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Der Israelit · 1931-08-13 · Heft 33 (13.8.1931) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 33 (13.8.1931)
Date
1931-08-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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13. August 1931 Der Israelit Nr. 33 Seite 3 .den. Man werde „höflich bis zur letzten Galgensprosse sein, aber gehängt werden würde doch." Das war immerhin ein vielsagendes Bekenntnis der schönsten Seele des Nationalsozialismus, obgleich man objektiver Weise anerkennen muß, daß grade diesmal die antisemitische Note im Wahlkampf weniger als sonst hervortrat. Die Niederlage der demagogischen Opposition in Preußen bedeutet daher nicht nur außenpolitisch und wirtschaftspolitisch geradezu eine Rettung Deutschlands aus schwerer Gefahr, sondern sie ist auch, von einer höheren Warte aus betrachtet, ein wahrhafter Trost, ein Vorzeichen der Hoffnung für alle diejenigen, die an der sittlichen Wiedergesundung des deutschen Volkes trotz aller bitteren Erfahrungen nicht verzweifeln möchten. Der Fall Lahusen. Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: Unter den finanziellen Katastrophen aus der Nachkriegszeit nimmt der Zusammenbruch des Unternehmens der Brüder Lahufen wegen seines gewaltigen Umfanges und seiner furchtbaren Folgen für die allgemeine Wirtschaft eine besondere Stelle ein. Man erinnert sich, daß in vergangenen Jahren derartige Bankrotte mit strafrechtlichem Beigeschmack zum Anlaß einer furchtbaren tendenziösen Hetze gegen den gesamten Personenkreis gemacht wurden, den man glaubte, damit identifizieren zu können. Welche Fülle von Agitationsstoff haben rechtsstehende Zeitungen aus den bekannten Affären unseligen Andenkens gezogen, wie breit wurde alles getreten und wie lange wurde das lesende Publikum mit den Einzelheiten unterhalten, und immer alles versehen mit dem deutlichen Pfeil auf diejenigen, die es noch weiter angehen sollte. Auf diese Weise wurde planmäßig Stimmung und Einstellung vergiftet. Nur dieser giftgeschwollenen und verleumderischen Agitation ist das erschreckende Anwachsen der antisemitischen Bewegung und der Herrschaft der antisemitischen Phrase der letzten Jahre zu verdanken. Es ist ja nichts einfacher, als die Menschheit in ein paar Farben einzuteilen. Man ist dann jedes weiteren Nachdenkens enthoben: die Farbe, die jemand trägt, entscheidet untrüglich über seine geschäftliche und menschliche Zuverlässigkeit. Wie bequem und einfach ist dann das Weltbild geworden! Jede Psychologie ist überflüssig, man braucht nur die Farbe zu kennen, dann weiß man Das sollte die min lehren? Ich sage: ja. Dem ema geht voraus: ps pi min ma^>, sie lehrt das als ps yvi und zwar dem G a st g e b e r. Er soll seinen Gast ns' Va?a sein, ihn mit Geflügel empfangen! Und wie soll man sich weiter verhalten? "pim nms in den Leistungen rückwärtsgehen am So leben, wie man jeden Tag lebt, seinen Verhältnissen entsprechend. Das sagen uns unsere Weisen ('s s"3 pi>in): *wa ms!?as’ s^v ,ps yn min ma^>? ns’ ivs b"h na •nsr naatna Dazu bemerkt '"«n: ^ax' x^v 'bz naaira na'xw ,12 ’ay Pv -mn -tun Die Worte nx’ ivs sagen uns also, daß man Fleisch nur unter gewissen Voraussetzungen, mit dem Bewußtsein, etwas erjagt zu haben, etwas, was zunächst nicht für uns vorbereitet ist, genießen soll: man soll nicht ständig Fleisch essen, daß man nich,t verarmt. Dann heißt es weiter: Iva ^2S'x'? pxr^ Px, nur Fleisch genießen bei großer Begehrlichkeit, iasxn -ppan, von deinem Rind- und Kleinvieh, nicht aber kaufen u. s. f. Daraus lehrt Rabbi Eleasar ben Asarja: ,rn>'ai np’ naa m»y ,pi' siv'iinai> np' naa ii- ’a 'lai iva np’ naa D’P'an* Also wer 1 Monoh hat kaufe 1 Maß Gemüse, wer 10 Monoh hat kaufe Fische (Fische waren an ihrem Ort billiger als Fleisch), dann mit 50 Monoh , Fleisch u. s. f. es esse also jeder entsprechend seinem Vermögen. Und wenn auch dort von R. Iochanan und R. Nachman angedeutet wird, daß man doch seinen letzten Pfennig zum Kaufmann trage und nicht bei der immer mehr fortschreitenden Schwächung des Menschen noch mehr der Hilfe bedürfe, so schließt doch die xiaa dort ab mit l’nm&afc o«n ja ,i"3 nach '"vn: gib