Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1931)
- Date
- 1931-07-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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30. Juli 1931 Der Israelit Nr. 31 Seite 3 Akademie von Anfang an. Es liegt zu nahe, daß die Schwierigkeiten, die sich hier ergeben, gegen den Begriff der Simultanität überhaupt ausgenützt werden, und es muß mit aller. Entschiedenheit festgestellt werden, daß hier von ihrer wirklichen Durchführung keine Rede sein kann, so daß letzthin sich die Frage ergibt, ob nicht das Ministerium seinerzeit recht daran tat, unter diesen Umständen von der Gründung einer solchen Akademie abzuraten. " Diese Ausführungen zeigen aus alle Fälle, daß durch-die Zulassung von Juden an die Akademie» in Frankfurt das Problem der jüdischen Lehrerbildung auch nicht im entferntesten gelöst ist. Man kann von einem nichtjüdischen Beurteiler natürlich nicht verlangen, daß er von der Natur unserer speziellen Beschwerden einen Begriff hat. Er weiß nicht, daß das, was dem Außenstehenden als eine „außerordentlich eingehende Kenntnis des Hebräischen" erscheint, in Wirklichkeit hinter den minimalsten Anforderungen, die das gesetzestreue Judentum stellen muß, meilenweit zurückbleibt, und er kann auch keine rechte Vorstellung davon haben, wie unmöglich es ist, liberale und orthodoxe Kandidaten gemeinsam auf ihren künftigen Lehrberuf vorzubereiten. Immerhin erscheint für die Beurteilung dieser letzteren Frage eine weitere Aeußerugn Hildbrandts von großer Bedeutung. Er äußert sich nämlich über den Gemeinschaftsgeist einer pädagogischen Akademie wie folgt: „Um so notwendiger wäre die innere Geschlossenheit der Akademie, denn grade in einer so engen Gemeinschaft spricht in ganz anderer Weise als etwa an der Universität das Ge^ >h! der Verbundenheit aller Glieder mit, wenn das Studium eines so verantwortungsvollen Fachs wie der Erziehung sich wirklich fruchtbar und zugleich charakterbildend gestalten soll." Auch auf diesem Gesichtspunkte hat unser Leitartikel vom 9. Juli bereits aufmerksam gemacht. Die pädagogische Akademie kann hinsichtlich der Intimität der voy ihr geschaffenen Lebensgemeinschaft in keiner Weise mit den Universitäten in Vergleich gestellt werden, eher schon mit den früheren Seminaren, bei denen a u ch niemand auf die widersinnige Idee gekommen wäre, ein gemeinsames orthodox-liberales Lehrerseminar zu schaffen. Hildebrandt schließt feine Ausführungen mit der durchaus zutreffenden Feststellung, daß Frankfurt „durch seine Teilstmultanität den konfessionellen Akademien unterlegen ist." Es fehlt hier an der geschloffenen geistigen Haltung, ohne die eine gedeihliche Heranbildung der künftigen Jugenderzieher nicht denkbar ist. der Heilige, gelobt sei er, sei so verfahren, darum heißt es: Diese vierzig Jahre war der Herr dein G'tt mit dir, der letzte Tag war wie der erste Tag." Zu dem in diesem Midrasch (vgl. auch zu Ps 23) ausgesprochene Gedanken scheint nun eine Raschistelle im Gegensatz zu stehen, wo ein Midrasch Tanchuma (vglauch Bamidbar r. Ende onrs) zitiert wird, der sich auf die von Tag zu Tag abnehmende Zahl der Opfertiere am Sukkot bezieht. Raschi sagt dort (4 B. M. 29! 36) folgendes: „Die Thora lehrt Derech Erez. Wer einen Gast hat, gibt ihm am ersten Tag Mastgeflügel, am zweiten Fische, am nächsten Rindfleisch, am folgenden Hülsenfrüchte, schließlich Kraut. Er verringert von Tag zu Tag die Gaben wie die Festopfer am Sukkot." So weit Raschi Was meint er? Während in dem zuerst zitierten Midrasch über den „Brauch der Welt", dem Gast fortschreitend Geringeres vorzusetzen, ein abfälliges Urteil ausgesprochen wird, was ja natürlich ist, scheint Raschi dzw. der Midrasch hier das Entgegengesetzte zu urteilen, da er sagt: „Die Thora lehrt Derech Erez." Zwar hat dieser Ausdruck oft auch die Bedeutung von „Brauch der Welt", aber da es hier heißt: „Die Thora lehrt Derech Erez" (Berachot 61 a), so kann wohl der Sinn nur sein, daß hier eine gute Sitte, ein höflicher Brauch gemeint ist. Die Frage liegt nun auf der Hand, inwiefern hier Derech Erez gelehrt wird. Die Antwort dürfte meines Erachtens folgende sein: Der Derech