne Nutzen für ihre Bildung und ihren geistigen Horizont. Alle Instanzen, denen die Erziehung und Beeinflussung jüdischer Jugend obliegt, Aguda und Esra, > sollten es aber als heilige Pflicht erachten, von Zeit zu Zeit Jugendreisen nach dem Osten zu a r r a n g i e r e n. Kleine Fehler, für die nicht die Gäste, sondern die Gastgeber in ihrer rückhaltlosen Bruderliebe und Gastfreundschaft verantwortlich waren, müßten ausgeschaltet werden. Heldenverehrung, Huldigung, Weihrauch und Gloriole trüben das Auge und verwirren den Kopf. Man lasse die jungen Menschen in Ruhe schauen und erleben, man zeige ihnen die Dinge genau, wie sie sind, und sie werden so viel dabei lernen, daß die ganze Zukunftsgestaltung des jüdischen Thoravolkes im Westen von diesen neuen Erkenntnissen entscheidend beeinflußt wird. Unsere Jungens haben sich mittels der Wanderungen bereits ein gewisses Maß von Abhärtung, die für eine Ostreise vonnöten ist, anerzogen. Für Verbilligung der Fahrt sind heute die Eisenbahnverwaltungen bei größerer Beteiligung überall und besonders in den Ostländern zu haben, die Kosten der Verpflegung und Unterbringung stellen sich bei der beispiellosen Gastfreundschaft unserer östlichen Brüder sehr gering. Also organisieren wir Jugendausflüge nach dem Osten, Ausflüge ins GeistigeundJüdische. Zum Stand der Kalenderreform-Frage. Nachdem der offizielle Bericht über die Juni- Sitzung des vorbereitenden Komitees für die vierte „Allgemeine Konferenz für Verkehr und Transit" nunmehr vorliegt, läßt sich die weitere geschäftliche Behandlung der Kalenderreform-Frage einigermaßen übersehen. Dieses am 13. Juni in Genf zusammengetretene vorbereitende Komitee fetzte sich nicht etwa aus Vertretern von Regierungen zusammen, sondern aus Repräsentanten der verschiedenen Nationalkomitees für die Kalenderreform, zumeist Angehörigen des Handels, der Industrie und von Verkehrsorganisationen. Das Komitee sollte die Berichte der Nationalkomitees sichten und die allgemeine Konferenz für Konferenz und Transit, die Ende Oktober ds. Js. in Genf stattfinden soll, vorbereiten. Was nun die religiöse Seite des Kalenderreform-Problems betrifft, so werden die Autoritäten der verschiedenen Konfessionen und Rellgionsgemeinschaften zwar das Recht haben, zu der Oktoberkonferenz sogenannte „Beobachter" zu entsenden. Indessen ändert das nichts an der Tatsache, daß die Konferenz selber, wie sich schon aus ihrem Namen und erst recht aus der Natur ihrer Zusammensetzung ergibt, sich selber keineswegs die Kompetenz zuerkennen kann, das größere oder geringere Gewicht der von den Religionsgemeinschaften etwa geltend gemachten Gesichtspunkte ihrerseits zu werten und zu prüfen. Es liegt ja auf der Hand, daß man den Vertretern von Handelskammern, Statistikern, Sozialpolitikern, Eisenbahndirektoren usw. nicht zumuten kann, sich über schwerwiegende religiöse und weltanschauliche Probleme den Kopf zu zerbrechen. Die Konferenz wird also lediglich die Aufgabe haben sich über die Vorzüge und Nachteile technischer und wirtschaftlicher Art zu äußern, die den Plänen A und B, die für die Reform vorgeschlagen sind, innewohnt. Die Gutachten, Einwendungen und Forderungen der religiösen Autoritäten werden alsdann, fo darf man wohl annehmen, vom Rate des Völkerbundes selber gewürdigt und bei der Prüfung des Berichtes der Konferenz für Verkehr und Transit entsprechend berücksichtigt werden. Vielleicht ist es auf diese, den Häuptern der katholischen Kirche und der evangelischen Kirchen wohlbekannte Tatsache zurückzuführen, daß von diesen Seiten noch immer keine klaren und endgültigen Erklärungen über ihre Stellung zu der vorgeschlagenen Reform vorliegen. Eben so wenig hat sich bisher die astronomische W i s s e n s ch a f t zu der ganzen Problematik geäußert, die durch die Einführung