Leben deinen Hausleuten. Von hier, sagt die Nina, lehrt die mm uns eine Sitte: p'i °iE?a iaa nn«t iaV' xL~?v- Wer seinem Sohn das Leben lehren will, der weise ihn an, mi>p mann im Sinne der xiaa billige Speisen zu sich zu nehmen. genug, um sich im staatlichen und wirtschaftlichen Leben vollkommen unterrichten und darnach handeln zu können. Natürlich sucht die Presse, die davon lebt, daß dem Leser dauernd beigebracht wird, der Anderen Farben seien schlecht, mit allem Bemühen zu verhindern, daß Tatsachen zur Kenntnis des Lesers gelangen, die ihm wenigstens einen leisen Zweifel an der ihm dauernd „vorgeschriebenen" Weltanschauung einslößen würden. Daher ist es auch nicht verwunderlich, daß von diesem Riesenkrach, der alles Bisherige in den Schatten stellt, und der sich dieses Mal im Kreise einer absolut rassereinen und nationalen Firma zugetragen hat, alle so wenig Aufhebens machen wie nur möglich. Ein derartiges Verhalten ist verständlich von Seiten derjenigen Presse, die an sich nicht von Skandalgeschichten zu leben gewohnt ist und die den politischen Gegner nicht mit Skandalaffären identifiziert, die ihm fälschlich angeheftet werden. Jedoch sollte in diesem Falle eine Ausnahme gemacht werden und zwar nur zu pädagogischen Zwecken, um auch dem verstocktesten Blick zu zeigen, daß seine gewohnten Einteilungen falsch sind, daß wirtschaftliche Unzuverlässigkeit mit oder ohne strafrechtliche Beimischung gänzlich unabhängig ist von der Farbe oder Parteizugehörigkeit, die man hat. Hier wäre es wirklich am Platze, durch dauernde Erinnerung das Totschweigen dieses Skandals und seiner Lehren unmöglich zu machen. Wieviel wäre für die Reinigung der politischen Atmosphäre gewonnen, wenn aus diesem Krach und manchen anderen die gleichen Kreise angehenden ähnlichen Ereignissen der einzig mögliche und notwendige Schluß gezogen wird, daß die Parteizugehörigkeit — welcher Art sie auch sei — nichts mit dem Charakter zu tun hat und daß man nicht berechtigt ist, über jemand, weil er zu einer bestimmten Gruppe gehört, oder über die Gruppe, weil jemand zu ihr gehört, irgendein Vorurteil nach irgendeiner Richtung hin zu fällen. Die Folge davon würde eine gründliche Reinigung des politischen und geschäftlichen Lebens und vor allen Dingen eine klarere Gruppierung nach den wirklichen Zusammengehörigkeiten sein. DIA12N’Puder bewahrt j-ihren Liebling vor Wundsein. Man soll also möglichst einfach leben. Nun lehrt uns die min wirklich px yn vermittels der arm rnr: den Gast gut empfangen, dann aber allmählich wieder zur täglichen Lebensführung und Speise zurückzukehren. Grund: ’ay *bvl Diese Lehre sollte nun allgemeiner Brauch geworden sein. Es ist durchaus kein verwerfliche Brauch, — wird er uns doch als mm gelehrt — und will nur der Not Vorbeugen. Nun sagt der viia zu vmai 6 B. M. 2, 7. zu den Worten man man s^ in vollkommener Übereinstimmung mit unserem „Brauch": „Wenn jemand einen Gast hat, dann schlachtet er am 1. Tag ein Kalb, am 2. Tag Hühner, am 3. Tag bietet er Hülsenfrüchte u.s.f.: es gleichen sich nicht der 1. und der letzte Tag" — also ganz wie es soll, daß man nicht verarmt! „Man könnte meinen rrapn würde ebenso verfahren, darum heißt es: diese 40 Jahre war G'tt mit Dir. Der letzte Tag war wie der erste." Wir Menschen müssen uns nach unserer Tasche strecken, müssen dem nvasr oorbeugen. aber rrrpn/ der sagen kann anrn ->b rjoan '> zeigt uns gerade, daß wir in seiner Folge uns an die „gute Lehre" und „an den Brauch der Welt" nicht halten müssen. „Der letzte Tag ist wie der erste." So versteht man sehr gut den Zusammenhang in '"an v"a nanaa): Mit den 70 Stieren, die nach dem »*-na .lm gangen am an dargebracht werden, sind alle Gäste nämlich die 70 Nationen bestiedigt, in Ehren empfangen und, abgefertigt. Jetzt sagt rrapn zu seinem Freund i-xirn: komm bleibe noch ein wenig — wie ein König zu seinem Freund nach der Bewirtung der übrigen Gäste — laß uns noch ein wenig Fleisch, Fisch, Gemüse für uns bringen, wir wollen noch ein bischen allein zusammen bleiben. Uns genügt ins ^i« .in» ns- Das lehren uns die anrn ms in ihrer sich vermindernden Zahl: dem Gast genüge tun mit rpyi iva, dann aber wieder zurück zum pm Pais pmx wsa saivi" der Fromme ißt zur Sättigung der Seele, um sein Leben der Seele zu erhalten. Die geschichtliche Ausgabe der Freien Vereinigung. Von Distr.