Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1931)
- Date
- 1931-08-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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T l 6. August 1931__ ein zweifelhafter Faden aus Leinen (Flachs) ist oder nicht. Da heute durch Apotheken, chemische usw. Laboratorien und dergl. leicht Gelegenheit geboten ist, die nach dem Aufdrehen des zu untersuchenden Fadens zerfaserten Gewebeteile in etwa gleichem Vergrößerungsverhältnis wie die hier abgedruckten Mikrophotographien von Leinen (Flachs)-, Hanf- und Baumwollfafer unter einem Mikroskop zu betrachten und mit diesen authentischen Bildern zu vergleichen, ist jede Schwierigkeit und jeder Zweifel zu beheben." Es wäre vor allen Dingen wichtig, daß diejenigen Schneidermeister, Schneidereien und Konfektionsgeschäfte, die auf gesetzestreue Kundschaft Wert legen, mit dem oben erwähnten Merkblatt der Rabbinervereinigung sich genau vertraut machen und daß sie ferner bereitwilligst Gelegenheit geben, die gewissenhafte Beobachtung der in dem Merkblatt enthaltenen Vorschriften durch Anwendung des Mosbacher'schen Verfahrens jederzeit nachprüfen zu lasten. Korrespondenzen « ßacbricbten. Deutsches Reich. Feier des Verfassimgslages. Frankfurt a. M., 3. August. Das preußische Staatsministerium hat den Beschluß, der sich mit der Feier des diesjährigen Verfassungstages beschäftigt, auch den Landesverbänden jüdischer Gemeinden mitgeteilt. Nach dem Gesetz vom 17. März 1929 obliegt den Religionsgesellschaften als solchen keine Verpflichtung zur Beflaggung. Sie unterliegen jedoch den Bestimmungen der Verordnung über die Beflaggung insofern, als von ihnen öffentliche Schulen unterhalten werden oder soweit sie an öffentlichen Schulen teilnehmen. Die Behörden sind angewiesen, zu den von ihnen veranstalteten Verfassungsfeiern neben den Vertretern der Reichs-, Staats- und Kvmmunalbehörden auch diejenigen der Religionsgesellschaften einzuladen. Roschhaschono am Sabbat. Berlin, 2. August. Der Weltverband Schomre Schabbos bittet in einem Rundschreiben die Rabbiner, an dem auf Sabbat fallenden Roschhaschono-Tage in ihren Ansprachen die Widerstandskraft der jüdischen Massen gegen die Versuchung zur Sabbatentweihung zu stärken und auf engste Solidarität der Schomre Schabbos hinzuwirken. Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde. Berlin, 4. August. Die gestrige Sitzung der Repräsentantenversammlung brachte eine Reihe von erregten Auseinandersetzungen Zwischen der volksparteilichen Opposition und der liberalen Mehrheit. Mit der Ausschaltung der volksparteilichen Vorstandsmitglieder, insbesondere Kareskis, bei der Verteilung der Vorstandsdezernate ist die Volkspartei recht unzufrieden. Indessen erklärte der Vorstand, daß ens sich hier um eine interne Angelegenheit handele, für die die Repräsentantenversammlung nicht zuständig sei. Alsdann wünschte die Volkspartei eine Aktion der Gemeinde zur Wahrung der politischen Rechte der Juden anläßlich der letzten llniversitätsunruhen. Der Vorstandsvertreter und die liberale Fraktion lehnten das ab. Die Gemeinde habe nicht die Aufgabe, den Nationalsozialismus zu bekämpfen, sondern müsse das den privaten Organisationen, wie dem Zentraloerein, überlassen. Im übrigen sei das wirtschaftliche wie das politische Schicksal , der deutschen Juden mit dem der Gesamtbevölkerung unlösbar verknüpft. Demgegenüber wies die Volkspartei durch Hans Goslar darauf hin, daß bei Erschütterungen von rechts und links, ebenso wie auch bei der Wrtschaftsgsstaltung, die Juden in weit höherem Maße Leidtragende seien, als die allgemeine Bevölkerung. Bruno Wo yd a, der Haupt- Der Israelit Die Woche. Berlin. Der nationalsozialistische Abgeordnete Ley, der bereits wiederholt wegen Ritualmordhetze angeklagt war, hat in einem Vortrag in Köln die Blutbeschuldigung