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Der Israelit · 1931-07-30 · Heft 31 (30.7.1931) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 31 (30.7.1931)
Date
1931-07-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 31 Der Israelit 30. Juli 1931 114 Millionen Rm. Gewinne bei der Preuss. Siidd. Klassen-Lotterie Haupt« und Schluß-Ziehung: vom 8. August bis 12. September L osoreise 1/g 1/4 1/2_^_DopPellos_ LOS preise 25.- so.- 100.- 200.- 400.- RM. Sichern Sie sich ein Los bei der Staatl. Lotterie Einnahme Ernst iejeune sÄssels An- und Verkauf alter Münzen sondern nicht einmal, wenn erfolgt, beachtet werden. Die zahlreichen Selbstbezichtigungen Unbeteiligter in modernen großen Prozessen haben in dieser Vorschrift wiederum das talmudische Recht vollauf bestätigt. Die Psychologie der Neuzeit macht es auch begreiflch, daß ein Eingeständnis in Vermögensstreitigkeiten immer ein wohlbedachter Schritt, ein Krimtnalgeständnis aber ebenso oft ein Akt der überhitzten und irregeleiteten Einbildungskraft ist, — selbst wo geringere Strafen drohen. Die Ablehnung weiblicher Zeugen wird vielleicht bei diesem Problem psychologische Würdigung auch seitens der enragiertesten Demokraten finden. Es soll eben nur das Zeugnis eines mitten im mühseligsten Arbeitsleben stehenden, vollkräftigen, unbeeinflußbaren Menschen gehört werden, wenn es um Menschenleben gilt. Dem Außenstehenden mag es den Sinn der Ablehnung jeder Zeugin näherbringen, wenn er hört, daß eine (allerdings nicht zur Halacha rezipierte) Meinung auch den zur Weltfremdheit neigenden Talmudbeflissenen von der Zeugenschaft ausschließen will, weil er „den Sinn der Menschen nicht kennt" und subjektiver Selbsttäuschung ausgefetzt ist. Außerdem muß von jüdischer Seite das Bestreben unterstützt werden, die Todesstrafe überall da, wo sie trotz Allem unvermeidlich wird, mit vorangehender Betäubung zu vollziehen, die im jüdischen Gerichte durch den „Rohweintrunk" geschah. Der Gedanke einer Vergeltung, welche „die Qual dem Quäler wiedergibt", ist dem Judentum auch im äußersten Falle fremd.. Ein Wiedergeben kennt die Thora nur in dem Sinne, daß dem Geschädigten der Schaden erstattet werden muß. In diesen Blättern bedarf es wohl keines erneuten Hinweises daraus, daß die Vergeltungsvorschrift „Auge um Auge" usw. nach der allein authentischen Interpretation der mündlichen Lehre nicht als Verstümmelungs- Gebot aufzufassen ist, wie es auch , wohlmeinende .Außenstehende in die Thora hineinlasen sondern als Ersatzforderung. Menschen haben zu richten, auch zu strafen, nicht zu vergelten und das Unrecht so zu verewigen. 6. G ' t t a l l e i n v e r g i b t. Er hat den Menschen in seinem Ebenbild geschaffen. Wer mordet, trübt Sein Ebenbild, das Menschheit heißt. G'tt hat auch Menschen, die sein Ebenbild sind, beauftragt, das Blut ihrer Brüder zu fordern aus der Hand ihrer Brüder, die es vergossen. Wo sind Seine Ebenbilder, die so fordern und sühnen können? Das find vor allem die, welche den finsteren und menschenunwürdigen Gefühl der „Vergeltung" selbst gegenüber dem Mörder entsagt haben, — die ihm selbst, falls sie ihm das Leben ab sprechen müssen, das Hinscheiden erleichtern. 7. Wo sind diese Ebenbilder G'ttes? Die sind dort, wo sich (Deut. 21, 6) d i e A e l t e st e n d e r Stadt nach Entdeckung eines Mordes die Hände in Unschuld waschen, ein Sühnopfer bringen und sprechen: „Unsere Hände haben dieses Blut nicht vergossen, unsere Augen nicht gesehen." Nicht als ob man die Behörden einer Stadt einem Mordverdacht unterzöge; sie sollen (Raschi daselbst) nur bekunden, daß sie niemanden ohne Ernährung und ohne Geleit haben weiterziehen lassen. Die Behörde, die über Leben und Tod befinden will, muß G'tt zum Zeugen dafür anrufen, daß sie jedem Bürger und Durchwanderer Hunger und Verstoßung erspart und samt Verzweiflungsta,t Mord oder Selbstmord, unmöglich gemacht hat. Das sind die Ebenbilder G'ttes auf dem Richterthron. Durch ihr Sühneopfer nehmen sie, falls dieses stete