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Der Israelit · 1931-08-06 · Heft 32 (6.8.1931) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 32 (6.8.1931)
Date
1931-08-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 32 Seite 3 teo* '^ts^tvf >T3ur^f,‘ *>: 6. August 1931 Der Zionismus, im modernen Sinne des Wortes, war am Anfänge eine providenttelle Notwendigkeit: heute ist er längst ungenügend geworden. Wenn er zum Sieg führen will, soll er sich verneinen und überwinden und zu den ewigen Quellen zurückkehren. . Nicht die mechanische Politik der Zahlen und der Parteien wird zum Sieg führen. Nur e i n Mensch wird zum Sieg führen, ein Mensch, der im Namen von G'tt die Kraft besitzen wird, Israel zu beherrschen und, über alle Parteien und Tendenzen, die große Einheit des ganzen Israel wieder zu bauen. Dieser Mensch wird vor den Menschen, vor den Regierungen die elementare Sprache wieder sprechen, die sie von uns, Israel, bis jetzt umsonst erwartet hatten: die elementare Sprache des G'tteswortes: G'tt, unser und euer G'tt, hat das versprochen, das sollen wir, die Menschen, realisieren. Kämpfe, Schmerzen, Blut, viel Blut vielleicht, wird noch nötig sein, aber endlich wird der Sieg kommen." Soweit Pacifici. Der mutige Bekenner, der diese herzerschütternde Rede gehalten hat, vergißt nur eines: daß die von ihm geforderte echte Messianisierung der zionistischen Bewegung für diese eine revolutionäre W e s e n s u m w a n d l u n g bedeuten würde, die man als utopisch bezeichnen muß. Eine Bewegung wird von denjenigen Menschen mit geistigem Inhalt erfüllt, die sie geschaffen haben und führen. Die frommen Wünsche eines Herrn Pacifici aber können den Nachfahren Herzls, können einem Sokolow, Weizmann, Vuber und ihren Zeit- und Denkgenossen nicht die Emuno an G'tt und seine Thoraosfenbarung zurückgeben, die die Voraussetzung für eine wahrhafte Geulo ist. Männer wie Pacific! sollten ihre Kraft nicht nutzlos in den Reihen derer verschwenden, die nur G'tt selber zur Erkenntnis der Wahrheit zurückzuführen vermag, und die bis dahin, ohne zu heucheln, G'ttes Namen wahrhaftig nicht über sich aussprechen können. Die religiöse Ankerweisung an der Frankfurter Pädagogischen Akademie. Zu den in Nr. 28 und Nr. 31 unseres Blattes veröffentlichten Ausführungen über die Lage und Zukunft der jüdischen V o l k s s ch u l - lehrerb ildung in Preußen werden uns von einer mit den einschlägigen Verhältnissen aufs genaueste vertrauten Seite folgende be- Der Zsraelir richtigende Bemerkungen übersandt, die wir uns verpflichtet glauben, der jüdischen Oeffentlichkeit nicht vorzuenthalten: „Zu der von Ihnen behandelten Frage,- ob eine ausreichende Vorbildung jüdisch-orthodoxer Lehrer im Rahmen einer Simultanakademie und unter den durch diesen Rahmen nun einmal gegebenen Bedingungen überhaupt möglich ist, will ich keine Stellung nehmen. Man kann diese Frage durchaus verneinen, wird aber dennoch verpflichtet sein, die an der Frankfurter Akademie für die Ausbildung jüdischer Lehrer getroffenen Vorkehrungen so darzustellen, wie sie wirklich sind und damit die Grundlage für ein gerechtes und unparteiisches Urteil zu schaffen. Tatsächlich ist es unrichtig, daß die jungen Leute an der Frankfurter Akademie durchschnittlich einen vier- bis fünfstündigen Unterricht haben. Die Wochenstundenzahl beträgt vielmehr 10 bis 13. Es kommt aber hinzu, daß der Dozent niemand zu feinen Vorlesungen zuläßt, der nicht entweder eine gewisse Vorbildung im Hebräischen und Rabbinischen mitbringt, oder an einem einjährigen Vorbereitungskurs teilnimmt, in dem die jungen Leute 30 bis 35 Stunden in der Woche jüdischen Unterricht haben. Durch die vergleichsweise großen Anforderungen, die gestellt werden, wird natürlich auch ein gewisser Einfluß dahin ausgeübt, daß von vornherein nur solche Kandidaten sich melden, die gewillt sind, sich ein gründliches jüdisches Wissen zu erwerben. Es trifft daher auch nicht zu. daß die hier ausgebildeten jungen Leute „meilenweit hinter den Anforderungen, die das gesetzestreue Judentum stellen muß, Zurückbleiben." So besuchen z. B. vier junge Leute des Vorbereitungskurses