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Der Israelit · 1931-07-30 · Heft 31 (30.7.1931) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 31 (30.7.1931)
Date
1931-07-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 31 Der Israelit Gesetzesübertreter? In Erez Jisroel zu leben, „wenn a u ch n i cht r e l i g i ö s " ist keineswegs, wie Herr Meier Berlin wörtlich sagte, eine „religiöse Tat", sondern im Gegenteil ein ■ religiöses Verbrechen, dem schon der Prophet die Worte entgegengerufen hat: 'mm viv-, ödtö nxt wpa ■>» Wir glauben auch nicht, daß der Misrachi, wenn er sich von solchen Prinzipien leiten läßt, jemals in der Lage sein wird, auch nur Bruchteile seines religiösen Programms in Erez Jisroel zu verwirklichen, denn es ist dann zehn gegen eins zu wetten, daß sich 90 Proz. der von ihm erzogenen Jugend mit der „religiösen Tat" des irreligiösen Lebens in Erez Jisroel begnügen und sich von den übrigen, höchst unbequemen 612 Ge- und Verboten des G'ttesgesetzes emanzipieren wird. Man kann dem geistigen Schicksal der misrachistifchen Gesetzestteuen, die sich leider, ohne der Mahnung der berufenen religiösen Führer des Judentums zu achten, in den Schoß der zionistischen Organisation hineinbegeben haben, nur mit größter Besorgnis entgegensehen. Die zur Selbstvernichtüng führenden religiösen Theorien Rabbi Meir Berlins aus der einen Seite, das kritiklose Hineintaümeln in revisionistischen Wahnwitz auf der anderen Seite, werden schließlich von allem guten Willen und allem idealen Streben, von dem der Misrachi ursprünglich beseelt war, in absehbarer Zeit nichts mehr übrig lassen. Es wäre höchste Zeit, daß die gesund gebliebenen Teile des „Misrachi" sich aus der unnatürlichen Umklammerung loslösten, in die sie verstrickt sind, und den Anschluß wieder fänden an den Gesamtkörper der gesetzestreuen Judenheit, an Agudas Jisroel. Juden auf der Wanderschaft. Der Verband der jüdischen Gesellschaften für Regelung der jüdischen Emigration, Hias-Jca-Emigdirekt (Hicem), hat soeben seinen Bericht über die jüdische Auswanderung im Jahre 1930 veröffentlicht. Der Bericht wird durch einen allgemeinen Ueberblick über die Beeinträchtigung der jüdischen Wanderbewegung durch die von einer Reihe von Staaten neuerlich verfügten Einwanderungsbeschränkungen eingeleitet. Trotz dieser Schwierigkeiten sind im Jahre 1930 39 000 Juden aus den Ländern Osteuropas ausgewandert. Diese Zahl ist zwar um 6000 niedriger als die Auswanderungsziffer des Jahres 1929, erreicht aber ungefähr die Höhe der Auswanderung im Jahre 1928, als eine ganze Reihe der jetzt in Geltung stehenden Einwanderungsbeschränkungen noch nicht existierten. Im folgenden sind die Zahlen der jüdischen Auswanderung, nach Bestimmungsländern geordnet, angegeben, wobei zum Vergleich die entsprechenden Ziffern für 1929 in Klammern beigefügt sind: Vereinigte Staaten 8.974 (12.883), Argentinien 7.805 (5.986), Palästina 4.944 (5.249), Kanada 3.963 (3.680), Brasilien 3.558 (5.610), Uruguay 1.600 (2.400), Südafrika 1.200 (2.664), Cuba 1.374 (476), verschiedene überseeische Länder und Europa 6000 (6.374). Daß die Auswanderungsziffer trotz der neuen Einwanderungseinschränkungen verhältnismäßig so hoch ist, läßt sich daraus erklären, daß ‘bie Furcht vor weiteren Restriktionsmaßnahmen der Jmmigrationsländ er viele Auswanderer veranlaßt hat, noch im letzten Augenblick von den gegebenen Einwanderungsmöglichkeiten Gebrauch zu machen. So sind.z. B^ viele Hünderte von Juden aus Polen, Litauen mstd Lettland im März und April 1930 während der sechsfachen, die zwischen der Beschließung und dem Inkrafttreten der neuen Einwanderungsvorschriften für Südafrika lagen, nach Südafrika ausgewandert. In dem Kapitel des Berichtes über Auswanderungsländer wird mitgeteilt, daß im Jahre 1930 21.738 Anmeldungen zur Auswanderung aus Polen im Warschauer Büro von Hicem und seinen Filialen in der Provinz Vorlagen. 67.431 Personen haben im Büro von Hicem im Laufe des Jahres vorgesprochen, in 15.689 Fällen wurde juristische und Konsular-Hilfe erteilt. 