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Der Israelit · 1931-07-23 · Heft 30 (23.7.1931) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 30 (23.7.1931)
Date
1931-07-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 30 Der Zsrakktr 23. Juli 1931 Warum in die Ferne? ... Bad Brückenau, 15. Juli. Es gibt welche, für die Ferien und Ferne nicht nur lautverwandte Worte, sondern unzertrennliche Begriffe sind. Kombinierte Fahrthefte müssen eine Unzahl von Kilometern ausweisen, Tafeln an den Stationsgebäuden Höhenrekorde über See. Man muß einen langen lieben Tag durch ödes Land, das Flügel von Windmühlen noch einsamer machen, fahren, um ans offene Meer zu gelangen. Warum aber in die Ferne? Muffen es gleich brausende Wellen und springende Fluten sein; können nur Gletscher und weiße Bergspitzen unser müdes Herz erfreuen; muß es unbedingt Neuschnee zum Frühstück und Alpenglühen zum Abendessen sein, wenn unsere Nerven nach Anspannung eines Jahres ein wenig zur Ruhe kommen sollen? Hier liegt eine Talmulde zwischen bewaldeten Hügelketten yingestreckt, wie sie in dieser einzigartigen stillen, unaufdringlichen Schönheit und Lieblichkeit kaum anderswo zu sehen ist. Und gerade wer von der Welt und ihren ragenden und rauschenden Wundern etwas gesehen hat, wird von dieser stillen keuscyen Pracht zwischen Berg und Baum bis ins Innerste gepackt. Warum also in die Ferne? . . . Alles verwandelt sich in diesem Farbenksssel der Natur in Freude und Lieblichkeit. Stahl und Schwef e l verlieren ihren harten Klang und ätzenden Geschmack. Sie bieten sich, weitweg von Dolch und Pulver, als Heil und Heilung. Seine Stahl- und Schwefelbäder sind der Ruhm Brückenaus. Was eine gütige g'ttuche Natur in dieses Tal an blühender Schönheit hineingegossen hat, ist grandios. Was der Mensch dazu hineingebaut hat, ist nicht viel, paßt sich aber der Natur an. Alles steht anmutig und zweckmäßig da, wie mit den Quellen dem Boden ent-. sprungen. "Baumreihen, gut gepflegt, stehen von einem massiven Kurhaus, zu dem breite Steinstufem einer Freitreppe wie zu einem Schlosse hinaussühren. Eine Trinkhalle, mehr eine große Glasveranda voller Palmen, fügt sich ins Bild genau so harmonisch ein, wie das „Palais" des Herrn Badekommissar und das Tempelchen, auf dem der Herr Kapellmeister seine Sprelerschar meistert. Gemächlich plätschert die Sinn durch den grünen Wiesengrund und flüstert ihre Geheimnisse ins Wogen der grauen, bald schnittreifen Kornfelder hinein. Ein Kirchlein am Hange ruft mit dünnem Glöcklein ins Tal hinab. Die Böschung hinauf faucht das Züglein wie km; Cj rtftrtrtw nm/in OfWfMtlrtfttlfrtff. i/4\C n¥Yff \ Deutsch von 1931: Halb besoldeten — aus, bei denen« aufs Schiff gebracht werden, weil sein Visum abgelauder vielprozentige Gehaltsabzug nacht gerade mildernd I fen ist." auf den Prozentsatz von Zucker und Eiweiß gewirkt hat. j Dies nun ist die Geschichtedes jungen Mannes: Er Gar zu viele sind es heute, die sich mit „Heimurlaub" — j fuhr vor Pejsach auf Grund enes Touristenvisums nachmehr als vier Wochen lang — abfinden müssen. Ihnen, j Palästina, um seinen Bruder in Jerusalem zu besuchen, allen wünschen wir, daß sie schon nächstes Jahr hier j Da sein Bruder ihn in seinem Betriebe verwenden konnte, die Erholung von den Anstrengungen einerfwünschte er, dauernd zu bleiben. Eine Woche vor Ab- Hochkonjunktur suchen und finden ... jlaus des Visums erkundigte er sich auf dem Büro der Denen aber, die auch dieses Jahr an der blauen Adria f Zionistischen Exekutive, auf welche Weise er einen