Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1931)
- Date
- 1931-08-13
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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13. August 1931 Au sgaben: Subventionen in Deutschland M. 40.706,18 Zahlung für die Zentrale 13.513,08 Abgabe an die A. I. (für K. Hu Zwecke und K. H.-Beamte 6.800,— 1 92 8 : Einnahmen: M. 60.674,84 Ausgaben: ~ Subventionen in Deutschland M. 35.693,65 Zahlung für die Zentrale 13.410,74 Abgal»e an die A. I. (für K. H.- Zwecke und K. H.-Beamte) 6.060,— 1929: Einnahmen: M. 61.965,96 Ausgaben: Subventionen in Deutschland M. 35.903,76 Zahlung für die Zentrale 11.853,30 Abgabe an die A. I. (für K. H.- Zwecke und K. H.-Beamte) 6.186,— 1 930: Einnahmen: M. 53.594,97 Ausgaben: -- . - - Subventionen in Deutschland M. 32.792,90 Zahlung für die Zentrale 11.852,99 Abgabe an die A. I. (für K. H.- Zwecke und K. H.-Beamte) 5.345,— Ein großer Teil der in Deutschland geleisteten Zahlungen fand für die'Talmud Thoras des deutschen Keren Hathora Verwendung, monatlich ca. M. 1500. Die Schulen, wenigstens die größeren, werden fortlaufend inspiziert; in den letzten Jahren durch Herrn Rabbiner Dr. Frankl- Halberstadt, der sich besonders in seinem Bericht für das Jahr 1930 in sehr lobender Weise über oie Schulen und über die unbedingte Notwendigkeit ihrer Ausrechterhaltung geäußert hat. Stipendien für Bachurim, Subventionierung wichtiger zentraler Anstalten, Bezirkssekretariate usw. bilden den weiteren wesentlichsten Teil der Ausgaben. Die Zahlungen für zentrale Keren Hathora- Zwecke betrugen noch nicht die Hälfte dessen, wozu der deutsche Keren Hathora satzungsgemäß verpflichtet wäre. Die Not in Deutschland, Rückgang der Eingänge gegenüber ständig steigenden Ausgaben entschuldigt diese bedauerliche Tatsache. Wir hoffen aber zuversichtlich, daß diese Erscheinung, die dem der Agudas Jisroel wie dem Keren Hathora zugrunde liegenden Klallgedanken völlig widerspricht, nur vorübergehender Art fern wird. IV. Mitteleuropa und insbesondere Deutschland, das bisher in vorbildlicher, von keinem andern Land auch nur annähernd erreichter Weife zu den Ausgaben des Keren Hathora beigetragen hat, — der Rechnungsabschluß der Keren. Hathora-Zentrale für die: ersten 5 Jahre weist eine Gesamteinnahme von Doll.. 242.910,— auf, wovon allein auf Deutschland Doll. 101.240,— entfallen, — befindet sich in allerschwerster wirtschaftlicher Not, unter der alles, in erster Reihe aber die Stätten geistiger Arbeit, leidet. Die gesamte übrige jüdische Welt ist u. E. verpflichtet, der deutschen Orthodox e jetzt zu zeigen, daß sie deren traditionelle Bereitschaft, der Gesamtheit zu dienen, anzuerkennen und zu würdigen weiß, indem sie in diesen Zeiten der Not der deutschen Orthodoxie in ihrem unvergleichlich schweren Kampf um die Erhaltung ihrer eigenen geistigen Kultur nach Kräften, ja, darüber hinaus mit äußersten Anstrengungen hilft. Wir hoffen zuversichtlich, daß an der deutschen Orthodoxie sich das Wort erfüllen möge: „Schicke Dein Brot über die Fläche des Wassers, nach der Länge der Tage wirft Du es wiederfinden", Deutschland, und nicht in letzter Reihe seine Orthodoxie, hat immer und immer gegeben.. Jetzt ist die Zeit, wo. es genötigt ist, die Andern in Anspruch zu nehmen. Mögen sie, da wir sie suchen, sich gern und bereitwillig, frohen und dankbaren Herzens finden lassen. W. S. I. Der Israelit Blätter apr v'2-Arbeik. Von Dr. Leo Deulfchländer in Men. Die Redaktion der Agudo-„Blätter"-ersucht mich, ihr über die Leistung von Beth Jakob Bericht zu erstatten. Mir fällt es schwer, dieser Aufforderung nachzukommen, vor allem deshalb, weil wir noch mitten in der Arbeit stehen, weil Veth Jükdb noch immer ein Werdendes ist, noch lange kein Gewordenes. Ich kann daher nur in ganz kurzen Strichen den Gang der Arbeit skizzieren und verweise im übrigen auf die zahlreichen Sonderbroschüren, die im Laufe der letzten Jahre über Beth Jakob in deutscher wie auch in jiddischer Sprache erschienen sind. 1913 erklärte sich die von den östlichen Großen besuchte Czernowitzer Konferenz prinzipiell für die Töchtererziehung. 