gleichzeitig Jeschiwoth und erhalten einen gründlichen Unterricht in rabbinischen Lehrfächern von bewährten Kräften. Ich darf aus meiner genauen Kenntnis der Dinge behaupten, daß der Durchschnitt der jungen Leute mindestens mit den Absolventen des Würzburger oder Kölner Lehrerseminars Schritt hält, ja daß Begabte sie gewiß auch in jüdischen Fächern zuweilen übertreffen. Prof. Hildebrandt war nur wenige Stunden hier in Frankfurt und er hat sich so ungenau informiert, daß er sogar die Zahl der hier studierenden jüdischen jungen Leute unrichtig angegeben hat. Es sind nicht 12, sondern 18. Schreiber dieses ist weit davon entfernt, die Regelung der jüdischen Lehrerbildung in Preußen, wie sie heute ist, als ideal anzusehen; er verkennt auch nicht, daß die Stellung des jüdischen Dozenten an der Simultanakademie schwierig ist' und daß es dem Inhaber , dieses Amtes nur mit großer Mühe gelungen ist, all- > mählich die jetzt relativ befriedigenden Bedingungen zu! schaffen. Aber es schädigt die Gesamtinteressen des gesetzestreuen Judentums, wenn über die bis jetzt doch nun einmal einzige Stätte, an der in einer vom Staate als vollwertig anerkannten Art und Weise auch gesetzestreue junge Leute ausgebildet werden können, unrichtige Angaben verbreitet werden." Wir sind dem Einsender für seine Klarstellung durchaus dankbar, denn es lag den pädagogischen Fachleuten, von denen unsere Veröffentlichungen ausgingen, nichts ferner, als durch objektiv unrichtige Angaben für einen Gedanken wirken zu wollen, dessen Berechtigung auch der Einsender nicht bestreiten wird, für den Gedanken nämlich, daß eine im Sinne der Thora vollwertige Ausbildung jüdischer Lehrer nur in einer gefchlossewir Juden insbesondere, als schwächstes unter den Völkern, gewiß der ganzen Wucht der natürlichen Ereignisse preisgegeben. Cs gibt aber eine einzige Aweroh, bei der, wie bei keiner anderen in der ganzen Thora, die Entziehung der Ji'tns nniffn als Strafe angedroht wird, und diese Aweroh ist das Hinweggehen über den n-ny “non. Dort heißt es: Tina» awi -ot nvw ia am» «in „Es soll keine Blöße an Dir geschaut werden, damit G'tt sich nicht abwendet von Dir." Wir sollten daher ernstlich darüber Nachdenken, ob es mit der Abschwächung und Vernichtung des Znius im jüdischen Kreise, selbst im gesetzestreuen jüdischen Kreis, so weitergehen kann wie bisher. Von jeher war es der Stolz der jüdischen Frau vor allem, auch im engsten Familienkreise Haar und Körper zu verhüllen und heute sehen wir. daß jüdische Frauen und Mädchen mit halb oder ganz entblößten Armen und Beinen sich in der Öffentlichkeit zeigen, ohne daß sie sich bewußt wären, welche Verleugnung des jüdischen Sittengesetzes sie sich damit zuschulden kommen lassen. Es ist nur eine natürliche Folge dieser Entartung, daß man sich ebenso wenig scheut, Familienbäder zu besuchen und damit zugleich den größten vvn bibn zu begehen, an dem auch sittlich empfindende Andersgläubige oft starken Anstoß nehmen. Durch das Hinweggehen über den ara mvrr im Familienkreise werden selbst unsere Mizwos in Aweros verwandelt. Wer in Gegenwart, entblößter Körperteile von Frauen und Mädchen betet oder Segensfpüche spricht, hat nicht nur nicht seine Pflicht erfüllt, sondern er hat rnaia gesprochen und sich mit neuen Versündigungen belastet. Mag auch mancher die Nase darüber rümpfen, daß man diese Dinge ungescheut öffentlich ausspricht, aber es muß geschehen um der Liebe willen, die wir einer dem anderen schulden, um des Erbarmens willen, das wir mit dem Leidensgeschick empfinden, das andere trifft, und das uns, wenn wir wirklich helfen und bessern wollen, zur offenen nnain verpflichtet Verantwortlich sind unsere Führer und Leiter, verantwortlich sind vor allem die Rabbinen, die von der Kanzel herab, so wie es einige mutige Männer bereits getan haben, alle ohne Ausnahme das Wort ernster Mahnung an ihre Gemeinden richten und sich für die Herstellung des alten jüdischen Znius einsetzen müßten. (Das Begräbnis eines jüdischen MuMmillwnörs in China.) In eigenartiger Weise wurde die Bestattung des vor kurzem verstorbenen jüdischen Multimillionärs Aaron Hardoon in