Dauer¬ oder in Wolkenhöhe Heil und Heilung suchen zu müssen aufenthalt erwirken könne, und er erhielt die Auskunft, glauben, möchten wir aus dem schönsten aller Heimatvorerst nichts zu unternehmen. Kurze Zeit später wurde lichen Täler mit den besten jüdischen Lebensmöglichkeiten zurufen: Warum in die Ferne? . . Und noch mehr denen, die wohl den Weg, hierher ins Tal finden, aber nicht kn eines der beiden, herrlichen jüdischen Heime; die sich — das gilb in noch weit höherem Maße für Kisskngen, Oberhof und andere deutsche Bäder — mit ihren dreimal jüdischen Gesichtern gegen viel teuereres Geld, bei weit schlechterer Behandlung, in anderen Hotels über die Achsel schckuen lassen, rufen wir zu: Warum, in die- Ferne - , . Die Zerstörung des dritten Tempels. Aus dem Hebräischen kracherzählt - von . . - Und es war in den Tagen, da der ' Kaiser Jrrliari regierte, daß in Jerusalem, ein Pascha wohnte, örr ein gar gutes Herz, hattevoll von Erbarmen für alle Menschen, und den Juden erwies er sehr viel Gutes. Dieser Pascha hob alle die harten- Beschlüsse und. ehernen,. Gesetze auf» die ns&bem. ih.bßtti; fianöe bestanden und: schuf große Erleichterungen für' die Juden. Eines Tages faß der Pascha in seinemPalastL und sann darüber nach, welche Wohltaten man. den Bewohnern des heiligen Landes wohl noch erweisen könne, damit sie sich glücklich m dem Lande fühlen solltem Da gedachte der Pascha criT öer Ehre und Herrlichkeit Israels in den früheren Zeiten,, und er faßte den Entschluß, den Tempel der Juden wieder aufbauen zw lassen, nach dem Bilde des Heiligtums in den Tagen Esrasp des Schreibers und Serubabels Schealtrels Sohn; ach daß die Söhne Israels jauchzen, und sich freuen sollten:. Der Pascha ließ also? die Häupter der-Jüdischen Gemeinde vor sich tommew: und» erzählte ihneu> was er zu re« 74 das Eiaeniümlicbe und Bezeichnende an die-- Da ließ der Pascha im ganzen Lande-den Befehl er-!°m In ch-n ÄSÄ d°ß |S «ffernem fl«!»": ..Jeder, denM-^te«. -m WWau d«Tte- «echten Platze steht, könnt- « gar nicht anders sein,! pel-, der «ud« ,» b-ls«. dmme ,u mwl dem '°LZ7°ck°°'d--""Bad°- '"diente"* ' JtidjfcT ffi!^4 “bas »alk sMe SpenM de^Schatz die paradiesische Musiom Kein G-,chäst-b°M°bZd°r I de- Heiligtum-, jeder, dem, ftm H-rz -mgab zu spenden 8»alter"schlte«°'°Kredite —"SSam fu^nur um Sirt» Da bestelle dm MschaWEer und geschickt- Kiinst. Wfrebit im Lase handeln - werden nicht g-künditz?.,ler. die in der Aussiihrmm «rer Baute »enmndert wa. D'° TrrÄMÄ* SÄE L L LegLre^!W «eit: gar -Ewate die Vardereitungen, , oben vor dem Schlosse, sie alle gehören dazu. Krieg,! Im Himmel droben aber rechnete man ihnen ihr Nachkrieg Reparationen, Hoooer, Notverordnung, Bank- Beginnen als Sunde, unb eine gttl,.che Stimme ertönte « .. _j. _rr*.-r„ aus der .frohe: er mit seinem Paß ins Regierungsgebäude bestellt und dort wegen des abgelaufenen Visums verhaftet und gefesselt ins Gefängnisgebracht. Dort saß er acht Tage, dann erschienen des Morgens — noch vor dem Frühstück — zwei Gendarmen mit geladenem Gewehr und führten ihn gefesselt zur Bahn. Äls ich den jungen Mann — er ist Absolvent der Kölner Handelshochschule — sprach, war es abends sechs Uhu, und er hatte den ganzen Tag weder Essen, noch Trinken erhalten. * Heute berichtet die hebräische Presse, daß ein, 72jähriger Jude sich mit Petroleum übergoß und dieses anzündete, um wenigstens in Palästina zu sterben, da ihn jöie Regierung nicht im Lande seiner Ahnen leben lassen «will. Der Mann hatte dreißig Dunam Boden gekauft, [Darauf Haus und Stallung