des Blankotages für Astronomie und Chronologie entsteht. Wir möchten glauben, daß der ungeheure Wirrwarr, den die Einführung von Tagen ohne Datum zur Folge haben muß, erst dann in voller Klarheit hervortreten wird, wenn sich die eben erwähnten wissenschaftlichen Kreise einmal gründlicher mit den Konsequenzen der Blankotagidee beschäftigt haben werden. DIAKSN 'Puder bewahrt ielhren Liebling vor Wundsein. Erfreulich ist, daß derjenige europäische Staat, in dessen Grenzen heute die größte Zahl sabbattreuer Juden wohnt, Polen, neuerdings in einem von dem Außenminister Z a l e w s k i an den agudistischen Sejmabgeordneten, Rabbiner L e w i n , gerichteten Schreiben seinen Entschluß zu erkennen gibt, die durch den Blankotag bedrohten religiösen Interessen vor dem internationalen Forum zu vertreten ohne Rücksicht auf die der Reform geneigte Stellungnahme des polnischen Nationalkomitees, in der eben nur (wie auch in Genf) die technisch-wirtschaftlichen Handels- und Verkehrsinteressen zum Ausdruck kamen. Aber auch in dieser Hinsicht erklärt der Minister in dem erwähnten Briese unumwunden, daß Polen keinerlei dringliches Inte r e s s e an einer Reform hat. Das gleiche würden wohl sämtliche Regierungen der Welt erklären, wenn sie nicht zum Teil unter dem Drucke der starken Agitation Eastmans und seiner Freunde ständen. Die geschichtliche Aufgabe der Freien Vereinigung. Von Distr.-Rabb. Dr. Ziaphaek Mreuer in Aschaffenburg.*) (Schluß.) IV. Und doch gibt es ein Altwerden, von dem auch die Freie Vereinigung nichts wissen will: Es ist das A l t w e r d e n unserer Seele: pK3 Dnitinn „ihr werdet alt werden im Lande". Und wenn ihr alt geworden seid im Lande, onnaw dann werdet ihr entarten, dann wird euch auf einmal auch euer Judentum so alt, so starr, so verstimmt Vorkommen, dann werdet ihr anfangen von einer Renaissance des Judentums, von einer Wiedergeburt des jüdischen Volkes, von einer Auferstehung des heiligen Landes zu reden. Ihr werdet euch so alt, so sterbensalt fühlen, vom Staub und Spinneweb der Vergangenheit so restlos überzogen, daß ihr nur von eurer Abkehr von der alten jüdischen Tradition das Geschenk einer zweiten Jugend euch versprechen werdet. An die Stelle der Schlichtheit und Wahrhaftigkeit der heiligen Schrift wird das dunkle Tasten jungjüdischer Dichter treten, die euch von den sogenannten starren Denkmälern der geschichtlichen Tradition zu den blühenden Gärten eines jungen Volkes führen wollen. An die Stelle des Hebräischen wird das Neuhebräische treten — die uralte Sprach» unseres Volkes, man wird sie mit dem Glanze *) Referat auf dem Bezirkstag in Alzenau. Aufwallung von Zorn habe ich mein Antlitz einen Augenblick vor dir verborgen, aber mit ewiger Liebe erbarme ich mich dein, spricht dein Erlöser, der Herr." (Jes. 54,7.) Es ergeht dieses Wort des Propheten an ein Volk, das durch schwere Heimsuchungen und Prüfungen hindurchgeht und das unter der Last dieser Heimsuchungen und Prüfungen zu erliegen droht. Im Aufträge und lin Namen G'ttes richtet nun der Prophet an das zagende Volk die glühenden Worte seiner Aufrichtung und seines Trostes und wird Deuter und Dolmetsch der Gedanken und Pläne, die G'tt durch dieses Volk verwirklichen will. Er spricht von ivx> s«h. von „einem kleinen Augenblick, den er es verlassen," er wiederholt diesen Ausdruck sni „einen Augenblick habe ich mein Antlitz vor dir verborgen" und weist die gebeugten Seelen darauf hin, daß diesem „kleinen Augenblick" eine Zeit großen Erbarmens, eine Zeit ewiger Liebe folgen solle. Was bedeutet die Hervorhebung i»j? m? Kann uch nicht in einem kleinen Augenblick das Geschick der Welt, der Erde, eines Volkes, eines Menschen entscheiden? Wenn nur einen Augenblick das Gesetz der Schwei lraft aufgehoben würde, das den Bau des Universum Mammenhält, dann