gegen die Juden erneut in einer besonders aufreizenden Form erhoben. Er verkündete, es gäbe Juden, die aus ihrem Rasseninstinkt heraus fremdes Blut ftemder Völker trinken müßten. Es wäre zu untersuchen, ob Herr Ley nicht eher ins Irrenhaus als ins Zuchthaus gehört. — Die klinische Sektion des nationalsozialistischen deutschen Studentenbundes veröffentlicht einen Bericht, wonach in den letzten Monaten an allen Kliniken nationalsozialistische Kampfzellen geschaffen wurden. Ihr Ziel ist die Herbeiführung eines Numerus clausus gegen jüdische Medizinstudenten. — Der bekannte jüdische Philantrop Julius Rosenwald in Chicago hat dem Berliner Oberbürgermeister durch den amerikanischen Botschafter mitteilen lassen, er beabsichtige, der Stadt Berlin eine Stiftung in Höhe von einer Million Dollar zur Errichtung einer Kinderzahnklinik zu vermachen. . Köln. Drei jüdische Studenten wurden von 20 Nationalsozialisten überfallen und schwer mißhandelt. Als die Polizei erschien, waren die Attentäter bereits alle geflohen. Kassel. Das erweiterte Schöffengericht hat den Redakteur der natonalsozialistifchen hessischen Volksmacht, Wolfgang Bergemann, wegen Veröffentlichung eines g'tteslästerlichen, eine schwere Beschimpfung der jüdischen Religion darstellenden Artikels zu einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten verurteilt. Dessau. Das Bundeslager des jüdischen Jugendbundes K a d i m a in Nauendorf bei Dessau wurde am Freitag Nacht nach Mitternacht von größeren Trupps Nationalsozialisten überfallen. Das Dessauer Ueberfallkommando konnte in der Dunkelheit der Angreifer, bis auf 7, die von Polizeihunden im Walde aufgsstöbert wurden, nicht mehr habhaft werden. Men. Eine Tagung der Poale Zion, die hier anläßlich des Sozialistenkongresses stattfand, beschloß, eine Vereinigung mit der „Hitachduth", sei es insgesamt, sei es in einzelnen Ländern, zu erstreben. — Auf dem Kongreß der sozialistischen 2. Internationalen wurde ein Protest gegen die Verfolgung der zionistischen Sozialisten in Rußland angenommen. — Philipp Halsmann wird nunmehr einem Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gegen ihn einreichen, nachdem schwerwiegende Indizien gegen den Arbeiter Johann Schneider als mutmaßlichen Mörder geltend gemacht worden sind. London. In der Presse kommt große Entrüstung zum Ausdruck über antisemitische Kundgebungen des Domherrn der Peter Paulskirche in Jlfork, der die Kinobesitzer mit den Juden identifiziert und die Juden beschuldigt, die Volksmoral zu verachten. Der Board of Deputies hat eine Untersuchung eingeleitet. — Der bisherige Leiter der Orientabteilung des Colonial Office, Sir John Shuckburgh, wurde zum stellvertretenden Unterstaatssekretär ernann.t An seine Stelle tritt Mr. O. C. C. Parkinson. Paris. In einer von 5000 Personen besuchten Versammlung der Internationalen Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus wurde eine Protestresolution gegen die Ausschreitungen in Saloniki gefaßt. Prag. In Munkacz hat der Oberrabbiner der orthodoxen Gemeinde gegen die Benennung einer Hauptstraße nach Theodor Herzl bei der Stadtverwaltung Protest eingelegt, wel diese Straßenbenennung das Empfinden der religiös-jüdischen Bevölkerung verletzt. Riga. Gegen den zionistischen Abgeordneten, Rabbiner Nurok, wurde ein gerichtliches Verfahren eingeleitet, weil er während der letzten Parlamentswahlen Flugschriften nur in jiddischer und nicht auch in lettischer Sprache drucken ließ. Amsterdam. In einer hiesigen Synagoge wurde ein schwerer Einbruch verübt, wobei wertvolle Kultusgegenstände geraubt worden sind. Lublin. Wieder einmal haben im Anschluß an ein Fußballspiel zwischen einem christlichen und einem jüdischen Sportklub schwere antisemitische Ausschreitungen stattgefunden. Eine Anzahl Verletzter mußte ins Spital gebracht werden. Darfchau. Akn 