errichtet und auf diese Weise 7.28 Lst.. (— 15.000 Mk.) investiert. Nun lautet die Grundbucheintragung auf den Namen der Verkäuferin, einer jüdischen, Bodengesellschaft; die Regierung verlangt aber bis zum 1. August Umicyreibung auf den Namen des Käufers ober Nachweis eines Barkapitals von nicht weniger' als tausend Pfund. Der alte Mann fürchtete, dem Verlangen bis zu dem bestimmten Datum nichk Nachkommen zu können, und' er legte darum Hand an sich, * Beide Fälle sind durch den starren Wortlaut der von der Regierung erlastenen Verfügungen veranlaßt worden: Immerhin zeigen sie, wie wenig man heute. Palästina ein, Nationalheim des jüdischen Volkes nennen kämrr * In welch andere Atmosphäre persetzen dagegendie Worte, die öer bekannte General Freiherr von S ch o e na i ch in das Fremdenbuch des Hotels „Hadar Hacarmel" eingetragen hat! „Es geht vorwärts in Palästina. Ich wünsche von Herzen, daß die zähe Willenskraft der Juden eine bessere Welt schaffen möge. Dr. h. c. Freiherr' von Schoenaich, Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft. Haifa 27., 28. 3. 1931." Wenn so vorwärtsgeht; so ist es eben nur die zähe Willenskraft der Juden, die sich gegen alle Widerstände durchsetzt: krach, — hier ist noch alles wie am ersten Tage Der etwas steil gebaute Kurdisnsr non nnbeftinnntem Alter präsentiert schon beim ersten Frühstück des Neuankömmlings die Kurkarte mit einer Grandezza, als aus der Höhe: „Nicht geschickte - Künstler werden das Haus des Allmächtigen G'ttes bauen, Nicht die Vornehmen des Volkes werden feinen Bau beaufsichtigen. G'tt hat nicht Wohl-- gefallen an den Spenden der Reichen des Volkes, vielwollte er sagen: „Wußte schmr. Sie Kommen wieder! ^ein Wille, daß das ganze Volk'einmütig sein UNO Ct tDCUl "ULY! C\öil'tnfirtYT ftmtof ft?o fritharorr rmtrftrm nifcv Wer einmal bei uns war -goldenen Sonne auf den leuchtenden G^p,eln:,: Das haben wir feingemacht!" Der alte gute Bott mit feinen schneeweißen Schnurrbartbüschen verfolgt dich genau wie dazumal mit seinem überfchuuerten Apparat wie dein eigener Schatten. Aufnahme"? Er hatte bereits deine Großmutter mit Der hohen Frisur unter dem steilen Blumenhut vor vierzig Jahren am gleichen Steinblumenpostament pho- ^Und^der Blechschutzmann, der am Eingang des Kurnartens mit dem rechten Arm den rechten Weg zeigt, er bat unter der Zeiten Stürmen stark gelitten, aber er hat Kaiser und König in Deutschland und Bayern uberroas diese Perle im Rhöntale zu einer jüdischen Perle macht, das sind die zwei jüdischen Hotels, wie sie auf keiner Vergeshöhe, an keinem Meeresstrande, in keinem Weltverkehrszentrum beper und^fachmannischer aeführt werden können. Tüchtigkeit, Fleiß, Fachkenntnis guter Wille und wahre Liebe zum Werke wirken zusammen, dem Kurgäste mehr als nur eme Gastumim . » /•r. hmn iiihtfrhen ^ur= (keile ' Heiligtum baue! Auch die früheren Tempel wurden aus ' den Spenden des- Reichen erbaut und hakten keinen Bestand. Alle sind sie gleich und zu seinem Aufbau verpflichtet!" Und ein Sturmwind erhob sich plötzlich, der alle die am Bäu arbeiteten, zu Boden warf und tötete: Und ein Feuer ging von G'tt aus und verzehrte das ganze Baumaterial, das man herbeigebracht hatte. Kleine Erlebnisse. Bon Saly Geis in Tel-Awiw. Kleine Erlebnisse werfen häufig, Streiflichter auf bedeutsame Tatsachen und. Probleme . . . * Ich steige in Ludd in den Zug nach Haifa. Der große Waggon ist ein einziger luftiger und schöner Raum, in dem die Koffernetze nur an den Fensterseiten ange- .bracht sind und so der gesamte Raum dem Blicke frei