Erez, der hier gelehrt wird, bezieht sich nicht auf den Gastgeber, sondern auf den Gast. Wenn die Bewirtung eine fortschreitend geringere wird, dann soll der Gast nicht unmutig und undankbar sein, denn G'tt selbst hat ja für sich fortschreitend geringere Opfergaben angeordnet. Hieraus soll der Gast Derech Erez lernen, wenn allmählich die Gaben abnehmen. So scheint mir die Stelle einen ungezwungenen schlichten Sinn zu geben. Prinzipielle Auseinandersetzungen bei der Agency Tagung. Es war von vornherein anzunehmen, daß die diesmalige Tagung der Jewish Agency in Basel recht wenig von dem Schwünge und der Begeisterung erkennen lassen würde, die— allerdings mit sehr verhängnisvollen politischen Wirkungen — die Gründungssitzung dieser Körperschaft vor zwei Jahren auszeichnete. In der Tat war die Szene gänzlich von der tiefen Depression beherrscht, die der völlige finanzielle Zusammenbruch des Ag-ency-Budgets und die schwere politische Gefährdung des ganzen Palästinawerkes bei allen Beteiligten Hervorrufen mußte. Wenn man aber unter diesen Umständen die idealen Momente, die auf dem Zionistenkongreß noch immer eine bedeutende Nolle spielen, ganz in den Hintergrund treten lassen mußte, so sind prinzipielle Erörterungen über die religiösen Fragen, die in den Arbeitsbereich der Agency hineinspielen, doch nicht ganz ausgeblieben. Rabbi Dr. Leo Jung aus Newyork, der, obgleich Agudist, entgegen den ausdrücklichen Wünschen und Beschlüssen des Zentralrates und der K. G. dem Administratio-Komitee der Agency vorläufig angehören zu sollen glaubte, bemühte sich, der Versammlung die Gründe klarzumachen, aus denen die große Mehrzahl der orthodoxen Judenheit die Arbeit der Agency nicht unterstützen kann, Und wünschte erneut die Bildung einer Kommission, die die Zusammenarbeit von Agency und Agudo ermöglichen soll. Wir bedauern lebhaft, daß es Herr Dr. Jung dabei versäumt hat, das Admmistrativ-Komltee der Agency bei dieser Gelegenheit doch einmal mit klaren Worten über die alleinige Grundlage, auf denen solche Verhandlungen erfolgen können, aufzuklären, nämlich über den genauen Wortlaut und über den Sinn der auf der K. G. vor 2 Jahren in dieser Hinsicht beschlossenen Resolution. Ohne die genaueste Beachtung der in dieser Resolution festgelegten Bedingungen, die für die Agudo, da sie vom Rabbinischen Rate stammen, den Charakter eines p pvs besitzen, sind alle Verhandlungen und Auseinandersetzungen fruchtlos. Erfreulich war es, daß der amerikanische Reformrabbiner Samuel S h u l m a n erklärte, er verstehe es sehr gut, warum Agudas Jisroel sich weigere, in die Agency einzutreten. Denn wenn, so meinte Rabbi Shulman, die Agudo dem Zionismus gegenüber kritisch einwände, baß er eine Verweltlichung des jüdischen Volkes bedeute, so sei es darauf keine Antwort, wenn man sage, es Meines Feuilleton. Das rituelle Reinheitsgesetz. Von San.-Rat Dr. 2t. Stern in Frankfurt a. Al. Seit Jahrtausenden geht der Streit darüber, wann im zyklischen Ablauf dos physiologischen Lebens der Frau die Konzeptionsfähigkeit ihr Maximum erreiche. Bis vor wenigen Jahren herrschte die Meinung, daß dies die Zeit unmittelbar vor Eintritt oder nach Ablauf des zyklischen Vorgangs fei. Die Forschungen der letzten Jahre haben mit dieser Ansicht gebrochen: Prof. Knaus an der Universitätsfrauenklinik des Hofrat Knauer in Graz hat aus Grund der in jüngster Zeit eifrig betriebenen anatomischen, biologischen und experimentell-physiologischen Untersuchungen an Vögeln und Säugetieren die Überzeugung gewonnen, daß bei dem regelmäßig-vierwöchentlichen Zyklus der Frau die Konzeptionsfähigkeit auf den 11 ten bis 17 ten Tag (gerechnet vom Eintritt des Zyklus) beschränkt ist und daß ihr Optimum auf den 12 ten Tag fällt. Die zahlreichen Mitteilungen, die Prof. Knaus auf Grund seiner Veröffentlichung zugingen und die von ihm kritisch gesichtet worden sind, haben ihm seine Annahme bestätigt (Münch, med. Wochenschr. vom 27. 2. 