1917 gründete Frau Sara Schenirer in Krakau auf Grund eigener Initiative dort die erste Beth Jakob- Schule mit 30 Kindern. 1919 nahm die Agudas Jisroel-Ortsgruppe Krakau diese Schule unter ihr Patronat, und als 1 9 2 4 der Zentralrat der Agudas Jisroel in Krakau tagte und beschloß, mich als den Direktor des Keren Hathora mit der pädagogischen Förderung des Beth Jakob- Werkes zu betrauen, da blühten schon in Polen 19 Schulen mit etwa 2000 Schülerinnen. Heute, im Jahre 1 9 3 1, sind ca. 20 000 jüdische Mädchen an 162 Orten Polens von der Beth Dakob-Müdchenschulvrganisation erfaßt, steht die Mädchenschulerziehung Litauens und L e t tl a n d s sowie teilweise P a l ä st i n a s im Zeichen von Beth Jakob; I u g o f l a v i e n und Oesterreich haben ihre Beth Jakob-Schulen, Rumänien eröffnet eine Beth Jakob-Schule nach der andern und daß auch in der Tschechoslowakei der Beth Jakob-Gedanke ein verstehendes Geschlecht fand, zeigen unsere soeben mit so gutem Erfolge stattfindenden Sommerkurse in Z o b o r bei Neutra. Das Werk wuchs fo schnell aus feiner inneren Notwendigkeit heraus. Wir hatten nur den Strom der Begeisterung und der Hingabe aufzufangen und in das richtige Bett zu lenken. Vielseitig war die Arbeit, mannigfach die Schwierigkeiten. Aber der Arbeit und den Schwierigkeiten gemäß auch Lohn und Befriedigung. Es fehlte anfangs an allem, an geeigneten Lehrerinnen, pädagogischen Hilfsmitteln; heute stehen 248 wohlausgebildete Lehrerinnen im Dienst der Beth Jakob-Mädchenschulorganisation, wurden schon eine ganze Anzahl L e h r - und L e r n b ü ch e r, die stetig ergänzt werden, herausgegeben, und wird der Geist von Beth Jakob durch das ausgezeichnete Beth Jakob- Jour n a l auch unter den Schulentwachsenen gepflegt-und vertieft. An geeigneten Unterrichtsräumen sowohl in den einzelnen Orten wie vor allem in den Zentralen, wo die Ausbildung der Lehrerinnen erfolgt, fehlte es,' heute sind die Beth Jakob-Schulen in der Regel in gesunden, hygienisch einwandfreien Räumen untergebracht, geben das herrliche Beth Jakob-Seminar mit dem daran angeschlossenen Internat in K r a k a u, das Beth Jakob-Seminar in W i e n Kunde von dem, was jüdischer Opferwille auch in schwersten Zeitennzü leisten vermag. Man erlasse mir, die einzelnen Etappen des Werkes zu schildern, für das die pädagogischen Richtlinien auf den verschiedenen Konferenzen in K r a k a u,- Warf ch a u, Amsterdam, R i g a und P r M b u r g festgelegt wurden, dem die Lehrerfortbildungskurse in Rotz o tt), I o r d ämv w , Rab ka und Z o b o r (Neutra), jedesmal' besonderen Antrieb und Aufschwung gaben. M Man erlasse Mir auch, von den um die Entwicklung der Arbeit, der inneren und der äußeren, besonders Verdienten, feien es Einzelne, feien es Korporationen, feien es Männer, feien es Frauen, hier unter Nennung von Namen zu berichten. Die Früchte von Beth Jakob gehören allen, und alle pflanzten auch den Baum: Europa Nr. 16 Seite 3 sowie Amerika, der Osten wie der Westen; ja über den engeren Kreis der Agudisten hinaus fanden sich überall verständnisvolle Förderer und