Lütte zu bieten, nämlich ein Heim; dem jüdischen Kuri bleibt, fremden auch in jüdischer und religiöser Beziehung em j aftCr Mann osteuropäischer Herkunft fühlt sich Stückchen Heimatboden zu geben. Zwei Häuser und j^u mjr hingezogen, da ich gleich ihm ein Käppchen trage, eine Gemeinde. Konkurrenzunternehmen? Würden alle j fragt nach meinem Ursprungsland. Auf meine Aus- Staaten und Völker Europas, alle gegensätzliche Faktoren! funft erhalte id) bie fdjon öfters gehörte Antwort: volitischen und Parteileben sich das friedliche edle „Wenn sie in Deutschland fromm sind, dann sind sie Wettrüsten dieser zwei iudrschen Gaststatten zur Befr edl- - der Mägen und Befriedung der Seelen zum Muster 'hätten keine geschlossenen Bankschalter und :V von Notverordnungen, von denen der Weg hierher gepflastert ist. -uer viele von den „alten Brückenda sind. Ein gut Teil der Kurlisie fülecht fromm." Der Mann hält es nicht lange bei mir aus. Er erspäht im hinteren Teil des Wagens zwei arabische Gendarmen als Bewachung für einen mit Handschellen gefesselten jüdischen Jüngling. Er geht also hin, um sich nach dem Verbrechen des harmlos aussehenden .Gefangenen zu erkundigen. Schnell ist er wieder bei mir und ,t Beamten und „Festbesoldeten" — im «berichtet: „Er ist ein deutscher Jude aus Köln; er soll' Das Hotel „Hadar Hacarmel" des Wieners Hermann Groß, eines gebildeten, mit ganzem Herzen orthodoxen Juden, verdient Worts warmer Empfehlung. Doch man braucht yiea nur das Fremdenbuch reden zu lassen. Sa schreibt Hermann Struck, der von der Läge des Hotels sagt, sie müsse „jeden für Naturschönheit empfänglichen Menschen mit höchstem Entzückenerfüllen," u. a.: „Die gan$e Führung des Hauses — sowohl in Bezug auf die vorbildliche Sauberkeit, wie auch auf die vorzügliche streng rituelle Verpflegung befriedigt auch den anspruchsvollen Touristen." Der bekannte Journalist C. Z. Klötzel schreibt: Im Hotel Hadar Hacarmel habe ich den ersten „Taam" von Palästina erhalten." Alle Eintragungen sind voll des Lobes. Von bekann-1 ten Namen seien noch erwähnü der zionistische Politiker! Robert Stricker-Wien, Prof. G i n z b e r g-Newyor>, Ehestedakteur Albert Weiß-Brünn, Dr. David Ale a l e y-Belgrad, der Berliner Dichter Albert Ehren-! stein, der Geiger Brvnislaw Hubermann, der? Schuldirektor Prof. Dr. Elias Fink -Frankfurt a. M.,? der Pariser Maler Marc Chagall und Dr. Bsrnards Hausner, der Handelsbevollmächtigte Polens in Pelästina. * Ich lerne Raw Marcus, den Oberrabbiner vo" Haifa, kennen. Ein schöner, weißhaariger Mann ml« ympathischem, klugen Gelehrtengesicht steht vor mir. „Vor 27 Jahren war ich in Deutschland. Ich habe besonders Samuel Straus und Dr. Israel Roos kennen gelernt. — Lebt Dr. Roos noch?" Diese Frage nach einer seit 18 Jahren nicht mehr unter den Lebenden weilenden bekannten Persönlichkeit der orthodoxen Judenheit dürfte zu denken geben. Ich habe hier in Palästina immer wieder die Erfahrung gemacht, daß die aus Osteuropa stammenden Thoragrößen zu wenig Fühlung zu den Ereignissen der Gesamtjudenheit und zu der revolutionären geistigen Entwicklung der gegenwärtigen Welt, die aus die Situation in der Indenbeit überau stark einwirkt, besitzen. Es wären daher einige studierte, in Westeuropa gebildete orthodoxe Rnbj biner in Palästina nötig, deren Aufgabe es sein müf^' die erwachsene Jugend um sich zu sammeln. Diese Jugend erliegt dem sogenannten Zeitgeist, weil sie keine Führer zu sehen wähnt, die den Zeitgeist und das Judentum kennen.

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