Shanghai vorgenommen. Die Leiche des Verstorbenen wurde in einer Gruft beigefetzt, die in dem prächtigen Park seiner Besitzung liegt, gegenüber dem Kinderpalast, den er für die 80 von ihm adoptierten Kinder erbauen ließ. Die Beerdigung fand nach allen Vorschriften des jüdischen Rituals statt. Rach Beendigung der Leichenfeier nach jüdischem Ritus ließ die buddhistische Witwe des Verstorbenen die Beerdigungszeremonien auch nach buddhistischem Ritus vornehmen. Tausende buddhistische Mönche in weißen Trauergewändern verrichteten am Grabe die Klagegebete unter musikalischer Einrahmung mittels Pauken, Pfeifen, Gongs und Trompeten. In feinem Testament hat Hardoon viele seiner adoptierten Kinder mit größeren Summen bedacht, die ihnen jedoch erst nach Beendigung ihres Hochschulstudiums ausbezahlt werden sollen. Seinen eigenen Kindern hat er Beträge bis zu zwei Millionen Dollar ausgesetzt. Hardoon hat ferner 90.000 Dollar für die Herstellung von Uebersetzungen der Bibel und des Koran ins Chi- Für Körper und Füsse nur DIAISN-Puder nen jüdischen Lebensgemeinschaft, in einem einheitlichen, vom Thorageist gesättigten Milieu erfolgen kann. Die Forderungen daher, die wir in unseren Aufsätzen gestellt haben, bleiben durchaus zu Recht bestehen. Die geschichtliche Aufgabe der Freien Vereinigung. Von Distr.-Rabb. Dr. gtnpQaeC ZSreuer in AschaffeiiSnrg.*) Zum ersten Male seitdem die Freie Vereinigung besteht, veranstaltet sie heute eine Bezirkstagung auf bayrischem Bodem. Daher dürfte es wohl angebracht sein, die grundsätzliche Frage zu beantworten: W a s -w i l l die Freie Verein igung?Wasr st ihregeschichtl ich e Aufgabe? Haben wir in Deutschland nicht genug jüdische Organisationen, die sich um die Erhaltung des Judentums bemühen und die Interessen der jüdischen Gemeinden, ihrer Einrichtungen --nd Beamten nach Kräften zu fördern suchen? Unleugbar ists, daß wir in Deutschland ein Ueberangebot an jüdischen Vereinen und Verbänden haben. Gleichwohl ist die Freie Vereinigung nicht überflüssig, denn sie ist nicht nur der älteste jüdische Verband in Deutschland, dem es bald vergönnt sein wird, auf ein halbes Jahrhundert unausgesetzter fruchtbarer Tätigkeit im Dienste des Judentums zurückzuschauen, sie ist auch die erste jüdische Organisation in Deutschland, die den Bekennermut besaß, mit einem umfassenden jüdischen Arbeitsprogramm sich eindeutig auf den Boden des'orthodoxen Judentums zu stellen, und dieses eindeutige Bekenntnis schon in dem Namen, den sie trägt, weithin hörbar zum Ausdruck zu bringen. Nicht von den praktischen Leistungen der Freien Vereinigung möchte ich rooen — dieses ist bereits von berufener Seite heute geschehen — sondern von der geschichtlichen Aufgabe, die in ihrem Namen angedeutet ist. I. Das jüdische Volk lebt in der Geschichte als *1*113? rwp av, als das Volk des „harten Nack-ens" fort. n*?n iii'Ni ■’xaaV xinir? nno nnx (n"a viaw) ai^y ix in - rawV- *) Referat auf dem Bezirkstag in Alzenau. nesifche zurückgelaffen. Die Bibel übersetzt der hervorragende chinesische Gelehrte Chi-Sho-May, einer der größten Kenner des Buddhismus. Die chinesische Bibel wird in 20.000 Exemplaren hergestellt werden. ((gut neues Brismilo-Handbuch.) Aus der Feder von Rabbiner Ofcher Anfchel Grünwald in Uzhorod, Rakociho u. 26, ist unter dem Titel mian *m eine übersichtliche Zusammenstellung der bei der Beschneidung üblichen Segenssprüche und Gebete, sowie aller im Schulchan Oruch und den späteren niaivni o'pois enthaltenen Dinim erschienen, die vielen recht willkommen sein wird, zumal das bekannte Handbuch von B. H. Auerbach wohl längst vergriffen ist und auch viel weniger Einzelheiten enthält, als das jetzt vorliegende, etwa 200 Seiten umfassende Büchlein. Im Anhang gibt der Verfasser die Vorschriften über janpvjs und Barmizwoh. Das Werk ist vom Verfasser zu beziehen. Wocheukalender. c 8. Aug - 15. Aug. INI , v. 25. Ab bir 2. Elul 8881 Samstag Aug. 8 3# 25 vinn ]»a*un .nm Sonntag 9 26 Montag 10 27 Dienstag 11 28 Mittwoch 12 29 Ivp T13D Dl» Donnerstag 13 30 vin wro '* j’ypw Freitag 14 1 vin wm '3 Samstag 15 2 I

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