Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1931)
- Date
- 1931-07-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der. Israelit Nr. 31 Seite 5 30. Juli 1031 Mrerp-Meuren « ßacbricbtea. Deutsches Reich. Vertagung der Zentralratssihung der Agudas Iisroel. . Frankfurt a. M., 29. Juli. Vorn Präsidium des Zentralrates der Agudas Jisroel, Herrn.Oberrabbiner L ew i n - Rzeszow, geht uns nach Redaktionsschluß die Nachricht zu, daß das Präsidium sich mit Rücksicht auf die von Polen und von Deutschland verordnten Ausreisebeschränkungen und mit Rücksicht aus die wirtschaftliche Lage entschließen mußte, die Tagung des Zentralrates bis zum. Monat Chefchwan aufzuschieben. Es soll stattdessen eine Plenar-Lägung des G. A. und der Politischen Exekutive Der Agudas Iisroel an einem deutschen Orte stattfinden. Palästina-Reisen unter der neuen Ausreise- Rotverordnung. Berlin, 23. Juli. Allen denjenigen, die in der nächsten Zeit nach Palästina zu reisen wünschen, und die durch die Lage in Deutschland und die Notverordnung Schwierigkeiten zu erwarten haben, teilt der Palestine und Orient Lloyd (Berlin N 24, Friedrichstraße 121) folgendes, mit: 1 Ausreisegebühr. Bon der Ausreisegebühr von Mk. 100 sind alle diejenigen, die nicht deutsche Staatsbürger sind nicht betroffen. Ebenfalls sind von ihr befreit Auswanderer, sowie Rückwanderer, auch wenn sie deutscher Staatsangehörigkeit sind. 2. Schiffskarten können bei uns gekauft werden, sowohl gegen bare ausländische Noten, wie gegen Devisen (Schecks). Die Bezahlung kann jedoch auch in deutscher Reichsmark erfolgen, wobei die Umrechnung zu den normalen Kursen der deutschen Reichsbank erfolgt. 3. Alle mit dem Kauf der Schiffskarten verbundenen Geschäfte sind uns von Seiten der zuständigen Behörden ausdrücklich gestattet. Wir haben auch das Recht, ausländische Zahlungsmittel in deutsches Geld umzuwechseln. 4. Jeder, der ins Ausland reist, Ausländer, sowie Inländer, erhält von Banken und Wechselstuben, am besten aber von der Reichsbank selbst (Devisenhandelsstelle, Kurstraße 49, 1.) in gewissem Umfange ausländische Noten gegen deutsches Geld. Hierzu ist die Vorweisung des Paffes bezw. der Auslandsvisen, sowie der Bahn- und Schiffskarten notwendig. Protestantismus und Rationalsozalismus. Berlin, 24. Juli. Eine höchst bedauerliche und aufsehenerregende Kundgebung veröffentlicht der „Evangelische Bund", der sich bisher für . politisch unparteiisch erklärt hat, in seinen Volksschriften iw Form eines von dem rheinischen Bnndesführers, Hermann Kremers, gehaltenen Referates, das auch in den Mitteilungen des Bundes zustimmend besprochen worden ist. Kremers begrüßt in dem Erwachen des Nationalsozialismus einen „Aufbruch der deutschen Sele". Die Bejahung des Volkstums als G'ttesschöpfung, wie sie der Nationalsozialismus vollziehe, sei vom Geiste Luthers. Auch das Auswerfen der Nassenfrage sei nicht abzulehnen. Aus der Kremers'- fchen Schrift ergibt sich, daß man auf evangelischer Seite in dem Nationalsozialismus eine Art Bundesgenossen gegen Rom erblickt; wenn man auch in dieser Hinsicht noch mehr erwartet und von den Nationalsozialisten ein stärkeres Verständnis für die Bedeutung der . Reformation fordert. Man wird mit größtem Interesse das Echo beobachten müssen, das die Kremers'sche Schrift in den führenden. Kreisen der evangelischen Theologen und Geistlichen finden wird. Ermäßigung der Kirchensteuer für Lohnsteuerpflichtige.! Halberstadt, 22. Juli. Der Preußische.Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat den kirchlichen Behörden und Verbänden Mitteilung von einem Schreiben-des Gewerkfchafts- Die Woche. Berlin. Die nach kurzem Verbot wieder erschienenen nationalsozialistischen Blätter, „Völkischer Beobachter", „Angriff", teilen triumphierend mit, daß der 14. deutsche Studententag einen Nationalsozialisten zum ersten Vorsitzenden der deutschen Studentenschaft gewählt hat. Auch der 3. Vorsitzende und eine größere Zahl der Vorstandsmitglieder seien Nationalsozialisten. — Am Montag Abend kam es in der Friedrichstraße zu Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Reichsbanner- Leuten. Köln. Die große Strafkammer als Berufungsinstanz sprach den nationalsozialistischen Redakteur Grohe von der Anklage der Beschimpfung der jüdischen Religion und der Aufreizung zum Klassenhaß frei. Grohe hatte behauptet, Ritualmorde seien vorgekommen und erwiesen. Czernowih. In den jüdischen Kreisen Rumäniens wird mit Besorgnis festgestellt, - daß der so freundlich begrüßte neue Ministerpräsident Jargo intimste Beziehungen zu dem Antisemitensührer Cuza unterhält, der sich während der Debatte über die Thronrede wiederum in unerhörten Beschimpfungen der jüdischen Religion erging und die Entrechtung der Juden sowie die Beschlagnahme ihres Eigentums fordert. Paris. Jabotinski erklärte in einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter, die Revisionisten würden den lokalen zionistischen Verbänden nicht mehr länger angehören und mit der zionistischen Organisation nur noch in einem lockeren Zusammenhang bleiben. Endgültig werde über ihre Haltung die revisionistische Weltkonferenz im Dezember entscheiden. — Dr. L. K. Frankel, dessen Wahl zum Mitvorsitzenden des Councils der Agency erst vorige Woche gemeldet wurde, ist hier auf der Durchreise im Alter von 64 Jahren plötzlich verschieden. Frankel war im bürgerlichen Leben Vizepräsident der größten amerikanischen Lebensversicherungsgesellschaft und widmete einen großen Teil seiner Zeit jüdisch-sozialen Ausgaben. Prag. Der Führer der zionistischen Volkspartei in der Tschechoslowakei, Advokat Dr. L. Singer, ist im 56. Lebensjahre plötzlich verstorben. Er war Vorsitzender der Prager jüdischen Gemeinde und gehörte eine Zeitlang auch dem tschechoslowakischen Parlamente an. Riga. Der Joint in Berlin überwies den jüdischen Kreditkassen in Lettland die durch die deutsche Finanzkrise in. Schwierigkeiten geraten waren, Doll. 50.000, worauf sofortige Beruhigung der Einleger eintrat. — Durch ein im Sejm angenommenes Gesetz wird allen Geistlichen, auch den Rabbinern, die ein Dienstalter von 25 Jahren und ein Lebensalter von 55 Jahren erreicht haben, Anspruch auf staatliche Pension zugebilligt. London. Der bisherige Gouverneur von Jerusalem, Keith Roach, soll durch den Gouverneur des Jaffaer Distrikts, Campbell, ersetzt werden. — Als Kandidaten für . den Posten des jüdischen Beraters beim Landentwicklungsdirektor werden .Prof. H e x t e r, Dr. R u p p i n unb Agronom SBiltanstq genannt. Lublin. Bei der Sturmkatastrophe, die hier stattfand, blieb das Jeschiwogebäude, obgleich es das höchste der Stadt ist, unversehrt. Indessen sind einige Juden ums Leben gekommen, mehrere andere wurden verletzt. Eine Anzahl jüdischer Familien sind obdachlos, kowno. Die Auswanderung aus Litauen ist in der letzten Zeit stark zurückgegangen, weil Litauen als Agrarland unter der Weltwirtschaftskrise verhältnismäßig weniger leidet. Allerdings sind auch die wichtigen Unterstützungen von amerikanischen Verwandten stark zurückgegangen. Warschau. Das nationaldemokratische Zentralorgan veröffentlicht in seinen letzten Nummern überraschenderweise heftige Angriffe und Drohungen gegen die jüdische Bevölkerung Polens, die für die Wirtschaftskrise verantwortlich gemacht wird. In einem kleinen Städtchen Wolhyniens hat der Ortsgeistliche am letzten Sonntag eine wütende Hetzrede gegen ditz; Juden gehalten. Jerusalem. Die Regierung hat die Kommunaloerwaltung oon H a i f a > angewiesen, Röhrenmaterial für die Kanalisationsanlage .der Stadt nur in England