1931). Die rituellen Reinheitsvorschriften (6 + 7 Unreinheits-Tage - 12 Tage) kommen dieser neuesten wissenschastlichen Feststellung genauestens entgegen. Im Talmud Rida 31 b spricht es Rabbi Jochanän ganz bestimmt aus: „Die Frau kann nnr konzipieren kurz nach dem rituellen Bad" und Mar- Schemuel, der Arzt im babylonischen Nahardea, die anerkannte medizinische Autorität des Talmuds, legte mit aller Bestimmtheit der Berechnung des Alters einer abgäbe auch einen reliigösen Zionismus.. Bis zur Zeit, da der politische Zionismus feine Siegeslaufbahn begann, habe der G'ttesgedanke im Mittelpunkt des jüdischen Denkens gestanden. Der Zionismus erst habe eine durchgreifende Säkularisierung der jüdischen Gemeinschaft herbeigeführt. Soweit Shulman. Wenn wir uns auch darüber klar sind, daß nicht einmal in puncto G'ttesbegriff Übereinstimmung zwischen Herrn Shulmann und dem überlieferten Judentum besteht, geschweige denn in dem ganzen weiten Bereiche dessen, was ihm und was uns Judentum bedeutet, so zeigt sich hier doch wieder einmal, daß der ganz Fernstehende manchmal ein besseres Verständnis für elementare Wahrheiten besitzt, als Kreise und Gruppen, bei denen man ein solches Verständnis viel eher voraussetzen sollte. Einen höchst bedauerlichen Beweis von dieser Tatsache hat die Rede geboten, die Rabbi Meir Berlin, der Führer des Misrachi, als Antwort auf die Ausführungen von Jung und Shulman gehalten hat und die uns erst jetzt t m Wortlaute vorliegt. Danach hat Rabbi Meir Berlin, wie wir gleich vermuteten, entgegen dem JTA-Bericht nicht die ungeheuerliche Erklärung abgeben, der nichtreligiöe. Jude in Erez Jisi roel sei ihm lieber als der religiöse in Newyork, sondern er hat nur die „ N i ch t r e l i g i ösen " in Erez Jisroel u n d in Newyork miteinander in Vergleich gefetzt und jenendenVorzug vor diesen gegeben. Er hat damit wahrscheinlich sagen wollen, der Freidenker und Gesetzesverächter in Erez Jisroel ersetze bis zu einem gewissen Grade durch seine nationale Betätigung das, was er in religiöser Hinsicht vernachlässigt, während der nichtreligiöfe Jude in Newyork gänzlich der Assimilation verfallen sei. Aber auch dieses Bekenntnis des Misrachi-Führers ist ein tragischer Beweis von der geradezu vernichtenden assimilatorischen Kraft, den das zionistische Freidenkentum auch auf führende Köpfe des Misrachismus ausübt. Weiß Rabbi Meir Berlin nicht, daß nach dem einmütigen Urteil der Größten unseres Volkes das Gegenteil feiner V e h a u p t u n g j ü d i s ch e Wahrheit ist? Denkt er nicht an das unbestrittene Gleichnis von dem tausendfach schwerer zu verurteilenden Verbrechen desjenigen, der den König in seinem P a last e s elber beleidlgt gegenüber dem, der sich dieses Vergehens in einem entfernten Winkel seines Reiches schuldig macht? Tönt ihm nicht das wuchtige Wort des Ramban in die Ohren: •.Tray ’-nw mrx nm# nrx tona» p» Erez Jisroel ist nicht wie ein anderes Land, e s duldet auf seinem Boden nicht die ortierten Frucht in einem aktuellen Fall als Konzeptionstermin' den Tag nächst dem rituellen Reinigungsbad zu Grunde (Rida 25 b). („Belehrung und Mahnung".) Der Verband orthodoxer Rabbiner Deutschlands bittet uns, bekannt zu geben, daß die Mitglieder dieses Verbandes auf Wunsch den soeben erschienen zweiten Teil der Predigten und Vorträge von Rabbiner Dr. Salomon Breuer Belehrung und Mahnung zum ermäßigten Preise von Mk '3.75 (statt Mk. 5.—) für das broschierte und Mk. 5.— (statt Mk 6.50) für das gebundene Exemplar erhalten können. Bestellungen sind an den Schriftführer des Verbandes, Herrn Rabbiner Dr. Merzbach in Darmstadt, Schulstr. 10, zu richten. (Die Konfessionen an den deukschen Hochschulen.) Die deutschen Universitäten zählten laut den neuesten statistischen Angaben im letzten Wintersemester bei einer Gesamtzahl von 130.0772 Studenten 66 Prozent Protestanten, 28 Prozent Katholiken, 4,39 Prozent Juden und 1,55 Proz. Konfessionslose; biotechnischen Hochschulen 72 Proz. Protestanten, 21 Proz. Katholiken, 2,3 Proz. Juden und 4,4 Proz. Konfessionslose. Die deutsche Gesamtbevölkerung setzt sich bekanntlich aus 64,1 Proz. Protestanten, 32,4 Proz. Katholiken, 0,9 Proz. Juden und 2,6 Proz. Sonstigen zusammen. Die Universitäten in Berlin und Frankfurt a. M. haben die meisten jüdischen Studenten mit etwa 10 Proz., es folgen dann Heidelberg und Freiburg. Zigarren Wolf Zeil Tel. Hansa 27930