112 Personen erhielten landwirtschaftliche Schulung, 104 landwirtschaftliche Arbeiter wurden mit Hilfe des Pariser Komitees in der Landwirtschaft Frankreichs untergebracht. Die Kurse für fremde Spachen wurden von 200 Hörern besucht. In Rumänien wurde durch die Büros in Bukarest und Sziget der Transport von 240 Landwirten sichergestellt, die mit. Hilfe der Jca in Transsylvanien und Karpathorußland ausgewählt worden waren, um in den Kolonien der Jca in Argentinien angesiedelt zu werden. Außerdem wurde mit Hilfe eines vom Joint Distribu- ANNONCEN-BÜRO JULIUS SCHMIDT FRANKFURT A. M. JETZT HÖLDERUNSTR. 25 t DIE NEUE TELEFONNUMMER CAROLUS 45866 tion Committee zur Verfügung gestellten Spezialfonds die Auswanderung einer größeren Anzahl von Flüchtlingen, die sich feit 1923 in Rumänien aufgehalten hatten, nach Nord- und Südamerika ermöglicht. In Litauen hat sich, die Anzahl der registrierten Auswanderer fast verdoppelt. Die tatsächliche Auswanderung dagegen ist ein wenig zurückgegangen. In Lettland ist die Auswanderungsbewegung infolge der Verringerung der Auswanderung aus Sowjetrußland zurückgegangen. Die Auswanderung aus Lettland selbst ist infolge der Einwanderungssperre in Südafrika, wohin sich die lettländischen Auswanderer hauptsächlich gewandt hatten, seit April fast völlig zum Stillstand gekommen.. Es folgt nun im Bericht ein Kapitel über die Tätigkeit von Hicem in den Durchwanderungsländern, wobei die Arbeiten desDanziger Büros, der Gesellschaft Esra in Antwerpen, der Gesell- _30. Juli 1931 schaft Montefiore in Rotterdam,' des Zentralinformationsbüros in Charbin und des Jca-Büros m Stambul im Einzelnen besprochen werpen.-> Im Kapitel über Einwanderungsländer vöixden folgende statistische Daten mitgeteilt: Die ju- ' dische Einwanderung nach Argentinien ist von 5.986 im Jahre 1929 auf 7.805 im Jahre 1930 gestiegen. Dagegen ist die Einwanderung nach Brasilien von 5.610 im Jahre 1929 auf 3.558. im Jahre 1930 gesunken. Die Einwanderung nach Uruguay ist mit 1.600 auf der gleichen Höhe ' geblieben wie im Jahre 1929. Mach Kanada sind im Jahre 1930 3.963 Juden gegen 3.680 im Jahre 1929 eingewandert. Die Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung für Einwanderer haben sich in, Argentinien im letzten Jahre verschlechtert. Während im Jahre 1929 1.395 jüdischen Einwanderern, die bei der Soprotimis in Buenos Aires registriert warem 954 mit Arbeit versorgt werden kannten, gelang die Arbeitsbeschaffungim Jahre 1930; nur für 853 von den 1.724 Registrierten. In Brasilien wurden im Berichtsjahre von den Komitees in Rio de Janeiro, Sao Paulo und Porto Alegro 2.594 jüdische Einwanderer registriert. Wie in vergangenen Jahren haben sich die Komitees von Hicem in Brasilien bemüht, die Einwanderer über das ganze Land zu vertei- ' len und eine Konzentration in Rio de Janeiro und Sao Paulo zu verhindern, Bon den ungefähr 1.600 Einwanderern, diein Uruguay angekommen sind, wurden 1.110 bei der Soprotimis in Montevideo registriert. Bel der Immigrant Aid Society in Kanada wurden 3.963 jüdische Immigranten registriert. Die Zahl der im Jahre 1930 nach Frankreich gekommenen jüdischen Einwanderer läßt sich nicht genau feststellen, dürfte sich aber auf ungefähr 6000 belaufen. Die Gesellschaft für Unterstützung durch Arbeit (Societe dÄssistance par le Travail- Atij) hat 1.221 Arbeiter (gegenüber 1.729 im Vorjahre) untergebracht. Die Hilfsgesellschaft für jüdische Intellektuelle hat im Verlauf von neun Monaten 506 Personen Stellungen verschaffte Das Pariser Komitee hat außerdem 104 landwirtschaftliche Arbeiter untergebracht. Die Einwanderung nach Mexiko, Chile und andere Länder ist außerordentlich zurückgegangen. Auf Anregung von Hicem wurde eine Enquete über die Möglichkeit einer jüdischen Einwanderung nach Chile abgehalten und ein Komitee in Santiago de Chile mit einer Zweigstelle in Valparaiso gegründet. Wochenkalender.;u. 1. Aug - 8,iAug. 1931 ' n. 18? Ab bis 25; Ab 5691 Samstag Aug: 1 :: an 18 2pS Sonntag 2 19l Montag 3 20 Dienstag 4 '21 Mittwoch 5 22i Donnerstag 6 , . 23 Freitag 7 24! Samstag 8 25* VINN -NN1 Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M<; Inserate i. V.: S. Schach« nowttz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Hermon G. m. b. H., Frankfurt a. M. — Druck: Hermon-Druckerei, Frankfurt a. M. s

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