30. Juli find 60 Auswanderer nach Palästina abgereist, durchweg Angehörige des Mittelstandes oder Verwandte von m Palästina ansässigen Personen. Nr. 32 Seite 5 Zigarren dQ Wolf Zeil V Tel. Hansa 27930 sprechet der Liberalen, wies tadelnd darauf hin, daß ein Berliner Gemeindemitglied anläßlich des Zionistenkongresses Mk 60.000 für den zionistischen Nationalfond gespendet habe. Prof. P i ck bezeichnet diesen Tadel als Provokation und Verletzung der religiösen Gefühle derjenigen, denen die Arbeit für Zion als religiöses Gebot gilt. Einstimmig wurde nur ein einziger Antrag angenommen: die Ortschaft Birkenwerder in den Bezirk der Jüdischen Gemeinde einzugliedern. Frankreich. Demokratisierung der Jewish Agency? Paris, 30. Juli. Ein nichtzionistisches französisches Mitglied der Agency, Herr I e f r o y k i n e, führt in einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter aus, er halte die Frage der Demokratisierung der Agency für den wichtigsten Gegenstand der Baseler Verhandlungen. Alle die an der Tagung teilgenommen hätten, seien sich bewußt geworden, daß ein Fortbestand der Agency in ihrer gegenwärtigen Form unmöglich sei. Sie sei heute ein mechanisches Anhängsel der zionlstischen Organisation und daher völlig nutzlos. Dagegen könne der nichtzionistische Teil der Agency, wenn er demokratisiert wird und große Massen des jüdischen Volkes, die den Zionismus ablehnen, zur Mitarbeit heranziehe, eine unabhängige Macht werden. Man darf wohl annehmen, daß die Befürworter des jüdischen Weltkongresses bei ihren Plänen ungefähr dasselbe Ziel verfolgen, das hier von Herrn Jefroykine ins Auge gefaßt wird. Letzten Endes handelt es sich jeodch bei der „Demokratisierung" — was Herr Jefroykine nicht zu merken scheint — um einen groß angelegten Versuch, diejenigen, die heute Nichtzionisten sind, für die zionistische Ideologie reif zu machen und sie in den Dienst der zionistischen Politik zu stellen. Reue Erklärungen Shiels' über die Durchführung des Landenlwicklungsplans. London, 30. Juli. Auf mehrere Anfragen des Arbeiterführers Abg. Ben Tillet gab Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, im Unterhaus drei wichtige Erklärungen über die Durchführung des Landentwicklungsplans in Palästina ab. Erstens gab Dr. Shiels bekannt, daß der Landentwicklungsdirektor bei der Wiederbesiedlung von Arabern, deren Boden in jüdische Hände übergegangen ist, keinen Unterschied zwischen Arabern, die ihren Boden dadurch verloren haben, daß er von den Großgrundbesitzern verkauft wurde, und solchen, die ihr Land aus freiem Willen an Juden verkauft haben, machen werde. Zweitens erklärte Dr. Shiels, es werde dem Landentwicklungsdirektor überlassen bleiben, die Frage in Erwägnug zu ziehen, ob verschiedene Organisationen von der Regierung in ihren Versuchen, kollektiven Kauf und Kultivierung von Boden durchzuführen, fernerhin ermutigt werden sollen. Drittens stellte Dr. Shiels fest, daß alle Entscheidungen über Bodentransaktionen in Palästina dem High Commiffioner Vorbehalten bleiben sollen. In jüdischen Kreisen wird befürchtet, daß diese von Dr. Shiels im Unterhaus angekündigten Maßnahmen den jüdischen Bodenkauf in Palästina wesentlich beeinträchtigen könnten. Man nimmt an, daß auf Grund solcher Verfügungen den jüdischen Organisationen Hindernisse beim Bodenerwerb in den Weg gelegt werden könnten. Auch die Bestimmung, daß in Hinkunft ohne Einverständnis des High Commiffioner Bodenbesitz weder veräußert noch erworben werden kann, wird als Erschwerung des jüdischen Vodenkaufs in Palästina aufgesaßt. Im weiteren Verlauf der Sitzung kündigte Dr. Shiels weitere Veränderungen in der Besetzung der palästinensischen Verwaltungs- und Gerichts-Behörden an, die sich auf Grund des Berichtes der außerordentlichen Finanzkommission als notwendig erwiesen hätten.!>? {•: U \i