Streben einmal mißlungen und doch ein Mord von einem Unbekannten vollzogen, einen großen Teil der Schuld auf sich. Das heißt: Die zum Vollstrecken von Todesurteilen nötige G'ttesebenbildlichkeit haben diejenigen Behörden, welche bezeugen können, daß sie jedem ihrer Bürger Arbeit, Brot und Sicherheit im Lande gewährleistet haben. Ein Dichter hat es im Zeitalter der Despotie ausgesprochen: Um guter Bürger zu sein, darf man nicht Hunger und nicht Mangel an einem eigentlichen Heim leiden. So kennt auch die heilige Sprache nur Ein Wort für „eine Heimat geben" und „zur Besserung bringen": mi heimführen. Darum sagt Ez. 18, 32: „Denn ich will nicht den Tod des Todfälligen, ist der Spruch des Allgütigen und Allrichters; führet heim und lebet!" Wochenrundschau. ■■■■ ' ' m 111 1 1 Aue Stage bet jüdischen VottsfchuNehrervildung in prentzen. Ln der „Vofsischen Zeitung" veröffentlicht Pros. Dr. Paul Hild ebrandt im-Rahmen einer Verichtreihe über die neuen Lehrerbildungsstätten seine Eindrücke von der pädagogischen Akademie in Frankfurt, die im Zusammenhang mit unserem den Gegenstand behandelnden Leitartikel in Nr. 28 unseres Blattes auch für jüdische Kreise von besonderem Interesse sind. Prof. Hildeorandt schreibt: „Die pädagogische Akademie Frankfurt a. M. wurde als erste nicht-konfessionelle Akademie Ostern 1928 gegründet. Sie gilt noch heute in weiten Kreisen als simultan, ohne es zu sein. Vielmehr ist ihre offizielle Bezeichnung ,, ch r i st l i ch - s i m u l t a n " , und auch diese trügt. Es ist nämlich nicht so, daß die protestantischen und katholischen Studenten durch den Besuch dieser Akademie das Recht auf Anstellung an Volksschulen erwürben. Vielmehr hat die katholische Vischofskonferenz ausdrücklich den Besuch von Frankfurt a. M. den Katholiken verboten: für sie bestehen lediglich Bonn und neuerdings Beuchen. Die Folge davon ist, daß den Frankfurter katholischen Studenten die sogenannte Missio canonica, die Erlaubnis zur Erteilung des Religionsunterrichts, nicht gegeben wird, noch weniger einem katholischen Theologen die offizielle Erlaubnis zu Vorlesungen an der Akademie. Es ist also immerhin erstaunlich, daß im Sommersemester 1930 sich gegenüber 109 evangelischen noch 21 katholische und Ostern 1931 unter weiteren 56 evangelischen 13 katholische Studenten befanden. Bei ihrer Unterbringung wird es sich zeigen, daß die Haltung der katholischen Kirche ihr selbst große Schwierigkeiten bereiten wird. Es sind im ganzen 12 Inden an der Akademie zugelassen, aber kein hauptamtlich angestellter jüdischer Dozent. Von den jungen Leuten wird im Interesse ihrer späteren Verwendung im Kultus eine außerordentlich eingehende Kenntnis des Hebräischen verlangt, was in manchen Kreisen dahin ausgelegt wird, daß die liberaljüdischen Kreise nicht in gleicher Weise berücksichtigt werden wie die orthodoxen. Die Annahme endlich, daß Dissidenten nur in Frankfurt a. M. Zugang zur Akademie fänden, ist irrig. Auch an den protestantisch-konfessionellen Akademien können sie studieren. Unter diesen Umständen sind gewissermaßen „vollberechtigt" nur die evangelischen Studenten. Selbstverständlich bedeutete das eine schwere Belastung der Zion. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Sabbat für Sabbat hören wir jetzt das Wort des Trostes und der Aufrichtung. Nachdem die dumpfen Klänge der Trauer verhallt, erleben wir es immer von neuem, wie sich da an uns erfüllt: „v2vmrr'23a 12iva iva v'r» Gleich der Befeligung eines, den die Mutter tröstet, will ich euch trösten." . . . Zion im Mittelpunkte unserer Trauer, Zion aber auch der Quell unserer Hoffnung und Zuversicht! Was Großes und Edles wir ersehnen und herbeiwünschen, all' das knüpft sich uns an den Namen Zion. Der Glanz der heiligen Stätte, ihr Wiedererstehen zu neuer Pracht und Herrlichkeit, wie die Propheten im allgemeinen und der redegewaltige Jesajas im besonderen für unsere Zukunft es verheißen, bedeutet uns die Verwirklichung unseres Traumes von dem Sieg des G'ttesgedankens