würden die kreisenden Himmelkorper, die rollenden Gestirne aus ihrer Bahn geschle» osrt, und die Harmonie des Weltalls würde sich in ei Ehaos wandeln. Können nicht in einem kleinen Auge» v.sck durch ein Erdbeben, durch eine Sturmflut gan^ ^anderstrecken zerstört werden? Ein Augenblick kann di schwersten Entscheidungen für'das Geschick eines Volke 'v sich bergen. Und nun gar erst im Einzelleben. Welch unabsehbare Wirkungen kann ein kleiner Augenbli yaben, ein Entschluß, eine Tat, eine Unterlassung. I, M denn nicht das Menschenleben überhaupt nur ei neiner Augenblick, nur eine winzige Zeitenspanne .T'T m» a »=3« oi« „Ob der Mensch e i n Jahr lebt odk ob er tausend Jahre lebte, es ist, als ob er nicht gewesen wäre." Was für eine Bedeutung hat es nun, daß der Prophet von einem kleinen Augenblick spricht, in dem G'tt sein Antlitz verborgen habe, wenn ein kleiner Augenblick durch die Wirkungen, die er ausübt, ein unberechenbar großer, den Inhalt langer Zeiträume überragender fein kann? O, nicht vom menschlichen Geist und Gesichtspunkt aus spricht der Prophet, nicht von menschlicher Zeitbestimmung und Zeitberechnung, sondern vom Geist und Gesichtspunkt G'ttes aus, vor dem tausend Jahre sind wie ein Tag, wie eine Wache in der Nacht. Er redet zu Israel, dem die Leidenszeit, die lange Leidenszeit, den Aufschwung der Seele zu lähmen drohte, und er will es zur Erkenntnis bringen, daß diese Leidenszeit zu einer Läuterungszeit werden müsse, daß der kleine Augenblick, da G'tt sein Antlitz von denen, die er erkoren, abgewandt habe, ein großer Augenblick werden könne, wenn er sie zum Bewußtsein ihrer Hilflosigkeit und Bedürftigkeit gebracht, daß er zu einem Antrieb, zu einer Kraft werden solle, sich in ihrer Hilflosigkeit und Bedürftigkeit der ewigen läuternden Liebe G'ttes nahe zu fühlen und ihre Seelen mit ihr zu verbinden. Der Prophet sprach nicht nur zum Volke Israel der Vergangenheit, er spricht auch zu uns. Es sind feine Worte aufrichtende Worte, aber weil sie ausrichtende Worte sind, sind sie zugleich richtende Worte. Sie sollen uns zur Selbsterkenntnis führen, daß der kleine Augenblick unsres Lebens, unsres vergänglichen und gebrechlichen Wirkens ewigen Wert gewinnen solle in den Augen dessen, der der Herr ist aller Zeit und Ewigkeit, dessen Lehre und dessen Verheißung Israel geleitet und aufrecht erhalten hat in aller Trauer und Trübsal der Vergangenheit und auch uns durch alle Not und Bedrängnis der Gegenwart mahnt, uns auf uns selbst zu besinnen, eingedenk zu bleiben unserer g'ttlichen Berufung und würdig zu werden des g'ttlichen Segens, der uns allen zuteil werden möge. Kleines Feuilleton. kalendarische Umrechnung. Aus „Briefkasten"-Beantwortungen jüdischer Blätter ist zu ersehen, daß häufig für.Umrechnung von Daten des jüdischen Kalenders in solche des bürgerlichen Kalenders Interesse besteht. Es feien daher in Folgendem einige Fingerzeige für selbständiges Umrechnen gegeben. Im „Israelit" stand vor einigen Wochen die Beantwortung: der 11. Juli 1872 entspricht dem 5. Tamus 5632. Wollen wir noch feststellen, aus welchen Wochentag ein beliebiges Datum — etwa der obengenannte 11. Juli 1872 fiel, so gelten^ folgende Ziffern: 1872 Jahre (je 52 Wochen und 1 Tag 468 Schaltjahre mit 1 Ueberschußtag 192 (der 11. Juli ist der 192. Tag im Jahre) 4 (alle 400 Jahre der 29. Februar, also 4 Tage) 2536 ./. 18 (da jedes 100. Jahr mit Ausnahme der durch 4 _ teilbaren keinen Schalttag hat) 2518 durch 7 dividiert — 359 5/7. Also ist der 11. Juli 1872 der 5. Wochentag, das ist Donnerstag. Die durch den gregorianischen Kalender ausgelassenen 10 Tage sind bei der Berechnung außer Acht zu lassen, da der Neujahrstag des Jahres 10 v. d. bürgerlichen Zeitrechnung ein Sonntag war.

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