Mithelfer. Der Geist opferfreudiger Hilfsbereitschaft zeigte sich am schönsten bei der Errichtung des Zentralheims in Krakau, in welches bis heute Mk. 45.000 aus allen Teilen, der Welt geflossen sind. Diese „Blatter"-Nummer geht als Propaganda-Nummer an die agudiftifche Oeffentlichkeit Deutschlands. Selber Deutschland entstammend, kenne ich die Verhältnisse in Deutschland, weiß, in welcher unvergleichlichen Weife die deutsche Orthodoxie, die deutsche Judenheit überhaupt, für die jüdische Gesamtheit von jeher zu opfern wußte, und wie sie darunter leidet, daß die schwere Wirtschaftslage Deutschlands sie in ihrer Leistung für die jüdische Gesamtheit hindert. So sei zum Schluß ein Zweifaches bemerkt: Einmal, daß die deutsche Judenheit am Werk von Beth Jakob einen reichen Anteil hat; das wissen die Verantwortlichen von Beth Jakob und danken es ihr. Und dann, daß wir auch im Beth Jakob schwerste Krisenzeiten hatten, die wir mit göttlicher Hilfe überwunden haben. So werden auch die deutschen Freunde in diesen Zeiten nicht mutlos werden, des Wortes allzeit eingedenk: -'irr anrr eraa nayn *a Eine orthodoxe Zewifh Agency. Von Dr. Solomon Ehrmann in Frankfurt a. TR. Es ist sicherlich kein Zufall, daß die bedeutsamsten Tagungen der Agudas Jisroel, ihre erste und zweite Kenefsio Gedaulo, im E l l u l m o n a t, dem Monat jüdischer Selbstbesinnung, dem Monat des Bilanzziehens über das vergangene Jahr stattgefunden haben, so daß es keiner besonderen Rechtfertigung bedürfte-, wenn in jedem Ellul sich die Agudas Jisroel-Leitung, die Landesorganisationen und die einzelnen Gruppen fragen würden, was ist in dem vergangenen Jahre ge' leistet worden, welche Aufgaben harren noch der Bearbeitung, wie sieht es mit dem Golus des jüdischen Volkes und vor allem dem Golus der Schechina in der jüdischen Welt aus, welche Arbeit harrt am dringendsten der Inangriffnahme, welche Versäumnis kann und soll schleunigst nachgeholt werden? Wenn diese Fragen in jedem Ellul von jedem Agudisten erörtert werden sollten, so sind sie in diesem Ellul,'im Jahre 5691, doppelt akut. Dieser Sommer zeigte das politische, finanzielle und organisatorische Debacle der zionistischen Organisation. Vielleicht sind wir als Agudisten nicht objektiv genug, um die Wurzeln dieses Debacles richtig zu erkennen. Es sei daher auf die gehaltvolle Rede verwiesen, die der Florenzer Advokat Pacifici, selber ein ehrlicher Zionist, auf dem Zionistenkongreß gehalten hat unh die in, der letzten Nummer des „Israelit" wiedergegeben war. Man wird jedes Wort, das Pacifici sprach, aucb als Agudist unterschreiben können, vielleicht mit einer Ausnahme, nämlich mit dem Glauben daran, daß die Forderung an ein wirklich jüdisches Erez Jisroel, von einem Menschen erhoben, auch wenn sie im Namen G'ttes und seiner Thora erhoben wird, Erfolg haben könnte, solange nicht hinter diesem Menschen beträchtliche Teile des jüdischen Volkes einmütig stehen. Wird doch sogar nach unserer Tradition das Kommen des Moschiach auch von dem pi*nwn ^ipa abhängig gemacht. Wir selber können die Geula bringen und können sie, G'tt behüte, auch verzögern, je nach unserer Einstellung zu dem, was Voraussetzung für ihr Kommen ist, je nach der Hingabe, der Energie, der rastlosen Arbeit dafür, daß die Prinzipien der Thora im jüdischen Volk und in den einzelnen Kreisen des jüdischen Volkes zur Herrschaft gelangen. Dieses zu erreich e n, r st Z i e l d e r A g u d a s I i s r o e l. Dies sollte bei allen ihren einzelnen Tätigkeitsgebieten ausschließlich richtunggebend sein. Unser e Z e i t i st z u s o l ch e r A g u d a - T ä t i g-