-Rabb. Dr. Raphael' IZrener in Aschaffenöurg.*) (Fortsetzung.) II. ■ . ,; . , Wie >die Dinge heute liegen, kann es noch lange dauern, bis es zu dieser Heimkehr kommt. Einstweilen wird sich das orthodoxe Judentum in Deutschland mit einer Minoritätsstellung begnügen müssen. Das bedeutet freilich nicht, daß die Freie Vereinigung sich bloß als eine Partei im Judentum begreift und sich jemals dazu verstehen würde, ihren Anspruch preiszugeben, zur Vertretung der jüdischen Religion als solcher berufen zu sein. Das mag unbescheiden klingen, aber ist denn Bescheidenheit immer eine Zier? Zu dem Verse, den wir gestern gelesen haben: wirr yn p sttnnV „Moses nannte Hosea, Sohn Nuns, Josua", bemerkt Jonathan ben Ufißh.T’rmnm* nfra 2»an 13 wirr sii p srnnrfc rwv mp „als Moses die Bescheidenheit Hoseas sah, nannte er ihn Jehoschua". Mit dem Buchstaben' der dem Namen Hosuas angefügt wurde, hatte es eine tiefe Bewandtnis. Im Jeruschalmi Sanhedrin wird erzählt, daß es derselbe war, das einst dem Namen unserer Stammutter Sara angehängt war, die ja ursprünglich Saraj hieß. Als der Name Saraj in Sara umgewandelt wurde, beklagte sich der Buchstabe ' bei G'tt und sprach: fixin npixn p 'iriipV trabism pai „Herr der Welt, warum hast Du mich losgerissen von dem Namen dieser edlen Frau? Da tröstete ihn G'tt und sprach: Bis jetzt warst Du der Schlußbuchstabe eines weiblichen Namens, in Zukunft wirft Du der Anfangsbuchstabe eines männlichen Namens werden." Ich möchte dieses seltsame Wort folgendermaßen erklären Saraj heißt Herrscherin, Sara heißt Fürstin. Zur öffentlichen Ausübung der Herrschermacht sind unsere Frauen nicht berufen. Wohl aber sind sie Fürstinnen, die mächtig sind durch ihrer Gegenwart ruhigen Zauber. „Was die stille nicht wirkt, wirket die rauschende nie. Kraft erwart ich vom Mann, des Gesetzes Würde behaupt' er; aber durch Anmut allein herrschet und herrsche das Weib." Das ’ des G'ttesnamens ist von pv auf srunn übertragen worden, damit es als jwirr» die Kraft besitze, gegenüber der schwächlichen Verzagtheit der Kundschafter die Würde des Gesetzes zu behaupten: -mrva -jswp '■». Die Majorität der Kundschafter stanv m<*>f auf Josuas *) Referat aus dem Bezirkstag in Alzenau. Eine Mahnung für unsere Zeit der Not: Entsprechend dem iVim nnm herabsteigen in unseren Lebensansprüchen, uns wieder einstellen auf ms Vs ,-ms 12, zugleich aber streben, die nana von mapn wieder zu erlangen in unserem „Gang durch die große Wüste", dann nai nivn wird uns all' die Jahre hindurch nichts fohlen: der letzte Tag wird sein wie der erste, im letzten Jahre Gast wie im ersten. (Halachisch-agadische Zeitschriften.) Bon der von den Rabbinen L. I. L e w i t a n in Oslo und I. Klein in Satumare herausgegebenen Monatsschrift r»aan iso liegen uns Heft 7 und 8 vor, die die Wochenabschnitte ’npmai -ma bis ’sroai niva umfassen und interessantes und gut ausgewäi-ltes Material bringen. — Die bereits im 7. Jahrgang erscheinende von Herrn Rabbiner Ehrenreich in Hummene herausgegebene Zeitschrift "mm—nx„ bringt in ibrem Aw-Heft die Fortsetzung einer interessanten Arbeit über den berühmten Sabbatbrief des Jbn Esra. Eine Anfrage zur Kalenderreform verkennt, daß, ungeachtet eines gewissen Vorteiles für Ladengeschäfte, die Gefahr für die große Mehrzahl der Betriebe, deren Kundenkreis sich an den f e st e n 'Sabbattag in Jahren und Jahrzehnten gewöhnt hat, doch viel größer ist und vor allem daß bei der immerhin möglichen Einführung einer Fünftage-Woche für den sabbattreuen Juedn drei Feiertage in der Woche herauskommen. Auch sonst enthält die Nummer reiches Material. (Sefer ANnchas Jehudo.) In der in Nr. 30 des „Israelit" veröffentlichten Besprechung des wertvollen Responsenwerkes mm' nnaa -mo ist bedauerlicherweise der Name des Verfassers und damit auch die Adresse, für den Bezug des Werkes nicht genau wiedergegeben worden. Verfasser ist Rabbiner L. Herz in Dobrzyn n/Drwecu, poczta Golub (Polen), von dem das Buch auch zu beziehen ist.

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