zu kaufen. Die Anordnung steht im Widerspruch zu Artikel 18 des Palästina-Mandats, der eine Bevorzugung eines Völkerbundsstaates vor dem anderen verbietet: bundes der Angestellten an das Reichsfinanzministerium gemacht, worin darauf hingewiesen wird, daß die Kirchensteuer der Lohnsteuerpflichtigen von dem vollen Einkommen des Vorjahres erhoben wird, während schon nach dein Ausmaß des bisherigen Gehaltsabbaus Rückgänge der Gehälter von 15 bis 20 Proz. anzunehmen seien. Ein weiterer Gehaltsabbau stehe in Aussicht. Aus diesen Gründen wird beantragt, die Kirchensteuer für das Jahr 1931 von dem um mindestens 25 Prag, gesenkten lohnsteuerpflichtigen Einkommen des Vorjahres zu erheben.. Der Minister stellt den Kirchengemeinden anheim, diese Ausführungen des Gewerkschaftsbundes zu p r ü - f e n und gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen zu treffen, soweit nicht durch Stundung oder Erlaß den einzelnen Fällen geholfen werden kann. Schweiz. Von der hebräischen Universität in Jerusalem. Zürich, 26. Juli. Anläßlich der Agency-Tagung fand auch eine Tagung des Kuratoriums und des akademischen Rates der hebräischen Universität in Jerusalem hier statt. Dr. Magnes berichtete über die Entwicklung. Es wurde beschlossen, einen „Chajim Weizmann-Lehrstuhl für internationales Friedensrecht" an der Universität zu errichten, ferner eine Dozentur für angewandte Mathematik zu erstreben, sobald die Mittel zur Verfügung stehen werden. Weitere Bemühungen werden der Sicherung des rechtlichen Status der Universität gewidmet sein. An Stelle des verstorbenen Prof. Dr. Joseph H o r o - v i tz wurde Prof. Dr. Gotthold Weil in Berlin zum beaufsichtigenden Direktor des orientalistischen Instituts der Universität ernannt. Von den amerikanischen Freunden der hebräischen Universität sind 17 neue Stipendien in Höhe von Doll. 100 bis 300 jährlich gestiftet worden. Dr. Magnes wurde beauftragt, im Einvernehmen mit der Agency bei der Palästina-Regierung um Erleichterung der Einreisebewilligung für jüdische Studenten vorstellig zu werden. (Man darf hoffen, daß die Palästina-Regierung, falls sie diese Erleichterung gewährt, auch die Einwanderung von Bachurim, die palästinensche Thorahochschulen besuchen wollen, in der gleichen Weise erleichtert. Red.) Frankreich. Das Schicksal der jüdisch-rumänischen Studenten in Frankreich. Paris, 16. Juli. Der französische Unterrichtsminister hat nunmehr endgültig verfügt, daß generell rumänische Studenten, die in Frankreich studieren, keine medizinische Staatsprüfung inachen dürfen; sie erhalten lediglich ein Universitätsdiplom. Alljährlich soll jedoch einer geringen Anzahl rumänischer Studenten nach Beendigung ihres Studiums von einer besonderen Kommission das Recht erteilt werden, das Staatsdiplom zu erlangen und zur ärztlichen Praxis in Frankreich zugelassen werden. Bon dieser Verordnung werden natürlich in erster Reihe -»e zahlreichen jüdischen Studenten aus Runiänien betroffen, die wegen des in ihrer Heimat eingefüyrten Numerus clausus an französische Universitäten gegangen waren. , Die Maßnahmen gegen die jüdisch-rumänischen Studenten in Frankreich. Paris, 22. Juli. Der Dekan der medizinischen Fakultät, Prof. Balt h a z a r d, veröffentlichte eine Erklärung, in der er entschieden bestreitet, daß die Aufhebung ber bisherigen Privilegien für Medizin-Studenten aus Rumänien auf antisemitischen Motiven beruhe. Sie sei vielmehr erzwungen durch die Rücksicht auf die französischen Aerzte, die nicht mit zusehen könnten, wie jedes Jahr Hunderte neuer rumänischer Aerzte in Frankreich sich niederließen. Künftig würden auf die rumänischen Studemen nur dieselben Bestimmungen, die für alle Ausländer gelten, Anwendung finden. Für die Zulassung zum Studium selbst gäbe es keinerlei Beschränkung.