auf Erden und der Erleuchtung der Welt und der Läuterung und Veredelung der Menschheit. Wie hebt sich unsere Seele, jauchzt unser Inneres, wenn Jesajas wunderbares Wort voll Kraft und Innigkeit an unser Ohr schlägt: ,,'w2v mi "7 ran? px 2»am Wohl spricht Zion: G'tt hat mich verlassen, vergessen hat mich mein Herr! — vergißt aber eine Frau ihren Säugling, daß sie sich nicht erbarmte der Frucht ihres Schoßes? Auch die mögen vergessen, ich aber, ich vergesse dich nicht, i'vpn erso L?y in T’»n 'Ui i'vmn Siehe, auf beide Handflächen habe ich dein Bild gezeichnet deine Mauern sind mir stets gegenwärtig. Deine Söhne eilen schon herbei, — und deine Zerstörer, deine Zertümmerer, werden von dir weichen, 'i 0x2 ->itaa isaps ea^ia -,tm -p'V mo '«v ö»*wpjn mbn »aya oha »a Hebe rings deine Augen und sieh, alle kommen sie vereint zu dir. „So war ich lebe." spricht G'tt, „sie alle umkleidest du dir als Geschmeide und schmückst dich mit ihnen wie eine Braut!" Wie der belebende Tau auf die dürre lechzende Flur so erlabt und erquickt dieses Prophetenwort die Stammesseele Israels. Mit unzähligen Banden der Liebe und Sehnsucht ist sie verknüpft mit dem Lande unserer Verheißung. Dessen Größe, Erhabenheit gilt unser Hoffen und Wünschen. Was wir jetzt auf dem durch unsere Vergangenheit und durch unsere Zukunftshoffnung geweihten Boden erleben, läßt uns oft erschauern und erzittern ob der rauhen Wirklichkeit, die zu sehr das Ziel uns in die Ferne rückt. Hier aber in dieser Jesajasrede ist es uns doch klar gesagt: „Deine Kinder eilen herbei, — die aber deine Zerstörer, deine Zertrümmerer (d. h. die Vereitler deiner Hoffnungen) sind, werden von dir gehen." Sie werden aufhören, an den Grundfesten deines Glaubens zu rütteln, sie werden zur Selbstbesinnung kommen, daß sie am Ende Zions Schmuck werden in ihrer Liebe zu G'tt und seiner heiligen Lehre und in ihrer Begeisterung und Treue für die ruhmgekrönten Stätten unserer Sehnsucht. Diese prophetische Verheißung richtet Mutter Israel aus ihrem Schmerze und ihrer Kümmernis empor, und sie sieht mit geschärftem Auge auch in der düsteren Gegenwart manchen Lichtstrahl, der hineinfällt in die finstere Nacht des Golus, sie aufhellend und verklärend Die Einmütigkeit in der Abwehr der unserem Sabbat drohenden Gefahren, wie die Verpflichtung, die mehr denn je gerade in unseren Tagen weite Kreise fühlen, zu positiver Arbeit im Dienste der Sabbatgetreuen birgt reichen Trost und erfüllt mit neuer Hoffnung. Und sehen wir erst, mit welcher Begeisterung viele unter großen Opfern jetzt zu den Pflanzstätten unseres Judentums im Osten, zu den ehrwürdigen rYn'v hinpilgern, um ihre und unser, aller Verbundenheit mit denen, die für die Ewigkeit unseres Judentums und unseres Volkes streben und schaffen, zu bezeugen, dann wächst unser Lebensmut und unsere Hoffnung, und wir verstehen und wir beherzigen das heilige Thorawort: naon pan bv 'j?üa '2 m 7,2221 vsavi vi>aai Wenn du ißt und dich sättigst so sollst du als Segenspender anerkennen den Ewigen deinen G'tt für das gute Land, das er dir gab." ... An b^w ps, an das uns verliehene Land sollen wir in allem und jedem denken, für dasselbe immer von neuem dem Herrn danken, das bleibt uns ewige Weisung. Je mehr wir in G'tt unfern Schirm und Schutz.. den ewigen Segenspender verehren, desto mehr machen wir uns würdig, daß wieder Zion Sitz der G'ttesherrlichkeit wird und wir es schauen, px 'a ow '2 daß G'tt getröstet hat Zion. . . . Eine Raschistelle. Von Rabbiner Dr. Kaatz in Hindenburg O. S. Am Anfang des fünften Buches Moses bringt Ialkut Nr. 808 einen Midrasch, der zu dem Satze 222 n2vn (5 B. M. 2. 7) folgendes bemerkt: „Nach dem Brauch der Welt ist es, wenn man einen Gast hat, fö: Am ersten Tag schlachtet er für ihn ein Kalb, am zweiten Tag Hühner, am dritten setzt er ihm Hülsenfrüchte vor, am vierten noch Geringeres, die Bewirtung des ersten Tages gleicht nicht der des letzten. Man könnte nun meinen, auch

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